Bericht 74: Hubertus Steingais
Bereits ab dem 29. Mai 2010 konnte ich mich auf einen Steingais Abschuss freuen, denn das Losglück stand mir bei.
Im zweiten Anlauf zog die Glücksfee meine Startnummer.
Mein Wunsch den Abschuss im Gredetschtal machen zu können, wurde mir von der Jagdbehörde genehmigt, somit war ich öfters in meinem Lieblingstal unterwegs um Ausschau nach einer geeigneten Steingais zu halten.
Bevor der Hitzesommer anfing konnte ich bald jedes Mal Steinwild beobachten, dann hatte ich aber eher selten mehr Fahlwild im Anblick, auf  1700 bis 1900 m ü. Meer war es zu heiss für das Wild, sie sind im Hochsommer halt in der Gletscherregion.
Noch am 20.08.10 kontrollierte ich abermals die steilen Hänge im "Gredetsch" ob nicht doch eine passende Steingais zurück gekehrt wäre, nichts zu machen.
Gamsrudel bald auf jedem Buckel aber Steinwild Fehlanzeige.
Da das "Gredetschtal" praktisch ohne Handynetz ist, verwunderte ich mich schon, als das Ding anfing zu summen.
Der Glückpilz der mich hier erwischte war ein Südtiroler, Markus Agostini vom Pustertal.
Nach kurzer Unterhaltung wünschte mir Markus Waidmannsheil für den morgigen Tag.
Gegen 22.00 Uhr war ich dann wieder im Netzbereich und konnte somit, mit dem Hilfswildhüter Egon Kontakt aufnehmen.
Egon schlug mir vor von Mund aus via der "Honegalp" zur Schildlücke zugelangen um dann von Dort hinunter ins Gredetschtal zu gelangen, was ganz sicher ein Tagesmarsch ausmachte.
Ich war einverstanden, denn Egon kannte diese Bergregion bestens und wusste ebenfalls wo sich das Steinwild aufhielt.
Der Wetterfrosch hatte schönstes Postkartenwetter vorausgesagt.
Wir verabredeten uns für 04.40 Uhr in der Tanne, so konnte jeder noch einen Kaffee geniessen.
Ich aber musste noch nach Hause um meine Jagdrucksack usw. zu packen.
Morgens um 03.50 Uhr schepperte der Wecker neben mir, na dann los auf die Füsse.
Wie abgemacht erschienen nach und nach meine Jagdfreunde im Cafe, nachdem sich zwei schon im voraus abgemeldet hatten, entschuldigte sich um 04.05 Uhr ein weiterer Jagdgast.
Mit dem Hilfswildhüter waren wir zu Neunt, plus 2 Hunde. Da das Steinwild nicht gerade scheu wie die Gams ist war die Anzahl Begleiter so wie die Hunde auch kein Problem.
Mit grosser Spannung wurde nach kurzer Autofahrt nun der Rucksack geschultert, wann würden wir zurück bei unsern Fahrzeugen sein, mit Steingais oder erfolglos?
Bald einmal bildeten sich kleinere Grüppchen, hie und da ein lachen, so soll es sein, wir waren ja noch mitten im Wald, als wir nach einer halben Stunde zügigen Marsches die "Honegkapelle" erreichten wurde es zunehmend stiller, in den felsigen Hängen könnte jetzt Steinwild stehen.
Der recht breite Alpweg führte uns immer wieder durch Gräben, ein Gamsbock suchte das Weite als wir um eine weitere Kuppe  kamen. Das Gelände glättete sich nun wieder und Egon meinte, dass wir jetzt in der nächsten Stunde wohl kein Steinwild in Anblick bekämen, meinte aber noch es könne auch Ausnahmen geben.
Als wir auf einem Buckel zu stehen kommen, hatten wir Gäms in Anblick, zwei Gaisen mit zwei Jährlingen. Egon meldete sich, da steht noch eine Steingais wenige Meter daneben. Nach kurzem Hinweis konnte ich ebenfalls eine recht gute Gais mit dem Glas beobachten.
Die Gams hatten uns erspäht und flüchteten, die Steingais machte keine Anstalt um in Sicherheit zu kommen. Die Gais stand  gute 270 m unter uns, jedoch wie eine Scheibe.
Egon schlug vor, dass wir auf den unteren Weg gehen sollten. Das war mir recht so, um aus dem Blick der Gais zu kommen pirschten  wir zu Dritt weiter Tal einwärts. Der Rest der Gäste sollte auf dem Buckel verbleiben, so hatten Sie die Aufmerksamkeit der Gais.  Nach wenigen Metern konnten wir ungesehen hinab auf den Weg und pirschten uns zu einem grossen Lärch, bald hatten wir die Gais wieder im Anblick, immer noch stand Sie da wie angewurzelt.

Wir machten uns klein, wie sollte ich in diesem Gelände eine Schussposition finden. Ich setzte mich hin und versuchte auf meinem Rucksack den ich rechts neben mir hatte eine Auflage zu basteln. Das absehen konnte ich wohl auf die gewünschte Position bringen, aber meine Ellenbogen fanden keinen rechten Halt. Egon gab mir die Steingais frei, er meinte wenn sie Führend wäre, würde der Gitz jetzt bei Ihr zustehen. Josi schob mir seinen Rucksack unter den Abzugsellenbogen, ja so passte es.

Nach einer weiteren Kontrolle, nochmals durchatmen. Schon zerriss die Explosion des Pulvers die morgendliche Stille, als mein Blaser wieder ruhig auf dem Rucksack lag, konnte ich sehen wie die Gais zwei Fluchten nach vorne machte und im Graben verschwand. Noch im Echo der Detonation wünschten mir Egon und Josi Waidmannsheil.
Nach kurzer Wartezeit, stiegen wir hinab zum Anschuss. Bald einmal wurde Schweiss  gefunden, jetzt stellte sich die Frage wie weit das Stück den Abhang hinab gerutscht ist. Nach wenigen Metern sichteten Egon und Sebastian gleichzeitig die Gais, die in einem Wacholderstrauch stecken geblieben war, ansonsten wir Sie wahrscheinlich an die 200 M weiter Unten hätten suchen müssen, denn in der steilen Bergwiese war sonst kein Hindernis dass die Talfahrt gebremst hätte.
Mit einem freudigen Juchzer löste sich endlich die innere Anspannung.
Die Kugel war etwas kurz geraten, sass aber immer noch im guten Bereich.
Nachdem ein Erinnerungsfoto gemacht wurde, hatte Josi endlich die Ehre für mich ein Stück auszunehmen.
Nun fing die Jagd erst recht an, die Bergung der braven Gais. Wie steil es ist merkt man erst wenn 34 Kg von Oben drücken, abwechslungsweise wurde die Beute hinauf getragen, nicht ohne die eine oder andere Neckerei  die den Jeweiligen zu ein paar Metern weiter keuchen motivierte.
Habe der Gais bereits um 07.10 Uhr die Kugel angetragen. Der Eine oder Andere war sichtlich froh, dass die Jagd bereits nach einer Stunde erfolgreich zu ende war.
 
Die Gais wog ausgenommen 33.60 Kg, länge der Schwerter 26 und 27 cm Auslage 23cm. Alter 10 Jährig.
 
Zurück bei der Honegkappelle wurde der Gais durch den letzten Bissen die Ehre erwiesen,  für unser leibliches Wohl wurden nun der Rucksäcke geplündert.
 
Im Tal unten wurde nun für das Mittagessen gesorgt, wie abgemacht konnten wir uns mit Grilliertem, Salaten und so weiter den Bauch voll schlagen.
Langsam wurde es auch lauter, Wein , Bier und Schnaps zeigten langsam die Wirkung. Mit Witzen und Jägerlatein wurde der fantastische Tag genossen.
Meinen herzlichsten Waidmannsdank geht an Renes Frau an Erika und Michi die uns bestens mit Speis und Trank verwöhnten.
Sowie an (Fuchserkollege) H. Wildhüter Egi
 
Weidmannsheil  und Waidmannsdank für dieses Erlebnis




                                                                                                                           Bericht und Fotos: Kari Schmid  
 

nach oben