VISIEREINRICHTUNGEN  - ZIELEN UND SCHIEßEN

 Bei Flinten besteht die Visiereinrichtung im allgemeinen nur aus der Laufschiene und dem Korn nahe der Mündung. Es soll etwa 3 mm Durchmesser haben. Vorteilhaft ist eine sattgelbe Farbe. Man zielt, indem man über die Mittellinie der Laufschiene hinweg das Korn auf das Ziel richtet.

Die Gewehre mit Büchsenläufen haben außer dem Korn, das auf der Laufschiene oder auf dem Korn, das auf der Laufschiene oder auf dem Kornsattel sitzt, noch ein auf dem hinteren Teil des Laufes (oder der Laufschiene) angebrachtes Visier. Es kann als offenes Visier mit Kimme oder als Lochvisier (Diopter für Scheibenbüchsen oder Ringvisier für Jagdgewehre) ausgeformt sein.

Es gibt verschiedene Arten von offenen Visieren: solche mit halbrund, spitzwinkelig oder rechteckig ausgeschnittener Kimme und entsprechendem Korn (Perl-, Dach-, Balkenkorn). Weiter unterscheidet man feststehende und teils selbsttätige – Klappvisiere. Die für jagdliche Zwecke günstige Form des Visiers ist das Balkenvisier, rechteckig mit in der Mitte eingefeilte Kimme. Diese soll so weit sein, dass sie beim Zielen nicht vom Korn ausgefüllt wird.

Für genaues Zielen auf kleine oder weit entfernte Ziele ist eine „feine“, für grobes Zielen auf nahe oder bewegte Ziele, z.B. bei Drückjagden, eine „grobe“ Visierung vorteilhaft, die vom Auge leicht erfasst werden kann (kräftiges Rechteckkorn in weiter Kimme).

Beim Zielen bringt man Auge, Visier, Korn und Haltepunkt im Ziel in eine Gerade (Visierlinie). Dieser Vorgang wird wesentlich vereinfacht, wenn ein Zielfernrohr verwendet wird. Dabei müssen nur zwei Punkte – das Absehen im Zielfernrohr (z.B. Zielstachel oder Fadenkreuz) und der Haltepunkt im Ziel – in Übereinstimmung gebracht werden. Außerdem ermöglicht die Vergrößerung des Zielfernrohres, auch noch bei schlechtem Licht und auf größere Entfernung sicher zu zielen. Auch Sehfehler des Auges können leicht ausgeglichen werden. Deshalb wird beim Büchsenschuß heute vorwiegend das Zielfernrohr verwendet.

Einschießen: Bei dem Einschießen eines Büchsenlaufes wird die Senkung der Geschossflugbahn unter die verlängerte Seelenachse des Laufes durch eine entsprechende Erhöhung  des Visiers ausgeglichen. Dadurch wird erreicht, dass die Flugbahn des Geschosses die Visierlinie zweimal schneidet; das erst Mal alsbald nach Verlassen des Laufes und das zweite Mal in der Entfernung, auf welche das Gewehr eingeschossen wird. Ist z.B. ein Gewehr auf 150m oder 200 m eingeschossen, so ist die Visierung so eingerichtet, dass sich bei 150 bzw. 200m Entfernung Visierlinie und Geschossbahn schneiden, Treffpunkt und Zielpunkt also zusammen fallen. Soll mit diesem Gewehr auf kürzere Entfernungen geschossen werden, so muss der Haltepunkt entsprechend tiefer gewählt werden. Schießt man auf weitere Entfernung, so muss man entsprechend über den erwünschten Treffpunkt hinausgehen (darüber halten).

 

 Für das Einschießen der Büchsenläufe mit modernen Patronen, gilt die Faustregel, dass sie auf 100 m Entfernung einen Hochschuß von 4 cm haben sollen, wenn das Gewehr auf 150 m eingeschossen ist. Das ergibt bei Geschossen mit stärker gekrümmter Flugbahn auf etwa 130 m „Fleckschuß“, bei weniger gekrümmten Flugbahnen („rasanten“ Geschossen) auf etwa 150 – 200 m. Diese Entfernung ist in den Schusstafeln als „günstigste Einschießentfernung“ (GEE) für jede einzelne Laborierung angegeben.

Da die verfügbaren Scheibenstände meist auf 100 m angelegt sind, können wir die Gewehre nicht unmittelbar auf diese „günstigste Einschießentfernung“ einschießen, sondern auf der 100-m-Scheibe mit dem entsprechenden „Hochschuß“ (der, wie oben gesagt, meist um 4 cm beträgt). – Ist ein Gewehr auf die jeweils „günstigste Einschießentfernung“ eingeschossen, so ist gewährleistet, dass auf normale jagdliche Schußentfernungen zwischen etwa 50 und maximal 200 m der Schuß mit möglichst geringer Abweichung von nur wenigen Zentimetern gegenüber dem Haltepunkt das Ziel trifft. Umgekehrt wäre es ungeschickt, ein Gewehr auf genau 100 m „Fleck“ einzuschießen, weil das Geschoß dann im weiteren Bereich von 150 – 200 m bereits stark fallen würde.

Das Einschießen auf die jeweils günstigste Entfernung passt also die Krümmung der Geschossflugbahn bestmöglich in den Bereich der jagdlichen Schussentfernung ein.

Beim Einschießen von Schrotläufen spielt auf die geringe Entfernung von 20 – 40 m die Krümmung der Flugbahnen der einzelnen Schrote (und damit der gesamten Schrotgarbe) keine Rolle; sie liegt mit 2 – 5 cm auf 35 m innerhalb der Schotstreuung.

Zu bedenken ist aber, dass der Schütze beim Schießen auf bewegliche Ziele unwillkürlich zu tief hält, weil er das Wild gern sehen möchte, anstatt es mit den Läufen teilweise zu verdecken. Schrotläufe sollen daher auf 35 m einen Hochschuß von etwa 15 cm ergeben, um diesen Zielfehler auszugleichen.

Als Scheiben zum Einschießen von Schrotläufen können behelfsmäßig genügend große Papierbogen verwendet werden. Besser ist eine mit Kalk bestrichene Eisenplatte, auf der sich die Treffer abzeichnen und nach Bedarf wieder überstrichen werden. Am genauesten ermöglicht die in mehrere Felder untereilte Anschußscheibe nicht nur die Ermittlung der Treffpunktlage, sondern auch der Streuung der Schrote in den einzelnen Bereichen. So kann auch ermittelt werden, mit welcher Patronensorte und Schrotstärke ein Flintenlauf seine beste gleichmäßige Deckung oder – je nach Wunsch – seine stärkste Streuung oder umgekehrt seine größte Verdichtung der Schrotgarbe erreicht.

Soll aus kombinierten Waffen gelegentlich der Schrotschuß auf unbewegte Ziele (z.B. Fuchs am Luderplatz, Ansitzhase) durch das Zielfernrohr gezielt werden, so ist zu ermitteln, ob und wie weit die Treffpunktlage der Schrotgarbe dabei abweicht. Nachdem das Zielfernrohr, das für den Kugelschuß bestimmt ist, nicht nach dem Schrotlauf eingestellt werden kann, müssen wir in solchen Fällen den Haltpunkt entsprechend wählen.

Der Schuß auf Wild: Die Umstände beim Schuß auf Wild sind oft weit ungünstiger als beim Schießen auf dem Schießstand. Es muß oft bei ungünstiger Beleuchtung, in eile und Erregung (Jagdfieber) geschossen werden. Oberster Grundsatz muß sein, derartige ungünstige Einflüsse möglichst auszugleichen, den Schuß überlegt und beherrscht abzugeben und im Zweifelsfall lieber nicht zu schießen, als einen schlecht sitzenden Schuß zu riskieren, der dem Wild Schmerzen und Qualen bereitet. Dazu gehört vor allem auch, nicht auf übermäßig große Entfernung zu schießen! Man merke sich genau die Stelle, wo man das Wild beschossen hat, um für den Fall einer Nachsuche den Anschuß finden zu können.   Wichtig ist auch, das Verhalten des Wildes zu beobachten, mit dem es auf den Schuß reagiert (das Zeichen) sowie das weitere Verhalten des wegflüchtenden Wildes.  Zutreffende Beobachtungen und richtiges Verhalten des Schützen sind eine Voraussetzung für den Erfolg jeder Nachsuche. Dazu gehört vor allem auch, dass Anschüsse nicht voreilig zertrampelt und angeschossenes Wild, das sich in der Nähe des Anschusses in Deckung befindet, nicht durch übereiltes Verfolgen aufgemüdet wird, bevor die Nachsuche ordnungsgemäß mit einem brauchbaren Hund aufgenommen werden kann.

Zielfehler:   Beim Einschießen von Büchsenläufen muß man auf eine ruhige und richtige Gewehrlage achten. Das Gewehr wird auf einen Sandsack gelegt, der auf fester Unterlage (Tisch) ruht. Das Gewehr soll nicht weiter als etwa 15 cm (= 1,5 Handbreite) vordem Abzugsbügel auf dem Sandsack aufliegen. Dies gilt auch für den Schuß im Revier, wenn wir auf anderer Unterlage auflegen. Auch das mit Anstreichen bezeichnete seitliche Anlehen des Gewehrs etwa an einen Zielstock oder an einen Baum ist nur dann richtig ausgeführt, wenn das Gewehr nicht mehr als etwa 1,5 Handbreite vom Abzugsbügel anliegt. Auch hier ist immer darauf zu achten, dass Mantel, Rucksack, Hand oder Finger zwischen Schaft und Auf- bzw. Anlage zu liegen kommen. Man übe auch den Anschlag in kniender und sitzender Stellung, wobei man den linken Ellbogen auf das linke Knie stützt und so – oder auch unter Zuhilfenahme eines Zielstockes – eine ruhige Haltung findet.
Beim Kugelschuß ist ruhige Hand, ruhiges Atmen und freie Sicht zum Ziel Voraussetzung. Hindernisse in der Flugbahn des Geschosses, wie Grashalme, feine Äste, lenken dieses ab und verursachen unter Umständen schlecht sitzende Schüsse und können auch Unfälle hervorrufen. Als wirkungsvollster Schuß gilt auf Schalenwild der auf das Blatt des breitstehenden Stückes angetragene Schuß (Kammerschuß). Wenn das Blatt nicht breit frei ist, soll man eher den Schuß unterlassen, als einen unsicheren wagen. Muß der Schuß ausnahmsweise auf spitz oder schräg stehendes Wild abgegeben werden, so muß er so angetragen werden, dass das Geschoß auf seinem Weg durch den Wildkörper die Kammer (Brusttraum) durchschlägt. Je schräger zum Schützen das Wild steht, desto bedenklicher ist der Schuß. Ebenso ist der Schuß auf Wild, das sich niedergetan hat, zu unterlassen. Dagegen ist auf krankes oder angeschweißtes Wild im Zweifelsfall jeder Schuß erlaubt, den man antragen kann.Beim Schuß auf bewegliche Ziele muß man mit dem Gewehr mitziehen und je nach der Entfernung des Zieles und der Geschossgeschwindigkeit kurz bevor der Schuß bricht davorschwingen. Als Anhalt mag gelten, dass man bei 50 m Entfernung auf trollendes Wild 50 cm und auf flüchtiges 90 cm vorhalten muß, wenn man nicht zügig mitzuziehen vermag. Als größte waidgerechte Schussentfernung sollten, wenn man bei gutem Licht das Gewehr sicher auflegen kann, 150 – 180 m nicht überschritten werden; nur im Hochgebirge und in weiten deckungslosen Ebenen kann sich bisweilen die Notwendigkeit ergeben, auf größere Entfernung zu schießen. Das erfordert dann besonders geeignete Patronen mit äußerst gestreckter (rasanter) Flugbahn des Geschosses und vor allem einen überdurchschnittlich guten Schützen.
Beim Schrotschuß bedenke man, dass die meisten Fehlschüsse darauf beruhen, dass man zu tief geschossen hat. Man halte daher eher über das Ziel als darauf! Bei beweglichem Ziel gilt auch hier: Zuerst das Wild anvisieren, entsprechend seiner Geschwindigkeit, Richtung und Entfernung mit dem Gewehr mitziehen und mitschwingend den richtigen Vorhalt geben, kurz bevor der Schuß bricht. Flüchtet das Wild spitz auf den Schützen zu, so hält man vor (darunter). Streicht es höher, als der Schütze groß ist, spitz dem Schützen zu, so hält man darüber. Flüchtet es spitz weg, hält man ebenfalls darüber; streicht es dagegen spitz ab, so hält man, solange es in gleicher Höhe des Schützen fliegt, zunächst darauf, bei weiter Entfernung und bei sich senkendem (einfallendem) Flugwild darunter. Kommt das Wild von der Seite, muss man seitlich vorhalten. Den Trefferfolg ist dabei weitgehend von der Fertigkeit des Schützen abhängig. Als ungefähres Richtmaß für das Mitschwingen mit dem Wild gilt, beim 25 m entfernten, breit vorbei flüchtenden Hasen 0,5 Länge, bei 40 m 1,5 Längen vorzuhalten; bei Flugwild wird man wesentlich mehr vorhalten (2 – 3 Wildlängen). Man muss stets bestrebt sein, die Schrotgarbe möglichst auf den Kopf und Hals des Wildes zu bringen, daher – auch auf die Gefahr des Fehlschusses hin – eher zu viel als zu wenig vorhalten. Weiter als 35 40 m – je nach Schrotstärke, Stärke (Größe) der Wildart und Trefferleistung des Laufes – sollte man mit Schrot nicht schießen.

Ziel –und Schießübungen: Zur Erlangung und Erhaltung der Schießfertigkeit mache man immer wieder Ziel- und Anschlagübungen mit der Büchse wie vor allem mit der Flinte (auch im Zimmer vor dem Spiegel). Der einwandfreie Anschlag eines Gewehres ist ausschlaggebend für ein gutes Treffergebnis. Beim stehend-freihändigen Schießen soll der Rechts-Schütze, gleich bei welcher Schussrichtung, den linken Fuß leicht vorsetzen und belasten. Nur der Oberkörper wird nach links oder rechts aus der Hüfte heraus gedreht. Das Körpergewicht ist etwas auf das vorgestellte Bein zu verlagern, das zurückgestellte Bein zu entlasten bzw. seine Ferse leicht anzuheben. Im übrigen sei die Haltung locker und ungezwungen. Der Schaft des Gewehres ist fest in die Schulter einzuziehen. Der etwas vorgebeugte Oberkörper fängt den Rückstoß bei Auslösung des Schusses besser ab. Ein für den Schützen gut geschäftetes Gewehr ermöglicht das vor allem für den Schuß auf flüchtiges Wild wichtige schnelle Zielen, ohne nach dem Anschlag noch viel berichten zu müssen. Durch häufiges Schießen auf die Scheibe eignet man sich die Fertigkeit an, genau zu sehen, wohin im Augenblick der Auslösung des Schusses die Visierlinie gerichtet war; man muss also das „Abkommen ansagen“ können. Wer glaubt, mit dem Flintenkorn zielen zu müssen, kommt in der Regel immer zu spät mit der Schussabgabe. Er muss sein Zielauge zunächst auf das Korn fokussieren, um es später auf das Ziel zu lenken. Die damit verbundene Anpassung der Sehschärfe (Akkommodation) von nah (Korn) bis weit (Ziel) lenkt den Schützen von einer zügigen Zielverfolgung mit der Mündung um einer spontanen Schussabgabe ab. Außerdem muss er mit Zielfehlern rechen, die von der Position und dem Durchmesser des jeweiligen Korns abzuleiten sind. Diese können allerdings vermieden werden, wenn der Schütze die Existenz des Korns einfach ignoriert und mit der Mündung zielt. Je tiefer das Korn unterhalb der horizontalen Visierlinie an der Mündung liegt, desto höher liegt die Treffpunktlage, wenn ausschließlich über das Korn gezielt wird. Die tiefe Position des Korns wird dadurch erreicht, dass sich die Schiene von den Laufwurzeln in Höhe der Baskülenoberkante beginnend bis zur Mündung hin verjüngt und tiefer gelegt ist.Die Höhendifferenz zwischen Kornoberkante und horizontaler Visierlinie ist bei dieser V. Bernadelli Doppelflinte (siehe Foto rechts) 2,3 Millimeter. Bei dem eingeschraubten Korn einer Doppelflinte liegt die Laufschiene im Bereich der Mündung unterhalb der horizontalen Visierlinie. Durch die unterschiedlichen Höhen

der Körner ergeben sich zwischen den beiden Flinten bei gleicher Zielweise über das Korn eine auf jagdliche Schussdistanz inakzeptable Höhenabweichungen der beiden Körner von der horizontalen Visierlinie an der Mündung, so beträgt die daraus resultierende Höhendifferenz 2,3 +2,8 = 5,1 Millimeter. Die rechnerisch ermittelte Höhendifferenz ist aber in dem Moment bedeutungslos, wenn der Schütze das Korn nicht beachtet und  ausschließlich mit der Mündung zielt.

Foto links: unterschiedliche Kornhöhen bei Doppelflinten

Tiefe  Basis hohe Treffpunktlage - Hohe Basis tiefe Treffpunktlage

siehe auch:  Auswahl des richtigen Schrotgewehres  

Foto, Skizze aus Wild und Hund nr. 18/2003

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