BEKASSINE
 
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Charadriiformes (Schnepfen-, Möwen- und Alkenvögel)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Sumpfschnepfen (Gallinago)
Art: Bekassine
Vorkommen und Verhalten:

Die Bekassine zeigt, ähnlich der Waldschnepfe, eine interessante Verhaltensweise. Sie ist in der Lage, Jungtiere fliegend zu transportieren, in dem sie sie einzeln zwischen Schnabel und Körper einklemmen mit gegen die Unterseite gepresstem Schnabel. Dies hilft insbesondere dabei, Jungtiere aus gefährlichen Situationen zu retten. Die Bekassine bevorzugt sumpfige Wiesen und mäßig feuchte Moore mit nicht zu hoher Vegetation; sie fehlt im Schilfwald ebenso wie an sehr nassen Stellen, wo Blüten aus dem Wasser ragen. In Mitteleuropa ging der Bestand stark zurück. Das Hauptverbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von West- und Nordeuropa bis nach Sibirien. Das Brutgebiet zerfiel in eine Reihe isolierter Vorkommensorte. In England und Westeuropa ist die Bekassine Standvogel und Nahzieher, im übrigen Europa Zugvogel, der in den Subtropen und auch in den Tropen überwintert.

Obwohl die Bekassinen Sumpfvögel sind, überfliegen einzelne die wasserlose Sahara und rasten dann in den abgelegensten Oasen. In Mitteleuropa erreicht der Zug im April und von August bis Oktober seine Höhepunkte. Die Durchzügler liegen tagsüber meist still in der Bodenvegetation an sumpfigen Orten, fressen in der Dämmerung und ziehen nachts. Manche zeigen sich auch offener an Schlickufern, wo sie sich aber auch möglichst in der Nähe der Ufervegetation aufhalten. Auf Runde brütet die Bekassine im südlichen Teil des Hochplateaus, vor allem in der Nähe der paar kleinen Seen.   Als Kurz- und Mittelstreckenzieher überwintert die Bekassine v.a. in Nordwest- bis Südeuropa sowie im Mittelmeerraum. Charakteristische Brutgebiete der Bekassine sind Feuchtwiesen sowie Nieder-, Hoch- und Übergangsmoore, wobei die Art sehr empfindlich auf Entwässerung und Nutzungsintensivierung reagiert. Als Durchzügler erscheint die Bekassine auf dem Herbstdurchzug in der Zeit von Ende Juli bis Ende November, mit einem Maximum gegen September/Oktober. Auf dem Frühjahrsdurchzug zu den Brutgebieten treten die Tiere von März bis Mitte Mai auf, mit maximalen Bestandszahlen im April.

Kennzeichen:

Die Bekassine ist mit einer Körperlänge von etwa 27 cm ein mittelgroßer Schnepfenvogel und ist ca. Amselgroß. Die Tiere haben einen sehr langen, geraden Schnabel (ca. 7 cm), kurze Beine und wirken untersetzt.Die Oberseite ist bräunlich mit hellen Streifen, die Unterseite insgesamt heller mit dunklen Bändern gezeichnet. Mit den äußeren Steuerfedern erzeugt die Bekassine bei der Balz im Sturzflug typische „Meckerlaute“ und wird daher im Volksmund auch „Himmelsziege“ genannt. Abgesehen von der Balz halten sich die Tiere bevorzugt in der Deckung auf. Bei einer Störung fliegen sie im Zick-Zack-Flug auf und rufen markant „rätsch, rätsch...“.Sie verharrt bei einer Störung unbeweglich und fliegt erst einige Meter vor dem Eindringling mit einem Blitzstart auf. Zunächst steigt sie in einer Zickzacklinie schräg aufwärts und ruft dabei mehrfach krächzend "ätsch".

Dann wird der Flug gleichmäßig und führt meist in einem hohen und weiten Bogen wieder in die Nähe des Ausgangspunktes zurück. Beim Landen fällt sie mit angelegten Flügeln wie ein stürzender Stein zu Boden. Die Bekassine ist vor allem dämmerungs-, weniger auch tag- und nachtaktiv. Beim Laufen trägt sie den Schnabel waagerecht. Sie sitzt in Nestnähe gern auf erhöhten Punkten, wie Zaunpfählen oder Telegrafenmasten. Zur Brutzeit territorial, sonst ungesellig. Sie ist auch am Fußabdruck zu erkennen. Er zeigt die Spur von drei Zehen, von denen die mittlere die längste ist, und zwischen denen je ein Winkel von 60 Grad liegt.  

Stimme:
Obwohl der Vogel selbst am Himmel oft kaum auszumachen ist, hört man oft weithin das laute „Wummern“, ein meckerndes Geräusch, das in der Ornithologie als Instrumentallaut bezeichnet wird und durch das Abspreizen der beiden äußeren, speziell versteiften Schwanzfedern im Sturzflug entsteht. Diese Lautäußerung hat ihr auch den Namen „Himmelsziege“ eingebracht.  

Scheucht man eine Bekassine am Boden auf, gibt sie ein heiseres, rauhes „ääätsch“ von sich. Sie vollführt dann einen typischen, steil aufsteigenden Zickzackflug und lässt sich nach einiger Entfernung wieder in die Deckung fallen. Der Gesang, oft von Zaunpfählen vorgetragen, das sogenannte „Tickern“, besteht aus langen, regelmäßigen Rufreihen aus einem einsilbigen „tick“ oder einem zweisilbigen „tick-er“. Sehr charakteristisch und vor allem in der Morgen- oder Abenddämmerung zu hören ist auch das weiter oben beschriebene „Wummern“, das während der Balzflüge vorgetragen wird. Das balzende Männchen kreist in 100-150 Metern Höhe und stößt dann „wummernd“ zehn bis zwanzig Meter tief herab.

Brut:

Mitte März treffen Bekassinen an ihren Brutplätzen in Mitteleuropa ein. Die Männchen beginnen alsbald mit ihren Balzflügen, mit denen sie ihren Revieranspruch verkünden. In den höheren Lagen der Mittelgebirge erreicht die Balz - je nach Länge des Winters - ihren Höhepunkt oft erst im Mai. Noch bis in den Juli hinein sind dann die Balzflüge zu sehen und das meckernde Fluggeräusch zu hören. Ein Männchen kann durchaus mehrere Weibchen begatten, obwohl es üblicherweise nur einem ausgesuchten Weibchen bei der Aufzucht der Jungtiere einer Brutsaison hilft. Das Nest steht meist gut versteckt an einer trockeneren Stelle in feuchtem Terrain. Von oben her ist das Gelege meist durch überhängende Halme vor unerwünschtem Einblick geschützt. Das Weibchen wählt gerne einen Nistplatz aus, der im Gras, zwischen Zwergsträuchern oder an Grabenrändern liegt. Die Bekassine legt die flache Nestmulde teils noch während sie die Eier ablegt, mit einigen trockenen Halmen aus.  Sie beginnt im April/Mai mit dem Legen der Eier und brütet in der Regel nur einmal im Jahr. Nachgelege

sind möglich. Im Abstand von jeweils 24 Stunden legt sie 4 Eier. Nach Ablage des vorletzten oder letzten Eies beginnt sie mit der Bebrütung. Das Weibchen brütet alleine 19 – 20 Tage lang. Die Jungen verlassen bald nach dem Trockenwerden des Gefieders das Nest und werden von beiden Eltern geführt und in den ersten Lebenstagen auch gefüttert. Bei drohender Gefahr locken die Altvögel den Feind vom Nest und den Jungtieren weg, indem sie sich auffällig krank stellen und ihren Schwanz spreizen. Gelegentlich teilen sich Männchen und Weibchen die Führung der Jungtiere, die dann in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Im Alter von 4 Wochen sind die Jungen flügge.