Bericht 92: Ein Traum bewahrheitet sich

Die letzten Jahre habe ich mich nicht sehr viel mit Rotwild befasst, aber heuer wollte ich so richtig „auf den Hirsch gehen.“ Im Juni hatten ich und mein Freund Michl bereits Begegnung mit mehreren Stück Rotwild, darunter waren auch zwei kapitale Hirsche, an denen wir so nahe dran waren, dass wir sie atmen hörten… Wir konnten sie fast eine Stunde beobachten und Fotos machen.

Der erste August war gekommen, der Hirsch endlich offen. Ich versuchte es an dem Platz, wo wir die zwei Kapitalen gesehen hatten, aber es kam kein Hirsch, sondern ein T-Bock, den ich ebenfalls auf der Karte hatte. Diese Gelegenheit nutzte ich und erlegte den Bock gleich am Abend des 1. August.

Nach einem weiteren Ansitz ohne Erfolg träumte ich in der Nacht vom 19. auf den 20. August vom Abschuss eines Hirsches. Als mich mein Freund Michl an dem Tag anrief, um gemeinsam auf den Hirsch zu gehen, sagte ich deshalb sofort zu. Zu meinem Vater sagte ich beim Abschied: „Heute schieße ich den Hirsch“: Er grinste nur und wünschte mir Weidmannsheil!

Michl und ich fuhren mit der letzten Seilbahn auf das Rittner Horn zur Scharzseespitze und begaben uns zu den Ansitzplätzen „Lommer“ und „Halegg“. Michl erklärte mir noch den genauen Weg dahin, da ich ihn nicht kannte. Dort angekommen, genoss ich zunächst die wunderbare Aussicht und die Ruhe inmitten von Zirben und Latschen. Die Sonne ging langsam unter und mein Magen knurrte. Speck und Käse, was gibt es Schöneres….

 

Es gibt was Schöneres! Ich konnte es kaum glauben- von links auf ca. 70 m trat ein Hirsch aus dem Latschenfeld heraus auf eine lange, ausgehackte Schneise. In zwei Sekunden war klar: der Hirsch, ein Zehner, war bereits verfegt und ich hatte ihn auch schon im Zielfernrohr, spannte…aber der Hirsch drehte ab und ging wegwärts die lange Schneise hinauf. Ich sagte zu mir: drehe dich, mein Freund, bitte! Als ob er es gehört hätte, drehte er ab. Ich platzierte das Fadenkreuz genau ein wenig hinter das Blatt und die 7.65er verließ ihren Lauf. Er trat in die Hinterläufe, und das gefiel mir. Durch das Glas verfolgte ich die Flucht, bis zu einer Zirbe, die ich mir merkte. Dort musste er liegen. Solch ein Gefühl- die Nervosität war verflogen, ich wusste, dass der Schuss gepasst hat.

Ich konnte es kaum glauben, aus meinem Traum war nun Realität geworden! Schnell packte ich meinen Rucksack und rief meinen Freund Michl an, der ca. 500 m von mir entfernt war:„ Komm schnell, ich habe auf den Hirsch geschossen!“ Derweil machte ich mich auf den Weg, bevor es finster wurde, ging zum Anschuss, fand nichts, ein paar Meter weiter eine Menge Schweiß,  sehr gut, weiter, der Schweißspur folgend, bis zu der Zirbe, die ich mir vorher gemerkt hatte.  Dort lag er, mein erster Hirsch, erlegt durch einen perfekten Kammerschuss!

Ich setzte mich neben ihn, und irgendwie bewegte mich dieser Moment. Solch ein imposantes Geschöpf.

Als Michl kam, freuten wir uns gewaltig. Aber nun stellte sich die Frage, wie wir diesen 125 kg schweren Kerl nach unten bringen sollten, mitten im Latschenfeld, stockdunkel, eine halbe Stunde vom nächsten Weg entfernt. Ich rief Thomas an, der uns sofort Hilfe zusicherte: „Dean Hirsch tian mir heint no oar, sell isch sicher!“ Er mobilisierte weitere 3 Kollegen.Michl und ich erledigten derweil die rote Arbeit und warteten auf unsere Freunde. Nach gut einer Stunde war der Traktor von Thomas zu hören. Alle zusammen zogen wir den Hirschen hinunter bis zur Traktorschaufel und fuhren ihn ins Jagdhaus. Dort feierten wir bis ins Morgengrauen (und noch etwas länger J ) !

 

Danke meinen Jagdfreunden Michl, Thomas, Christian, Sigfried und Herbert!

Weidmannsheil

             Bericht und Fotos:  Horst Platter, Revier Ritten

 

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