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Wildtiere im Frühjahr

Wildtiere im Frühjahr besonders aktiv

“Gerade jetzt im Frühjahr besteht eine besonders hohe Gefahr für Kraftfahrer, in einen Unfall mit einem Wildtier verwickelt zu werden”. Grund hierfür sei die regelmäßig mit dem Beginn des Frühjahrs sprunghaft ansteigende Aktivität vieler heimischer Wildtierarten. Während das betroffene Wildtier den Wildunfall häufig mit seinem Leben bezahlt, sind für den Menschen in der Regel Sachschäden die Folge. Allerdings seien auch bei Unfällen mit größeren Wildtieren Personenschäden nicht auszuschließen. Besonders für Motorradfahrer würden Wildunfälle oft tragisch enden.
Besonders hoch sei die Gefahr für Wildunfälle vor allem dort, wo die typischen Lebensräume des Wildes von Verkehrswegen durchschnitten werden. “Vor allem in großen geschlossenen Waldgebieten, aber auch in abwechslungsreichen Landstrichen mit Wiesen, Feldern und Waldinseln finden die meisten Wildtiere ideale Lebensbedingungen. Bei Fahrten durch solche Abschnitte ist eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten”.  Das Verkehrszeichen ‘Wildwechsel’ sei unbedingt zu beachten und das Tempo deutlich zu drosseln. Besonders gefährlich seien Fahrten in den Zeiträumen der morgendlichen oder der abendlichen Dämmerung.
“Hauptgründe für die spürbare Zunahme der Wildtieraktivitäten sind nicht etwa Frühlingsgefühle, sondern Futtersuche und Revierabgrenzung. Vor allem das männliche Rehwild, die Rehböcke, sind jetzt unterwegs. Jungtiere suchen nach Revieren, mit möglichen Rivalen werden Einstandskämpfe geführt, die bis zum Sommer ihren Höhepunkt erreichen”. Das Frühjahr bilde deshalb neben den Paarungszeiten, die in der Regel in den Sommermonaten oder im Herbst liegen, einen Zeitraum mit erhöhter Aktivität des heimischen Wildes. Der Bewegungsradius werde dabei deutlich ausgedehnt. Dagegen werde in den Wintermonaten bei den meisten heimischen Wildarten der Stoffwechsel und damit die Bewegungsaktivität deutlich reduziert. Diese Reduktion kann bis zu 50 Prozent gegenüber den Sommermonaten betragen.

Die heimische Natur genießen
Im Frühling ist die Natur und die Kulturlandschaft besonders interessant. “Genießen Sie vor dem Hintergrund der aktuellen gesetzlichen Bestimmungen die Zeit draußen” “und bitte bedenken sie dabei, dass wir uns alle in der Kinderstube unserer Wildtiere aufhalten.” Gerade jetzt in der Corona Pandemie hat der Spaziergang in der heimischen Natur eine ganz besondere Bedeutung bekommen auch jetzt zu Beginn des Frühlings zeigt sich die Natur von seiner schönsten Seite.  “Die Natur erwacht, frisches Grün bietet Nahrung für viele Tiere. Gleichzeitig verwandeln sich Wiese, Feld und Wald in eine große Kinderstube, übrigens auch in der unmittelbaren Nähe von Siedlungen, denn die Brut und Setzzeit beginnt.  Viele Wildarten wechseln von ihren Winterlebensräumen in die Gebiete, wo es reichlich Nahrung gibt und die besten Voraussetzungen für die kommende Generation geboten sind. Daher ist gerade jetzt rücksichtsvolles Verhalten besonders wichtig.”

Wildtiere im Dauerstress
Während des Lockdowns gehen viele Menschen spazieren, raus in die Natur. Für Tiere, die im Wald leben, ist das ein Problem.
Der Druck hat durch Spaziergänger, Wanderer, Freizeitsportler… sowie auch durch Mountainbiker enorm zugenommen. Mit dem Hund, zur Entspannung, mit Familie oder Freunden. Nie war der Wald beliebter wie jetzt in der Corona Pandemie, auch weil man sonst nichts machen kann als spazieren gehen.  Auch viele Radfahrer suchen ihre Trails im Wald. Und noch ein Problem: Viele Hobbysportler sind jetzt sogar in der Dunkelheit unterwegs. Nachts im Wald, das geht nicht, die Tiere wollen auch ihre Ruhe haben, dann kommen wieder welche mit Stirnlampen, das ist einfach zu viel sagt ein heimischer Tierfreund. Dann über den Wald die ganzen Paragleiter die tief über die Gipfel der Bäume fliegen. Für die Wildtiere und Vögel bedeutet das ebenfalls wieder Stress.
Um dem Tier- und Artenschutz zu genügen, bittet die Jägerschaft deshalb alle Wanderer und Freunde der Natur, gerade im Frühjahr auf den Wegen zu bleiben: “Damit stören Sie die Wildtiere am wenigsten. Menschen und auch Hunde, die auf den Wegen bleiben, werden von Wildtieren oft nicht als Bedrohung wahrgenommen, und man hat als Spaziergänger eine gute Möglichkeit, unsere heimischen Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.”

Tarnen und Täuschen:  Dabei sei es nicht einfach, unsere Wildtiere ohne weiteres zu entdecken. Die meisten Tiere seien sehr gut getarnt. Junghasen, Rehkitze und Entenküken sind durch ihre Fellzeichnung oder Federkleid fast unsichtbar, wenn sie sich bei Gefahr nahezu reglos ins Gras oder die Feldmulde drücken. “Dieses Verhalten und die gute Tarnung ist eine natürliche Feindvermeidung!” “Damit wollen sich die Tiere vor ihren Fressfeinden verstecken.” Dass die Jungtiere oft allein anzufinden sind, habe nichts damit zu tun, dass diese von den Elterntieren verlassen wurden, sondern sei auch Teil der Strategie, nicht gefressen zu werden: “Meist sind die Elterntiere nicht weit und wachen über ihren Nachwuchs.”

Wildtiere sind keine Rabenmütter: Rehkitze und kleine Hasen kommen nahezu ohne eigenen Körpergeruch auf die Welt. Tiermütter, die das Leben ihres Nachwuchses schützen wollen, legen die Kleinen in Wiesen oder im Wald alleine ab und suchen es nur zum Füttern auf, um das Versteck durch ihre eigene Witterung nicht an Fressfeinde wie Fuchs und Marder, Dachs oder Greifvogel zu verraten. Feldhasenmütter zum Beispiel suchen ihre Jungen nur zweimal am Tag auf, um sie mit zwei kräftigen Portionen fettreicher Milch zu füttern.

Achtung im Frühjahr: Hände weg von jungen Wildtieren, falscher Umgang gefährdet Leben von Wildtierjungen
Beim Frühlingsspaziergang oder bei der Gartenarbeit entdecken wir oftmals den Wildtier-Nachwuchs: „Leider kommt es da oft zu Missverständnissen, die für Jungtiere tragisch enden, weil Spaziergänger auf scheinbar hilflose oder verlassene Jungtiere treffen und falsch reagieren“. Tatsächlich ist das eine ganz natürliche Situation! Nur ganz selten sind junge Wildtiere tatsächlich von den Eltern verlassen worden. Die wirkliche Gefahr entsteht oft erst durch menschliche „Rettungsversuche“!

Copyright unbekannt

 Jungtiere selten hilflos:  Junge Hasen oder Rehkitze werden nur einmal bis zweimal pro Tag von der Mutter aufgesucht, es ist für sie völlig natürlich, auf die elterliche Pflege zu warten. Und Jungvögel starten ihre ersten Flugversuche zwar meist alleine, sind aber trotzdem nicht verlassen. Sie sind ständig mit den Eltern durch Rufe in Kontakt. „Sollten Sie also auf Jungtiere treffen, bitte entfernen Sie Sich rasch wieder, denn sonst halten Sie die Eltern davon ab, ihre Jungen zu versorgen“ appelliert Sima.

Jungvögel in Ruhe lassen: Aufgefundene Jungvögel brauchen meist gar keine Hilfe, aber ausgerechnet Jungvögel haben es den Menschen angetan. „Der Vogelnachwuchs braucht in aller Regel keine menschliche Hilfe. Ganz im Gegenteil, oft entsteht erst infolge der Mitnahme durch den Menschen für die Jungtiere Lebensgefahr! Tierschutz bzw. Naturschutz bedeutet hier, Tiere einfach in der Natur zu belassen“.

Was man tun kann? Wichtig ist zuerst die Unterscheidung zwischen Nestling und Ästling zu kennen. Nestlinge sind noch weitgehend unbefiedert, können nicht alleine stehen. Beim Fund eines Nestlings sollte man versuchen, das Nest zu finden und ihn wieder zurück in das Nest zu setzen. Bitte keine eigenen Aufzuchtversuche starten! Ästlinge wirken nur „hilflos”. Die Jungvögel sind bereits befiedert, sie können alleine stehen. Sie hüpfen meist auf dem Boden, so lernen sie fliegen. Sie halten durch Rufen Kontakt zu ihren Eltern. Die Eltern kümmern sich auch noch außerhalb des Nestes um ihre Jungen. Das ist vollkommen normal! Ein Ästling braucht die Hilfe des Menschen nicht, außer, er hüpft gerade mitten auf einer Straße herum. Dann kann man ihn vorsichtig auf einem geschützten Platz in der unmittelbaren Nähe setzen, so können ihn seine Eltern wieder finden. Jungvögel dürfen auch mit der bloßen Hand angegriffen werden, denn Vögel erkennen ihre Jungen nicht am Geruch, anders ist dies bei Rehen, Hasen etc. Sie werden nach menschlichem Kontakt von den Muttertieren verstoßen.

Fatale Folgen für die Jungtiere durch menschliche Eingriffe:  Jedes Jahr werden durch eine vermeintliche Rettung viele Jungtiere unnötigerweise der tierelterlichen Pflege entrissen und in vielen Fällen dadurch leider auch eines wildtiergerechten Lebens beraubt. Denn oft ist nach der „Rettung“ von jungen Wildtieren nur mehr ein Leben in menschlicher Obhut möglich. Jungtiere lernen die Verhaltens- und Ernährungsweise von ihren Eltern. Das kann der Mensch nicht bieten! „Bitte greifen Sie daher aufgefundene Jungtiere nicht an, belassen Sie die Tiere an der Fundstelle und entfernen Sie sich von den Jungtieren. So hilft man Wildtieren am meisten!“.

Richtiges Verhalten gegenüber Jungwildtieren:  Hände weg, menschliche Rettungsversuche bedeuten viel Stress für die Tiere und bringen viele Jungtiere in Lebensgefahr!

  • Im Zweifelsfall ist das Tier versorgt und benötigt keine menschliche Hilfe.
  • Nach der Entdeckung sollte man sich schnell wieder entfernen, sonst hält man die Eltern von der Versorgung des Kleinen ab.
  • Beobachtungen nur aus sehr großer Entfernung.
  • Nur verletzte junge Wildtiere und Jungtiere in unmittelbarer Nähe des verunglückten Muttertiers benötigen Hilfe!
  • Keine Versorgung durch Laien, schon falsches Futter endet für die meisten Jungtiere tödlich.
  • Hunde in der Natur nur mit Leine oder im kontrollierten Freilauf mit Maulkorb führen

Fazit: Für den Menschen heiße das: “Bitte halten sie gebührenden Abstand, um dieses natürliche Verhalten nicht zu stören, und bitte berühren sie Wildtiere nicht, auch wenn sie augenscheinlich allein und hilflos scheinen. Haben die Jungtiere den Geruch des Menschen erst angenommen, besteht die Möglichkeit, dass die Muttertiere ihre Jungen nicht mehr versorgen”. Im Zweifelsfall sollten Naturliebhaber den ortsansässigen Jäger informieren. Der Jäger kann den Zustand des Tieres einschätzen und gegebenenfalls handeln. In der Regel hilft sich die Natur aber selbst.

Copyright unbekannt

Im Wald gehören Hunde an die Leine: Das größte Problem sind freilaufende Hunde, die quer durch den Wald laufen und das Wild hetzen. Am aller schlimmsten ist es, wenn es zwei oder mehrere Hunde sind. Der Wald ist voll von tierischen Bewohnern, wir Menschen sehen sie nicht, Hunde können sie aber sehr gut aufspüren somit werden unbeaufsichtigte Hunde gerade im Frühjahr zum Problem
Meist gehen sie brav an der Leine oder liegen gemütlich vor der Haustür – doch in allen Hunden steckt auch der Jagdinstinkt. Auch in Südtirol machen streunende Hunde vor allem in den Abendstunden zunehmend Probleme.

Mangelnde Erziehung verstärkt Jagdinstinkt: Alle Hunde haben einen natürlichen Jagdinstinkt, das Hetzen der Tiere ist meist ein Spiel, selten ist es Hunger, der Haushunde wildern lässt. Hat ein Hund einmal mit dem Wildern begonnen, lässt es sich kaum mehr abgewöhnen. Gerade im Frühjahr, wo das Wild noch vom Winter geschwächt und trächtig sind, kann ein Hund eine ernste Gefahr für das Wild sein. „Manche Menschen haben abends weniger Lust mit dem Hund spazieren zu gehen und lassen ihn ohne Aufsicht raus. Stößt der Vierbeine dann auf ein Wildtier, welches sich im winterlichen Ruhemodus befindet, ist es in Gefahr. Streunende Hunde können auch Unfälle verursachen oder Menschen gefährlich werden. Künftige Hundebesitzer sollten sich gut überlegen, welche Rasse sie sich zulegen möchten und ob sie genügend Zeit für das Tier haben. Zudem könne die richtige Erziehung eines Hundes seinen Jagdinstinkt im Zaum halten. Vom Dackel bis Dobermann: Hunde haben einen natürlichen Jagdinstinkt. Deshalb appellieren wir an das Verantwortungsbewusstsein der Haustierbesitzer: “Bleiben Sie in der Brut- und Setzzeit grundsätzlich auf den ausgewiesenen Wegen und führen sie ihre Vierbeiner an der Leine, wenn sie nicht auf Ruf oder Pfiff reagieren. Denn die Jungtiere sind trotz guter Tarnung freilaufenden Hunden schutzlos ausgeliefert.
Streunende Katzen sind die größten Feinde für Jungtiere und Vögel. Hauskatze  vs. frei lebende Tierwelt – ist die Samtpfote eine schlimmer Faunenschädling? Katzen fressen die flüggen Jungvögel. Oder sie klettern auf Bäume und plündern Nester. Doch schon alleine eine Katze auf Streifzug bedeutet für viele Vögel enormen Stress. Sie können nicht direkt zum Nest fliegen, um den Räuber nicht auf dessen Standort aufmerksam zu machen. Sie können nicht mehr überall nach Nahrung suchen. Ihr Energieverbrauch steigt. Sie können nur Füttern, wenn keine Katze in der Nähe ist. Die Zahl der flüggen Jungvögel sinkt drastisch.  Nicht nur Vögel sondern auch Junghasen zählen zum Speiseplan der Katzen. Katzen sind auch Nachtaktiv und können mehrere Kilometer zurücklegen oder verweilen viele Stunden auf Lauerstellung bis sie zum Jagderfolg kommen.

 

Gastkarten

„Wer in Südtirol zur Jagd gehen will, braucht neben einem Jagdgewehrschein außerdem einen Jagderlaubnisschein. In den Revieren kraft Gesetzes gibt es folgende Jagderlaubnisscheine:

  • Jahreskarte
  • Gastkarte
  • Wochen- oder Tageskarte

Die genauen Regelungen zur Vergabe der einzelnen Jagdkarten werden vom Landesgesetz und der Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz geregelt.

Die Jagdgastkarte wird vom Jagdausübungsberechtigten; Jagdleiter oder vom Revierleiter ausgegeben.

Voraussetzungen: Jagdgastkarten dürfen an Personen ausgegeben werden,

  • die eine für das laufende Jagdjahr einen gültigen Waffenpass und eine Jagdversicherung   besitzen oder
  • die das 18. Lebensjahr vollendet haben und im Besitz einer gültigen ausländischen Jagdberechtigung und einer Versicherung (Wer in Südtirol die Jagd ausüben möchte, muss eine Jagdhaftpflicht- und eine Unfallversicherung abgeschlossen haben) sind.

Ausstellung: Der Jagdausübungsberechtigte bzw. der Jagdleiter hat nach Prüfung der Voraussetzungen auf der Jagdgastkarte folgendes zu vermerken:

  • den Vor- und Zunamen,
  • das Geburtsdatum und
  • den Hauptwohnsitz des Jagdgastes
  • Nummer des Waffenscheines/Waffenpass
  • den Tag der Jagdberechtigung

Die vollständig ausgefüllte Jagdgastkarte haben der Jagdgast und der Jagdausübungsberechtigte bzw. der Revierleiter eigenhändig zu unterfertigen. Nicht vollständig oder unleserlich ausgefüllte Jagdgastkarten sind ungültig!
Gültigkeit: Die Jagdgastkarte ist nur für das darin bezeichnete Jagdgebiet gültig.

GASTKARTEN auf Niederwild – Landesjagdordnung 2021

17.1 Pflicht zum Ankreuzen des Jagdganges auf dem Kontrollkalender
Jeder Jagdgang auf Niederwild ist vorher im Kontrollkalender anzukreuzen.
Das erlegte Niederwild ist am Ende eines jeden Jagdtages mit Angabe von Datum, Zahl und Art im Kontrollkalender zu vermerken. Der Kontrollkalender ist innerhalb 10. Februar des betreffenden Jagdjahres dem Revierleiter zu übergeben.
Wird während der allgemeinen Jagdzeit im Zuge der Jagdausübung auf Schalenwild zufällig ein Stück Niederwild erlegt, so ist der Jagdtag, sofern dies nicht schon geschehen ist, sofort im Kontrollkalender anzukreuzen.

17.2 Aufbewahrung der Kontrollkalender
Die Kontrollkalender mit den Angaben über das erlegte Niederwild sind mindestens bis zum Ende des Jagdjahres aufzubewahren und auf Verlangen der zuständigen Behörde und/oder den zuständigen hauptberuflichen Jagdaufsehern vorzuzeigen.

NEU 17.3 Erfassung von Tages- und Wochenkarten
Inhaber von Tages- und Wochenkarten sind verpflichtet, dem Revierleiter des betreffenden Jagdreviers nach Ende des Jagdtages die getätigten Niederwild Abschüsse mitzuteilen. 
Auch Jagdgänge ohne Erlegung/Abschüsse sind dem Revierleiter zu melden

Mehr Informationen zu den Jagdkarten erteilt der Südtiroler Jagdverband

 

 

Die Landesregierung hat die überarbeitete Landesjagdordnung genehmigt

Die Landesregierung hat die überarbeitete Landesjagdordnung genehmigt: Neue Regelungen für Rotwild waren erforderlich.

Foto: Hellweger Leo

Zahlreiche Verfeinerungen in Angelegenheiten der Jagdverwaltung enthält die heute (19. Jänner) von der Landesregierung genehmigte Neufassung der sogenannten Landesjagdordnung. Aus verschiedenen Gründen war eine Überarbeitung der Regelungen notwendig. Die letzte größere Überarbeitung war im Jahr 2012 erfolgt. Nun hat man in der vom für die Jagd und Fischerei zuständigen Landesrat Arnold Schuler vorgelegten Fassung in den sogenannten Hegerichtlinien den aktuellen wildökologischen Erkenntnissen Rechnung getragen. Die Hegerichtlinien regeln, welche Individuen von Reh-, Rot- und Gamswild zu welchem Zeitpunkt bejagt werden dürfen. Da die Wildpopulation naturnah aufgebaut bleiben soll, wird Schalenwild streng reglementiert nach Geschlecht und Alter entnommen. Laut Schuler “zielen die Regelungen vordergründig auf eine naturnahe Zusammensetzung der Wildbestände und eine nachhaltige Bejagung ab, die in hohem Maß die Natürlichkeit, Biodiversität und die Vermeidung von Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft fördert.” Die Verwaltung der Jagdreviere war im Jahr 1988 mit einem Beschluss der Landesregierung dem Südtiroler Jagdverband (SJV) übertragen worden. Dieser hat somit die Möglichkeit, detaillierte Bestimmungen zu erstellen, um die Abläufe in der Jagd zu regeln. Nun hat der Südtiroler Jagdverband nach Beratung mit dem Landesamt für Jagd und Fischerei jenen Vorschlag ausgearbeitet, den die Landesregierung heute genehmigt hat.

Quelle: Landespressestelle

 

Beschluss der Landesregierung über die Wildregulierung

Kuscheln ist  lebenswichtig – Murmeltiere im Königstal belauscht

Wenn es unten im Tal schon lange Frühling ist, leuchtet die Alm im Königstal noch weiß. Aber Ende April bis spätestens Anfang Mai graben sich schon die Murmeltiere durch den meterdicken Schnee. Ihr Winterschlaf ist vorbei, und sie sitzen vor den Löchern in der wärmenden Lenzsonne, obwohl es noch 6 bis 7 Wochen dauern wird, ehe sie rundum grüne Nahrung finden werden. Ihr frühes Erscheinen hat einen Grund: der Sommer ist kurz, und sie müssen so früh es geht Hochzeit halten. Denn je eher die Jungen geboren werden, desto größer und runder werden sie in den Herbst gehen, wenn die Zeit der nächsten Schlummer-Runde naht. Es ist für alle lebenswichtig, wenn ihre Konstitution gut ist. Es profitiert die ganze Familie davon, denn ein Murmeltier hält es im Winter alleine nicht aus. Spätestens Anfang Oktober geht es ab ins Kuschelbett, dann beginnen 7-8 Monate Winterschlaf. Je fetter und gesünder sie sind und je mehr sich zusammenkuscheln, desto besser ist die Überlebenschance für die ganze Familie. Darum mühen sich alle redlich, sich die nötige Speckschicht für die nächste Schlummerrunde anzufressen. Zu kleine Familien haben aber auch dann noch Probleme, heil über den Winter zu kommen. Der Großfamilie geht es am allerbesten.

Foto; Holg Schmiedt

Schlecht ergeht es oft den 5-jährigen, die abgewandert sind, um neue Reviere zu besiedeln und eigene Familien zu gründen. Solange es keine Jungen und Enkel im eigenen Bau gibt, können sie nicht kuscheln, und da kann es im Winter schon ekelhaft kalt sein, falls die wärmende Schneedecke dünn bleibt. Schlecht ergeht es aber auch den Senioren, die ausgezogen sind, um ihr Altenteil in einem abseitigen Bau alleine zu beziehen. Oft sind sie mit Parasiten verseucht, oder sie wollen ohne Gesellschaft sein, weil es ihnen nicht besonders gut geht. Der erfahrene Bergbauernjäger kennt solche Baue, und er weiß, dass die alten Murmeltiere wenig Chance haben, lebend über den Winter zu kommen, wenn sie niemand zum Kuscheln haben. Er jagt bevorzugt dort, denn hier richtet seine Jagd für den Gesamtbestand keinen Schaden an. Auch Fuchs und Steinadler kennen diese Altersbaue und wissen, dass die alten Herrschaften oft unvorsichtig sind und dass man Chancen hat, dort nicht nur zu jagen, sondern auch zu fangen. Murmeltierjagd, wie in der Schweiz, Südtirol und Österreich, ist bei Bergsteigern unbeliebt. Viele reagieren mit Emotionen darauf. Sie haben auch irgendwie Recht, denn starke und gesunde Tiere aus einer Großfamilie herauszuschießen, ist unwaidgerecht, weil jedes fehlende alte, gesunde und starke Tier eine ganze Murmeltiergemeinschaft gefährden kann. Denn jedes einzelne Tier wird für ihre Überlebensstrategie gebraucht. Die Jungtiere haben ohne ältere Onkel, Tanten und Eltern wenig Chancen durch den Winter zu kommen, aber auch die Jugend wird gebraucht, damit die alten Murmeltiere kuscheln können. So hat „Zimmeter“ bis zu 15 Murmeltiere in einem Bau friedlich schlafend, zusammengerollt und kuschelnd angetroffen. Der Biologe Walter Arnold hat die Erkenntnis vom kuschelnden Murmeltier bekannt gemacht, aber die alten Bergbauernjäger haben das auch schon gewusst, nur haben sie sich nicht so gut ausdrücken können wie er als Akademiker, und über die Zusammenhänge haben sie auch noch nicht nachgedacht. Aber sie wären nicht auf die Idee gekommen wie ein Stadtjäger, der kaltlächelnd aus einer intakten Murmeltiergroßfamilie die wichtigsten herausschießt und damit in Kauf nimmt, dass eine kleine Familie dem Kältetod geweiht ist. Wer in Harmonie mit sich und der Natur lebt, der kennt seine Murmeltiere und jagt am Austragsstüberl oder gar nicht. In Deutschland erübrigt sich diese Warnung, denn Murmeltiere haben das ganze Jahr Schonzeit. Für den Bergwanderer gehören sie zu den liebenswertesten Geschöpfen der Alpen und man kann sich an ihren Spielen und Treiben nicht satt sehen und viele Stunden und Tage beobachtend vor ihrem Bau verbringen. Mir ergeht das nicht anders, und obwohl ich schon Hunderte guter Fotos habe, finde ich immer wieder etwas, das ich noch fotografieren muss, denn man kann ja nicht zugeben, das es einfach Freude macht, vor ihrem           Bau auf dem Bauch zu liegen und ihnen nur zuzuschauen. So bin ich wieder einmal mit allerschwerstem Fotogepäck in das Königstal unter dem Schneibstein gestiegen, am Rande im Nationalpark Berchtesgaden. Ich weiß noch nicht, ob es noch lohnt. Dass sie kaum noch fressen, erschwert die Sache. Sie sind schon dick und rund auf den Winter vorbereitet, und nur einige 100 Meter höher ist es schon Winter. Ich liebe diese kühleren Tage, weil ich beim Steigen nicht schwitze, und auch die Murmeltiere halten diese Temperatur in ihrem

Foto: Pauline F.

dicken Pelz besser aus. Im Sommer fliehen sie oft bei zu großer Hitze in den Keller ihrer Baue unter die kühlende Erde und stellen sogar dafür das Futtern ein. Aber in größeren Höhen oder jetzt im Herbst genießen sie sichtlich auch noch die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne, die auf den Heidelbeerhängen das Herbstlaub der Blätter rot aufglühen lässt. Am Bau läuten Schwalbenwurzenziane und violette Herbstenziane, aber sonst ist die Blütenpracht vergangen. Dunkle Fichten rahmen das Königstal ein, über dem

Foto; Anja Giseler

bergwärts schroff und verwittert die Felskulissen der Schneibsteinwände hängen. Talwärts ist grandioser Abschluss das mächtige Watzmannmassiv, in dessen Senken schon vielfach Schnee die Mulden füllt. Haufenwolken türmen sich, mit Gewittern drohend darüber, und ein eiskalter Wind drückt Nebelbänke in den Königsee. In der Bärenwand pfeift zischend ein alter Gamsbock, aber neugierig bleibt er stehen. Ein Chor zwitschernder Alpendohlen fällt ein, rennt über die Grashänge, stochert mit gelben Schnäbeln, und dann lassen sie sich nacheinander ohne einen Flügelschlag hinauftragen über schroffe Steilwände bis zum Gipfel. Wispernd ziehen auf dem Weg in den Süden Riesenscharen Kleinvögeln durch. Jetzt sind es Buchfinken oder Goldammern, denen ein Wanderfalke glücklos nachjagt. Vielleicht hat er auch keinen Hunger. “Rabrab” hallt es von den Wänden und “klong klong” segelt ein Kolkrabenpaar über den blauen Himmel zwischen den weißen und grauen Wolkenbänken. Man sieht sie immer zu zweit. Nur auf die Murmeltiere hoffe ich heute bei dem unsicheren Wetter vergebens, weil sie vorher wissen, dass es nachts regnen wird, wie es die blauschwarze Wand vor König Watze am Himmel verspricht. Auch im Sommer bleiben sie zuweilen selbst an schönen Tagen im Bau. Nicht nur der Hitze wegen, wohl auch, weil sie den Wetterwechsel voraussagen können. Im September aber sind sie fett und haben den Ausflug gar nicht mehr nötig. Allerdings lieben sie jetzt die Sonne, vor der sie in der Hochsommerhitze an den sonst so gerne bewohnten Süd-Hängen fliehen. Darum wohl wachsen auch die Jungtiere in den Hochlagen um 2500 m schneller, weil es kühler ist und sie den ganzen Tag zum Futtern nutzen können. Die sonst so beliebte Höhe um 1500 m an Süd- und Südosthängen, lässt dagegen das Weiden nur in den kühlen Morgen- und Abendstunden zu. Je seltener sie Besuch von Menschen und Tieren erhalten, umso vorsichtiger sind sie, je häufiger ein Gelände begangen wird, desto vertrauter. Die Murmeltierstadt im Königstal hat ganzen Heerscharen von Diplomanden und Doktoranden als Übungsgelände gedient. Man hat Murmel in Fallen gefangen, hat ihnen mit Farbe große Nummern aufgemalt, die sie erst beim Haarwechsel wieder losgeworden sind. Man hat ihnen Sender umgeschnallt und unter Narkose Temperatursonden mit Funkmeldung unter die Haut gepflanzt, hat sie gewogen, hat Zähne und Haare ausgezupft, gerade dass man
nicht noch schlafend mit ihnen gekuschelt hat. Sicher waren sie nicht ganz glücklich darüber, aber jetzt sind sie die am besten erforschten Murmeltiere der Alpen. Besonders jene, die neben dem Trampelpfad wohnen, sind es gewohnt, dass immer wieder mal ein Mensch vorbeimarschiert. Während es sonst vernünftiger ist, sich in Deckung hinter einen Fels zu legen und notfalls auch ein Versteckzelt zu benutzen, ist das hier nicht nötig. Ich riskiere es, und es klappt, denn ich setze mich am kommenden Morgen, nach der Frühpirsch auf Gams, ganz offen in eine Mulde neben einem mächtigen Bau mit vielen Röhren. Viele Generationen Murmeltiere haben an dieser Burg gebaut, sie immer wieder ergänzt und ganze Halden aus dem Untergrund heraufgebuddelt, um sie den Ansprüchen neuer Generationen immer wieder anzupassen. Kot und Urin haben die Pflanzenwelt beeinflusst und rundum steht üppige nicht enden wollende Äsung von zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Etwa 50 m oberhalb am Steilhang ist der nächste Bau. Von dort aus hat mich ein dunkelgraues, fast schwarzes Murmeltier entdeckt, und ein schriller Pfiff hallt warnend über das ganze Tal. Es steht auf zwei Beinen, hoch aufgerichtet, um besser sichern zu können, wendet sich hier- und dorthin, reißt den Mund weit auf und schreit seinen schrillen Pfiff immer wieder warnend hinaus. Bei dem hätte ich so offen sitzend sicher kein Glück. Wenigstens habe ich erst einmal jemand zum Anschauen und die Hoffnung, dass es heute besser wird. Ein Tarnzelt habe ich noch nie zu den Murmeltieren mitgenommen, obwohl ich mir zuweilen eines gewünscht hätte, aber 25 kg Fotogepäck im Rucksack plus Essen, Trinken und Wäsche, sind genug. An meiner Röhre rührt sich etwas, und in einem der Löcher, 8 m vor mir, erscheint ein Bumskopf. Das Murmel bleibt in der Röhre sitzen und schiebt den Kopf nur bis zum Hals heraus. Die braune Wackelnase ist weiß umrahmt und auch das Gesicht ist so grau wie das beim eisgrauen Murmeltier in Alaska, also ist es wohl ein Bär. Durch das 5,6/600 mm Objektiv sehe ich die gelben Nagezähne und kann auf die Schnurrhaare scharf stellen. Kurz, wie abgeschnitten, sind die Öhrchen, und die dunklen Augen blitzen. Das Murmel lässt mich lange warten, ehe es weiter aus der Röhre kommt und sich umdreht, um zu dem oberhalb bellenden Artgenossen hinauf zu sichern. Dabei kommt es sehr langsam und ruckweise immer ein Stück weiter hervor, wendet sich wieder mir zu und mustert mich. Ich fotografiere mit der Pentax 645, abwechselnd mit dem 4/300 mm Objektiv auf Velvia-Film und dem 5,6/600 mm auf RDP100 und immer mit Einbeinstativ. Um ihm die letzte Angst zu nehmen, greife ich zu einem Trick, den ich bei Murmeltieren schon unendlich oft, aber auch schon bei Braunbären und anderen Tieren angewandt habe. Ich spreche mit ihm. Es ist nicht der Inhalt meiner Worte, sondern der Klang der Stimme, die es beruhigt, obwohl ich ihm allerhand Artigkeiten sage, was für ein nettes Puscheltier es sei, dass es keine Angst haben muss und derlei mehr. Es stellt den Kopf schief und lauscht, und ich rücke immer näher. Die kürzeste Distanz, die mir noch reizvoll erscheint, liegt bei 3-4 m. Da es sich überzeugen lässt, dass ihm keine Gefahr droht, kommen wir den ganzen langen Tag gut miteinander aus. Wenn jemand auf dem nahegelegenen Steig vorübermarschiert, macht es zuweilen Männchen oder hüpft auch mit schlagendem Schwanz zu einer anderen Röhre. Eine Art von Fuchsschwanz hat es, mit einer fast schwarzen Blume am Ende. An den unteren Röhren erscheinen Jungtiere zwischen den üppigen Pestwurzblättern und verblühter Goldrute. Man nennt die Jungen Mankei-Hasen, den Vater Bär und die Mutter Katz.

Die Hasen sind jetzt 3 Monate alt und noch recht klein. Jedes 4. von ihnen wird den Winterschlaf nicht überleben, denn sie wiegen nur 1/3 der Alten und speichern nicht genügend Fett. Mein Bär macht Männchen und schaut herab, der Hase nach oben und beide mustern sich. Aber sie kennen sich und wittern, dass sie aus dem gleichen Bau stammen. Mit den Drüsen hinter den Wangen ist das Revier markiert. Arnold nimmt an, dass der Alfabär eines Baues sein Territorium gegen fremde Männchen verteidigt und daß die ranghohe Katz es gegen andere Weibchen verteidigt. Sie sollen dabei brutale Kämpfer mit ihren messerscharfen Zähnen austragen und die gnadenlos einsetzen. Ich habe nun 40 Jahre lang Murmeltieren zugeschaut, aber noch nie Ernstkämpfe beobachtet. Ihr Tanzen zur Ranz-Zeit April/Mai macht eher den Eindruck eines spielerischen Reigens. Wenn sie den Mund weit aufreißen und mit den Zähnen drohen, muss das noch nicht ernsthaft sein, sondern es kann wie bei Eisbären eine Beschwichtigung bedeuten. Ich will nicht abstreiten, dass es einen Ernstkampf geben kann, aber ich habe Zweifel am gnadenlos verteidigten Revier. Mir fällt vielmehr auf, dass alle Murmeltiere eines Hanges einander besuchen und man kann einzelne Tiere auch ohne Nummer unterscheiden. Dabei fällt auf, dass solche Besuche oft über hunderte Meter weit zu Freunden und Verwandten führen, bei denen sie als Gast in den Bau schlüpfen. Schließlich kehren sie in den eigenen zurück. Es erscheint auch sinnvoll, daß sie bei solchen Ausflügen beim Nachbarn und in Notröhren miteinander Schutz suchen, wenn Gefahr von Fuchs oder Adler droht, der eigene Bau aber nicht erreichbar ist. Obwohl das ganze Tal durchlöchert ist, werden Feinde immer einzelne Mankei fangen, und besonders der Adler zieht seine Jungen mit ihnen auf. Er schlägt stets oberhalb seines Horstes, denn ein schweres erwachsenes Tier kann er nur im Sinkflug tragen, aber nicht bergauf. Gefährdet sind die auswandernden mittelalten Tiere, weil neue Siedlungsgebiete noch nicht so viele Löcher haben, wie die große Murmeltierstadt im Königstal. Man liest zuweilen, daß sie Wachen aufstellen, die warnen. Das stimmt nur bedingt, denn jedes warnt, wenn es Verdächtiges bemerkt und andere warnen dann mit, so daß ihr Gepfeife wie ein Lauffeuer über den Hang von Tier zu Tier eilt. Manchmal stehen sie auch nur wie Wichtelmännchen, um bessere Übersicht zu haben. Sie legen sich aber auch flach auf Felsplatten zum Sonnen, wobei sie wie Pfannkuchen auseinanderfließen. Meist aber sitzen sie da oder watscheln behende umher. Bären sind meist grauer als die brauneren Katzen, aber wirklich unterscheiden lassen sie sich nur an den Zitzen der säugenden Mutter. Jäger wollen meist Bären schießen, aber Fehler sind dabei vorprogrammiert. Vor allem ist es auch falsch, aus einem kleinen Familienverband die überlebenswichtigen großen Alttiere herauszuschießen und damit den Rest der Familie dem Kältetod preiszugeben. Auf der Alm blüht jetzt noch der Herbstenzian, aber sie äsen nur noch vom Feinsten. Kurz geschorenes auch jetzt noch frisch ausschlagendes Gras mähen sie millimeterfein als “Rasenmeckis”. Das schmeckt auch noch den Fettwämsten. Wenn sie stehen, wird deutlich, wie fett sie jetzt sind. Zeit, das Bett zu richten. Die Blätter der Blaubeeren leuchten rot in der Pracht des Indianersommers, und über den Hang kommt von hoch droben ein Murmel herab, mit einem Grasschnurrbart im Mund. Den braucht er nicht als Wintervorrat, sondern als Kuschelbett. Bei dieser eiligen Begegnung im Regen habe ich die EOS1 mit 2,8/300 Autofocus dabei. Vor einem anderen Bau habe ich eine vergleichbare Scene vor 25 Jahren im schon tief liegendem Schnee aufgenommen. Man kann die Heuernte eher beobachten, als daß man sie fotografieren kann, und darum gibt es wohl auch abenteuerliche Schilderungen davon. Auf den Hütten erzählt man sich, daß sie das Gras abknipsen und zum Trocknen breiten und wenden wie Bauern. Dann legt sich ein Murmel auf den Rücken und die übrigen laden das Heu auf den Bauch. Schließlich nimmt eines den Schwanz als Deichsel und hui, geht es ab in den Bau. Eine uralte Geschichte übrigens, die Sebastian Münster schon Anno 1588 aufgeschrieben hat. Er beschreibt die Tiere so: “Die Savoyarden nennen es Marmota, die Engadiner Marmotella, In Bern heißt es Murmeli, in Wallis Murmentli und Mistbelleri, in Graubünden Marbetle, in Glarus Munk, in Salzburg Murmele, in Bayern Mankei. Die Teutschen aber nennen es Murmelthier, vielleicht darum, daß es murret und korret, so es schlafft. Es sicht gleich wie ein groß Küngelin, hat aber abgeschnitten oren und einen Schwantz, der einer spannen lang ist, lang vorder Zen, beißt übel so es erzürnt wird, hat kurtz schenkel, die seind under dem Bauch gantz dick von Haar, gleich als hett es schlotterhosen angezogen, hat beerentappen und lang Klauwen daran, mit denen es gar unbilliglich tief in das Erdreich grept. So man ihm etwas zu essen gibt, nimmt es dasselbig in sein vorder Fuß, wie ein Eichhörnlin, sitzt auffgericht wie ein Aff. Kann auf zweyen hinderen Füßen gehen wie ein Beer……”

Foto: Mario Maindl

Eine zutreffende Beschreibung. Ein von mir untersuchter Bär wog mehr als 5 kg, war 52 cm lang und der buschige Schwanz hatte zusätzliche 17 cm. Der Brustumfang war 40 cm, das Herz wog 15 g. Ein weibliches Tier wog 4,5 kg, war 47 cm lang, der Schwanz 18 cm, Brustumfang 36 cm. Herzgewicht nur 10 g. Die Därme dieser beiden Tiere waren zum Platzen voll mit Murmeltierbandwürmern, 2-2,5 cm lang und o,5-1 cm breit, die wie Bandnudeln aussehen, rund 100 Stück beim Bären, 50 bei der Katz. Darum wohl sind sie auch schlecht verhärt und haben noch alte Winterwolle im Haar, und jedes der beiden Murmel stammte aus einem Senioren-Einzelbau. Goldrichtig bejagt, waren sie wahrscheinlich schon älter als 15 Jahre. Der Winterschlaf der Murmeltiere ist eines der großen noch ungenügend erforschten Phänomene. Während sie wach 1000 mg CO2 ausscheiden, ist es im Halbschlaf 400 mg und im tiefsten Schlaf nur noch 50-200 mg, denn die Zahl der Atemzüge sinkt von 50 auf 5 pro Minute, die der Herzschläge von 200 auf 15. Durch eingeschränkten Stoffwechsel sinkt die Körpertemperatur von 32 auf 2,2 bis 1,3 Grad C. (Nach Tratz) Sie sind dann in einem Starrezustand und fühlen sich schlaff an. Meist sind sie als Kugel eingerollt, mit der Schnauze zwischen den Hinterbeinen, um die Oberfläche zu verringern. In dieser Zeit verlieren sie 1/3 des Körpergewichtes, also bis ca. 1,5 kg und zehren vom Körperfett der Sommermast. Nach Arnold heizen sie den Körper alle 14 Tage etwa auf 37 Grad auf, um dann im Abortgang Harn abzusetzen. Nach etwa 24 Stunden fallen sie wieder in den Starrezustand des Winterschlafs. Jungtiere, die nur 1/3 der Alten wiegen, haben dafür weniger Fettreserven verfügbar. Darum ist es für sie lebenswichtig von der Wärmeproduktion der Alten zu profitieren. Je mehr Alttiere eine Gruppe hat, desto besser die Überlebenschance der Jungen. Fehlen durch Jagd oder Feinde zu viele Alttiere, können alle den Kältetod sterben, denn langsam kriecht der Frost immer tiefer in den Boden. Irgendwann wird die wärmende Schlummer-Rolle der Alten die nachrückende Jugend übernehmen und die überalterten Senioren ziehen aus. Es leben aber nachrückende Tiere bis zum 5. Jahr mit im Bau, die alle zur wärmenden Kuschelgemeinschaft gehören. Nach Arnold bleiben 80% der 2-jährigen und 1/3 der 3-4-jährigen in der Gruppe, aber alle 5-j. wandern ab, bis auf jene, die den Bau erben werden. Murmeltiere haben ein hoch entwickeltes Sozialleben und damit haben sie sich einen lange Zeit unwirtlichen Lebensraum erschlossen, eine Landschaft, in der sie nur als starke Kuschelgemeinschaft überleben können. Dem haben sie auch ihre Fortpflanzung angepaßt. Arnold meint, dass nur ranghohe Weibchen gedeckt werden und dass nur ein Weibchen der Familie begattet wird oder ein Schwangerschaftsabbruch durch Resorbierung der Ebryonen stattfindet. Möglicherweise hat der andere Gründe, denn die Brunft findet nach dem Winterschlaf in einer Zeit ohne Nahrung statt, so dass fehlende Fettreserven der Grund dafür sein können, denn auch erschöpfte Weibchen können eine Fortpflanzungsperiode aussetzen. Es kann in einem Bau in einem Jahr also auch gar keine Jungen geben, und ich habe gesehen, dass in einem Bau auch mehrere Katzen Junge führten. Das spricht gegen eine generelle Geburtenregelung. Schließlich gibt es in den Bergen auch noch reichlich unbesiedelte Lebensräume für sie. Da das Weibchen nur kurze Zeit empfangen kann, werden alle zum Handkuss zugelassen. Die übrigen schauen jeweils beim Gruppensex zu bis sie dran sind. Alle kommen dran und es gibt keine Eifersucht. Da die Bären also daheim Chancen haben, sich zu vererben, wandern sie auch weniger leicht als Katzen ab. Genetische Untersuchungen haben bewiesen, dass die Jungen eines Wurfes von verschiedenen Vätern stammen können. Wichtig ist wohl, dass zum Zeitpunkt des Eisprungs garantiert eine Befruchtung erreicht wird. Nach 32 Tagen Tragezeit werden im Schnitt 3 Junge (1-6) geboren. 40 Tage später, Anfang Juli, kommen sie heraus. Sie wiegen jetzt runde 500 g und stellen sich radikal von Milch auf Grünfutter um. Bis zum Winterschlaf müssen sie gute 1000 g bis auf 1500-1700 g zunehmen. Kein Problem, da es auf der Alm jetzt Nahrung in Hülle und Fülle gibt. Da haben sie meist auch reichlich Zeit zum Spielen. Ihre possierlichen Affenspiele sind Tänze, wie bei den Alten zur Hochzeit, Burgkönigspiele oder sie kugeln so blitzschnell herum, dass der Fotograf kaum eine Chance hat, sie scharf zu fotografieren, denn selbst mit Teleblitz sind die Zeiten nicht kurz genug. Ende September sind im Königstal schon viele Sommerbaue verlassen und Winterbaue verschlossen. Meist sind sie nicht identisch. Vor dem Winterschlaf werden sie mit meterdicken Stopfen aus Heu, Steinen und Erde zugemacht, damit weder Kälte und Nässe, noch Mäuse eindringen können. Für sie wäre ein Nest mit schlafenden Murmeltieren ein Schlaraffenland und ein grenzenloses fressbares Vorratslager. Bergwärts gabelt sich der Gang und er steigt bergan, damit kein Schmelzwasser sie ersäufen kann. Eine Sackgasse hat das Material für den Stopfen geliefert und dient zugleich als Klosettgang für die Schlafpausen. Der Hauptgang mündet in einen Kessel, der 1,5-3 m unter der Oberfläche liegt, aber 8-12 m tief in den Berg hineinführt. Da kuscheln sie dann eng zusammengeschmiegt in ihrem Heulager. Manchmal 10-20 Tiere.

Ein langer Winter ist da, vorbei ist das muntere Treiben im Königstal und zurück bleiben 7-8 Monate Einsamkeit

Bericht: Wolfgang Alexander Bajohr – D-Gilching