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"Der Lauf schießt – der Schaft trifft "

Die Schäftung muss ein schnelles Anschlagen und unverkrampftes sowie ungehindertes Zielen gewährleisten. Dazu muss die Schaftlänge und Schaftform zur Körpergröße und Figur des Schützen passen. Jäger mit kürzeren Armen benötigen Büchsen oder Flinten mit einer kürzeren Schaftlänge als umgekehrt. Für Links- oder Rechtsschützen muss die Waffe entsprechend geschäftet (geschränkt) sein. Der Pistolengriff soll eine gute Führung und einen festen Griff der Waffe gewährleisten: Funktionalität geht vor Ästhetik.

Auf den Abzug kommt es an

Ganz entscheidend für einen sicheren Schuss ist der Abzug bzw. das Abzugssystem. Dabei unterscheidet man Abzüge mit Stecher, wodurch der Abzugswiderstand erheblich reduziert wird. Man unterscheidet den Deutschen Stecher oder Doppelzüngelstecher und den Französischen oder Rückstecher.

Entscheidend ist, dass der Abzug zwar trocken aber nicht so fest steht, so dass die Waffe beim Abziehen nicht verrissen (aus der Zielbahn gerissen) wird. In diesem Fall wird das Ziel meist unterschossen. Ist der Abzug zu weich, besteht die Gefahr, dass sich ungewollt der Schuss löst, bevor man sicher im Ziel ist.

Als Visiereinrichtung wird bei Jagdbüchsen fast ausschließlich ein Zielfernrohr verwendet. Diese gibt es heute für jeden Zweck oder jagdlichen Einsatz, als Drückjagd- oder Nachtjagdglas mit verschiedenen Absehen, Vergrößerungen und Objektivdurchmessern und Leucht- oder Leuchtpunktabsehen mit feststehender oder variabel einstellbarer Vergrößerung. Drückjagdgläser haben meist eine Vergrößerung zwischen 1,5 bis vierfach und bilden somit einen größeren Ausschnitt des Hintergrundes ab. Nachtjagdgläser benötigen einen großen Objektivdurchmesser (damit entsprechend viel Licht einfallen kann); in der Regel sind das 56 Millimeter. In Ausnahmefällen (Nachsuche, Drückjagd auf kurze Entfernung) wird auch mit der Büchse noch über „Kimme (Visier) und Korn“ über die so genannte offene Visierung geschossen.

Nicht unwichtig für ein sicheres Schießen ist auch das Gewicht der Büchse, sie soll führig sein und auch gut und ausgewogen mitschwingen. Eine etwas schwerere Waffe (zirka fünf Kilogramm) liegt oft ruhiger in der Hand als zu leichte Büchsen. Abhängig ist das aber vom Einsatzzweck. Eine Pirschwaffe für die Hochgebirgsjagd wird man nicht so schwer wählen, wie eine Matchwaffe, die ausschließlich für den Schießstand gedacht ist.

Das Gewicht der Waffe beeinflusst auch den Rückstoß bei starken Kalibern. Zu leichte Waffen verleiten den Schützen eher zu dem so genannten „Mucken“: Der Schuss wird aus Angst vor dem Rückschlag verrissen.

Die Waffe muss sicher beherrscht werden

Für ein treffsicheres Schießen ist die erste Voraussetzung, dass die Waffe, ihre Funktionsweise (Laden, Entladen, Spann- und Umschalthebel, Sicherung, Stecher), beherrscht wird und der Schütze mit dem Umgang absolut sicher vertraut ist. Es ist generell auf einen sicheren Kugelfang zu achten.

Zweites muss man beim Schießen alle Fehler vermeiden, die die Treffpunktlage beeinflussen können. Der Lauf oder der Schaft dürfen nicht direkt auf eine harte Unterlage gelegt werden. Der Lauf darf beim Schießen nicht von der Führhand krampfhaft umschlossen werden. Es darf nicht fest am Gewehrriemen gezogen werden, wenn dieser direkt am Lauf befestigt ist. Bei kombinierten Waffen muss die Treffpunktabweichung bei schneller Schussfolge (klettern) beachtet werden, und durch den so genannten „Ölschuss“ kann es ebenfalls zu Trefferabweichungen kommen. Empfindlich ist die Zielfernrohrmontage gegen Stoß und Schlag.

Beide Arme müssen sicher aufliegen

Eine gute Schießleistung ist dann gegeben, wenn sowohl der Führarm als auch der Schießarm sicher aufliegen. Das ist am besten auf den Ansitzeinrichtungen gewährleistet (Hochsitz, Schirm, Ansitzbock, Leiter). Man kann dort auch entsprechende bewegliche Auflagen als zusätzliche Hilfsmittel nutzen. Der Hochsitz darf nicht zu groß sein; in dem Fall verursacht ein Herumrutschen immer störende Geräusche und die sichere Armauflage ist dann auch nicht gegeben.
Im Moment der Schussabgabe muss man sich bemühen, den Körper völlig ruhig zu stellen (Atemtechnik).

Wenn es die jagdliche Situation erlaubt, sollte der Jäger beim Schießen immer beide Arme auflegen. Auch die einzelnen Anschlagarten sollte der Jäger auf dem Schießstand trainieren.

Bei der Pirsch wird am ehesten stehend angestrichen geschossen. Dazu benutzt der Jäger einen Zielstock, das kann ein einfacher Stock, ein Teleskopstock, ein Zwei- oder Dreibein sein. Auch an einem Baum oder Ast kann man stehend anstreichen. Liegend aufgelegt wird man nur selten, meist im Gebirge schießen. Auch hierbei ist die beidseitige Armauflage entscheidend, unterstützend können der Rucksack oder das Ansitzkissen zu Hilfe genommen werden.

Auch in den Anschlagarten „kniend“ und „sitzend“ sollte der Jäger immer darauf achten, dass der Führarm sicher aufliegt, der Führarm liegt in diesem Fall auf dem Knie des Jägers. Sie ist auf jeden Fall die bessere Variante als stehend freihändig zu schießen.

Stehend freihändig wird meist auf bewegliche Ziele (Drückjagd) geschossen. Als Übungsdisziplin dient dazu der „Laufende Hase“ oder man übt im „Schießkino“. Drückjagdschießen will gelernt sein, das Wild kommt auf unterschiedliche Entfernungen, im Troll oder hochflüchtig, in den unterschiedlichsten Anlaufwinkeln, und es bedarf großer Erfahrungen und guter Schießfertigkeit, um flüchtiges Wild sicher mit der Kugel zu treffen.