Bericht 90: Auslandsjagd

Im Letzten Jahr war nun endlich mein guter Jagdkollege Ralf aus Deutschland meiner Einladung gefolgt und hat bei uns auf dem Bauernhof ein paar Tage Urlaub als mein Gast verbracht. Mit dabei war natürlich auch seine Liebe Frau Jutta und die drei Kinder. Letztere sind altersmäßig so ungefähr wie meine drei Kleinen und haben sich auf Anhieb prächtig verstanden. Weil sich deren Eltern bei einem Glas Eigenbau ,oder einem kühlen Hefe am Abend auf der Veranda auch nicht ganz unsympathisch waren, haben wir das alles auch heuer wiederholt. Natürlich wird bei solchen Begegnungen zu später Stunde nur noch ein Thema besprochen...“die Jagd“ und alles was dazugehört.

Als unser gemeinsamer Urlaub dann fertig war und ich mich im August wieder voll mit meiner Arbeit beschäftigte, klingelte  mein Handy und dran war der Ralf  . „Christian, du musst unbedingt kommen...unzählige Böcke treiben im Moment in meinem Revier und die Sauen nehmen jede Nacht die Kirrungen an“! Wie üblich lass ich mich für solche Ausflüge viel zu leicht überreden...aber was solls :-)

Wir verabredeten uns aber erst fürs Wochenende damit ich arbeitstechnisch noch alles auf Vordermann bringen konnte. Der Freitag nahte und meine Liebste und ich starteten gemeinsam Richtung Koblenz. Am frühen Abend kamen wir im Jagdhaus an und nach einer dicken Umarmung gab es erst mal Kaffee und Kuchen. Neben dem Jagdherrn selbst und seiner Familie waren auch noch einige Jagdkollegen vor Ort, die Unterhaltung war riesig. Als wir mit der Kanzelzuteilung fertig waren ging es endlich auf ins Revier. Elisabeth, meine Freundin, war von dem ganzen Jägererzählungen so angetan das auch Sie mit raus wollte.  Eine Stunde später saßen wir beide an einer Waldecke mit Einblick auf eine kleine Wiese und einer Kirrung. Bereits schon früh besuchte uns eine Dachsfamilie und versuchte an den für die Sauen abgelegten Mais unter den Steinen zu kommen. Es war hohe Blattzeit und immer wieder fiepte ich. Zuerst verhalten und dann etwas energischer in alle Richtungen. Dann plötzlich kam ein sehr starker Rehbock direkt  auf uns zugesprungen und wir saßen wie versteinert vor Aufregung. Leider war es ein junger Bock, aber Elisabeth war froh das ich ihn laufen ließ. Ziemlich spät hörten wir auch noch eine Rotte Sauen anwechseln welche sich aber nicht an die Kirrung traute.

Um 23 Uhr war das wenige Licht alle und wir Fuhren zurück zum Jagdhaus wo die anderen Jäger bereits neugierig und gespannt auf uns warteten. Nach reichlich Bier ging es dann um halb 3 ins Bett aber bereits um 4 Uhr klopfte der Herr Beständer an unsere Tür, mit der Bitte mich fertig zu machen für den Morgenansitz. Elisabeth durfte im Bett bleiben  denn der Ralf wollte mich an einen Sitz begleiten den ich nicht kannte. Seinen Angaben zu Folge würde dort ein reifer Bock stehen welchen seine Jungs, durch sein schief nach hinten stehendes Gehörn „Gamsbock“ getauft hatten. Es war ein glasklarer Morgen und es war frisch. Es war noch dunkel auf der offenen Kanzel und mir vielen immer wieder die Augen zu..... Als es hell wurde konnte ich in einer Nussbaumplantage unterhalb der Wiese auf ca. 250 Metern ein Reh ausmachen. Bereits beim ersten Blick durch sein Fernglas bestätigte mir Ralf den Besagten und ich machte mich Schussbereit. Die Auflage war traumhaft, das Licht war gut und der reife Bock stand frei und breit wie eine Karte. Langsam atmete ich aus, hielt die Luft an und übte immer mehr Druck auf den Direktabzug meiner Merkel aus, als plötzlich der Schuss brach und den Bock zu Boden riß.

Es war noch sehr früh und so beschlossen wir weiter zu jagen. Mit dem Gelände Wagen Fuhren wir  durch das Revier und bekamen immer wieder Rehwild in Anblick. Ein knappe Stunde später konnte dann auch der Ralf mit meiner Waffe, einen braven Bock zur Strecke bringen. Die Freude war dementsprechend groß als wir im Jagdhaus die Frauen mit unserer Strecke überraschten. Ganz verdutzt schauten uns die anderen Mitjäger an, welche den Allerwertesten an jenem Morgen nicht aus dem Bett gebracht hatten und sich nun über unsere Strecke erst mal wunderten  . Doch einer im Bunde fehlte. Zuerst dachten wir er sei noch im Bett, aber dann kam auch Letzterer und auch er hatte Jagderfolg. In der Kühlzelle hingen nun 3 Trophäenböcke und dementsprechend gelassen gingen wir den Tag an. Nach einem verdienten Mittagsschlaf machten wir uns erstmal über den Kuchen der Jutta her und dann musste ich mit den Jungs ein paar Tore schießen bevor es wieder auf ins Revier ging.

Elisabeth war natürlich wieder mit dabei und an der netten Kanzel (an de´Bach) an der wir ansitzen, konnte ich vor Jahren bereits einen Frischling erlegen.

Ralf ,welcher den Platz für uns ausgesucht hatte, erzählte mir das dort immer wieder eine einzelne mittelstarke Sau anwechseln würde. Erst am Abend zuvor bestätigte ein Jäger die Sau ,welche er aber durch das schlechte Licht nicht genau ansprechen konnte.

Guter Dinge saßen wir nun und lauschten in die Nacht. Als es dann endlich dämmerte vernahm ich ein knacksen im Wald. Erst Links von uns dann hinten und etwas später nochmals ganz leise rechts an der Kirrung.  Ich wollte meine hübsche Begleitung davon in Kenntnis setzen das vermutlich eine einzelne Sau unsere Kanzel umschlagen hat und nun  in der Höhe der Kirrung stehen könnte aber Elisabeth schlief wie ein kleiner Engel, eingewickelt in eine warme Decke.

Leise lehnte ich mich zurück und glaste die kleine Fläche ab die bereits drohte von der finsteren Nacht verschlungen zu werden. Minuten vergingen und als ich schon nicht mehr daran glaubte, schob sich plötzlich ein dunkler Klumpen auf die offene Fläche. Der Siluette zufolge wird es wohl ein Keilerchen sein dachte ich und einmal will ich sogar, im hellen Gras als Hintergrund ,einen Pinsel gesehen haben. Jedenfalls war die Sau alleine , stand jetzt ruhig an der Kirrung und machte sich am Mais zu schaffen. Leise lehnte ich mich zu Elisabeth und flüsterte Ihr das gesehene ins  Ohr . Langsam und nur nichts falsch machen ,dachte ich als ich die bereits bereitgelegte Waffe an mich nahm. Der Leuchtpunkt war an und nun wartete ich nur noch das auch meine Begleitung die Sau ins Glas bekam. Als Elisabeth mit einem nicken mir zu verstehen gab das Sie die Sau sieht ,suchte ich das vordere drittel des schwarzen Knüppels auf und schoss. Vom Mündungsfeuer geblendet mussten wir uns erst mal wieder orientieren . Doch schon nach kurzen konnten wir deutlich das Schlegeln der Sau vernehmen. Am erlegten Keilerchen war die Freude unbeschreiblich. Was für ein Jagdtag!!! Am Morgen einen reifen Bock und am Abend einen Keiler...traumhaft. Gebührend wurde nach der Bergung gefeiert und danach erst mal richtig ausgeschlafen, bevor wir dann am Sonntag nach einem super Frühstück in gemütlicher Runde nach Südtirol zurückfuhren.

 

Dem Ralf und der Jutta ein großes Dankeschön für das super nette Wochenende und die tolle Gastfreundschaft.

 

Weidmannsheil

 
                                                                                                                Bericht und Fotos: Lindner Christian  

 

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