Im Monat Mai 2010 richtete Alfons Heidegger an die pensionierten Berufskollegen folgendes Schreiben. Zitat:
„Liebe Kollegen, die Zeit im Leben läuft davon. Ich denke oft an die schönen Zeiten zurück, welche wir gemeinsam erlebt haben.
Diese Erinnerungen bewegen mich und daher möchte ich euch einen Vorschlag machen. Treffen wir uns heuer zu einer gemeinsamen Wanderung in irgend einem schönen Revier in Südtirol.“
Dieser Vorschlag
wurde von den
Kollegen mit
voller
Begeisterung
aufgenommen.
So trafen sich noch rüstige Herren, am 01. Juli zu einer Wanderung auf die Rodenecker Alm.
Am Parkplatz angekommen, begrüßte Heidegger die Kollegen mit folgenden Worten: „Die fast vollzählige Anwesenheit zeigt, dass Euch mein Vorschlag voll begeistert hat. Aus familiären und Gesundheitsgründen konnten leider nicht alle kommen. Ich soll die Betreffenden entschuldigen und euch ausrichten, dass sie gerne bei uns wären. Die Freundschaft und Kameradschaft muss man pflegen und Leben solange es uns noch gut geht. Es wäre schade, wenn wir unsere gemeinsame Zeit ohne eine Auffrischung der Erinnerungen einfach vergessen würden. Ich denke ein Jeder von uns hat Lust einiges aus dem Berufsleben zu erzählen und sich an die gemeinsamen Erlebnisse zu erinnern. Über die Jagd wird vieles geschrieben und veröffentlicht. Über das Leben der Jagdaufseher eigentlich selten oder gar nicht. Wir kennen das Südtiroler Jagdportal. Ich habe Herrn Walter Prader von unserer Wanderung erzählt und ihn gefragt, ob er interessiert ist, uns bei der Wanderung zu begleiten. Er sagte mit Begeisterung zu und ich darf ihn hier recht herzlich begrüßen. Was Wetter ist schön, die Stimmung ist gut, daher freuen wir uns auf den heutigen Tag."
Nach
dieser Begrüßung
wanderten wir
durch die
schönen Wiesen
und Wälder bis
zur Kapelle auf
der Rodenecker
Alm die des
heiligen
Bartholomeus und
der heiligen
Klara geweiht
ist.
Dort angekommen, ergriff Heidegger wiederum das Wort und sagte: „Hier ist der richtige Ort, wo wir unserer verstorbene Berufskollegen und Vorgesetzten gedenken. Es sei mir erlaubt, dass ich davon eine Person namentlich nenne: der am 21. Mai 1980 verstorbene Landesjägermeister Dr. Ludwig von Lutterotti. Wenn er nicht gewesen wäre, so glaube ich, wären die hier Anwesenden nicht alle als Jagdaufseher in Pension gegangen.“
Nach einigen Gebetsminuten in der Kapelle haben sich alle Beteiligten, mit folgendem Text in das Kirchenbuch verewigt:

Das
Mittagessen
nahmen wir in
der "Roaner
Hütte" ein. Bei
Bauernknödel,
Gulasch und
Krautsalat hatte
man sich vieles
zu erzählen.
Dieses
Zusammentreffen
nutzte jeder um
auch über das
Erlebte sprechen
zu können. Man
diskutierte über
das heutige
Jagdsystem ohne
ein Blatt vor
den Mund nehmen
zu müssen. Jeder
konnte seinen
Frust
aussprechen. Die
Wildbewirtschaftung
von früher und
heute wurde
analysiert.
Immer wieder
wurden von den
Verbandsaufsehern
besondere
Erlebnisse von
Wildereien mit
Begeisterung
erzählt.
Besonders beanstandet wurde immer wieder die Befangenheit zwischen Revieraufsehern und der jeweiligen Revierleitung. Die Aufseher wünschen sich einen einzigen Arbeitgeber, welcher der Landesjagdverband oder das Land sein sollte, um ohne Befangenheit und neutral arbeiten zu können.
Einen Tag mit so vielen erfahrenen und kompetenten Jagdaufsehern und Jäger zu verbringen war für mich eine große Bereicherung. Erst im Laufe des Gespräches musste ich mir über das kompakte Thema Jagdaufseher, ein Bild über diese Berufgruppe, deren Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten verschaffen um überhaupt diese Diskussionsrunde leiten zu können.
Im
Vorgespräch
erklärte mir
Heidegger: „Ein
Jagdaufseher ist
ein Freund und
Heger aller
freilebenden
Tiere im Revier
und ein
zuverlässiger
Partner in allen
Jagdangelegenheiten,
er ist der
Berater und die
Vertrauensperson
des
Jagdausübungs-berechtigten
und steht diesem
loyal zur Seite,
um alle Aufgaben
und
Schwierigkeiten
die durch die
Jagd entstehen,
zu meistern,
aber auch die
Freude an der
Jagd zu mehren.“
Die anwesenden ehemaligen Verbandsjagdaufseher meinen:
Die Revieraufseher und die Verbandsaufseher sind als Aufsichtsorgane gleich qualifiziert, nur im Dienstbereich wird der Diensttitel anders ausgesprochen.
Der Revieraufseher beaufsichtigt ein Revier oder eine Reviergemeinschaft und ist ein Angestellter eines Reviers oder einer Reviergemeinschaft, der Verbandsaufseher ist ein Angestellter des Südtiroler Jagdverbandes.
Beim Landesamt für Jagd und Fischerei sind Forstbeamte mit der Aufsicht im Bereich Jagd und Fischerei tätig. Sie haben andere Kompetenzen gegenüber den Revier- oder Verbandsaufsehern. Ein Revier- oder auch ein Verbandsaufseher unterliegt in keiner Weise diesem Forstpersonal.
Zu den wichtigen Aufgaben für den Jagdaufseher gehört der Jagdschutz, der ihm vom Gesetzgeber übertragen worden ist. Er umfasst den "Schutz des Wildes insbesondere vor Wilderern, Wildseuchen, sowie die Sorge für die Einhaltung der zum Schutz des Wildes und der Jagd erlassenen Vorschriften".
Mit dem Regionalgesetz von 1964 wurden alle Reviere verpflichtet einen Jagdaufseher zu ernennen und für eine flächendeckende Jagdaufsicht zu sorgen, damals war kein Befähigungsnachweis notwendig.
Die Jagdaufseher wurden auf Grund von Sympathie und Erfahrung angestellt. Die Verbandsaufseher meist auf Vorschlag eines Bezirksjägermeisters. Damals hatten die Jagdaufseher kaum einen Kündigungsschutz. Gab es zwischen Revierleitung und Jagdaufseher Zwistigkeiten - oder wurden Freunde der Revierleitung angezeigt, wurde der Aufseher entlassen und der eine oder andere musste sein Recht über das Gericht erkämpfen. Daraus kann man schließen, dass so manche Revierleiter bezüglich Jagdaufsicht einfach der Meinung waren, das Revier sei ihre Eigenjagd und die Aufsichtsjäger sollten ihre Untertanen sein.
Heute ist der Gesetzgeber vor allem bestrebt, den Jagdaufseherberuf in Südtirol durch eine solide Ausbildung aufzuwerten. In einem sechsmonatigen einschlägigen Schulungskurs erhalten deshalb die angehenden Jagdschutzorgane das nötige theoretische und praktische Wissen und müssen dann in einer speziellen Prüfung ihre Kenntnisse in Jagdbetrieb und Hege, Wald- und Landbau, Ökologie, Naturschutz, Rechtskunde, Waffenkunde, Wildbiologie, Wildkrankheiten und Wildbrethygiene unter Beweis stellen. Die bisherigen in der Jägerschule gesammelten Erfahrungen, vor allem aber die festgestellte Bewährung beim Dienst in den Revieren bestätigen, dass der eingeschlagene Weg in die richtige Richtung geht. Alle diese Kenntnisse und Fähigkeiten vertieft ein Jagdaufseher fortlaufend durch Seminare und Fortbildungsveranstaltungen unseres Verbandes.
Auf den 606.000 Hektar Revierfläche in Südtirol sind zur Zeit 75 Revierjagdaufseher und 6 Verbandsjagdaufseher angestellt. Vor Jahren waren es um einige mehr.
Der Arbeitsplatz eines Jagdaufsehers ist das Revier bzw. eine Reviergemeinschaft in Südtirol. Die Verantwortung für die im Landesgesetz vorgeschriebene Jagdaufsicht hat der Südtiroler Jagdverband inne. Die einzelnen Reviere und Bezirke können somit Jagdaufseher nur mit dem Einverständnis des Jagdverbandes anstellen und was für den Schutz des Arbeitsplatzes weit wichtiger ist, auch nur mit dessen Zustimmung wieder entlassen werden.
Der
Jagdaufseherberuf
ist ein
anstrengender
und
verantwortungsvoller
Beruf.
Er lässt
kein
regelmäßiges
Berufs- und
Privatleben zu.
Vielfältige
Aufgaben warten
auf den
Jagdaufseher:
z.B. alle
anfallenden
Arbeiten, die
mit der
Durchführung von
Hegemaßnahmen
zusammenhängen,
im Revier zu
organisieren und
mitzuhelfen, um
einen
artenreichen
Wildbestand zu
erhalten.
Zu seinen Aufgaben gehört auch die Verhinderung bzw. Beseitigung von Wildschäden in Feld und Wald, Aufstellen und Reparatur von jagdlichen Einrichtungen, Maßnahmen zur Verhinderung von Verkehrsunfällen mit Wild an den durch das Revier führenden Straßen, Kontrollen von Abschusslisten, Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden, Nachbarreviere, Landwirten. Ganz wichtig ist der freundliche Dialog und das offene, klärende Gespräch mit den Jägern, der Bevölkerung, die neben den Landwirten und Jägern die Natur nutzen (Wanderer, Spaziergänger, Pilzesucher, Hundeführer, Reiter, Jogger, Fahrradfahrer, udgl.)
Seit einigen Jahren ist dem Jagdaufseher auch die Aufgabe einer "kundigen Person" übertragen worden, er ist verantwortlich, dass das Wildbret den hygienischen Vorschriften entspricht, wenn dies vermarktet wird.
Der Arbeitsplatz ist das Revier bzw. sind die Reviere. Ein Revier kann man nicht um 7.00 h aufsperren und um 17.00 h schließen. Die Natur lebt Tag und Nacht. Diese Tatsache verlangt, dass der Jagdaufseher zu jeder Uhrzeit gefordert ist. Er hat die Möglichkeit seine Arbeitszeit den Umständen entsprechend selbst einzuteilen. Ein Vorteil dieses Berufes? Wir glauben nicht. Seine tägliche oder wöchentliche Arbeitsplanung wird durch unvorhergesehene Zwischenfälle und Wünsche der Jäger sehr oft abgeändert.
Der Jagdaufseher hat vertraglich einen 6,5 Stundentag. Mit dieser Arbeitszeit kommt kein gewissenhafter Jagdaufseher aus. Trotz allem haben wir viele Jäger, welche sich für den Jagdaufseherberuf bewerben. Die ehemaligen Verbandsaufseher vermuten, dass die Interessierten oft aus Unerfahrenheit die Tätigkeit eines Jägers mit jener des Jagdaufsehers verwechseln und somit diesen Beruf anstreben.
Bei den Bediensteten gibt es seit vielen Jahren ein Unbehagen, was eine einheitliche Anstellung betrifft. Diese Forderung ist immer noch ein ungelöster Punkt. Die Anstellung der Jagdaufseher über die Reviergemeinschaft sei nicht unbedingt im Sinne des Jagdgesetzes. Unser Jagdgesetz spricht nie von Reviergemeinschaften. Auch in unseren Verbandsstatuten ist nie die Rede von Reviergemeinschaft. Eine Reviergemeinschaft besteht logischerweise aus mehreren Revierleitern, aber nur einer davon ist der Arbeitgeber des gemeinsamen Jagdaufsehers. Das ist doch etwas eigenartig, oder? Sie hoffen stark, dass der Landesjagdausschuss früher oder später beschließt, dass alle Jagdaufseher eine einheitliche Anstellung finden. Für den Jagdaufseherberuf braucht es eine starke Passion und Motivation, diese soll immer wieder gefördert werden, z.B. sollen die Jagdaufseher in technischen Fragen bei der Wildbewirtschaftung stärker mit einbezogen werden. Wie die Jagdaufsicht heute geregelt ist, ist nur eine Notlösung. Diese Situation soll früher oder später geändert werden.
Die Jagdaufsicht ist ein starkes Standbein für den Südtiroler Jagdverband. Wie diese Jägervereinigung diese Jagdaufsicht regelt, muss die Landesregierung kontrollieren. Sie hat die letztendliche Verantwortung für das Jagdwesen. In Südtirol gibt es immer noch Reviere, welche unregelmäßig bzw. ungenügend beaufsichtigt sind, obwohl nicht alle ausgebildete und geprüfte Jagdaufseher ein Arbeitsverhältnis unter diesen Umständen annehmen.
Weiters
wird vermerkt,
dass in einigen
Fällen der
Arbeitgeber als
eines der
Hauptprobleme
(Befangenheit
den Beruf
objektiv ausüben
zu können)
empfunden wird.
Der
Jagdaufseherberuf
wird verfälscht.
Vielfach macht
ein Aufseher
alles andere
(z.B. Zerwirken
von Wildbret,
Holzfäller,
Revierarbeiter,
...) nur nicht
seinen Dienst in
Aufsicht und
Jagdschutz. Die
eigentlichen
Aufgaben und
Befugnisse
werden teilweise
gar nicht
wahrgenommen
oder sogar
boykottiert.
Heidegger erklärt: „Die Arbeit eines Jagdaufsehers kann aus verschiedenen Gründen nicht nach einem starren Stundenplan erfolgen. Seine Arbeit ist an natürliche Bedingungen und vielen unvorhergesehenen Vorkommnissen gebunden.“ Er findet es aber trotzdem sinnvoll, dass sich der Jagdaufseher wöchentlich ein Arbeitsprogramm zurechtlegt, in welchem er die vordringlichen Arbeiten vermerkt.
Monat Jänner: Auch im Monat Jänner können die Reviergänge nicht unterlassen werden. Das Spuren- und Fährtenlesen im Schnee gibt über vieles Aufschluss. Liegt wenig oder nur teilweise Schnee ist der Monat Jänner für verschiedene Wilderertypen ein sehr geeigneter Zeitpunkt. Viele Arbeiter sind zu dieser Zeit in der Ausgleichskasse und haben viel freie Zeit, welche ihnen die Gelegenheit bietet, speziell auf Gams zu wildern. Für die Schlingensteller sind die langen kühlen Nächte, die konzentrierten Wildbestände in den Wintereinständen und die Jagdruhe sehr günstige Voraussetzungen, um ihr Handwerk auszuüben. Auch die Wildhege, sprich Winterfütterung (wo notwendig), muss fleißig beschickt werden. Mitte Jänner beginnt die Ranzzeit der Füchse, vorausgesetzt, dass die Jagdbehörde in dieser Zeit die Fuchsjagd für die Jagdaufseher erlaubt, hat er eine jagdlich reizvolle Aufgabe zu erfüllen. „Die Fuchsjagd zur Ranzzeit am Bau ist nicht weniger spannend und reizvoll, als der Ansitz am Luderplatz.“, so Heidegger.
Im Monat Februar/März wird der Jagdaufseher u.a. für die Vorbereitung der Trophäenbewertung und Hegeschauen eingesetzt.
Im Monat April/Mai zieht die Revierarbeit schon wieder an. Die Hahnenbalz ist zu beobachten. Das Schalenwild nützt das Wachstum der Vegetation und tritt immer häufiger auf den Wiesen aus. Die Kontrolle der Wildbestände aus dem Winterstand beginnt. Die Autowilderer nutzten diese Zeit, wo viel Schalenwild in den Wiesen austritt, um in kurzer Zeit viel Beute zu machen. Während diesen Monaten kann auf den Nachtdienst nicht verzichtet werden. Die Wildbestandsmeldungen für Reh- und Rotwild sind für die Abschussplanung vorzubereiten. Die Salzlecken und die Reviereinrichtungen sollen zu dieser Zeit beschickt bzw. angefertigt werden. Das Sammeln der Abwurfstangen der Hirsche ist ebenso fällig. Die Kontrolle der Fuchs- und Dachsbauten, sowie die Horste der wichtigsten Greifvögel dürfen nicht vergessen werden. Im Mai beginnt die Jagd auf Reh- und Rotwild.
Ab August steigert sich die Aufgabe des Jagdaufsehers immer mehr auf die Kontrolle der Wildentnahme. Er ist auch als Pirsch- und Hundeführer gefordert. Im Herbst beginnt die allgemeine Jagdzeit. Schließlich wird er auch für die Erfüllung des Abschussplanes bei Rehgeißen und –kitzen, sowie Kahlwild eingesetzt. Der Abschuss von kranken oder verletzten jagdbaren Wildarten gehört während des ganzen Jahres zu seinen Aufgaben.
Zusammenfassend kann sich der Jagdaufseher zum Großteil seine Dienstzeit selbst einteilen ist aber an viele Gegebenheiten gebunden. Seine Arbeitszeit beginnt vorwiegend bei Tagesanbruch und endet am späten Abend. Kontrollgänge bei schlechtem Wetter und an Sonn- und Feiertagen sind für eine wirkungsvolle Jagdaufsicht unentbehrlich.
Leiter
Robert,
ergriff als
erster das Wort
in der
Diskussionsrunde
und erzählte:
"Ich bin mit
Idealismus
Jagdaufseher
geworden. Ich
war
Verbandsjagdaufseher
im Bezirk Meran
und jetzt mit 35
Dienstjahren in
Pension. Mein
erster
Dienstauftrag
war die Aufsicht
von 1971 bis
1976 als
Verbandsaufseher
in
Gamsschutzgebiet
Texelgruppe.
1977 wurde
dieses aufgelöst
und ich wurde
als
Verbandsjagaufseher
bis zu meiner
Pensionierung
dem Jagdbezirk
Meran zugeteilt.
Ich bin
heute Jäger im
Revier
Partschins und
freiwilliger
Aufseher in
einer Eigenjagd.
Leiter erzählt weiter: "Als ich 1971 mit einem Kollegen die Arbeit in der Texelgruppe als Jagdaufseher begann, war das Gebiet leer geschossen, unsere Aufgabe war es, dort den Wildbestand, besonders das Gamswild wieder aufzubauen. Der Südtiroler Jagdverband hat das Vorhaben finanziert und war mein Arbeitgeber.
Zur dieser Zeit mussten wir vieles leisten. In meinen ersten Dienstjahren, konnte ich schon 3 Wilderer stellen. Ich dachte mir, das fängt ja gut an. Daraufhin wurde mir mein Auto angezündet und ein weiteres Auto mit Steinen beschädigt. Als ich dann wieder zwei Wilderer erwischte, haben sie die Jagdhütte angezündet, dort wo ich übernachtete. Mein Schweisshund, ein Terrier, den ich hauptsächlich auf Menschenspuren abgerichtet hatte, wurde nach einigen Tagen nachdem ich einen Wilderer zur Anzeige gebracht hatte, auf dem Parkplatz vor meiner Haustüre vergiftet.
In meinen ersten Dienstjahren schlief ich mindestens 3 mal in der Woche im Revier, nur 3-4 mal Zuhause. In den ersten 6 Jahren als ich in der Texelgruppe Aufseher war, hatte ich insgesamt 14 Tage Urlaub und die zum Heiraten. Im Dorf musste ich mich verstecken, mit der Angst, dass der eine oder andere mich sehen konnte und somit die Gelegenheit zum Wildern ausnutzen könnte.
Auf einen Wilderer habe ich 27 Tage gewartet, Tag und Nacht unter einem Felsen verbracht. Am 27. Tag konnte ich den Wilderer stellen.“
Von 1971 bis 2005 wurden im Revier Partschins acht verschiedene Revieraufseher angestellt. Kaum wurde von einem Aufseher jemand angezeigt, wurde er entlassen. Kündigungsschutz gab es damals keinen. „Dieses Problem hatte ich nicht, ich war vom Verband angestellt und kein Revier konnte mich somit entlassen. Ich konnte frei arbeiten und auch prominente Jäger zur Anzeige bringen.“, so Leiter, „Alfons Heidegger war mein Lehrmeister und dafür möchte ich ihm heute noch danken, ich habe vieles von ihm gelernt, er hat mir immer wieder Mut zugesprochen.“
Wie schon erwähnt: „Ich war ein Idealist, die Freude am Beruf war es, die einen dazu brachte einen Wilderer zu stellen.“ Durch den unermüdlichen Einsatz ist es in nur 6 Jahren gelungen, in der Texelgruppe einen gesunden, reifen Gamsbestand aufzubauen. Das Ergebnis davon war, dass in mehreren Jahren kein Gamsbock unter 6 Jahren erlegt wurde. „Alles reife Bestände und ich bin mir sicher, dies war unsere Leistung. Welcher Jagdaufseher würde heutzutage noch diesen Einsatz in Kauf nehmen? Wir hatten kein Handy und lange Zeit auch kein Telefon zu Hause, die Frau wusste nicht ob ich noch lebe oder nicht.“, berichtet Leiter. Von 1971 bis 1983 gab es jährlich 3-4 Prozesse gegen die Wilderer und nur ein einziger wurde, aus Mangel an Beweisen, verloren. Eine Bestätigung, dass die Ermittlungen gut gemacht wurden.
Nöckler
Hans
ist seit 1965
Jäger und
erzählt: „Der
Jagdaufseherberuf
interessierte
mich schon seit
meiner Kindheit.
Einige Jahre war
ich im Revier
Prettau als
Revieraufseher
angestellt.
Während dieser
Dienstzeit hatte
ich mich beim
damaligen
Bezirksjägermeister
Seeber um eine
Stelle als
Verbandsaufseher
beworben, die
ich auch gleich
erhielt. Als
Verbandsaufseher
wurde mir der
Bezirk Bruneck
zugeteilt.
Im Jahre 1977 bekam ich die Landesstelle als Landesjagdaufseher im Amt für Jagd und Fischerei. Damals waren nur Heidegger Alfons und ich angestellt. Später wurde mir als Landesjagdaufseher der Bezirk Eisacktal und Pustertal zur Aufsicht zugeteilt. Seit 1997 bin ich in Pension. Ich hatte in meinen Dienstjahren immer ein gutes Verhältnis mit dem Südtiroler Jagdverband wie auch mit dem Amt für Jagd und Fischerei und bemühte mich um ein gutes Einvernehmen mit den Jagdaufsehern und den Jägern. Damals organisierte ich jedes Jahr eine kleine Feier, zu der immer viele gekommen sind. Es gab auch weniger Probleme mit den Bauern und Grundbesitzern, die Wildschäden hielten sich in Grenzen. Ich bin auch heute noch ein passionierter Fachmann für Jäger und Nichtjäger, werde immer wieder um Rat gefragt und gebe auch gerne mein Wissen weiter.
Die Jagdaufseher von heute sind sind ziemlich selbstständig, was früher nicht so war. Wir konnten auch öfters zu zweit und zu dritt den Dienst in einem Revier ausüben, während die Jagdaufseher von heute ziemlich selbstständig arbeiten und sich kaum mehr zum Austausch treffen.
Der Beruf des Jagdaufsehers ist sicherlich eine schöne, aber schwierige Aufgabe, schon die Kommunikation mit den Bauern, Jagdgegnern und Nichtjägern verlangt viel Fingerspitzengefühl.
Die größte Änderung gibt es inzwischen bei der Wildbewirtschaftung und bei der Abschussplanung. Alte oder reife Abschüsse in den einzelnen Revieren werden auch bei der Abschussplanung nicht mehr gebührend berücksichtigt. Nur mehr hohe Abschusszahlen zählen.
Auch in der Landestrophäenbewertungskommission und gerade bei den Hegeschauen merkt man, dass bei den meisten Jägern nur mehr der Trophäenkult zählt, gerade beim Rehwild kann man dies immer wieder deutlich feststellen. Auch bei den Rehbockjahrlingsabschüssen merkt man den großen Unterschied. Es sind immer dieselben Reviere, die kapitale Jahrlingsabschüsse zur Hegeschau bringen. Meiner Meinung nach, sollte bei der Abschussplanung mehr auf die Qualität und nicht Quantität ausgerichtet sein. Es sollte nicht sein, dass für die Quantität Abschüsse dazu bewilligt werden.
Die Wildbewirtschaftung vor allem die Rehjagd, wie sie heute betrieben wird, finde ich in Ordnung, auch der Rehbestand hat wieder zugenommen.
Kerschbaumer
Peter
ist seit 1971
Jäger im Revier
Vahrn.
Verbandsaufseher,
wurde er im
Jahre 1979 durch
den
Landesjägermeister
Dr. Ludwig von
Lutterotti. „Ich
besuchte den
Kurs für
Jagdaufseher in
Rotholz und
beaufsichtigte
das Revier
Sarntal. Zu
dieser Zeit
wurde mir auch
die Gamsaufsicht
in Ritten,
Sarntal bis zum
Penserjoch zu
Aufsicht
zugeteilt.
Bezirksaufseher
in Brixen wurde
ich im Jahre
.......“
Kerschbaumer
meinte: „Damals
waren wir im
Bezirk noch zu
dritt, einige
Jahre später
musste ich
allein die
Aufsicht
übernehmen. Ich
war dort 27
Jahre als
Bezirksaufseher
angestellt und
ging im Jahr
2006 in
Pension.“ Heute
noch
beaufsichtigt er
drei Eigenjagden
und übt das
Waidwerk immer
noch mit Passion
aus.
Kerschbaumer war auch langjähriger Präsident des Südtiroler Jagdaufsehervereins.
Auch er nahm kein Blatt vor den Mund und betonte: „Heute habe ich noch mit den Leuten, die ich als Verbandsaufseher anzeigen musste, eine gute Kollegschaft. Ich habe es den Leuten immer mit Manieren beigebracht, und ihnen zu verstehen gegeben, dass ich für die Jagdaufsicht angestellt bin, und Gesetzesübertretungen zu Protokoll geben muss. Viele haben ihre Fehler auch eingesehen.“
„Wir mussten sehr viele Hausdurchsuchungen machen, welche für mich immer wieder sehr unangenehm waren.“, erzählte Kerschbaumer. Die Zeiten waren damals schlecht, eine Firma in Brixen hatte zu dieser Zeit 80 Leute entlassen, von denen dann sehr viele zu wildern gegangen sind. Mit der nötigen Erfahrung wusste man, zu welcher Zeit die Wildereien gefährlich waren. „Anstatt mit der Familie Weihnachten oder Festtage zu feiern, mussten wir das Fest im Revier verbringen. Auch mir wurde das Auto zerstört.“ Er ist der Meinung, dass es früher unter den Jagdaufsehern eine viel bessere Zusammenarbeit gab. Heute sei jeder auf sich gestellt. „Immer öfters merke ich, dass Aufseher nur noch die vorgeschriebene Arbeitszeit einhalten und auch ungern Sonderschichten schieben. Trotz allem, mache ich immer wieder die Erfahrung, dass wir heute noch sehr gute ausgebildete Jagdaufseher haben, die voll hinter dem Beruf stehen und auch eine gute Erfahrung als Aufseher mit sich bringen, aber leider so erzogen werden, dass sie gleich schlampig werden wie andere. Die Antwort darauf ist immer: Ich mache meinen Dienst, aber suche keine Probleme.“, führt Kerschbaumer aus.
Auch er hatte viele Prozesse, wovon kein einziger, Dank der guten Zusammenarbeit mit den Richtern und der Beweisführungen, die er immer wieder hinterlegen konnte, verloren wurde. „In meiner Karriere als Verbandsaufseher war ich unter 5 verschiedenen Landesjägermeistern tätig, wo auch ich immer wieder aufgefordert wurde, mich in verschiedene Angelegenheiten nicht einzumischen“, erzählt er. Manchmal habe er sich gefragt, wozu er sich derart bemühen solle, wenn die Revierleiter anderer Meinung waren. Die Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jagdverband war stets gut und er habe dort auch viele Tage an den Unterlagen gearbeitet bzw. war bei den Auswertungen von Statistiken behilflich. „Wenn jemand eine Familie hat, rate ich heute noch ab, Jagdaufseher zu werden. Für das Familienleben hat man kaum Zeit bzw. eine feste Familienplanung gibt es nicht. Auch ich musste immer sehr früh meinen Dienst antreten und bin spät am Abend als die Kinder schliefen nach Hause gekommen. Ich habe meine Kinder kaum gesehen, und so sind sie ohne meine Mithilfe in der Familie aufgewachsen“, schwelgt Kerschbaumer in Erinnerungen.
Auch er ist der Meinung, wäre der Arbeitsgeber der Südtiroler Jagdverband würde es so manche Diskriminierungen zwischen Revierleitung und Revierlaufseher nicht geben. Solange der Revierleiter der eigene Arbeitgeber ist, ist es wohl schwierig seinen Arbeitgeber anzuzeigen. Hätten die Jagdaufseher nur einen Arbeitgeber, so könnte die Aufsicht viel besser koordiniert werden.
Kerschbaumer nennt ein Beispiel: „Früher mussten die Aufseher alle Wildbestandsmeldungen unterzeichnen, die der Abschussplanung vorgelegt wurden. Dies wurde abgeschafft. Warum eigentlich? Wenn ein Mensch, der jeden Tag im Revier ist und den Wildbestand bestens kennt, nicht mehr glaubwürdig ist, dann stimmt etwas nicht.“ Er fährt fort: „Ich finde es als Armutszeugnis, dass man einem Revieraufseher verbietet den Wildbestand zu bestätigen bzw. es nicht mehr notwendig findet den Praktiker anzuhören bzw. einzubeziehen. Auch darum, es hat Fälle gegeben wo ein Aufseher den Bestand nicht bestätigt hat, weil die Meldung nicht dem Wildbestand entsprach.“ Somit wurde die Kontrollfunktion von der Verwaltungsfunktion getrennt.
„Wie viele Jagdaufseher waren 1990 und wie viele 2010?“, fragt Kerschbaumer. Die Reviere versuchen immer mehr zu sparen. Somit ist die grenzüberschreitende Jagdaufsicht bzw. die Aufsicht von 10.00 Hektar und mehr, nicht mehr gewährleistet, die Aufseher sind mit der Aufsicht mehrerer Reviere überfordert.
Ein gegenseitiges Treffen unter den Jagdaufsehern gibt es schon viele Jahre nicht mehr, früher traf man sich jede Woche um zu berichten, Erfahrungen oder Ratschläge auszutauschen, heute sieht man sich noch alle 4-5 Monate wenn es gut geht.
Der Jagdaufseher wird erst wieder zu Rate gezogen, sobald Wildkrankheiten ausbrechen oder der Wildbestand im Revier stark zurückgeht. Mancherorts wird der Jagdaufseher nicht einmal zur Vollversammlung- oder bei Entscheidungen über die Wildbewirtschaftung zu Rate gezogen. Erst wenn es in der Wildbewirtschaftung Probleme gibt, bekommt der Aufseher seine Wertschätzung, davon ist Kerschbaumer überzeugt.
Auf die Frage bezüglich Jagdschutz erklärte Kerschbaumer: „Zum Jagdschutz gehören unter anderem die Verhinderung von vermeidbaren Schmerzen oder Leiden des Wildes, d.h. krankgeschossenes oder schwerkrankes Wild unverzüglich von seinen Leiden zu erlösen“, d.h. entweder zu erlegen oder - falls möglich - zu fangen und zu versorgen. „Diese Entscheidung ist nicht immer einfach. Mir kommt vor, bei vielen Menschen zählt ein Tier mehr als ein Menschenleben“, so Kerschbaumer.
Jeder Jagdaufseher muss auch heikle verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, die bei vielen Leuten nicht immer positiv angenommen werden. Es ist schon passiert, dass ein überfahrenes Reh in Anwesenheit der Person, die das Tier überfahren hat, in die Tierklinik transportiert werden musste, Tage lang hing es an den Flebo und ist schlussendlich verendet es trotzdem. Der Tierfreund war weg und der Bezirk sollte die ganzen Kosten tragen. „Ich glaube, hier wird die Tierliebe einfach übertrieben“, meinte Kerschbaumer.
Ebenkofler
Joachim:
„Schon in meiner
Jugendzeit
wollte ich immer
Jagdaufseher
werden. Damals
gab es auch
nicht genug
Arbeit und so
bat ich immer
wieder die
damalige
Revierleitung
die Jagdaufsicht
übernehmen zu
dürfen.“ Im
Jahre 1966 wurde
er dann als
Revieraufseher
angestellt.
„Zwei Jahre
später musste
ich einen Freund
des Ex
Revierleiters
anzeigen, der
gegen
Weihnachten mit
einem
Schrotgewehr bei
einer
Futterstelle auf
Rehe gepasst
hatte. Daraufhin
wurde mir vom
damaligen
Revierleiter die
Aufsicht
entzogen und ich
bekam keinen
Gehalt mehr
ausbezahlt. Ich
wollte schon den
Jagdaufseherberuf
auf den Nagel
hängen, bis mich
der damalige
Bezirksjägermeister
Richard Seeber
ins Büro bat und
mich überredete
die Jagdaufsicht
im Bezirk
Bruneck als
Verbandsaufseher
zu übernehmen.
Nach einer
längeren
Bedenkpause
sagte ich
schlussendlich
zu und somit
wurde ich
wiederum von
1970 bis 1995
als
Verbandsaufseher
angestellt. 1995
ging ich dann in
Pension.“ Die
damalige
Zusammenarbeit
mit dem Bezirks-
und
Vizelandesjägermeister
Richard Seeber
war sehr gut. Er
war eine sehr
aufrichtige,
ehrliche Person.
Alle
Verbandsaufseher
vom Bezirk
trafen sich
einmal in der
Woche mit dem
Bezirksjägermeister
um über die
Probleme und
Anliegen
berichten zu
können, Seeber
stand immer
wieder mit Rat
und Tat zur
Seite.
„Ich war damals auch Mitglied des Südtiroler Jagdaufsehervereins, aber auch damals gab es Alleswisser und ich habe mich im Verein um nichts bemüht. Ich bin immer noch der Meinung, dass die grenzüberschreitende Jagdaufsicht wie sie zur Zeit gehandhabt wird nicht funktioniert.“, so Ebenkofler. Es sollte nicht nur ein Teil der Jagdaufseher Angestellte des Südtiroler Jagdverbandes sein, sondern es sollte für alle Aufseher der Südtiroler Jagdverband der Arbeitgeber sein. Viele Revierleiter lassen sich von einem Jagdaufseher immer noch nicht dreinreden, bzw. mit drohen mit Entlassung wenn die Anordnungen nicht erfüllt werden. „Früher haben wir den Dienst in einem Revier auch abwechselnd zu zweit oder zu dritt ausüben können, heute ist dies nicht mehr möglich.“, bedauert Ebenkofler.
Die Wildbewirtschaftung wie sie heute gemacht wird, ist für ihn in Ordnung. Es gäbe wieder mehr Rehe in Rain und es sei gut, dass auch wieder mehr C-Böcke und Rehgeißen geschossen werden. „Ich habe den Beruf Jagdaufseher mit Freude ausgeübt und habe einfach eine bestimmte Verbundenheit mit der Natur erlebt“, sagt er.
Mühlbichler
Josef
Nachdem ein
früherer
Verbandsaufseher
in Pension ging,
wurde er 1971
als
Verbandsaufseher
im Bezirk
Bruneck
angestellt, 1974
wurde er
Bezirksaufseher
im Bezirk Brixen
und
beaufsichtigte
dort 6 Jahre die
umliegenden
Reviere.
Anschließend
wurde er ins
Oberpustertal
versetzt und die
letzten 15 Jahre
vor der
Pensionierung
wurde er
wiederum im
Bezirk Bruneck
als
Verbandsaufseher
angestellt und
beaufsichtigte
das Revier
Kematen, Sand
in Taufers und
Weißenbach und
ist seit 2003 in
Pension. „Seit
meiner
Pensionierung
übe ich immer
noch die Jagd in
meiner
Heimatgemeide
Kematen aus.“,
berichtet
Mühlbichler. Die
Zusammenarbeit
mit den
Landwirten war
immer gut und
auch mit den
Jagdkollegen.
Die Aufgabe des
Verbandsaufsehers
war es, die
Berichte über
die
Wildbewirtschaftung
zu schreiben,
Anzeigen zu
verfassen und an
den Verband
weiterzuleiten.
Wildschäden zu
begutachten,
zusammen mit den
Revieraufsehern
Jagdaufsicht zu
halten,
Wildkrankheiten
festzustellen,
Abschusslisten
zu kontrollieren
und darüber
schriftlich zu
berichten.
„Ich hatte auch eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem damaligen Bezirksjägermeister Seeber, dieser war eine sehr aufrichtige Person und sagte auch was er wollte. Er suchte einfach den Dialog zwischen den Revieren, Revierleitungen, Jägern, Nichtjägern, Bauern und Grundeigentümern“, so Mühlbichler.
Auf die Frage bezüglich Jagdaufsicht meinte Mühlbichler: "Heute muss der Aufseher nur schauen ob die Abschüsse erfüllt werden, egal in welche Altersgruppe eingegriffen wird. Hauptsache die Zahlen stimmen. Als ich als Verbandsaufseher angestellt war, hatte man mehr in die Altersgruppe eingegriffen, es war sogar strafbar einen jungen Bock zu schießen. Auch bei den C-Böcken hatte man eine strenge Regelung. Mir kommt vor, die heutigen Jagdaufseher haben noch kaum einen Bezug zum Wild.“
Bei Eigenjagdrevieren komme eine solche Wildbewirtschaftung nicht vor, dort werde noch auf die Altersgruppe geachtet und man dürfe dort nicht jeden Bock erlegen, vielerorts dürften Böcke erst nach der Brunft geschossen werden.
„Mir kommt vor auch unter den Jägern ist die ganze Kameradschaft auseinandergebrochen. Ich stelle immer wieder fest, dass die Jagdausübung eine Modeerscheinung geworden ist. Ich begleite sehr viele Jungjäger und muss immer wieder feststellen, dass es an Erfahrung und Ausbildung fehlt.“, bedauert er.
Er ist der Meinung, dass es immer noch sehr wichtig ist, in den höheren Lagen das Wild nur mit Heu zu füttern, darum sei er immer noch ein Verfechter der Wildfütterung. Als langjähriger Verbandsaufseher trägt man immer noch eine Verantwortung dem Wild gegenüber. „Früher war einfach das Schönste, dass es nicht überall Straßen gab und man somit viel zu Fuß gehen musste. Ich habe sehr viele Spuren im Schnee verfolgt und konnte somit viele Schlingen, Fangeisen entschärfen und auch Wilderer stellen. Schlingensteller auf die Spur zu kommen war sehr schwierig.“, berichtet er.
Früher war man zu Fuß unterwegs und da konnte man leichter einen Wilderer stellen. Heute fahren die Aufseher mit dem Auto das Revier ab, und wer schlau ist kann ihnen aus den Weg gehen.
Mühlbichler erklärt: „Früher waren die Rehgeißen fast ein Heiligtum. Am Anfang als wir begannen die Rehgaise zu schießen hatten wir mit der Bevölkerung und auch mit den Jägern im Revier große Probleme. Im Jahr 1970 explodierte der Bestand der Rehe, heute sind kaum noch welche zu sehen.
Ich habe auch viele Hausdurchsuchungen gemacht und konnte somit auch sehr viele Wilderer stellen.“ Man war sich einig, ein Jagdaufseher sollte nie in der eigenen Gemeinde den Dienst ausüben, denn auch für Mühlbichler war es sehr unangenehm in der eigenen Gemeinde Hausdurchsuchungen zu machen, womit den Polizeiorganen in die Häuser gegangen wurde, diese gingen nicht immer mit Manieren vor und eine Stube voll Kinder zusah wie die Behörden Kästen und Schubläden ausräumten und alles drunter und drüber schmissen.
Tschaffert
Gottfried,
ist seit 50
Jahren Jäger und
übt heute noch
das Weidwerk mit
Passion aus. Er
erzählt: „Schon
mein Vater war
Jäger und somit
wollte ich schon
immer
Jagdaufseher
werden. Die Jagd
wurde mir in die
Wiege gelegt.“
Er war 8 Jahre
Revieraufseher
in Wengen und
1965 wurde er im
Bezirk Bruneck
als
Verbandsaufseher
angestellt. „Ich
beaufsichtigte
auch das
Gadertal und das
Revier Kampill.
In den letzten
Dienstjahren vor
meiner
Pensionierung
war ich nur
mehr für Kampill,
St. Martin und
Welschellen
zuständig.“,
berichtet
Tschaffert. Er
habe mit den
Jägern und
Funktionären
immer ein gutes
Arbeitsverhältnis
gesucht und sich
uns auch
gegenseitig
weitergeholfen.
„Als Verbandsaufseher hatte ich mit dem damaligen Bezirksjägermeister Seeber eine sehr gute und kollegiale Zusammenarbeit gepflegt. Er war für uns jederzeit erreichbar und bei Problemen suchte er immer den guten Dialog mit den Beteiligten. Meiner Meinung nach, funktioniert die grenzüberschreitende Aufsicht wie sie zur Zeit praktiziert wird sehr gut. Die Aufsicht hängt nicht immer vom Aufsichtsjäger ab, wenn die Revierleitung mithilft, hat auch der Aufseher mit der Aufsicht von ein oder mehreren Revieren keine Probleme.“, so erklärt er weiter, „Leider gibt es in vielen Revieren mehrere Parteien, der eine mag den einen nicht, der andere den anderen nicht und der Aufseher muss halt immer versuchen zu schlichten und mit allen Jägern auszukommen, was nicht immer leicht ist. Stellt er sich gegen die Revierleitung bekommt er ein Problem. Eine Aufsicht in einer Eigenjagd wäre die schönste Arbeit eines Jagdaufsehers und es ist meistens auch alles in Ordnung was ein Aufseher macht.“ Auch die Bürokratie für einen Aufsehers habe stark zugenommen, immer wieder würden eine Menge Formulare zum Ausfüllen ausgehändigt.
Tschaffert wurde besonders mit der Gamsräude konfrontiert und meinte: „Hinterher versteht man alles besser.“ Auf die Frage Wildbretvermarktung meinte Tschaffert: „Früher hatte das Wildbret bei uns einen großen Wert, überall in den Hotels wurde Wildbret angeboten und darum war die Nachfrage sehr groß, inzwischen ist kaum noch Nachfrage, warum weis ich selber nicht.“
Über die Wilderer zu reden, wäre ein Fass ohne Boden meinte Tschaffert: „Ich könnte ein Buch schreiben.“ Bei den Wilderern gäbe es öfters eigene Gesetzte um sie dingfest zu machen. Was genau er dabei meinte, hat er uns nicht verraten.
Auch eine Wilderergeschichte, die ihm noch in Erinnerung geblieben ist, hat er uns erzählt: "Als Verbandsaufseher pirschte ich durch das Gelände, als unten im Tal die Glocke zur Morgenmesse rief. Ich sah drei Männer, die mir nicht gerade geheuer vorkamen. Ich kannte jedoch keinen der Drei. Mit dem Fernglas sah ich, dass es sich um drei Wilderer handelte. Ich überlegte kurz was ich machen sollte und rannte mit dem Gewehr schussbereit das Tal hinunter. Ich sah wie die Burschen wegliefen, ich sah noch einen braunen Fleck auf der Wiese liegen und dachte es sei der Bock. Als ich näher kam lag in der Wiese ein Wilderer. Ich schrie: „Steh auf!“ Der Wilderer rührte sich nicht, sondern jammerte vor sich hin, neben ihm lag das Gewehr. Ich ging hin und riss ihn hoch. Beim näheren Hinsehen sah ich, dass ein Fuß nur mehr baumelte. Beim Flüchten und Überspringen eines Zaunes hatte er sich das Gelenk gebrochen. Mir blieb nichts anders übrig, als diesen "Teifel" bis zu einen Waldweg zu tragen, legte den Wilddieb neben einen Baum und ging ins Tal um in der Nachtbarschaft einen Traktor zu suchen, der den Wildschütz ins Tal brachte.
Am nächsten Tag fuhr ich nach Bruneck um dort die Meldung zu machen, das hieß es schon: „Hosch keart der Tschaffert hat auf einen Wilderer geschossen!“
Auch Tschaffert pflegte eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Richtern und polizeilichen Behörden, sobald sie gerufen wurden, waren sie auch gleich zur Stelle und haben sehr gut kooperiert.
Laut Tschaffert gäbe es inzwischen kaum mehr Wilderer, die größten Wilderer seien die Jäger selbst, meint Tschaffert scherzend.
Mayr
Toni
ist seit 1964
Jäger. Im Jahre
1969 wurde in
Terlan die erste
Jagdaufseherprüfung
abgehalten,
woran auch er
teilgenommen
hatte und die
Prüfung bestand.
Somit wurde er
1970 in seiner
Heimatgemeinde
Pfunders, als
Hilfsaufseher
angestellt. „Von
1973 bis 1976
war ich
Revieraufseher
in Klausen und
Feldthurns. Als
Revieraufseher
habe ich immer
sehr gute
Erfahrungen
gemacht, man
hatte eigentlich
immer den guten
Kontakt mit den
Jägern. Diese
Kameradschaft
habe ich sehr
gepflegt.“, so
Mayr. Im Jahre
1976 wurde er
als
Verbandsaufseher
angestellt, und
beaufsichtigte
bis 1988 den
Bezirk Brixen.
Im Jahre 1988
wurde er nach
Bruneck versetzt
und war dort bis
1991 für den
Bezirk Bruneck
zuständig.
Auch bei der Jagdaufsicht hat sich vieles geändert: „Wir mussten noch viel zu Fuß gehen, heute fahren die Aufseher mit dem Auto herum, und haben auch mit der grenzüberschreitenden Aufsicht kaum mehr Zeit das Wild zu beobachten. Ich glaube früher war der Zusammenhalt unter den Aufsehern einfach besser, man hat sich gegenseitig mehr respektiert.“ ES gab schöne unvergessliche Erlebnisse, warum er den Beruf auf jeden Fall nochmals wählen würde.
Mayr meinte: „Es ist wohl übertrieben wie in der heutigen Zeit die Jagd ausgeübt wird, das Handy ist ja wichtiger geworden als ein Fernglas. (reinhören) Auch beim Gams jagern, dauernd das Handy am Ohr, dies hat wohl nichts mehr mit Jagd (überlisten von Wild) zu tun.
Mayr einst ein sehr bekannter Hundeführer und konnte schon vor einigen Jahren seine 1.000 Nachsuche zählen. Auf die Frage, wie sich die Jäger nach einem Anschweißen verhalten sollten, antworte Mayr : „Ich bin der Meinung die Jäger sind heute gut informiert, die meisten Wissen, wie sie sich bei einem angeschweißten Stück zu verhalten haben. Mir kommt vor, mit den heutigen Kalibern werden einfach zu große Weitschüsse gemacht. Viele laden noch selber die Patronen welche die Wirkung verfehlen. Es kommt immer wieder vor, dass Wild auf 400-500 Meter geschossen wird, diese Schussentfernungen sind einfach nicht relevant. Für mich sind solche Entfernungen nur Glückstreffer.“
Auch bei meinen Nachsuchungen habe ich so manches erlebt, einen Fall möchte ich erzählen: “Jeder kannte den "Sad Luis" von Villnöss, der inzwischen leider verstoben ist. Er rief mich an und erzählte, dass er einen C-Bock angeschweißt hat, wahrscheinlich ein , so der Luis. Ich nahm meinen ältren und einen jungen Hund zur Nachsuche mit. In Villnöss angekommen zeigte er mir das Wundbett. Ich schnallte gleich alle zwei Hunde ab und ging langsam Richtung Schweißfährte. Der alte Hund kam retour und der Junge war nirgends mehr zu finden. Ich dachte mir gleich, dass hier etwas nicht in Ordnung sei. Wir gingen zu einer Felsspitze, wo ich mit dem Fernglas zu einem Hof sehen konnte. Ich sah, dass dort ein Reh liegt und eine Menschenmenge war versammelt. Ich dachte mir schon mit dem Hund ist etwas passiert. Der "Sad Luis" meinte, wir müssten den Umweg machen um runter zu kommen, ich beschloss aber trotzdem gerade hinunter zu gehen, dort wo die Hunde den Bock verfolgt hatten. Ich bin dann ein bisschen früher als der Luis beim Hof angekommen, ich sah den jungen Hund auf mich zu kommen und war schon mal froh den Hund zu sehen. Ich fragte gleich die Hunde Hexi und Diana: ‚Wo ist das Bockele?‘ Die Terrasse am Bauernhof war frisch gespült und der Bauer wartete auf mich. Beim rüber gehen, blieb der Hund an einer Zaunlatte stehen und ich sah dort einen Rehlauf liegen. Ich bin dann zum Bauer gegangen, welcher sofort zu schimpfen anfing und meinte er wollte fast meinen Hund erschlagen. Es sei immer das selbe, dauernd würden die Hunde hinter den Rehen herlaufen. Hätte er meinen erwischt, hätte er ihn mit dem Pickel erschlagen. Ich fragte den Bauer wo dann der Bock sei. Der Bauer antwortete, sie hätten dem Bock den Lauf abgeschnitten, da der nur mehr an der Decke gehangen sei, den Lauf hätten sie verbunden und in den Stall gelegt. Während dieser Unterhaltung mit dem Bauer kam auch der "Sad Luis", der den Villnösser Bauer auch kannte und klärte den Vorfall auf. Dem Bauer war es unheimlich zu dumm, er wusste gar nicht, dass man mit einen Hund ein krank geschossenes Wild suchen kann. Er meinte er werde so etwas nie mehr tun, und lud uns anschließend zu einer ordentlichen Marende ein. Ich war froh, dass der Hund weggelaufen ist, denn den wollte er wirklich erschlagen.“
Folie
Leo
erzählte: „Ich
bin seit 1963
Jäger im Revier
Reschen. Der
Jagdaufseherberuf
interessierte
mich schon
immer. Als von
Schnals bis
Reschen die
Gründung eines
Gamshegerings im
Gespräch war,
richtete ich
eine Anfrage um
eine
Dienststelle an
den damaligen
Bezirksjägermeister
Dr. Stampfer. In
der Zwischenzeit
besuchte ich
mehrere
Fortbildungskurse,
denn eine
Prüfung war
damals nicht
Pflicht. Als
dann der
damalige
Verbandsaufseher
Patscheider in
Pension ging,
wurde ich vom
Südtiroler
Jagdverband als
Verbandsaufseher
angestellt“ Seit
1963 ist er
Jäger im Revier
Graun, und war
von 1972 – 1995
Verbandsaufseher
im Jagdbezirk
Vinschgau von
Reschen bis
Schnals und in
den letzten 10
Jahren vor
seiner
Pensionierung,
also bis 2005
war er
Revieraufseher
in Graun. Auch
Folie hatte als
Jagdaufseher
eine sehr gute
Beziehung zu den
Jägern, der
Unterschied war,
dass er als
Verbandsaufseher
eine große
Kontrollfunktion
inne hatte, als
Revieraufseher
konnte man
selbstständiger
arbeiten.
Der damalige Landesjägermeister Dr. Ludwig von Lutterotti hat ihn bei seiner Aufsicht als Verbandsaufseher sehr unterstützt. Damals hatte er ein Problem mit einem Jäger und es stand seine Entlassung auf dem Spiel. „Der damalige Landesjägermeister hat sich wirklich eingesetzt um meine Unschuld beweisen zu können.“, sagt er.
Zu der Frage Wildbewirtschaftung meinte Folie: „Wir kommen mit den Bauern klar, die Intensivkulturen gehen immer weiter nach oben und Gott sein Dank hält sich das Rotwild immer noch in den höheren Lagen auf. Wir haben einen großen Jagddruck im Vinschgau, wir schießen Kahlwild auch 1:4.“ Jedes Revier sollte über die Wildbewirtschaftung selber entscheiden können, der Unterschied besteht bereits zwischen Tal- und Berggebieten. „Ich bin der Meinung, dass sich die Nachbarsreviere mit der Aufsicht gegenseitig aushelfen sollten. Natürlich ist dies zur Zeit schwer möglich, da einige Reviere gegenseitig zerstritten sind, möglich wäre dies nur, wenn der Südtiroler Jagdverband der Arbeitgeber wäre. Ich bin der Meinung“, so Folie weiter, „dass der Unterschied zwischen Wilderei und dem Vergessen eines Kreuzchens im Verbandskontrollkalender strikter getrennt werden soll. Sollte mal jemand wirklich die Niederwildjagd nicht angekreuzt haben, finde ich es nicht richtig, dass diese Person gleich ein Disziplinarverfahren bekommt, wie jemand der ein Wild gestohlen hat. Das erste mal soll es schon bei einer Verwarnung bleiben.“ „Besser miteinander wie immer gegeneinander.“, meint er.
„Zum Wildbret möchte ich sagen, dass es ein hochwertiges Lebensmittel ist und keine lästige Begleiterscheinung. Ich rate den Jägern immer wieder das Wildbret sauber zu verarbeiten, um es auch gut vermarkten zu können, welches nicht für den Eigengebrauch benötigt wird. Ein hochwertiges Wildbret ist auch eine Bereicherung für das Revier bzw. für das ganze Land“, erklärt Folie.
Als langjähriger Verbandsaufseher und mit seiner Erfahrung ist er immer noch Informant für die jagende und nicht jagende Bevölkerung. Es wird öfters zusammengesessen und beraten auch in Anwesenheit nichtjagender Leute.
Auf die Frage Wildfütterung antwortete Folie: „Ich bin ein großer Befürworter der Rotwildfütterung. Meiner Meinung nach, ist es einfach wichtig auch dem Rotwild über den Winter zu helfen. Nichts soll übertrieben werden, ich bin dagegen Kraftfutter oder Obsttrester zu verfüttern, es sollte schon beim Heu bleiben. Beim Einkauf von Heu soll man aber nicht sparen, nur verfüttern von guten Heu hat Sinn.“
Folie schließt ab: „Zum Schluss möchte ich auch noch ein Wort zum Jagdaufseherberuf sagen: Wer Familie hat, sollte sich diesen Beruf gut überlegen, es ist ein schwieriger Beruf ohne geregelten Familienleben. Die Familie muss viel Verständnis aufbringen. Auch ich musste durch diesen Beruf meine Familie vernachlässigen, was mir heute noch leid tut. Meine Kinder sagen manchmal: „Für uns hattest du wenig Zeit, aber das ist eben das Negative daran.“
Walder
Alfred
Er war von 1968
bis 1991
Verbandsaufseher
im Vinschgau, 8
Jahre lang von
1968 bis 1975
Verbandsaufseher
im Nationalpark
in Martell. 1975
lernte er über
Alfons Heidegger
und den
damaligen
Landesjägermeister
Dr. von
Lutterotti
kennen. Er wurde
vom
Landesjägermeister
nach Deutschland
zum
Jagdaufseherkurs
geschickt. Einen
weiteren Kurs
besuchte er noch
in Innsbruck und
absolvierte dort
die Prüfung zum
Berufsjäger.
Anschließend
wurde Walder
Bezirksaufseher
und
beaufsichtigte
das obere
Vinschgau von
Mals bis
Schlanders. „Zu
dieser Zeit
konnten wir sehr
viele Wilderer
stellen. Durch
unseren
unermüdlichen
Einsatz war das
möglich. Es
wurden auch
immer wieder
Jagdaufseher von
Revieren
entlassen, da
sie Freunde der
Revierleitung
zur Anzeige
gebracht hatten,
die es nicht für
notwendig
fanden, die
Jagdordnungen
bzw.
gesetzlichen
Vorschriften
einzuhalten. Wir
dachten uns, so
könne das wohl
nicht
weitergehen und
beschlossen
einen
Jagdaufseherverein
zu gründen um
gemeinsam gegen
diese
Entlassungen
vorzugehen.“
Damals lernte er
auch einen
Gewerkschaftsvertreter
kennen der bei
der Gründung
sehr behilflich
war. „Als
Präsident dieses
Jagdaufseherverein
strebten wir
auch mehrere
gerichtliche
Verhandlungen an
und gewannen
sämtliche
Verfahren. Die
entlassenen
Aufseher mussten
somit wieder
angestellt und
die Löhne
nachgezahlt
werden.
Wir gingen auch
immer wieder zur
Presse um über
unseren neu
gegründeten
Jagdaufseherverein
und von den
ungerechtfertigten
Entlassungen zu
berichten. Durch
unseren Einsatz
haben wir uns
mit den
jagdlichen
Behörden
ziemlich
verfeindet,
welche am Anfang
unseren
Jagdaufseherverein
zu boykottieren
versuchten. In
unserem Verein
wurden auch
Entscheidungen
über unsere
Köpfe hinweg
getroffen. Ich
war schon immer
ein Verfechter,
dass die
Jagdaufseher auf
Bezirksebene
arbeiten, das
heißt wenn ich
als Aufseher bei
meinem Dienst
Hilfe brauche,
dass mir der
Bezirk die dafür
notwendigen
Aufseher stellen
kann. Ein
Bezirksaufseher
sollte diese
Aufsicht
koordinieren,
ohne beim
Revierleiter
immer wieder
eine Meldung
machen zu
müssen. Ich
finde es auch
nicht richtig,
dass ein
Aufseher vom
Pustertal ins
Vinschgau
geschickt wird
um dort seinen
Dienst zu
machen. Ein
Aufseher sollte
immer in seinem
Bezirk den Beruf
ausüben können.
Nachdem im
Nationalpark die
Förster die
Jagdaufsicht
übernommen haben
wurde ich
versetzt.“
Waldner war auch langjähriger Präsident des Südtiroler Jagdaufsehervereins.
Telser
Robert aus
Schlanders
ist seit 1956
Jäger und zum
Jagdaufseherberuf
gekommen, weil
er zu dieser
Zeit Kollegen in
Bayern kannte,
die dort auch
die Jagd
ausübten. Er
konnte vieles
von der dortigen
Jagdaufsicht
lernen. „Ich
habe im Jahre
1967 in
Innsbruck einen
Jagdaufseherkurs
besucht und dort
die Prüfung als
Berufsjäger
abgeschlossen.
Anschließend
habe ich mich
beim Südtiroler
Jagdverband um
die Stelle als
Verbandsaufseher
beworben und
nachdem der
damalige
Landesjägermeister
in Erfahrung
gebracht hatte,
dass ich in
Innsbruck diese
Schule besucht
hatte, wurde ich
auch gleich als
Verbandsaufseher
angestellt.“,
berichtet Telser.
Im Jahre 1971 wurde er mit dem Bezirk Obervinschgau und Martell betraut. Weitere 10 Jahre beaufsichtigte er das Revier Schlanders und Pfossental und die restlichen 5 Jahre vor der Pensionierung war er im Nationalpark zuständig. „Seit 1996 bin ich in Pension.“, sagt er, „Als Verbandsaufseher habe ich bis 1983 sehr viele Futterstellen errichtet, bis dies 1983 durch ein Landesgesetz verboten wurde.“
Er war auch Mitgründer des Südtiroler Jagdaufsehervereins. Die Zielsetzung war damals die Aufseher vor den Entlassungen zu schützen und bei Streitigkeiten behilflich zu sein. Welche Zielsetzung der heutige Jagdaufseherverein hat wisse er nicht genau.
„In meinen Dienstjahren als Verbandsaufseher war die Wilderei im Vinschgau extrem, auch dadurch, weil zu dieser Zeit die Bauern die Wilderer unterstützt hatten. Wir mussten sehr viele Nachtschichten machen und einen Stundenplan gab es damals nicht. Ich habe sehr viele Nächte im Revier verbracht und natürlich viele Wilderer stellen können.“, berichtet Telser.
Seine Hilfe biete er immer noch an, wenn er darum gefragt werde.
Andergassen
Herbert aus
Kaltern
ist seit 1965
Jäger im Revier
Kaltern. Er
erzählt, dass er
schon immer
Jagdaufseher
werden wollte.
Als eine Stelle als Revierjagdaufseher frei war, wurde er von Alfons Heidegger motiviert, den Jagdaufseherberuf auszuüben.
Von 1969 bis 1979 wurde Herbert Andergassen als Revierjagdaufseher im Revier Kurtatsch und Margreid angestellt. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Revierleiter von Kurtatsch wurde er von ihm (Revierleiter) fristlos entlassen.
In der nun folgenden Zeit hat er zwei Tage wöchentlich unter der kommissarischen Leitung des Landesjägermeisters Dr. von Lutterotti im Revier Margreid seinen Beruf weiter ausgeübt.
„Ich habe bei Gericht um mein Recht gekämpft“, erzählt Herbert Andergassen weiter, dabei ist er vonseiten der ASGB, weiters vom Landerjägermeister Dr. von Lutterotti, sowie vom Bezirksjägermeister Mario Todesca und Alfons Heidegger unterstützt worden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die mir in dieser schwierigen Zeit geholfen haben“, betont Herbert und erzählt weiter: “Am Ende des Prozesses , als mich der Richter fragte, ob ich wieder meinen Beruf in Kurtatsch und Margreid fortsetzen möchte, habe ich verneint. Ich habe meine Stelle als Verbandsjagdaufseher im Südtiroler Jagdverband angetreten und dort meine Freude gefunden.“
„Als Verbandsjagdaufseher beaufsichtigte ich 22 Jahre die Bezirke Bozen und Unterland. Zu Beginn waren vier Verbandsaufseher in den Bezirken Bozen und Unterland angestellt. Die letzten Jahre vor meiner Pensionierung beaufsichtigte ich alleine diese Bezirke. Die Arbeit freute mich.
Mit allen Revier- und Verbandsaufsehern hatte ich ein sehr gutes Arbeitsverhältnis, wir haben uns gegenseitig immer wieder ausgeholfen und ich erklärte mich immer wieder bereit mit den Revieraufsehern Aufsicht zu tätigen.
Der Verbandaufseher ist auch ein Kontrollorgan und die Aufgabe bestand darin, die Abschusslisten zu kontrollieren und ein gutes Verhältnis mit den Revierleitern und den Aufsehern zu pflegen.
Ich war auch Mitgründer des Südtiroler Jagdaufsehervereines und wurde dort auch einige Jahre als Präsident bestätigt. Wir haben uns in diesem Verein immer wieder dafür eingesetzt, dass die Revieraufseher auch als Angestellte von einem Arbeitsgeber aufgenommen werden.
Leider bis heute vergebens. Ich glaube, es ist auch heute noch der Wunsch aller Revieraufseher, unter einem Arbeitsgeber arbeiten zu können.
Ich bin nun seit dem Jahr 2000 in Pension aber immer noch ein Informant in der Gesellschaft, der auch gerne seine Erfahrung gerne weiter gibt, wenn er danach gefragt wird.“
Auf die Frage „Wildfütterung“ bin ich folgender Meinung: „In den höher gelegenen Revieren mit Heu sicher erforderlich, aber in den Niederungen ist die Fütterung nicht notwendig.“
Alfons
Heidegger,
ein gebürtiger
Wipptaler, ist
seit dem Jahr
1958 Mitglied
des Südtiroler
Jagdverbandes.
Sein Berufsziel
war der
Waldaufseherberuf.
Nach dem
Militärdienst
wählte er als
Übergangslösung
den
Jagdaufseherberuf.
Der Revierleiter von Kaltern Herr Dr. Ludwig von Lutterotti suchte einen Jagdaufseher. Heidegger übernahm diese Stelle im Herbst 1964. Sein Revierleiter von Lutterotti wurde 1965 als Landesjägermeister gewählt. Der Landesjägermeister nahm seinen Jagdaufseher mit in den Dienst des Landesjagdverbandes. Er schickte Heidegger zur Jagdaufseherschulung nach Rheinland Pfalz und nach Bayern. Im Jahre 1969 wurde er vom Südtiroler Jagdverband dem damaligen Landesjagdkomitee überstellt. Das Landesjagdkomitee war eine Einrichtung der Region Trentino-Südtirol mit jagdbehördlicher Funktion. Der Landesjägermeister Dr. von Lutterotti wollte diese Stelle mit einer Person seines Vertrautens besetzen. „Dieser Wechsel war für mich der Weg in den Landesdienst.“, so Heidegger. 1974 wurde Heidegger als erster Landesjagdaufseher in den Landesdienst aufgenommen. Sein Aufgabenbereich war die Kontrollfunktion der Reviere von Rechtswegen und der Eigenjagden.
Im Mai 1980 verstarb der Landesjägermeister von Lutterotti. Sein Wunsch war es, er hat ihn an kompetenter Stelle deponiert, dass für die Südtiroler Jagdaufseher eine berufliche Ausbildung geschaffen wird. Sein Wunsch wurde erfüllt. Heidegger wurde vom Amt für Jagd und Fischerei zum Landesbetrieb für Forst- und Domänenverwaltung versetzt. Seine neue Aufgabe war die Koordinierung der Wildschutzgebiete und die Vorbereitung der Errichtung einer jagdlichen Ausbildungsstätte in Hahnenbaum in Moos in Passeier. Im Jahr 1983 wurde die Jägerschule eröffnet und Heidegger arbeitete dort als Kursleiter bei der Aus- und Weiterbildung der Jagdaufseher, bei verschiedenen Kursen für Jäger, sowie bei der Ausarbeitung des Lehrmaterials und bei der Rehwildforschung in Zusammenarbeit mit München.
1990 musste Heidegger aus Gesundheitsgründen diesen Arbeitsplatz aufgeben. Er wechselte zum Land- und Forstwirtschaftlichen Versuchszentrum Laimburg. Dort koordinierte er die Waldarbeiten und beaufsichtigte die Eigenjagden Laimburg-Piglon und Trauttmannsdorf. 1997 wurde Heidegger in dem Landesforstkorps integriert. Im Frühjahr 2005 ging er nach einem kämpferischen Jagdleben in Pension.
Heidegger arbeitet außerdem in vielen Bereichen im Jagdwesen mit. Im Verwaltungsbereich war er Mitglied im Revier-, Bezirks- und Landesjagdausschuss. Davon sieben Jahre Bezirksjägermeister im Bezirk Sterzing, ebenso Kommissarischer Leiter in den Revieren Rodeneck und Terlan. Er war Mitglied in verschiedenen Kommissionen: in der Prüfungskommission für Gamspirschführer, Landes- und Trophäenbewertungskommission, Landes-Abschussplankommission und der Disziplinarkommission.
Er war Mitglied im technischen Beirat im Jagd - und Fischereimuseum und wurde auch über die Provinz Grenzen hinaus in Kommissionen berufen. Er war Mitglied der technischen Kommission für Schalenwildhege bei der U N C Z A (Vereinigung der italienischen Jäger des Alpenraumes) sowie des technischen Jagdkomitees der Autonomen Provinz Trient. Heidegger ist auch Mitautor von jagdlichen Büchern. Er sitzt seit Jahren in der Jagdaufseher- und Jägerprüfungskommission.
Positive Erinnerungen an die er gerne zurück denkt sind:
- der 20. Jänner 1965. Am diesem Datum hat der damalige Revierleiter Dr. Ludwig von Lutterotti, das von Heidegger ausgemachte Wildschwein "Keiler" in den Stierweisen im Revier Kaltern erlegt.
- an die Arbeit in der Jägerschule Hahnenbaum
- an die vielen Pirschgänge mit den Gästen und Jagdkollegen
- an die gute Zusammenarbeit mit den Berufskollegen
- an die zahlreichen Teilnahmen an Tagungen und Jagdkonferenzen
- an die Mitarbeit in den verschiedenen Kommissionen
Über die negativen Erinnerungen zu reden macht ihm keine Freude, aber er nannte trotzdem einige:
- Hausdurchsuchungen waren für ihn eine unangenehme und teilweise eine beschämende Arbeit
- Viele Stunden auf einen Gelegenheitswilderer (jungen Bauernbursche) zu warten, um ihn zur Anzeige zu bringen, war oft nicht fruchtbringend.
- An die vielen Diskussionen über die Abschusspläne, Hegerichtlinien, interne Jagdordnungen oder über die Trophäenbewertung, möchte er heute nicht mehr nachdenken.
- Sorgen bereitet ihm die Wildschadensproblematik. Dieses Problem zwingt uns Jäger zu einigen Kompromissen, welche uns langfristig jagdlich schaden werden. Ein diesbezüglich zu starkes Vereins-, Verbandsdenken verdrängt das jagdliche Denken und er fürchtet, dass dieser Weg in die Sackgasse führt.
Bericht: WP - Südtiroler Jagdportal

