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Im
Letzten Jahr war nun endlich mein guter Jagdkollege Ralf aus
Deutschland meiner Einladung gefolgt und hat bei uns auf dem
Bauernhof ein paar Tage Urlaub als mein Gast verbracht. Mit
dabei war natürlich auch seine Liebe Frau Jutta und die drei
Kinder. Letztere sind altersmäßig so ungefähr wie meine drei
Kleinen und haben sich auf Anhieb prächtig verstanden. Weil sich
deren Eltern bei einem Glas Eigenbau ,oder einem kühlen Hefe am
Abend auf der Veranda auch nicht ganz unsympathisch waren, haben
wir das alles auch heuer wiederholt. Natürlich wird bei solchen
Begegnungen zu später Stunde nur noch ein Thema
besprochen...“die Jagd“ und alles was dazugehört.
Als unser gemeinsamer Urlaub dann
fertig war und ich mich im August wieder voll mit meiner Arbeit
beschäftigte, klingelte mein Handy und dran war der Ralf .
„Christian, du musst unbedingt kommen...unzählige Böcke treiben
im Moment in meinem Revier und die Sauen nehmen jede Nacht die
Kirrungen an“! Wie üblich lass ich mich für solche Ausflüge viel
zu leicht überreden...aber was solls :-)
Wir
verabredeten uns aber erst fürs Wochenende damit ich
arbeitstechnisch noch alles auf Vordermann bringen konnte. Der
Freitag nahte und meine Liebste und ich starteten gemeinsam
Richtung Koblenz. Am frühen Abend kamen wir im Jagdhaus an und
nach einer dicken Umarmung gab es erst mal Kaffee und Kuchen.
Neben dem Jagdherrn selbst und seiner Familie waren auch noch
einige Jagdkollegen vor Ort, die
Unterhaltung war riesig. Als wir mit der Kanzelzuteilung fertig
waren ging es endlich auf ins Revier. Elisabeth, meine Freundin,
war von dem ganzen Jägererzählungen so angetan das auch Sie mit
raus wollte. Eine Stunde später saßen wir beide an einer
Waldecke mit Einblick auf eine kleine Wiese und einer Kirrung.
Bereits schon früh besuchte uns eine Dachsfamilie und versuchte
an den für die Sauen abgelegten Mais unter den Steinen zu
kommen. Es war hohe Blattzeit und immer wieder fiepte ich.
Zuerst verhalten und dann etwas energischer in alle Richtungen.
Dann plötzlich kam ein sehr starker Rehbock direkt auf uns
zugesprungen und wir saßen wie versteinert vor Aufregung. Leider
war es ein junger Bock, aber Elisabeth war froh das ich ihn
laufen ließ. Ziemlich spät hörten wir auch noch eine Rotte Sauen
anwechseln welche sich aber nicht an die Kirrung traute.
Um 23 Uhr war das wenige Licht
alle und wir Fuhren zurück zum Jagdhaus wo die anderen Jäger
bereits neugierig und gespannt auf uns warteten. Nach reichlich
Bier ging es dann um halb 3 ins Bett aber bereits um 4 Uhr
klopfte der Herr Beständer an unsere Tür, mit der Bitte mich
fertig zu machen für den Morgenansitz. Elisabeth durfte im Bett
bleiben denn der Ralf wollte mich an einen Sitz begleiten den
ich nicht kannte. Seinen Angaben zu Folge würde dort ein reifer
Bock stehen welchen seine Jungs, durch sein schief nach hinten
stehendes Gehörn „Gamsbock“ getauft hatten. Es war ein
glasklarer Morgen und es war frisch. Es war noch dunkel auf der
offenen Kanzel und mir vielen immer wieder die Augen zu..... Als
es hell wurde konnte ich in einer Nussbaumplantage unterhalb der
Wiese auf ca. 250 Metern ein Reh ausmachen. Bereits beim ersten
Blick durch sein Fernglas bestätigte mir Ralf den Besagten und
ich machte mich Schussbereit. Die Auflage war traumhaft, das
Licht war gut und der reife Bock stand frei und breit wie eine
Karte. Langsam atmete ich aus, hielt die Luft an und übte immer
mehr Druck auf den Direktabzug meiner Merkel aus, als plötzlich
der Schuss brach und den Bock zu Boden riß.
Es
war noch sehr früh und so beschlossen wir weiter zu jagen. Mit
dem Gelände Wagen Fuhren wir durch das Revier und bekamen immer
wieder Rehwild in Anblick. Ein knappe Stunde später konnte dann
auch der Ralf mit meiner Waffe, einen braven Bock zur Strecke
bringen. Die Freude war dementsprechend groß als wir im Jagdhaus
die Frauen mit unserer Strecke überraschten. Ganz verdutzt
schauten uns die anderen Mitjäger an, welche den Allerwertesten
an jenem Morgen nicht aus dem Bett gebracht hatten und sich nun
über unsere Strecke erst mal wunderten . Doch einer im Bunde
fehlte. Zuerst dachten wir er sei noch im Bett, aber dann kam
auch Letzterer und auch er hatte Jagderfolg. In der Kühlzelle
hingen nun 3 Trophäenböcke und dementsprechend gelassen gingen
wir den Tag an. Nach einem verdienten Mittagsschlaf machten wir
uns erstmal über den Kuchen der Jutta her und dann musste ich
mit den Jungs ein paar Tore schießen bevor es wieder auf ins
Revier ging.
Elisabeth war natürlich wieder mit
dabei und an der netten Kanzel (an de´Bach) an der wir ansitzen,
konnte ich vor Jahren bereits einen Frischling erlegen.
Ralf ,welcher den Platz für uns
ausgesucht hatte, erzählte mir das dort immer wieder eine
einzelne mittelstarke Sau anwechseln würde. Erst am Abend zuvor
bestätigte ein Jäger die Sau ,welche er aber durch das schlechte
Licht nicht genau ansprechen konnte.
Guter Dinge saßen wir nun und
lauschten in die Nacht. Als es dann endlich dämmerte vernahm ich
ein knacksen im Wald. Erst Links von uns dann hinten und etwas
später nochmals ganz leise rechts an der Kirrung. Ich wollte
meine hübsche Begleitung davon in Kenntnis setzen das vermutlich
eine einzelne Sau unsere Kanzel umschlagen hat und nun in der
Höhe der Kirrung stehen könnte aber Elisabeth schlief wie ein
kleiner Engel, eingewickelt in eine warme Decke.
Leise
lehnte ich mich zurück und glaste die kleine Fläche ab die
bereits drohte von der finsteren Nacht verschlungen zu werden.
Minuten vergingen und als ich schon nicht mehr daran glaubte,
schob sich plötzlich ein dunkler Klumpen auf die offene Fläche.
Der Siluette zufolge wird es wohl ein Keilerchen sein dachte ich
und einmal will ich sogar, im hellen Gras als Hintergrund ,einen
Pinsel gesehen haben. Jedenfalls war die Sau alleine , stand
jetzt ruhig an der Kirrung und machte sich am Mais zu schaffen.
Leise lehnte ich mich zu Elisabeth und flüsterte Ihr das
gesehene ins Ohr . Langsam und nur nichts falsch machen ,dachte
ich als ich die bereits bereitgelegte Waffe an mich nahm. Der
Leuchtpunkt war an und nun wartete ich nur noch das auch meine
Begleitung die Sau ins Glas bekam. Als Elisabeth mit einem
nicken mir zu verstehen gab das Sie die Sau sieht ,suchte ich
das vordere drittel des schwarzen Knüppels auf und schoss. Vom
Mündungsfeuer geblendet mussten wir uns erst mal wieder
orientieren . Doch schon nach kurzen konnten wir deutlich das
Schlegeln der Sau vernehmen. Am erlegten Keilerchen war die
Freude unbeschreiblich. Was für ein Jagdtag!!! Am Morgen einen
reifen Bock und am Abend einen Keiler...traumhaft. Gebührend
wurde nach der Bergung gefeiert und danach erst mal richtig
ausgeschlafen, bevor wir dann am Sonntag nach einem super
Frühstück in gemütlicher Runde nach Südtirol zurückfuhren.
Dem Ralf und der Jutta ein großes
Dankeschön für das super nette Wochenende und die tolle
Gastfreundschaft.
Weidmannsheil
Bericht und Fotos:
Lindner Christian |