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DAS
HOCHWERTIGE FERNGLAS
Der
Feldstecher ist das meist gebrauchte optische Gerät bei der Jagd, zumal
viel mehr beobachtet als geschossen wird. Das Angebot auf dem Markt ist
schier unüberschaubar. Vergrößerung, Objektivdurchmesser,
Gewicht und
Größe sind wichtige Faktoren, die es bei der Auswahl eines Feldstechers zu
beachten gilt. Sehr ähnliche Ferngläser mit identischen technischen Daten
können mitunter große Unterschiede in Schärfe, Auflösung, Lichtstärke,
Farbtreue, Handlichkeit, Langlebigkeit und Design aufweisen. Dabei geht es
weniger um die Sicherheit, ein sehr hochwertiges und langlebiges Gerät zu
erstehen, sondern vor allem um die Gesundheit Ihrer Augen. Bei
Billigfabrikaten ist es mitunter möglich, dass, neben einer sehr raschen
Ermüdung der Augen, das Sehvermögen langfristig beeinträchtigt werden
kann. Konstruktive Mängel und schlechte Glasqualität spielen dabei die
größte Rolle.
Diese Zeilen sollen
Ihnen helfen, sich für das richtige und für Ihre Ansprüche optimale
Fernglas zu entscheiden.
Mechanische
Konstruktion
Der Feldstecher ist
ein optisches System, dass zwei kleine, identisch geformte Teleskope
vereint. Um höchste Qualität zu gewährleisten, müssen diese Teleskope
vollkommen parallel und stabil miteinander verbunden sein. Die Kennzahlen auf
einem Feldstecher, zum Beispiel 7X42, bedeuten, dass das optische Gerät
7fach vergrößert, d.h., es lässt ein beobachtetes Objekt 7fach näher
erscheinen. Die zweite Zahl 42 bezeichnet in mm den Durchmesser des
Objektives, also der Linse, die sich am nächsten zum Objekt befindet. Die
üblichen Vergrößerungen bewegen sich zwischen 4 und 15fach, der
Objektivdurchmesser zwischen 20 und 56 mm. Aus der Kombination dieser
Kennzahlen ergibt sich eine Unmenge von Möglichkeiten, die sogar
außergewöhnlichsten Anwendungen gerecht werden. Die Linse, die sich dem
Auge am nächsten befindet, wird Okular genannt. Prinzipiell gibt es
zwei große Gruppen von Ferngläsern. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen
durch die Prismenkonstruktion. Wie im menschlichen Auge wird auch im
Fernglas das Bild kopfüber auf das Okular projiziert. Aber anders als im
menschlichen Auge, hat das optische Gerät kein „Gehirn“, dass uns dieses
Bild wieder gerade erscheinen lässt. Diese Aufgabe übernimmt das
Prismensystem. Bei der traditionellen Form des Feldstechers werden so
genannte Porroprismen (genannt nach dem Erfinder) verwendet. Diese sind
relativ einfach herzustellen, erfordern aber einen größeren
Objektivabstand. Die moderneren Formen der Feldstecher verwenden
Dachkantenprismen (benannt nach der dachähnlichen Bauform einer bestimmten
Prismakante), die es erlauben, sehr schmale und schnittige Modelle zu
fertigen. Sie erfordern höchste Präzision und minimalste Tolleranzen, um
ein einwandfreies Bild zu liefern. Bei der Beobachtung
eines Objektes wird die optimale Schärfe mit dem Scharfstellring
reguliert. Dieser befindet sich normalerweise zwischen den zwei
Teleskopen. Sollten die Augen des Anwenders unterschiedlich scharf sehen,
ist bei jedem Feldstecher ein Dioptrienausgleich vorhanden. Er dient dazu,
diesen Unterschied aufzuheben. Der Dioptrieausgleich kann als Stellring am
rechten Okular oder auch zwischen den Teleskopen vorhanden sein. Bei den
ausgefeiltesten Modellen ist er sogar im Scharfstellring integriert.
Für Brillenträger
muss die Austrittspupille so weit außerhalb des Okulars liegen, dass die
Brille zwischen Okular und Austrittspupille keine
Gesichtsfeldeinschränkungen verursacht. Die Angabe „B“ (Brille), falls
vorhanden, bezeichnet Geräte, die eine solche Konstruktion aufweisen.
Diese Feldstecher erlauben ein optimales und entspanntes Beobachten ohne
die Brille abnehmen zu müssen. Solche Ferngläser hoher Qualität, haben für
diesen Zweck versenkbare oder umklappbare Augenmuscheln.
Verschiedene
Anwendungen des Feldstechers
An dieser Stelle
sei betont, dass es das perfekt „universale“ Fernglas nicht gibt. Es wird
sich immer um einen Kompromiss zwischen Lichtstärke, Vergrößerung und
Gewicht handeln. Die Lichtstärke, also die Eigenschaft eines Fernglases
auch bei Dämmerung zu beobachten, hängt im Wesentlichen vom
Objektivdurchmesser ab. Je größer das Objektiv desto mehr Licht dringt in
das Gerät, aber auch Größe und Gewicht desselben nehmen deutlich zu. Ein
höherer Vergrößerungsfaktor ermöglicht es, Details besser zu erkennen und
Dinge genauer zu beobachten. Auf Grund unumstößlicher physikalischer
Gesetze nehmen die Lichtstärke und das Sehfeld dementsprechend ab. Beim
Blick durch ein unbewegtes Fernglas sieht man einen kreisförmigen
Ausschnitt aus der Wirklichkeit. Die Größe dieses Ausschnittes nennt man
Sehfeld. Dieser Wert wird bei manchen Feldstechern in Grad angeführt. Hat
ein Gerät die zusätzliche Bezeichnung „W“ (Weitwinkel), dann bedeutet dies
ein besonders weites Sehfeld.

Für
sehr kurze Beobachtungen, für Wanderungen oder als Reservegerät empfiehlt
sich das so genannte
Pocket
- Fernglas („Pocket“
aus dem Englischen, „Tasche“). Es ist zusammenfaltbar und sehr leicht.
Typische Konfigurierungen eines
Pocket
- Fernglases sind 8X20 und 10X25. Natürlich ist die Lichtstärke bei diesen
Geräten nicht überwältigend, die besten Fabrikate bieten jedoch
außerordentliche optische Leistung auf kleinstem Raum. Geringes Gewicht und
etwas höhere Lichtstärke werden von jenen bevorzugt, die etwas länger,
eventuell bei schwierigen Lichtbedingungen, beobachten. Klassische
optische Kombinationen sind hierfür 8X30 und 7X42. Ist eine
außerordentliche Lichtstärke nötig, weil man sehr viel dämmerungsaktives
Wild beobachtet (eventuell vom Hochstand), wird man sich für einen sehr
großen Objektivdurchmesser, gekoppelt an eine nicht zu hohen Vergrößerung,
z.B. 8X56, entscheiden. Allerdings können diese Geräte über 1 kg wiegen.
Das ist jedoch unwesentlich, wenn der Beobachtungsplatz sehr einfach zu
erreichen ist. Will man sehr hohe
Vergrößerung erreichen, (15fach) ist auch ein sehr großes Objektiv (56 mm)
von Nöten, da ansonst der Lichtverlust zu groß wäre. Zu beachten ist auch
ein Zusatzgerät, das Booster genannt wird. Dieses erlaubt es, durch
einfaches Aufschrauben auf das Okular, die Vergrößerung zu verdoppeln. Aus
einem 15fach wird ein 30fach, aus einem 8,5fach wird ein 17fach usw. In
diesem Fall wird allerdings eine sehr stabile Unterlage, besser noch ein
Stativ benötigt, da andernfalls ein ruhiges und zitterfreies Beobachten
nicht mehr möglich ist. Gerade zitterfreies
Beobachten ist ausschlaggebend, wenn man ein Fernglas im Boot verwendet.
Deshalb ist die anerkannt beste Kombination hierfür das 7X50. Die geringe
Vergrößerung verstärkt am wenigsten die unvermeidbaren Bewegungen auf dem
Wasser.
Qualität
ist ausschlaggebend
Die
bisherigen Erklärungen der mechanischen Konstruktion und der verschiedenen
Anwendungen sind absolut und gelten für alle Marken, Modelle und
Qualitätsniveaus bei identischen technischen Daten der Geräte. Die
Kompromisse von denen wir gesprochen haben, sind erforderlich und durch
das Verhältnis zwischen Vergrößerung und Objektdurchmesser vorgegeben. Was jedoch die
Fertigung der Linsen, die Genauigkeit, die Unempfindlichkeit sowie die
optische und mechanische Qualität angeht, sollte man keine Kompromisse
eingehen. Nicht nur um angenehmer, länger und entspannter beobachten zu
können, sondern vor allem um das eigene Sehvermögen zu wahren. Leider gibt es kein
Fernglas, dass die Nacht zum Tag macht, da die physikalischen Gesetze
dieses „Wunder“ nicht zulassen (außer mit Hilfe von elektronischer Mittel
samt ihrer Nachteile). Jedoch bei den hochwertigsten Geräten auf dem
neuesten technischen Stand, wird Qualität und Menge des einfallenden
Lichtes so optimiert, dass ein scharfes, kontrastreiches und
verzerrungsfreies Bild entsteht. Nachstehend mehr dazu. Wie vorhin
erläutert, wird die Lichtstärke eines Fernglases größtenteils vom
Objektivdurchmesser bestimmt. Je größer die Objektivlinse umso mehr Licht
kann gebündelt werden und somit in das Gerät eindringen. Ausschlaggebend
ist jedoch, wie viel von diesem Licht noch bis zum Auge dringt. In diesem
Zusammenhang sei betont, dass auch das Glas bester Qualität zirka 4-6% des
Lichtes, das frontal auf seine Fläche fällt, reflektiert und dass dieses
Licht somit verloren gehr. Dies geschieht bei einer Linse bei Ein- und
Austritt des Lichtes. In unserem Beispiel (Swarovski SLC 7X42, mit 8
Linsen und Dachkantenprisma) wiederholt sich dieses Phänomen also 14-mal.
Somit würde ohne besondere Vergütung der Linsenoberfläche ca. nur 50 % des
Lichtes das Auge des Betrachters erreichen.

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Vergütungsflächen bei einem Feldstecher Swarovski SLC 7X42 |
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Art der Vergütung |
Nummer |
Anzahl der Schichten |
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Swarodur ® |
1, 20 |
2x4=8 |
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Swarotop |
2,3,5,6,7,9,12,13,15,16,17,18 |
12x3=36 |
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Swarobright ® |
8 |
1x30 =30 |
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Phasenkorrektur |
10,11 |
2x3=6 |
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Spezialkleber |
4,14,19 |
3x1=3 |
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Schichten insgesamt 83 |
Um diese
Reflexionen auf ein Minimum zu reduzieren, werden Spezielle, sehr dünne
(ein Hunderttausendstel mm) Mikrovergütungen auf jede Linse aufgedampft. 4
Schichten auf den äußeren und 3 auf den inneren Flächen, insgesamt also
44. So wird erreicht, dass ca. 96% des einfallenden Lichtes das Auge des
Betrachters erreicht. Auch preisgünstige Feldstecher geben an „vergütet“
zu sein, aber meistens besteht diese Vergütung nur auf einer Schicht auf
den äußeren Linsenflächen. Eine weitere sehr
„kritische“ Fläche für die Reflexionen des Lichtes ist die Fläche, die in
der obigen Darstellung mit der Nr. 8 gekennzeichnet ist. Hierbei handelt
es sich um einen Spiegel der, im Gegensatz zu den Linsenoberflächen,
soviel wie möglich reflektieren soll. Je nach Qualität des Fernglases
werden hier verschiedene Spiegelarten verwendet. Aluminiumspiegel sind die
billigste Variante und absorbieren bis zu 20% des Lichtes. Weitaus teurer
sind Silberspiegel, die immerhin noch 4% „verschlucken“. Im obigen
Beispiel wurden auf den Silberspiegel 30 Schichten einer hoch
reflektierenden Schicht aufgedampft. Somit wurde erreicht, dass dieser
Spiegel nur noch 0,5% des Lichtes „verschluckt“ und so auch die Farbtreue
und den Kontrast verbessert. Der Phasenkorrekturbelag auf den Dachflächen
der Dachkantenprismen (10+11) sorgt primär für eine hervorragende
Bildschärfe und reduziert zugleich störendes Reflexlicht. Die Wirkung des
P-Belages ist am besten bei Nachtbeobachtungen und helleren Lichtquellen
zu erkennen. Ohne P-Belag erscheinen die Lichtquellen sternförmig
verstrahlt, mit P-Belag sind sie nahezu real abgebildet. An der
Gesamtvergütung und Verspiegelung (und Verwendung eines hoch
lichtdurchlässigen Klebers, der die verschiedenen Linsen miteinander
verbindet) des optischen Systems ist letztlich der ungeheuer hohe
Fertigungsaufwand im absoluten Hightech-Bereich zu erkennen. Eine Billig-
oder Mittelpreisfertigung ist bei oben angeführter technischer Vollendung
unmöglich. Nach dieser
Erläuterung ist es leicht verständlich, warum ein 8x32 Fernglas dieser
Hightech Fertigung, einem mittelmäßigen 8x56 Produkt, in der Lichtstärke,
Haltbarkeit und Design weit überlegen ist.
Gut zu wissen!
Jagd unter
Extrembedingungen ist ein Indiz für die Belastbarkeit von Feldstechern.
Sie sind erst dann vollwertige Jagdgeräte, wenn sie allen hohen
mechanischen Beanspruchungen auf Dauer standhalten. Daher ist die
äußere und innere „Armierung“ des optischen Systems außerordentlich
wichtig. So müssen alle optischen Bauteile unverrückbar und dauerhaft in
den Fernglaskörper eingepasst sowie die mechanischen Bauteile zum
verschieben von Linsengruppen im Inneren absolut spiegelfrei gelagert
sein. Diese Kriterien sind bei einem Billigfeldstecher nicht vorhanden,
leider aber von außen nicht zu erkennen. Nur höchste optische
und mechanische Perfektion, wie sie nur von den besten Herstellern
angeboten werden, garantieren lebenslange Freude am Beobachten auch unter
den schwierigsten Bedingungen und fortgesetzter mechanischer
Beanspruchung. Als Außenschutz von
Fernglaskörpern hat sich mittlerweile die Gummiarmierung durchgesetzt. Sie
verhindert störende Klappergeräusche und sorgt durch angenehme
„Griffigkeit“ für eine gute Handhabung. Sie besteht allerdings in den
seltensten Fällen aus Naturgummi, sondern aus Kunststoffen, dabei gibt es
erhebliche Qualitätsunterschiede. Ein hochwertiger Kunststoff muss sich
nach Art und Güte „gut anfassen“, darf sich unter Kältebedingungen nicht
kalt und unter Hitzeeinwirkung nicht klebrig anfühlen. Ferner muss der
Kunststoff UV-beständig sein, sich gegenüber dem äußerst aggressiven
Handschweiß resistent verhalten und darf sich nicht mit der Zeit auflösen.
Gleiches gilt auch für die Okularmuscheln, die im besten Fall aus
allergiefreien Materialien hergestellt werden.
Bei Billigoptiken
hat die Mechanik – kostenbedingt gewollt – durch Schleuderpassungen
bereits soviel Spiel, dass die Einstellungen ohne überdimensionale
Schmierstoffanwendung klappern. Die „leichte“ Gängigkeit wird bewusst
durch massive Schmierung mit Billigfetten erreicht. Bei tiefer Kälte
erstarren diese Fette, leisten bei Wärme nicht den nötigen Widerstand und
zerfließen bei höheren Temperaturen, ohne wieder in ihre ursprünglichen
Passungen zurückzukehren. Mit der Zeit geht dadurch jede praxistaugliche
Einstellmöglichkeit verloren.
Der Begriff
Dichtheit umfasst drei unterschiedliche Bereiche:
Wasserdichtheit (Regenwasser)
·
Druckdichtheit
·
Dampfdichtheit
Wasserdicht sind
Ferngläser, die normale Feuchtigkeit abweisen, wie sie im jagdlichen
Alltag durch Regen usw. vorkommt. Dies ist die einfachste Form von
Dichtheit. Die Druckdichtheit,
also das Aushalten von Überdruck z.B. unter Wasser, kann durch geeignete
konstruktive Maßnahmen erzielt werden. Diese sind außerordentlich
kompliziert und aufwändig, dabei entstehen für die Serienfertigung
technische und finanzielle Grenzen. Niemand wird ein Fernglas benötigen,
das noch 20 m unter der Wasseroberfläche funktioniert. Gase und auch
Wasserdampf (Luftfeuchtigkeit) haben die physikalische Eigenschaft sich
auszudehnen und können bei längerem Einsatz unter tropischen
Extrembedingungen durch festes Material wie nichtmetallische
Fernrohrdichtungen hindurch dringen (diffundieren). Für den Bau von
Fernrohren bedeutet diese Tatsache, dass es keine absolute Dichtheit gegen
das Eindringen von Wassermolekülen gibt, da die verfügbaren Materialien
dagegen nicht vollständig resistent sind. Bei hochwertigen optischen
Geräten kann diese „Dampfdiffusion“ allenfalls nach sehrt langem Gebrauch
und unsachgemäßer Aufbewahrung auftreten. Dennoch sollten Ferngläser
grundsätzlich nach dem Gebrauch möglichst trocken aufbewahrt werden
Bericht:
Peter Unterholzner in Zusammenarbeit mit
Swarovski Optik
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