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MUNITION -
PATRONEN
Büchsen-Munition


Von der Bleikugel zum
Mantelgeschoß
Als Einzelgeschosse – ursprünglich
aus glatten, später auch aus gezogenen Läufen – wurden in den
Vorderladern zunächst aus Blei gegossene runde Kugeln verwendet (daher
der noch heute gebräuchliche Ausdruck „Kugel“ für das Büchsengeschoß).
Die Weiterentwicklung der Läufe, die Einführung des Hinterladesystems
mit Patronenmunition beeinflussten entsprechend auch die Entwicklung der
Geschosse. An die Stelle der „Rundkugel“ traten Langgeschosse, die aus
gezogenen Läufen bessere Treffsicherheit ergaben. Auch diese Geschosse
waren zunächst noch aus Blei gegossen oder gepresst (Bleigeschosse). Die
rauchlosen Pulver ermöglichten schließlich eine höhere
Geschossgeschwindigkeit, die aber mit Bleigeschossen nicht ausgenutzt
werden konnte, da sie bei den entsprechend hohen Gasdrucken im Lauf
nicht stabil genug waren. So wurden die Mantelgeschosse entwickelt, bei
denen der Bleikern von einem Mantel aus festerem Metall umgeben ist
(Flusseisen, Kupfer, Tomback). Dadurch erhält das Geschoß beim Durchgang
durch die Züge und Felder (Drall) eine stabile Führung, ohne dass durch
die Reibung geschossmaterial abgetragen wird. (Allerdings gibt es auch
bei Mantelgeschossen, vor allem bei weicherem Material wie Kupfer und
Tombak, mit der Zeit feine Metallablagerungen in den Läufen. Diese
Rückstände können durch chemische Lösungsmittel leicht beseitig werden).
Fast alle heute gebräuchlichen
Jagdbüchsengeschosse sind solche Mantelgeschosse, Bleigeschosse werden
nur noch für schwache und „langsame“ Kleinkaliberpatronen verwendet (.22
l.f.B. und ähnliche) sowie für Revolvermunition.
Unter den Mantelgeschossen sind
zunächst grundsätzlich Voll- und Teilmantelgeschosse zu unterscheiden.
Beim Vollmantelgeschoß ist der
gesamte Bleikern einschließlich des Geschosskopfes (der “Spitze“) vom
Mantel umgeben. Vollmantelgeschosse haben daher hohe Durchschlagkraft,
aber geringe Zerlegungsbereitschaft. Sie sind deshalb für die Jagd nur
in wenigen Sonderfällen zweckmäßig. Denn anders als die Munition der
Militär- und Polizeiwaffen, die den Gegner nur kampfunfähig machen soll,
ohne unbedingt tödlich zu wirken, soll ein Jagdbüchsengeschoß das Wild
möglichst rasch und schmerzlos töten. So erklärt es sich, dass
Vollmantelgeschosse für die Jagd in der Regel ungeeignet (meist sogar
als Tierquälerei zu betrachten) sind, wie umgekehrt die Verwendung von
Teilmantelgeschossen („Dum-Dum-Geschossen“) im militärischen Einsatz
völkerrechtlich verboten ist.
Jagdlich können Vollmantelgeschosse
nur in zwei Extremfällen sinnvoll verwendet werden:
Einmal auf sehr starkes exotisches
Großwild (Büffel, Elefant, Nashorn), wo die starke Durchschlagskraft des
Vollmantels erforderlich ist und das Geschoß trotzdem in der Lage
bleibt, seine ganze Auftreffenergie im Wildkörper abzugeben und in
tötende Wirkung umzusetzen- und zweitens beim gelegentlichen Schuß mit
starken Büchsenpatronen auf schwaches Niederwild, wobei die geringe
Energieabgabe des Vollmantelgeschosses, das den kleinen Wildkörper glatt
durchschlägt, für die Tötung noch ausreicht. – Die weitere
Einsatzmöglichkeit im Jagdschutz gegen Wilderer fällt nicht in den
jagdlichen, sondern in den polizeilichen Verwendungsbereich.
Das normale Jagdbüchsengeschoß ist
also das Teilmantelschoß. Sein Grundprinzip ist, dass der Mantel am Kopf
(der „Spitze“) des Geschosses den Bleikern mehr oder weniger unbedeckt
lässt. Dadurch wird erreicht, dass sich das Geschoß beim Eindringen in
den Wildkörper leichter zerlegt oder verformt und dadurch eine größere
Tötungswirkung hat. Die Zerlegung bzw. Verformung des Geschosses geht
allerdings auf Kosten der Druchschlagskraft – diese ist aber nur in
gewissen Grenzen überhaupt erforderlich: Das Geschoß soll möglichst
seine ganze Energie im Wildkörper abgeben und ihn nur mit einem Rest
dieser Energie durchschlagen, um einen Ausschuß zu erreichen.
Die erwünschte Anpassung dieser
Geschosswirkung an die verschiedene Stärke der einzelnen Wildarten wird
– neben er Auswahl des Kalibers und der Stärke der Pulverladung sowie
dem Geschossgewicht – auch durch verschiedene Geschosskonstruktionen
angestrebt.
Der freiliegende Bleikopf des
Geschosses kann abgerundet (Rundkopf), abgeflacht (Flachkopf) oder
zugespitzt sein (Spitzgeschoß) oder auch eine trichterförmige Aushöhlung
aufweisen (Hohlspitze, Lochspitze). Die Hohlspitze kann wegen der
besseren „Stromlinienform“ bei hoher Geschwindigkeit – bei manchen
Geschossen mit eine dünnen Metallhaube überdeckt (Kupferhohlspitze) oder
mit einem Plastikpfropfen ausgefüllt sein (Plastikhohlspitze).- Der
Bleikern selbst kann aus Teilen von unterschiedlicher Härte bestehen,
damit sowohl gute Verformung als auch genügende Durchschlagswirkung
erreicht wird. – Ebenso kann der Geschossmantel Bereiche verschiedener
Stärke oder Einschnürungen als „Sollbruchstellen“ aufweisen, die
ebenfalls einer dem Zielwiderstand angepassten Zerlegung bzw. Verformung
dienen.
Die äußere Form der Geschosse wird
auch dadurch bestimmt, dass sie möglichst günstige aerodynamische
Eigenschaften aufweisen sollen, um durch den Luftwiderstand während des
Fluges möglichst wenig von ihrer Energie zu verlieren.
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Schrotpatronen enthalten kein
Einzelgeschoß, sondern eine Vielzahl von Schrotkörnern (Schroten). Beim
Schuß verteilen sich die Schrote in einer Schrotgarbe, womit vor allem
kleine, bewegte Ziele (Flugwild, Hase, Kaninchen) auf kurze Entfernung
(ca. 20-40 m) beschossen werden. Die tödliche Schusswirkung entsteht
dabei weniger durch die Energie des einzelnen Schrotkorns, sondern durch
die Energie des einzelnen Schrotkorns, sondern durch das Zusammenwirken
möglichst vieler gleichzeitiger Treffer (Schockwirkung). Also
grundsätzlich andere Verhältnisse als beim Büchsenschuß.
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Schrote und Schrotstärken:
Die Schrote bestehen in der Regel aus Hartblei (auch vernickelt).
Neuerdings gibt es auch Schrote aus weichen Eisenlegierungen. Die
Schrotstärke wird nach dem Durchmesser des einzelnen
Schrotkorns entweder in Millimeter oder nach einer entsprechenden
Nummer angegeben. Für die Jagd sind bei uns folgende Schrotstärken
gebräuchlich:
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2,5 mm = Nr. 7
(Hühnerschrot: Rebhuhn, Schnepfe, Kaninchen)
- 3 mm = Nr. 5 (Entenschrot: Wildente, Fasan, Ringeltaube, auch Hase)
- 3,5 mm = Nr. 3
(Hasenschrot: Hase, Fuchs)
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siehe Tabelle
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Ausnahmsweise werden auch geringe
Schrotstärken verwenden (2 mm, 2,25 mm für schwaches Flugwild sowie zum
Übungsschießen auf Wurftauben). Stärkere Schrote als 3,5 mm sollten, vor
allem auf Gesellschaftsjagden, aus Sicherheitsgründen nicht verwendet
werden. Für Winterfuchs, Dachs oder wildernde Hunde kommt auf der
Einzeljagd höchstens noch 4 mm (= Nr. 1) in Betracht. Als früher noch
der Schrotschuß auf Schalenwild erlaubt war, wurden – wie noch heute
teilweise im Ausland – Schrote bis zu 6 mm und 9 mm Durchmesser
verwendet (sog. Reh- und Sauposten). Ausländische
Schrotstärken-Bezeichnungen |
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weichen von den deutschen
ab, so dass man sich am besten nicht nach den Nummern, sondern nach den
Millimeter-Angaben orientiert. Die Schrotstärke ist auf den
Patronenpackungen, meist auch auf den einzelnen Patronenhülsen
aufgedruckt. Die früher in Deutschland übliche verschiedene Farbe der
Patronenschlussdeckel ist infolge des heute meist verwendeten
Sternverschlusses außer Gebrauch gekommen. Soweit noch angewandt,
bedeutet grün 2,5 mm; blau 3 mm; rot 3,5 mm; und gelb 4 mm. |
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Kaliber und Hülsenlängen:
Schrotpatronen gibt es nicht nur in
verschiedenen Kalibern (20, 16, 12), sondern auch in verschiedenen
Hülsenlängen. Die früher allgemein übliche Hülsenlänge von 65 mm ist
immer mehr durch 70 mm als neues Standardmaß abgelöst worden. Zu
beachten ist, dass 70 mm lange Hülsen keineswegs in Waffen verwendet
werden dürfen, deren Patronenlager für 65 mm Hülsenlänge eingerichtet
ist! Es kann zu gefährlicher Erhöhung des Gasdrucks und sogar zu
Laufsprengungen kommen. Um diese Verwechslungsgefahr zu vermeiden,
werden auch Schrotpatronen mit einer Hülsenlänge von 67,5 mm
hergestellt, die bedenkenlos aus Patronenlagern beider Abmessungen (65
und 70 mm) verschossen werden können.
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Ausschließlich für Waffen mit
entsprechend bemessenem Patronenlager bestimmt sich die sog.
„Magnumpatronen“ mit 76 mm Hülsenlänge, die neuerdings angeboten werden,
hauptsächlich im Kaliber 20/76.
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Wie die Schrotstärke, so ist auch
die Hülsenlänge meist (bei in Deutschland hergestellten Patronen immer)
auf den Patronenpackungen und den einzelnen Patronen aufgedruckt. Das
Maß der Hülsenlänge bezieht sich auf die abgeschossenen Patrone mit in
voller Länge gestreckter, leerer Hülse! Die geladene Patrone ist immer
kürzer, weil der obere Hülsenrand zum Verschluß gebördelt oder
eingefaltet ist. Deshalb passen auch Patronen mit längerer Hülse ohne
weiteres in kürzere Patronenlager – erst beim Schuß wird der Platz zu
knapp, wodurch der Gasdruck gefährlich ansteigt.
- Das
Fassungsvermögen der Hülsen ist nach Kaliber und Hülsenlänge
verschieden. Die Zahl der Schrotkörner ist außerdem von der Schrotstärke
und dem beabsichtigten Ladungsgewicht abhängig. Als Durchschnittswert
sei angegeben, dass eine Patrone im Kaliber 16/70 ungefähr 340 Schrote
2,5 mm oder 200 Schrote 3 mm oder 125 Schrote 3,5 mm im Gesamtgewicht
von rund 30 g enthalten kann.
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Flintenlaufgeschosse: (in Italien erlaubt aber in Südtirol
verboten)
Flintenlaufgeschosse sind schwere
Einzelgeschosse aus Blei, die anstelle der Schrotladung in Patronen
sitzen, die ansonsten den Schrotpatronen entsprechen und aus
Flintenläufen verschossen werden. Sie sind nach dem Bolzenprinzip
aufgebaut: das etwa 30 g schwere Bleigeschoß ist vorne leicht abgerundet
oder zugespitzt, seitlich mit Führungsrippen versehen und hinten fest
mit dem Filzpfropfen oder einem Plastikeinsatz verschraubt. Dadurch wird
eine etwas bessere Flugstabilität erreicht, als sie bei einer bloßen
Bleikugel aus dem glatten Lauf möglich wäre. Trotzdem ist das
Flintenlaufgeschoß nur als Notbehelf zu betrachten, um Schalenwild – für
welches der Schrotschuß verboten ist – zu erlegen, etwa bei Drückjagden,
wenn überraschend Schwarzwild vorkommt, oder für den Fangschuß. Der
Schrotlauf, aus dem Flintenlaufgeschosse verwendet werden sollen, muss
unbedingt eigens dafür eingeschossen werden. Trotzdem bleibt die
zuverlässige Treffgenauigkeit in der Regel – je nach Eignung des Laufes
– auf 35-50 m beschränkt. Auf kurze Entfernung wirken die Geschosse aber
gut und sind deshalb bei geübten Schützen für Drückjagden, |

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vor allem auf Schwarzwild, in entsprechendem Gelände
(dichter Bewuchs mit engem Schussfeld) beliebt. Von den früher
zahlreicheren Typen hat sich bei uns nur das Brenneke-Flintenlaufgeschoß
durchgesetzt.
TEXT-Quelle: Jagdkunde von
Fritz Nüßlein BLV Verlagsgesellschaft |
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