Bericht 124: Die alte Gais
Einige Tage vor Beginn der Schusszeit begab ich mich öfters ins Revier um nach passenden Geißen sowie eventuell schwächeren Kitzen Ausschau zu halten.
Der Auszug war gut und ich konnte bei jedem Reviergang einige Stücke beobachten.
Eine auffällig alte Geiß viel mir jedoch nie auf, bis ich in einem etwas schwer einsehbaren Graben hinter einem Bauernhaus nach passenden Herbstrehen Ausschau hielt.
Ich konnte im hohen Gras ein ziemlich komisches Reh beobachten. Das Stück stand nie lange, sondern lagerte sich immer wieder für mehrere Minuten ein.
Es schien auch ziemlich klein zu sein, da vom Stück niemals viel über das hohe Gras herausragte.
Ich begab mich in Folge mehrmals an diesen Ort, um das Stück zu bestätigen.
Die Geiß erschein immer – jedoch auch immer ohne Kitze.
Zu Beginn der Schusszeit begab ich mich schon zeitig zu dem Bauernhaus und setzte mich zu einigen Siloballen, welche hinter der Wagenhütte oberhalb des Grabens aufgeschlichtet waren.
Gerade erst einmal dort eingelangt, zog das Stück auch schon vom Bach kommend in die hohe Wiese.
Ein sicherer Schuss war jedoch auf Grund des viel zu hohen Grases nicht möglich, der Wildkörper nur zu erahnen war.
Das Stück lagerte ich ständig ein und war immer nur kurz zu sehen. All das wiederholte sich ständig, bis die Geiß in einer Bodenmulde verschwand.
Kurz bevor ich meinen Standort auf Grund der einsetzenden Dunkelheit verlassen wollte, konnte ich eine Bewegung vor mir, am Ende der Geländemulde, ausmachen.
Ein Blick durch das Fernglas konnte das gesuchte Stück auf ca. 40 Schritt vor mir bestätigen.
Die Geiß zog über die frisch abgemähte Wiese  in Richtung Bauernhaus – somit auch in meine Richtung.
Ich hatte meinen Repetierer bereits in Anschlag gebracht und zielte am Pirschstock angestrichen auf die Geiß.
Sie zog langsam auf mich zu, der Wind passte. Ein Schuss war jedoch noch nicht möglich, da das Stück ständig mit dem Stich in meine Richtung zeigte.
Als die Geiß ca. 20m neben mir über den abgemähten Wiesenstreifen in Richtung Stauden zu ziehen begann, drehte sie sich kurz breit – mein Schuss brach und ließ die Geiß im Feuer verenden.
Beim Stück angekommen, erfreute ich mich über den passenden Start beim Herbstrehjagern. Es handelte es sich um eine uralte Geiß – das Gewicht auch schon sehr gering. Der Grund für das ständige Einlagern des Stückes dürften vermutlich die zu dicken aufgeschwollenen Knie der Geiß gewesen sein.
 

Weidmannsheil

                                                                                                Bericht und Fotos: manuel Blöchl, Oberösterreich  
 

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