Bericht 133: Spielhahnjagd bei der „Hahnspielhütte“

Nicht umsonst trägt diese Hütte diesen Namen! Denn trotz regem Betrieb auf den Skipisten im Winter und Tausenden von Wanderern im Sommer ist das Gebiet um die Hahnspielhütte sowohl zur Hahnenbalz im Frühjahr, als auch den ganzen Sommer und Herbst über ein beliebter Aufenthaltsort des Birkwildes.

Da die herbstliche Jagd auf den Spielhahn für mich an Schönheit und Spannung durch nichts zu überbieten ist, zieht es mich nach dem 15. Oktober jedes Jahr aufs Neue hinauf an die Baumgrenze, um den schwarzen Rittern nachzustellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man bei der Hahnenjagd durch Ansitzen am richtigen Platz möglichst gut gedeckt in einem Schirm und durch Lockrufe der Hähne eher habhaft wird, als beim Angehen und Anpirschen. Vor allem trifft dies in der meist weitläufigen und gut einsehbaren Krummholzzone zu. Aus diesem Grund schaue ich schon die Tage vor Jagdbeginn an den vielversprechenden Plätzen vorbei, ob und wo der Ansitz lohnt.

So war es auch in diesem Jahr. Zuerst Beobachten, dann in strategisch günstiger Position Ansitzen, und Warten bis der Tag erwacht. Lange allerdings musste ich nicht warten. Es war noch ziemlich dunkel, da hörte ich schon das erste Rodeln und Fauchen. Angestrengt glaste ich den gegenüber liegenden Hang ab, konnte aber nicht genau herausfinden, woher die Musik kam. Ich lauschte in den erwachenden Tag hinein und suchte mit meinem Fernglas jeden Baum und das gesamte Gebiet über dem Latschengürtel genauestens ab. Plötzlich sah ich auf dem nächsten Rücken im Firmament einige schwarze Punkte die sich bewegten. Es wurden immer mehr. Eigentlich glaubte ich viel näher dran zu sein, aber die Entfernung zwischen mir und dem begehrten Wild betrug ca 600 Meter. Trotzdem war es ein herrlicher Anblick. Ich zählte 11 Stück, darunter zwei gute Hähne, die balzten wie im Frühjahr, geringere Hähne, Hennen und Speiren (Halbstarke). Schon befürchtete ich, dass bei so einem starken Flug wohl meine ganzen Lockkünste nichts nutzen würden. Gewiss waren sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so glaubte ich. Aber nach dem Motto, wer nicht wagt hat schon verloren, begann ich zu „spotten“ und siehe da, keine 5 Minuten später flogen die ersten Hähne in meine Richtung. Durch heftiges Locken machte ich nun verstärkt auf mich aufmerksam und zwei von ihnen, ein Hahn und eine Henne, fielen keine 50 Meter vor mir ein. Während die Henne frei neben einer Latsche saß, war der Hahn auf einem schneefreien Fleck hinter einer Gruppe kleiner Lärchen angeflogen, sodaß ich ihn nicht gleich sehen konnte. Es dauerte gar nicht lange und er fing wieder an zu rodeln, ein kurzes „Tschu-chui!“ von mir genügte und er stolzierte mit gespreiztem Stoß hinter den Lärchen hervor. Es war ein prächtiger Hahn und eine Freude dieses Schauspiel zu beobachten. Ständig war er in Bewegung, flatterte, hüpfte und rannte umher. Schon längst verfolgte ich ihn durch das Zielfernrohr meiner Bockbüchsflinte, musste ihn aber nochmals anfauchen, um ihn kurz zum Verhoffen zu bringen. Der Schuss zerriss die Stille und bannte den Hahn an den Platz. Eine Weile noch blieb ich sitzen. In Gedanken ließ ich alles Erlebte nochmals Revue passieren ehe ich meinen Hahn in Besitz nahm, um ihm den letzten Bissen zu reichen. Was für ein Jagderlebnis!!!  


Weidmannsheil

                                                                                                            Bericht und Fotos: Christian Schwienbacher

 
 

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