Kuscheln ist  lebenswichtig – Murmeltiere im Königstal belauscht

Wenn es unten im Tal schon lange Frühling ist, leuchtet die Alm im Königstal noch weiß. Aber Ende April bis spätestens Anfang Mai graben sich schon die Murmeltiere durch den meterdicken Schnee. Ihr Winterschlaf ist vorbei, und sie sitzen vor den Löchern in der wärmenden Lenzsonne, obwohl es noch 6 bis 7 Wochen dauern wird, ehe sie rundum grüne Nahrung finden werden. Ihr frühes Erscheinen hat einen Grund: der Sommer ist kurz, und sie müssen so früh es geht Hochzeit halten. Denn je eher die Jungen geboren werden, desto größer und runder werden sie in den Herbst gehen, wenn die Zeit der nächsten Schlummer-Runde naht. Es ist für alle lebenswichtig, wenn ihre Konstitution gut ist. Es profitiert die ganze Familie davon, denn ein Murmeltier hält es im Winter alleine nicht aus. Spätestens Anfang Oktober geht es ab ins Kuschelbett, dann beginnen 7-8 Monate Winterschlaf. Je fetter und gesünder sie sind und je mehr sich zusammenkuscheln, desto besser ist die Überlebenschance für die ganze Familie. Darum mühen sich alle redlich, sich die nötige Speckschicht für die nächste Schlummerrunde anzufressen. Zu kleine Familien haben aber auch dann noch Probleme, heil über den Winter zu kommen. Der Großfamilie geht es am allerbesten.

Foto; Holg Schmiedt

Schlecht ergeht es oft den 5-jährigen, die abgewandert sind, um neue Reviere zu besiedeln und eigene Familien zu gründen. Solange es keine Jungen und Enkel im eigenen Bau gibt, können sie nicht kuscheln, und da kann es im Winter schon ekelhaft kalt sein, falls die wärmende Schneedecke dünn bleibt. Schlecht ergeht es aber auch den Senioren, die ausgezogen sind, um ihr Altenteil in einem abseitigen Bau alleine zu beziehen. Oft sind sie mit Parasiten verseucht, oder sie wollen ohne Gesellschaft sein, weil es ihnen nicht besonders gut geht. Der erfahrene Bergbauernjäger kennt solche Baue, und er weiß, dass die alten Murmeltiere wenig Chance haben, lebend über den Winter zu kommen, wenn sie niemand zum Kuscheln haben. Er jagt bevorzugt dort, denn hier richtet seine Jagd für den Gesamtbestand keinen Schaden an. Auch Fuchs und Steinadler kennen diese Altersbaue und wissen, dass die alten Herrschaften oft unvorsichtig sind und dass man Chancen hat, dort nicht nur zu jagen, sondern auch zu fangen. Murmeltierjagd, wie in der Schweiz, Südtirol und Österreich, ist bei Bergsteigern unbeliebt. Viele reagieren mit Emotionen darauf. Sie haben auch irgendwie Recht, denn starke und gesunde Tiere aus einer Großfamilie herauszuschießen, ist unwaidgerecht, weil jedes fehlende alte, gesunde und starke Tier eine ganze Murmeltiergemeinschaft gefährden kann. Denn jedes einzelne Tier wird für ihre Überlebensstrategie gebraucht. Die Jungtiere haben ohne ältere Onkel, Tanten und Eltern wenig Chancen durch den Winter zu kommen, aber auch die Jugend wird gebraucht, damit die alten Murmeltiere kuscheln können. So hat „Zimmeter“ bis zu 15 Murmeltiere in einem Bau friedlich schlafend, zusammengerollt und kuschelnd angetroffen. Der Biologe Walter Arnold hat die Erkenntnis vom kuschelnden Murmeltier bekannt gemacht, aber die alten Bergbauernjäger haben das auch schon gewusst, nur haben sie sich nicht so gut ausdrücken können wie er als Akademiker, und über die Zusammenhänge haben sie auch noch nicht nachgedacht. Aber sie wären nicht auf die Idee gekommen wie ein Stadtjäger, der kaltlächelnd aus einer intakten Murmeltiergroßfamilie die wichtigsten herausschießt und damit in Kauf nimmt, dass eine kleine Familie dem Kältetod geweiht ist. Wer in Harmonie mit sich und der Natur lebt, der kennt seine Murmeltiere und jagt am Austragsstüberl oder gar nicht. In Deutschland erübrigt sich diese Warnung, denn Murmeltiere haben das ganze Jahr Schonzeit. Für den Bergwanderer gehören sie zu den liebenswertesten Geschöpfen der Alpen und man kann sich an ihren Spielen und Treiben nicht satt sehen und viele Stunden und Tage beobachtend vor ihrem Bau verbringen. Mir ergeht das nicht anders, und obwohl ich schon Hunderte guter Fotos habe, finde ich immer wieder etwas, das ich noch fotografieren muss, denn man kann ja nicht zugeben, das es einfach Freude macht, vor ihrem           Bau auf dem Bauch zu liegen und ihnen nur zuzuschauen. So bin ich wieder einmal mit allerschwerstem Fotogepäck in das Königstal unter dem Schneibstein gestiegen, am Rande im Nationalpark Berchtesgaden. Ich weiß noch nicht, ob es noch lohnt. Dass sie kaum noch fressen, erschwert die Sache. Sie sind schon dick und rund auf den Winter vorbereitet, und nur einige 100 Meter höher ist es schon Winter. Ich liebe diese kühleren Tage, weil ich beim Steigen nicht schwitze, und auch die Murmeltiere halten diese Temperatur in ihrem

Foto: Pauline F.

dicken Pelz besser aus. Im Sommer fliehen sie oft bei zu großer Hitze in den Keller ihrer Baue unter die kühlende Erde und stellen sogar dafür das Futtern ein. Aber in größeren Höhen oder jetzt im Herbst genießen sie sichtlich auch noch die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne, die auf den Heidelbeerhängen das Herbstlaub der Blätter rot aufglühen lässt. Am Bau läuten Schwalbenwurzenziane und violette Herbstenziane, aber sonst ist die Blütenpracht vergangen. Dunkle Fichten rahmen das Königstal ein, über dem

Foto; Anja Giseler

bergwärts schroff und verwittert die Felskulissen der Schneibsteinwände hängen. Talwärts ist grandioser Abschluss das mächtige Watzmannmassiv, in dessen Senken schon vielfach Schnee die Mulden füllt. Haufenwolken türmen sich, mit Gewittern drohend darüber, und ein eiskalter Wind drückt Nebelbänke in den Königsee. In der Bärenwand pfeift zischend ein alter Gamsbock, aber neugierig bleibt er stehen. Ein Chor zwitschernder Alpendohlen fällt ein, rennt über die Grashänge, stochert mit gelben Schnäbeln, und dann lassen sie sich nacheinander ohne einen Flügelschlag hinauftragen über schroffe Steilwände bis zum Gipfel. Wispernd ziehen auf dem Weg in den Süden Riesenscharen Kleinvögeln durch. Jetzt sind es Buchfinken oder Goldammern, denen ein Wanderfalke glücklos nachjagt. Vielleicht hat er auch keinen Hunger. “Rabrab” hallt es von den Wänden und “klong klong” segelt ein Kolkrabenpaar über den blauen Himmel zwischen den weißen und grauen Wolkenbänken. Man sieht sie immer zu zweit. Nur auf die Murmeltiere hoffe ich heute bei dem unsicheren Wetter vergebens, weil sie vorher wissen, dass es nachts regnen wird, wie es die blauschwarze Wand vor König Watze am Himmel verspricht. Auch im Sommer bleiben sie zuweilen selbst an schönen Tagen im Bau. Nicht nur der Hitze wegen, wohl auch, weil sie den Wetterwechsel voraussagen können. Im September aber sind sie fett und haben den Ausflug gar nicht mehr nötig. Allerdings lieben sie jetzt die Sonne, vor der sie in der Hochsommerhitze an den sonst so gerne bewohnten Süd-Hängen fliehen. Darum wohl wachsen auch die Jungtiere in den Hochlagen um 2500 m schneller, weil es kühler ist und sie den ganzen Tag zum Futtern nutzen können. Die sonst so beliebte Höhe um 1500 m an Süd- und Südosthängen, lässt dagegen das Weiden nur in den kühlen Morgen- und Abendstunden zu. Je seltener sie Besuch von Menschen und Tieren erhalten, umso vorsichtiger sind sie, je häufiger ein Gelände begangen wird, desto vertrauter. Die Murmeltierstadt im Königstal hat ganzen Heerscharen von Diplomanden und Doktoranden als Übungsgelände gedient. Man hat Murmel in Fallen gefangen, hat ihnen mit Farbe große Nummern aufgemalt, die sie erst beim Haarwechsel wieder losgeworden sind. Man hat ihnen Sender umgeschnallt und unter Narkose Temperatursonden mit Funkmeldung unter die Haut gepflanzt, hat sie gewogen, hat Zähne und Haare ausgezupft, gerade dass man
nicht noch schlafend mit ihnen gekuschelt hat. Sicher waren sie nicht ganz glücklich darüber, aber jetzt sind sie die am besten erforschten Murmeltiere der Alpen. Besonders jene, die neben dem Trampelpfad wohnen, sind es gewohnt, dass immer wieder mal ein Mensch vorbeimarschiert. Während es sonst vernünftiger ist, sich in Deckung hinter einen Fels zu legen und notfalls auch ein Versteckzelt zu benutzen, ist das hier nicht nötig. Ich riskiere es, und es klappt, denn ich setze mich am kommenden Morgen, nach der Frühpirsch auf Gams, ganz offen in eine Mulde neben einem mächtigen Bau mit vielen Röhren. Viele Generationen Murmeltiere haben an dieser Burg gebaut, sie immer wieder ergänzt und ganze Halden aus dem Untergrund heraufgebuddelt, um sie den Ansprüchen neuer Generationen immer wieder anzupassen. Kot und Urin haben die Pflanzenwelt beeinflusst und rundum steht üppige nicht enden wollende Äsung von zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Etwa 50 m oberhalb am Steilhang ist der nächste Bau. Von dort aus hat mich ein dunkelgraues, fast schwarzes Murmeltier entdeckt, und ein schriller Pfiff hallt warnend über das ganze Tal. Es steht auf zwei Beinen, hoch aufgerichtet, um besser sichern zu können, wendet sich hier- und dorthin, reißt den Mund weit auf und schreit seinen schrillen Pfiff immer wieder warnend hinaus. Bei dem hätte ich so offen sitzend sicher kein Glück. Wenigstens habe ich erst einmal jemand zum Anschauen und die Hoffnung, dass es heute besser wird. Ein Tarnzelt habe ich noch nie zu den Murmeltieren mitgenommen, obwohl ich mir zuweilen eines gewünscht hätte, aber 25 kg Fotogepäck im Rucksack plus Essen, Trinken und Wäsche, sind genug. An meiner Röhre rührt sich etwas, und in einem der Löcher, 8 m vor mir, erscheint ein Bumskopf. Das Murmel bleibt in der Röhre sitzen und schiebt den Kopf nur bis zum Hals heraus. Die braune Wackelnase ist weiß umrahmt und auch das Gesicht ist so grau wie das beim eisgrauen Murmeltier in Alaska, also ist es wohl ein Bär. Durch das 5,6/600 mm Objektiv sehe ich die gelben Nagezähne und kann auf die Schnurrhaare scharf stellen. Kurz, wie abgeschnitten, sind die Öhrchen, und die dunklen Augen blitzen. Das Murmel lässt mich lange warten, ehe es weiter aus der Röhre kommt und sich umdreht, um zu dem oberhalb bellenden Artgenossen hinauf zu sichern. Dabei kommt es sehr langsam und ruckweise immer ein Stück weiter hervor, wendet sich wieder mir zu und mustert mich. Ich fotografiere mit der Pentax 645, abwechselnd mit dem 4/300 mm Objektiv auf Velvia-Film und dem 5,6/600 mm auf RDP100 und immer mit Einbeinstativ. Um ihm die letzte Angst zu nehmen, greife ich zu einem Trick, den ich bei Murmeltieren schon unendlich oft, aber auch schon bei Braunbären und anderen Tieren angewandt habe. Ich spreche mit ihm. Es ist nicht der Inhalt meiner Worte, sondern der Klang der Stimme, die es beruhigt, obwohl ich ihm allerhand Artigkeiten sage, was für ein nettes Puscheltier es sei, dass es keine Angst haben muss und derlei mehr. Es stellt den Kopf schief und lauscht, und ich rücke immer näher. Die kürzeste Distanz, die mir noch reizvoll erscheint, liegt bei 3-4 m. Da es sich überzeugen lässt, dass ihm keine Gefahr droht, kommen wir den ganzen langen Tag gut miteinander aus. Wenn jemand auf dem nahegelegenen Steig vorübermarschiert, macht es zuweilen Männchen oder hüpft auch mit schlagendem Schwanz zu einer anderen Röhre. Eine Art von Fuchsschwanz hat es, mit einer fast schwarzen Blume am Ende. An den unteren Röhren erscheinen Jungtiere zwischen den üppigen Pestwurzblättern und verblühter Goldrute. Man nennt die Jungen Mankei-Hasen, den Vater Bär und die Mutter Katz.

Die Hasen sind jetzt 3 Monate alt und noch recht klein. Jedes 4. von ihnen wird den Winterschlaf nicht überleben, denn sie wiegen nur 1/3 der Alten und speichern nicht genügend Fett. Mein Bär macht Männchen und schaut herab, der Hase nach oben und beide mustern sich. Aber sie kennen sich und wittern, dass sie aus dem gleichen Bau stammen. Mit den Drüsen hinter den Wangen ist das Revier markiert. Arnold nimmt an, dass der Alfabär eines Baues sein Territorium gegen fremde Männchen verteidigt und daß die ranghohe Katz es gegen andere Weibchen verteidigt. Sie sollen dabei brutale Kämpfer mit ihren messerscharfen Zähnen austragen und die gnadenlos einsetzen. Ich habe nun 40 Jahre lang Murmeltieren zugeschaut, aber noch nie Ernstkämpfe beobachtet. Ihr Tanzen zur Ranz-Zeit April/Mai macht eher den Eindruck eines spielerischen Reigens. Wenn sie den Mund weit aufreißen und mit den Zähnen drohen, muss das noch nicht ernsthaft sein, sondern es kann wie bei Eisbären eine Beschwichtigung bedeuten. Ich will nicht abstreiten, dass es einen Ernstkampf geben kann, aber ich habe Zweifel am gnadenlos verteidigten Revier. Mir fällt vielmehr auf, dass alle Murmeltiere eines Hanges einander besuchen und man kann einzelne Tiere auch ohne Nummer unterscheiden. Dabei fällt auf, dass solche Besuche oft über hunderte Meter weit zu Freunden und Verwandten führen, bei denen sie als Gast in den Bau schlüpfen. Schließlich kehren sie in den eigenen zurück. Es erscheint auch sinnvoll, daß sie bei solchen Ausflügen beim Nachbarn und in Notröhren miteinander Schutz suchen, wenn Gefahr von Fuchs oder Adler droht, der eigene Bau aber nicht erreichbar ist. Obwohl das ganze Tal durchlöchert ist, werden Feinde immer einzelne Mankei fangen, und besonders der Adler zieht seine Jungen mit ihnen auf. Er schlägt stets oberhalb seines Horstes, denn ein schweres erwachsenes Tier kann er nur im Sinkflug tragen, aber nicht bergauf. Gefährdet sind die auswandernden mittelalten Tiere, weil neue Siedlungsgebiete noch nicht so viele Löcher haben, wie die große Murmeltierstadt im Königstal. Man liest zuweilen, daß sie Wachen aufstellen, die warnen. Das stimmt nur bedingt, denn jedes warnt, wenn es Verdächtiges bemerkt und andere warnen dann mit, so daß ihr Gepfeife wie ein Lauffeuer über den Hang von Tier zu Tier eilt. Manchmal stehen sie auch nur wie Wichtelmännchen, um bessere Übersicht zu haben. Sie legen sich aber auch flach auf Felsplatten zum Sonnen, wobei sie wie Pfannkuchen auseinanderfließen. Meist aber sitzen sie da oder watscheln behende umher. Bären sind meist grauer als die brauneren Katzen, aber wirklich unterscheiden lassen sie sich nur an den Zitzen der säugenden Mutter. Jäger wollen meist Bären schießen, aber Fehler sind dabei vorprogrammiert. Vor allem ist es auch falsch, aus einem kleinen Familienverband die überlebenswichtigen großen Alttiere herauszuschießen und damit den Rest der Familie dem Kältetod preiszugeben. Auf der Alm blüht jetzt noch der Herbstenzian, aber sie äsen nur noch vom Feinsten. Kurz geschorenes auch jetzt noch frisch ausschlagendes Gras mähen sie millimeterfein als “Rasenmeckis”. Das schmeckt auch noch den Fettwämsten. Wenn sie stehen, wird deutlich, wie fett sie jetzt sind. Zeit, das Bett zu richten. Die Blätter der Blaubeeren leuchten rot in der Pracht des Indianersommers, und über den Hang kommt von hoch droben ein Murmel herab, mit einem Grasschnurrbart im Mund. Den braucht er nicht als Wintervorrat, sondern als Kuschelbett. Bei dieser eiligen Begegnung im Regen habe ich die EOS1 mit 2,8/300 Autofocus dabei. Vor einem anderen Bau habe ich eine vergleichbare Scene vor 25 Jahren im schon tief liegendem Schnee aufgenommen. Man kann die Heuernte eher beobachten, als daß man sie fotografieren kann, und darum gibt es wohl auch abenteuerliche Schilderungen davon. Auf den Hütten erzählt man sich, daß sie das Gras abknipsen und zum Trocknen breiten und wenden wie Bauern. Dann legt sich ein Murmel auf den Rücken und die übrigen laden das Heu auf den Bauch. Schließlich nimmt eines den Schwanz als Deichsel und hui, geht es ab in den Bau. Eine uralte Geschichte übrigens, die Sebastian Münster schon Anno 1588 aufgeschrieben hat. Er beschreibt die Tiere so: “Die Savoyarden nennen es Marmota, die Engadiner Marmotella, In Bern heißt es Murmeli, in Wallis Murmentli und Mistbelleri, in Graubünden Marbetle, in Glarus Munk, in Salzburg Murmele, in Bayern Mankei. Die Teutschen aber nennen es Murmelthier, vielleicht darum, daß es murret und korret, so es schlafft. Es sicht gleich wie ein groß Küngelin, hat aber abgeschnitten oren und einen Schwantz, der einer spannen lang ist, lang vorder Zen, beißt übel so es erzürnt wird, hat kurtz schenkel, die seind under dem Bauch gantz dick von Haar, gleich als hett es schlotterhosen angezogen, hat beerentappen und lang Klauwen daran, mit denen es gar unbilliglich tief in das Erdreich grept. So man ihm etwas zu essen gibt, nimmt es dasselbig in sein vorder Fuß, wie ein Eichhörnlin, sitzt auffgericht wie ein Aff. Kann auf zweyen hinderen Füßen gehen wie ein Beer……”

Foto: Mario Maindl

Eine zutreffende Beschreibung. Ein von mir untersuchter Bär wog mehr als 5 kg, war 52 cm lang und der buschige Schwanz hatte zusätzliche 17 cm. Der Brustumfang war 40 cm, das Herz wog 15 g. Ein weibliches Tier wog 4,5 kg, war 47 cm lang, der Schwanz 18 cm, Brustumfang 36 cm. Herzgewicht nur 10 g. Die Därme dieser beiden Tiere waren zum Platzen voll mit Murmeltierbandwürmern, 2-2,5 cm lang und o,5-1 cm breit, die wie Bandnudeln aussehen, rund 100 Stück beim Bären, 50 bei der Katz. Darum wohl sind sie auch schlecht verhärt und haben noch alte Winterwolle im Haar, und jedes der beiden Murmel stammte aus einem Senioren-Einzelbau. Goldrichtig bejagt, waren sie wahrscheinlich schon älter als 15 Jahre. Der Winterschlaf der Murmeltiere ist eines der großen noch ungenügend erforschten Phänomene. Während sie wach 1000 mg CO2 ausscheiden, ist es im Halbschlaf 400 mg und im tiefsten Schlaf nur noch 50-200 mg, denn die Zahl der Atemzüge sinkt von 50 auf 5 pro Minute, die der Herzschläge von 200 auf 15. Durch eingeschränkten Stoffwechsel sinkt die Körpertemperatur von 32 auf 2,2 bis 1,3 Grad C. (Nach Tratz) Sie sind dann in einem Starrezustand und fühlen sich schlaff an. Meist sind sie als Kugel eingerollt, mit der Schnauze zwischen den Hinterbeinen, um die Oberfläche zu verringern. In dieser Zeit verlieren sie 1/3 des Körpergewichtes, also bis ca. 1,5 kg und zehren vom Körperfett der Sommermast. Nach Arnold heizen sie den Körper alle 14 Tage etwa auf 37 Grad auf, um dann im Abortgang Harn abzusetzen. Nach etwa 24 Stunden fallen sie wieder in den Starrezustand des Winterschlafs. Jungtiere, die nur 1/3 der Alten wiegen, haben dafür weniger Fettreserven verfügbar. Darum ist es für sie lebenswichtig von der Wärmeproduktion der Alten zu profitieren. Je mehr Alttiere eine Gruppe hat, desto besser die Überlebenschance der Jungen. Fehlen durch Jagd oder Feinde zu viele Alttiere, können alle den Kältetod sterben, denn langsam kriecht der Frost immer tiefer in den Boden. Irgendwann wird die wärmende Schlummer-Rolle der Alten die nachrückende Jugend übernehmen und die überalterten Senioren ziehen aus. Es leben aber nachrückende Tiere bis zum 5. Jahr mit im Bau, die alle zur wärmenden Kuschelgemeinschaft gehören. Nach Arnold bleiben 80% der 2-jährigen und 1/3 der 3-4-jährigen in der Gruppe, aber alle 5-j. wandern ab, bis auf jene, die den Bau erben werden. Murmeltiere haben ein hoch entwickeltes Sozialleben und damit haben sie sich einen lange Zeit unwirtlichen Lebensraum erschlossen, eine Landschaft, in der sie nur als starke Kuschelgemeinschaft überleben können. Dem haben sie auch ihre Fortpflanzung angepaßt. Arnold meint, dass nur ranghohe Weibchen gedeckt werden und dass nur ein Weibchen der Familie begattet wird oder ein Schwangerschaftsabbruch durch Resorbierung der Ebryonen stattfindet. Möglicherweise hat der andere Gründe, denn die Brunft findet nach dem Winterschlaf in einer Zeit ohne Nahrung statt, so dass fehlende Fettreserven der Grund dafür sein können, denn auch erschöpfte Weibchen können eine Fortpflanzungsperiode aussetzen. Es kann in einem Bau in einem Jahr also auch gar keine Jungen geben, und ich habe gesehen, dass in einem Bau auch mehrere Katzen Junge führten. Das spricht gegen eine generelle Geburtenregelung. Schließlich gibt es in den Bergen auch noch reichlich unbesiedelte Lebensräume für sie. Da das Weibchen nur kurze Zeit empfangen kann, werden alle zum Handkuss zugelassen. Die übrigen schauen jeweils beim Gruppensex zu bis sie dran sind. Alle kommen dran und es gibt keine Eifersucht. Da die Bären also daheim Chancen haben, sich zu vererben, wandern sie auch weniger leicht als Katzen ab. Genetische Untersuchungen haben bewiesen, dass die Jungen eines Wurfes von verschiedenen Vätern stammen können. Wichtig ist wohl, dass zum Zeitpunkt des Eisprungs garantiert eine Befruchtung erreicht wird. Nach 32 Tagen Tragezeit werden im Schnitt 3 Junge (1-6) geboren. 40 Tage später, Anfang Juli, kommen sie heraus. Sie wiegen jetzt runde 500 g und stellen sich radikal von Milch auf Grünfutter um. Bis zum Winterschlaf müssen sie gute 1000 g bis auf 1500-1700 g zunehmen. Kein Problem, da es auf der Alm jetzt Nahrung in Hülle und Fülle gibt. Da haben sie meist auch reichlich Zeit zum Spielen. Ihre possierlichen Affenspiele sind Tänze, wie bei den Alten zur Hochzeit, Burgkönigspiele oder sie kugeln so blitzschnell herum, dass der Fotograf kaum eine Chance hat, sie scharf zu fotografieren, denn selbst mit Teleblitz sind die Zeiten nicht kurz genug. Ende September sind im Königstal schon viele Sommerbaue verlassen und Winterbaue verschlossen. Meist sind sie nicht identisch. Vor dem Winterschlaf werden sie mit meterdicken Stopfen aus Heu, Steinen und Erde zugemacht, damit weder Kälte und Nässe, noch Mäuse eindringen können. Für sie wäre ein Nest mit schlafenden Murmeltieren ein Schlaraffenland und ein grenzenloses fressbares Vorratslager. Bergwärts gabelt sich der Gang und er steigt bergan, damit kein Schmelzwasser sie ersäufen kann. Eine Sackgasse hat das Material für den Stopfen geliefert und dient zugleich als Klosettgang für die Schlafpausen. Der Hauptgang mündet in einen Kessel, der 1,5-3 m unter der Oberfläche liegt, aber 8-12 m tief in den Berg hineinführt. Da kuscheln sie dann eng zusammengeschmiegt in ihrem Heulager. Manchmal 10-20 Tiere.

Ein langer Winter ist da, vorbei ist das muntere Treiben im Königstal und zurück bleiben 7-8 Monate Einsamkeit

Bericht: Wolfgang Alexander Bajohr – D-Gilching  

 

Rehwild

Rehwild kommt bei uns von der Küste bis ins Hochgebirge praktisch überall vor. Obwohl es als so genannter Konzentratselektierer besondere Anforderungen an die Äsung (Nahrung) stellt, ist es doch so anpassungsfähig, dass es sich flächendeckend verbreiten und zu unserer häufigsten Schalenwildart entwickeln konnte. Als Lebensraum bevorzugt Rehwild Mischwaldbestände mit reicher Strauchflora, abwechselnd mit Lichtungen, Feldern und Wiesen. In Gegenden ohne Wald leben die sog. Feldrehe, deren Lebensraum und Einstand das offene Feld ist. Sie haben sich den gegebenen Umständen angepasst und stehen Tag und Nacht auf den Feldern, dabei nutzen sie geschickt jede kleine Deckung aus. Sie nehmen Bewegungen im allgemeinen noch eher wahr als Rehe, deren Lebensraum die Wälder sind. Feldrehböcke haben durch die reichliche, kalkhaltige Äsung in der Regel überdurchschnittlich starke Gehörne und neigen zur Frühreife.

Aussehen: Der Körperbau des Rehwildes ist seiner Lebensweise gut angepasst und so bezeichnet man das Rehwild auch als Schlüpfer. Es ist so in der Lage jede Deckung in unterholzreichen Lebensräumen zu nutzen. Im weiten Durchschnitt sind zweijährige Böcke 112 cm lang, 66 cm hoch und weisen ein Lebendgewicht von 23 Kilogramm auf. Für die weiblichen Stücke gilt das selbe, allerdings sind sie im Durchschnitt 2 Kilo leichter, bringen es also nur auf 21 Kilogramm. Je nach Äsung, Jahreszeiten und Verhalten ist auch das Gewicht und der Körperbau es Rehwildes unterschiedlich. Bei einer Rückenhöhe bis 75 cm hat das Reh eine zierliche Gestalt und hohe Beine (“Läufe”) mit schmalen, scharfrandigen Hufen (“Schalen”). Besonders auffällig beim Rehwild ist der so genannte Spiegel. Hierbei handelt es um einen ausgedehnten weißen Fleck auf dem “Hinterteil”. Der Spiegel ist in seiner Form geschlechtsspezifisch. So weist er beim weiblichen Rehwild eine herzförmige Form mit einem herabhängendem Haarbüschel, der so genannten Schürze auf, beim Männlichen hingegen ist er nierenförmig und hat keine Schürze. Auch der Spiegel unterliegt beim Haarwechsel einer Farbänderung. So ist er im Sommerhaar rötlich-gelb und klein, im Winterhaar aber hebt er sich durch fast strahlendes Weiß von der übrigen Färbung ab und ist größer als im Sommer. Die Böcke hingegen beginnen ab dem Frühjahr ein ausgeprägtes territoriales Verhalten zu zeigen, indem sie sich auf die Suche nach einem eigenen Einstandsgebiet begeben. Von nun an beginnen auch die Einstandskämpfe, die im Sommer ihren Höhepunkt erreichen. Bei diesen Einstandskämpfen entscheidet in der Regel weniger die körperliche Konstitution als das Alter. So kann man fast immer davon ausgehen, daß der Flüchtende zweier Böcke auch der Jüngere ist. Insgesamt wird das soziale Verhalten des Rehwildes stark von seinem Lebensraum beeinflusst. So bilden Rehe, die ausschließlich auf Feldern leben größere Gemeinschaften, so genannte Sprünge, die Ihnen mehr Schutz gewähren. Dieses Rehwild hat sein Verhalten bereits soweit an den eigentlich atypischen Lebensraum angepasst, daß man von Feldrehen spricht. Der bevorzugte oder vielleicht auch natürliche, im Sinne von ursprünglichem Lebensraum besteht aus Wald und Feld. Bevorzugt hält sich das Rehwild dort an der Wald-/ Feldgrenze auf. Vom Beginn des Sommers an steht es in solchen Revieren in den Feldern und ungemähten Wiesen und zieht sich erst nach der Ernte in den nun mehr Deckung bietenden Wald zurück. Je härter die Winter werden, umso mehr neigt das Rehwild auch in solchen Revieren zur Bildung von Sprüngen (Rudeln), wobei es zu keiner Trennung nach Alter oder Geschlecht kommt. Erst mit Einsetzen des Frühlings kommt es dann wieder zur Auflösung derlei Lebensgemeinschaften. Die beste Beobachtungszeit des Rehwildes ist das Frühjahr.

 

 

 

Rehgais im Winterkleid (Winterdecke), hinten sehr gut die “Schürze” zu erkennen

 

 

 

 

 

 

 

Rehbock im Sommerkleid (Sommerdecke)

 

 

 

 

Rehbrunft, Blattzeit und Fortpflanzung: Fortpflanzungsfähig ist das Rehwild vom 2. Lebensjahr an, voll erwachsen im 3. Lebensjahr. Die Hormone, die für beide Vorgänge bei Rehbock verantwortlich sind, nämlich für das Gehörn und die Funktionsfähigkeit der Hoden, arbeiten Hand in Hand: Das Wachstumshormon aus dem Vorderlappen der Hirnanhangdrüse ist für das Wachstum des Gehörns verantwortlich. Allerdings kann es allein nichts bewirken, sondern nur zusammen mit dem männlichen Geschlechtshormon das in den Hoden produziert wird. Wir wissen, daß die Gehörne zum Teil schon im März verfegt sind. Wesentlich schwieriger ist es jedoch für den Jäger

festzustellen, daß bereits im Mai die von Tag zu Tag anschwellenden Brunftkugeln des Bockes lebensfähiges Sperma produzieren. Dies muß aber in der Regel noch knapp zwei Monate warten, bis es für die Reproduktion genutzt werden kann. Denn erst Anfang Juli können die ersten Ricken aufnehmen. Die Blattzeit (Brunftzeit) ist Mitte Juli bis Mitte August. Der Brunftbetrieb wird durch einen speziellen Duftstoff, den das weibliche Rehwild absondert, ausgelöst. Böcke, die nicht unmittelbar mit Ricken zusammenstehen oder die nicht von weiblichen Stücken aufgesucht werden, verfolgen ähnlich wie ein Schweißhund mit tiefer Nase die Fährte einer brunftigen Ricke. Und dabei wird, je nach Bestand und Revierstruktur, das ursprüngliche Territorium deutlich erweitert. Berühren Böcke dabei die Reviere anderer, so kann es bei gleicher Stärke unter Umständen zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Bei Annäherung des Bockes flüchtet in der Regel das weibliche Stück, so daß es zu einer Hetzjagd kommt, dem bekannten Treiben. Dieses Treiben kann auch über mehrere Kilometer gehen, und es wird oft von dem recht lauten Keuchen des Bockes begleitet. Bei einem Halt bewindet meist der Bock ausgiebig den Schürzenbereich der Ricke, worauf oft das Treiben, jetzt in immer enger werdenden Kreisen, fortgesetzt wird. Die Spuren dieses kreisförmigen Treibens in der Bodenvegetation sind die bekannten Hexenringe. Je mehr Böcke im Revier sind und je heißer die Tage, desto reger ist der Brunftbetrieb. Weibliches Rehwild ist etwa drei bis vier Tage brunftig. Der Bock reitet auf, und es kommt zu einem sehr kurzen Beschlag. Allerdings kann es bis zu 20 Mal wiederholt werden. Der Bock ist nach der Brunftzeit stark mitgenommen und ruht häufig erschöpft im Gras, während die Ricke ruhig daneben äst oder zieht sich mehrere Tage in die Walddichtung zurück. Dadurch haben auch die jungen Böcke die Gelegenheit, die eine oder andere Gais zu beschlagen. Durch die eintretende KEIMRUHE bei der Gais, ist die Tragzeit neuneinhalb Monate (40 Wochen oder ca. 290 Tage). In sehr seltenen Fällen erfolgt im November/Dezember eine zweite Rehbrunft. Bei diesen Rehen entfällt die Eiruhe, sie haben eine regelmäßige Tragzeit von ca. fünfeinhalb Monaten. Der Vorteil dEs handelt sich hierbei um Rehe, die im Sommer nicht befruchtet wurden und bei dieser Nachbrunft vom Bock erneut beschlagen und befruchtet werden. ieser verlängerten Tragzeit liegt auf der Hand. Sowohl die Brunft als auch das Setzen der Kitz erfolgen in einer Zeit voller Vegetation und damit in einer Zeit optimaler äußerer Bedingungen.

Im Mai/Juni des darauf folgenden Jahr werden in der Regel ein bis zwei, Kitze gesetzt und sofort von der Gais trocken geleckt. Das Setzen erfolgt, wie bei allen Cerviden, fast ausnahmslos im Liegen. Das Kitz hat ein beiges, weiß gepunktetes Haarkleid und kaum Körpergeruch. Im Laufe des Sommers verschwinden diese Punkte mehr und mehr, weil das Sommerhaarkleid heranwächst. In den ersten Wochen legt die Geiß ihre Kitze an getrennten Plätzen ab. Sie drücken sich bei drohender Gefahr und verhalten sich regungslos. So sind sie vor Feinden optimal geschützt. Sie sind in diesem Alter noch nicht zur Flucht fähig. Aus diesem Grund kommt es häufig bei der Mahd von Wiesen oder Feldern zu tödlichen Verletzungen. Die Kitze werden ungefähr ein halbes Jahr gesäugt (mehrmals täglich), wobei sie die Geiß gewöhnlich im Stehen saugen läßt. Ab der dritten Lebenswoche nehmen die Kitze auch Grünäsung zu sich. Sie bleiben bis zum erneuten Setzen bei der Mutter und werden von dieser kurz vorher abgeschlagen (vertrieben).

Die abgeschlagenen Schmalrehe und Jährlinge irren anfangs umher, später tun sich zwei oder mehrere Jährlinge zusammen. Schmalrehe versuchen meist bei älteren Böcken, die einen festen Einstand haben, Anschluß zu finden.

MERKE: Fassen Sie niemals ein Kitz mit den Händen an, verwenden sie eine Wolldecke oder ein großes Büschel Gras; die Geis nimmt den Geruch des Menschen wahr und verstößt somit häufig das Kitz.

Brunft / Paarung

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

verlängerte Tragzeit

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Setzzeit

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Säugezeit

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Geweihaufbau

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Nahrung: Bei der Äsung zeigt sich das Rehwild naschhaft und wählerisch. Es nimmt nur die nährstoffreichen Pflanzenteile, also die Knospen und jungen Als Wiederkäuer ist das Reh ein reiner Pflanzenfresser. Das Reh liebt eine lichte, buschreiche Umwelt und hochwertige Nahrung. Auch auf Wiesen äst es nur bestimmte Gräser und Kräuter. Die Äsungs- und Widerkauperioden sind häufig und kurz. Das liegt daran, daß die Rehe relativ betrachtet den kleinsten Pansen aller heimischen Hirscharten besitzen und obendrein einen hohen Energiebedarf aufweisen. Dem zu Folge muß die aufgenommene Nahrung energiereich und leichtverdaulich sein.. Sie muß hohen Anteil an Rohprotein und leicht vergärbaren Kohlenhydrate besitzen und darf gleichzeitig geringen Rohfaseranteil besitzen. Dies ist in Notzeiten bei der Winterfütterung von großer Bedeutung, denn hier benötigt das Rehwild einen deutlich höheren Anteil an Saftfutter. Der tägliche Nahrungsbedarf schwankt bei einem ausgewachsenen Reh zwischen zwei und vier Kilogramm. In den Wintermonaten wird der Stoffwechsel der Rehe deutlich reduziert (bis zu 50% gegenüber den Sommermonaten).
GEWEIHBILDUNG: Wie erwähnt zählt das Rehwild zu den Geweihträgern. Die Bildung eines jährlich neuen Gehörnes wird hormonell gesteuert und hier im wesentlichen durch die beiden Hormone Somatotorpin, welches für das Gehörnwachstum zuständig ist und durch Testosteron, welches das Einstellen des Gehörnwachstums und das spätere Abwerfen bewirkt. Bei der Ausbildung des Gehörnes kommt es zu einer Umwandlung von Knorpelgewebe zu Knochensubstanz, wobei das heranwachsende Gehörn von einer schützenden Haut, dem sogenannten Bast umgeben ist. Dieser versorgt es mit allen für das Wachstum nötigen Stoffen. Der Aufbau und die Versorgung des Gehörns erfolgen dabei immer von der Spitze aus. Eine Ausnahme von diesem Ablauf bilden nur die Rosen, die von Anfang an aus Knochensubstanz bestehen. Ist das Gehörn vollständig verknöchert, stirbt der Bast allmählich ab und der Bock entfernt ihn, in dem er fegt. Das Fegen, das in diesem Falle lediglich der Entfernung des Bastes dient, dauert nur wenige Stunden. Zum Vorschein kommt ein weißes Gehörn. Seine spätere Farbe erhält es durch Pflanzensäfte und Humusstoffe, denn der Bock wird in der Folge weiterhin fegen, um sein Territorium abzugrenzen. Ist die Blattzeit beendet, sinkt allmählich der Testosterongehalt und der Prozess des Abwerfens wird eingeleitet. In einem kleinen Bereich im Zentrum zwischen Rosen und Rosenstöcken können nun Osteoklasten, (Knochenfresszellen), aktiv werden, die dafür sorgen dass die knöcherne

Verbindung zwischen Rosenstock und Geweihstange gelockert wird. Dabei wird das bestehende Knochengewebe nach und nach durch Osteoklasten resorbiert, so daß der Kontakt lediglich über dünne Knochenbrücken aufrechterhalten wird. Zudem beginnt das die Rosenstöcke umgebende epidermale Gewebe verstärkt zu wachsen und drückt dabei von unten gegen die Rosen der Geweihstangen. Durch diesen Druck lösen sich die Stangen schließlich schon bei leichter Bewegung vollständig von den Rosenstöcken ab.Was den Zyklus von der Bildung des Gehörnesbis zu dessen Abwurf betrifft, muß zwischen Bockkitzen und älteren Böcken unterschieden werden. Der gravierendste Unterschied ist wohl, daß das Bockkitz beim Erstlingsgehörn keine Rosen ausbildet. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, daß das Erstlingsgehörn nicht von Bast, sondern von normaler Haut umschlossen ist. Sein Wachstum beginnt bereits im vierten bis fünften Lebensmonat. Von Mitte Dezember bis in den Januar hinein wird dieses Gehörn freigelegt. Geschieht dies bis zu diesem Zeitpunkt nicht, stellt das Bockkitz das Gehörnwachstum ein und holt diesen Prozess erst im Folgejahr nach. Dabei kommt es im Gegensatz zu den normal entwickelten Altersgenossen auch dann zu einem Gehörn ohne Rosen. Schon im Februar wird das Erstlingsgehörn wieder abgeworfen. Die Bildung des Folgegehörnes erfolgt unmittelbar. Von nun an tritt der Bock, was die Entwicklung des Gehörnes betrifft in den Zyklus der übrigen Böcke ein. Während der Wintermonate schiebt der Bock sein Gehörn. Das heißt aber auch, daß dieser recht Energie aufwendige Prozess in die Zeit knapper werdenden Nahrungsangebotes fällt. Es liegt auf der Hand, daß die äußeren Umstände durchaus Einfluss auf die Gehörnbildung haben können. Jährlinge (ein Kitz wird am 01.04. dem seiner Geburt folgenden Jahr zum Jährling) fegen hier Gehörn erst relativ spät, das heißt zu Anfang Mai, wohingegen die älteren Böcke dies bereits in der Zeit von März bis April erledigen. Abgeworfen werden die Gehörne in der Regel im Oktober.

ABNORMITÄT

ABNORMITÄT: Bei jungen Kitzböcken, die noch keine Rosenstöcke haben, führt eine Kastration wahrscheinlich zur dauernden Geweihlosigkeit (Plattkopf). Ist der Rosenstock jedoch schon entwickelt, aber noch kein Geweih vorhanden, kommt es zu kleinen, knollenförmigen Perücken, die nie mehr abgeworfen werden. Wird ein älterer Bock mit Bastgeweih am Kurzwildbret schwer verletzt oder kastriert, entwickelt sich dieses zur Perücke und wird ebenfalls nicht mehr abgeworfen. Erfolgt die Verletzung oder Kastration nach dem Fegen des Geweihs bzw. zu dem Zeitpunkt, zu dem die Verknöcherung bereits eingetreten ist, wird es einige Wochen später abgeworfen und neu als Perückengeweih geschoben. Auch dieses wird nicht mehr abgeworfen. Ein vielendiges Geweih (siehe Foto links) entsteht durch die Verletzung des Geweihs im Bast zu Beginn der Geweihbildung. Es bilden sich mehrere abnorme Enden, das nächste geschobene Geweih ist wieder normal. Beim Knickbruch einer Geweihstange, die an der Bruchstelle bereits verknöchert, jedoch noch im Bast war, wird die Stange vom Bast bis zur Verheilung gehalten. Die weiterwachsenden Enden streben nach oben. Das nächste Geweih wächst wieder normal. War die Geweihstange noch nicht verknöchert, als sie knickte und brach, wachsen an der Bruchstelle abnorme Enden, die alle nach oben streben. Das nächste Geweih, das der Bock schiebt, ist wieder normal.

Ein Moorbock ist ein Rehbock, der ein dunkles, glanzloses Geweih mit hohem Volumen, jedoch auffallend geringem Gewicht trägt. Ein solches Geweih ist von poröser Substanz, und die Enden sind häufig z. T. abgebröckelt. Ein Korkenzieher- und Widdergeweih ist ein Geweih, das während des Wachstums weich und biegsam ist, sich durch das eigene Gewicht verformt und später verkalkt. Die Ursachen sind häufig Parasitenbefall oder Stoffwechselstörungen. Das nächste Geweih ist meist wieder normal.

Als Gummigeweih bezeichnet man ein weiches, biegsames Geweih, das sich durch das Eigengewicht verformt und nicht verkalkt. Der Bast löst sich nur innerhalb einer bestimmten Zeit vom Geweih. Hindert schlechter Gesundheitszustand oder ähnliches den Bock am Verfegen, bleibt der Bast teilweise am Geweih haften, und es entsteht das sog. Pergament- oder Ledergeweih. Das nächste Geweih ist wieder normal.

Ein Frost- oder Hungergeweih weist nur noch Geweihstümpfe auf, die oberhalb der Rosenstöcke enden. Der obere Stangenteil ist durch starken Kalkmangel zurückgeblieben und dann abgestorben und abgebrochen, die Stampfenden sind glatt und stumpf. Das nächste Geweih ist wieder normal.

Beim Pechgeweih ist der Bast abnorm verdickt, die Enden fehlen. Die Verdickung des Bastes entsteht durch Entzündung (meist durch Frosteinwirkung). Das nächste Geweih ist wahrscheinlich wieder normal.

Perückenbock – ©: Jagdportal

Ein Perückenbock (siehe Foto)ist ein männliches Reh (Rehbock), das wegen des Ausfalls der Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron durch Krankheiten, Verlust oder Verletzung der Testikel (Verletzung der Geschlechtsorgane) nicht mehr in der Lage ist, ein einwandfreies Geweih zu bilden. Die Knochensubstanz des Geweihes und insbesondere der Bast (die während der Geweihbildung das Geweih versorgende Haut) wuchern und das Wachstum kommt nicht zum Stillstand, so dass sich Gebilde formieren, die äußerlich an eine Turmfrisur erinnern. Die Wucherungen können sich über das gesamte Haupt erstrecken und die Augen des Tieres (Lichter) bedecken. Das Tier ist in seiner Lebensweise, auch in der Nahrungsaufnahme, stark behindert und meistens nicht fortpflanzungsfähig.

Blasengeweih ist ein normales Geweih mit einem beulenartigen Geweihauswuchs, der innen hohl ist und eingetrockneten Schweiß enthält. Eine derartige Geweihblase entsteht durch einen Bluterguß, eine Quetschung oder eine Prellung des Geweihs im Bast. Das nächste Geweih ist wieder normal.

Sinnesleistung und Lautäußerung: Geruchs- und Gehörsinn sind hervorragend ausgebildet. Augen weniger leistungsfähig, Rehe sind farbenblind und können räumlich nicht wahrnehmen, sie registrieren Bewegungen sehr genau. Stimme der Rehe: Wenn sich Rehe erschrecken, geben sie einen bellenden Laut von sich.

Stimme Rehwild

Jagdzeiten: Die Jagd auf das Rehwild (Gaisen, Kitze und Jahringsböcke) beginnt in Südtirol mit 01. Mai und endet mit 15. Dezember. Der Rehbock (Trophäenbock) darf ab 15. Juni bis 20.Oktober erlegt werden. Der Abschuss von Rehwild unterliegt einer Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Der Abschuss muss 1 : 1 erfolgen, d.h. es muss gleich viel weibliches Rehwild – wie männliches (Böcke) abgeschossen werden.

Muffel

Das Muffelwild lässt sich zoologisch wie folgt zuordnen: Es gehört zu den Paarhufer und Wiederkäuer und ist ein Hornträger und gehört zur Familie der Wildschafe Beim Männchen spricht man vom Widder, das Weibchen nennt man Schaf und die Jungen werden als Lamm bezeichnet. Die Brunftzeit beginnt im Oktober und kann bis in den Dezember gehen. Die Widder tragen dabei Rangkämpfe aus, in dem sie mit ihren Köpfen auf einander zu rennen und mit den Hörnern punktgenau auf einander treffen.

Die Tragzeit beträgt 5 1/2 Monate und bringen dann ab März die Jungen zur Welt. In der Regel wird ein Junges gesetzt, aber es gab auch schon Zwillings Geburten. Im Alter von etwa einem Monat beginnen beim männlichen Jungen (“Widderlamm”) die schneckenartigen Gehörne zu wachsen. Mit dem 1. Lebensjahr weist das Widdergehörn eine Länge von ca. 20 cm auf. In den Wintermonaten wird das Gehörnwachstum wie bei allen gehörntragenden Wildarten eingestellt. Das stärkste Wachstum weist das Gehörn (“Muffelschnecke”) im 2. Lebensjahr auf. Ab dem 5. – 6. Lebensjahr geht das Längenwachstum stark zurück. Die Schnecke kann bei alten Widdern eine Länge von über 80 cm erreichen. Das Alter des Muffelwidders kann an den Jahresringen abgezählt werden. Das Weibchen (“Muffelschaf”) trägt keine Schnecke, ganz selten jedoch kleine Hornstümmel.

Aussehen: Kleinstes Wildschaf.
Gedrungener Körper, kurze, stämmige Läufe
Hohle Hörner, die nach außen im Bogen gedreht sind, sitzen auf Stirnzapfen und werden nicht abgeworfen wie beim Hirsch oder Rehwild, sondern wachsen pro Jahr um einige Zentimeter. Nach 6 bis 8 Jahren ist das Wachstum beendet. Fell des Widders: im Winter braun bis schwarzbraun mit sogenanntem hellen Sattelfleck auf dem Rücken, im Sommer ist das Fell rotbraun.
Fell des Weibchens: im Winter graubraun, im Sommer gelblichbraun.
Muffel können bis zu 55 kg schwer werden.

Lebensraum: Mischwälder mit geschlossenen Waldwiesen, in weiten Teilen Deutschlands vertreten. Für die Klauenpflege des Muffels ist möglichst fester, steiniger Böden mit Felspartien nötig. Verbreitung und Stellung im zoologischen System Wahrscheinlich stammt das Muffel aus dem vorderasiatischen Raum und kam zunächst nach Sardinien und Korsika. Von dort erfolgte die Einbürgerung in weite Teile Europas. as Mufflon gehört zu den Wildschafen.

Nahrung: Das Muffelwild zählt zu den Wiederkäuern. Der größte Teil der Nahrung besteht aus Gras, auch Blätter von Bäumen und Sträuchern, Kräuter, Samen und Feldfrüchte.

Sinnesleistung und Lautäußerung: Gutes Sehvermögen, Nase und Gehör sind ebenfalls sehr gut ausgeprägt. Bei Gefahr stößt es einen Pfeifton aus, das durch ein Aufstampfen mit den Vorderläufen unterstützt wird. Als Lock- und Kontaktlaute sind ähnliche Töne wie beim Schaf zu hören. Widder blöken, Schafe und Lämmer meckern.

Fortpflanzung und Lebensweise; Geschlechtsreife im ersten Lebensjahr. Paarungszeit: November/Dezember. Widder kämpfen mit den Schädeln gegeneinander, wobei es zu einem kräftigen Krachen der Hörner kommt. Nach einer Tragzeit von 21 Wochen setzt das Wildschaf Ende April 1 bis 2 Lämmer, die etwa 4 Wochen gesäugt werden. Die Lämmer können der Mutter bereits nach wenigen Lebensstunden folgen. Das Muffelwild ist sehr standortreu, es lebt in einem Rudel, das vom ältesten Schaf, dem Leitschaf, angeführt wird. Ab dem 3. Lebensjahr allerdings schließen sich die männlichen Tiere zu Widderrudeln zusammen. Das Muffelwild kann bis zu 20 Jahre alt werden.

Gefahren für das Muffelwild: Lediglich schwache Lämmer werden häufiger von Fuchs, Adler, Wildkatze oder Wildschwein gefressen. Die Muffel brauchen festen Boden und ein trocken – warmes Klima, da es an Schalenauswachsen, Moderhinke, Leberegeln, Magen- und Darmwürmern erkranken kann.

Foto und erleger: Philipp Skalka

* Bejagung: die gezielte Bejagung eines bestimmten Widders ist sehr schwer. Das liegt daran, dass Widder (wie Keiler) nicht wie Rehbock oder Hirsch relativ sicher zu bestätigen sind. Es gibt zwar in jedem Revier besonders beliebte Einstände und Äsungsplätze, auf denen sich die Wildschafe bevorzugt aufhalten, aber trotzdem sind sie bei der Einstands- und Äsungsflächenwahl doch recht unstet. So kann sich ein alter Widder jederzeit sozusagen für Wochen und Monate “unsichtbar” machen.

Ich kenne die “Erlegungsgeschichten” von über 30 stärkeren Widdern, die im DJZ- Revier und den benachbarten Revieren zur Strecke gekommen sind. Danach liegen die erfolgreichen Bejagungsschwerpunkte Anfang August, zur Brunftzeit und im Monatswechsel Dezember/Januar. Im August und im Dezember/Januar stehen die Widder gern zusammen und bevorzugen in dieser Zeit bestimmte Äsungsplätze. Häufig kann man dann ansagen, wann sie austreten. Das hört sich relativ leicht an. Leider sind diese Widder meist mittelalt und jung. Die wirklich reifen meiden die Anwesenheit der “Halbstarken” und wechseln ständig ihren Standort. Als Jagdart empfehle ich im Normalfall den Ansitz. Pirschen oder gar einen bestimmten Widder pirschend suchen, wird kaum gelingen, einmal abgesehen davon, dass wir in unseren kleinen bis mittelgroßen Revieren bei dieser Art zu jagen enorm stören. Hat man das Muffelwild ein paar Mal vertreten, werden die Fluchtdistanzen immer größer. Muffelwild äugt nach meiner Beobachtung von allen einheimischen Schalenwildarten am besten. Wittern und Vernehmen sind dagegen vergleichsweise schlecht ausgebildet, wobei das Wittern schlechter ist als das Vernehmen.

Hat man ein Rudel oder einen Trupp Widder auf größere Entfernung ausgemacht, mag es natürlich gelingen, die Stücke im kupierten oder hügeligen Gelände anzupirschen. Im gebirgigen Gelände pirscht man grundsätzlich von unten nach oben, um Bewegungen am Horizont zu vermeiden, die mit 100-prozentiger Sicherheit von einem der Stücke eräugt werden. Bei der ersten Bewegung flüchtet das Rudel kilometerweit. Widder haben allerdings die Angewohnheit, nach einer kurzen, spontanen Flucht, ähnlich wie Gams, ein “Haberl” zu machen, was schon manchem Widder zum Verhängnis geworden ist. Leider nicht immer.

* Bericht “schwierige Bejagung” von Hans-Joachim Duderstaedt aus DEUTSCHER JAGD-ZEITUNG

Hirsch

Rothirsche sind die mächtigsten und größten geweihtragende Tiere unserer Wälder. Beim Rotwild treten weltweit ca. 12 Unterarten auf. Wapiti: Ursprünglich über weite Teile Nordamerikas verbreitet, beschränkt sich das Vorkommen des Wapiti im Wesentlichen nur noch auf die westliche Hälfte der Vereinigten Staaten, von Kanada bis nach Neu Mexiko. Maral oder Kaukasushirsch – Cervus elaphus maral: Verbreitet in Kleinasien, dem Kaukasus und Nordpersien. Durch die geänderten Lebensbedingungen (Straßen- und Siedlungsbau, Tourismus,…) und das veränderte Freizeitverhalten der Menschen sind die Lebensräume für den Rothirsch in Südtirol stark eingeschränkt worden.

Vorkommen und Lebensraum: Der Rothirsch, auch Edelhirsch, ist das größte Wildtier in den Revieren in Südtirol. Nur der männliche Rothirsch trägt ein Geweih. Dieses kann bis zu 6 kg schwer sein. Die weiblichen Tiere leben mit ihren Jungtieren in Rudeln, welche von erfahrenen Alttieren angeführt werden. Ebenso bilden die männlichen Tiere eigene Rudel, wobei nur die ältesten Hirsche davon abgesondert als ausgesprochene Einzelgänger umherziehen. Nach einer Tragzeit von etwa 8 Monaten wird im Spätfrühling (Mai/Juni) ein Kalb gesetzt, das bis zur Geburt des nächsten Jungtieres bei der Mutter bleibt. Im Alter von ein bis zwei Jahren erreicht der Rothirsch die Geschlechtsreife. Ausgewachsen ist er hingegen erst im Alter von 4 Jahren. Ein großes Männchen erreicht dann eine Schulterhöhe von 1,5 Metern. Rothirsche werden im Durchschnitt zwischen 18 bis 20 Jahre alt.

Das Rotwild ist dämmerungs- und nachtaktiv und in ungestörten Bereichen bis hinauf zur Waldgrenze weit verbreitet. In vom Menschen ungestörten Gebieten steigt das sehr scheue Rotwild im Sommer bis in die alpinen Grasheiden (bis etwa 2700m) empor. In vom Menschen hingegen immer wieder aufgesuchten Gebieten finden derartige Wanderungen über die Waldgrenze vorwiegend in der Nacht statt.

VERHALTEN: Angeführt von dem ältesten Tier lebt das Rotwild in zumeist nach Geschlechtern getrennten Sozial- verbänden, genannt Rudel oder Gruppe. Die weiblichen Rudel werden von einem führenden (mit Kalb) Alttier geführt; in solchen Rudeln trifft man auch noch Junghirsche an. Die Hirsche sind in kleineren Rudeln unterwegs, wobei alte Hirsche (insbesondere sogenannte Platzhirsche) oft nur einen jüngeren Hirsch, den sog. Adjudanten bei sich haben. Das Rotwild ist in vielen Gebieten – bedingt durch Störungen – überwiegend nachtaktiv geworden und zieht dann in der Dämmerung zu den Äsungsplätzen.

NAHRUNG: Der Rothirsch ist ein Wiederkäuer mit einem bis zu 25 Liter fassenden Pansen. Dieser ist an seinen Wänden komplett mit langen Zotten ausgekleidet. Der natürliche Fressrhythmus ist für den Wiederkäuer Rothirsch wichtig, um seine Magenflora am Leben zu erhalten und eine kontinuierliche Energieversorgung zu gewährleisten. Der tägliche Zeitaufwand für das Fressen beträgt insgesamt sieben bis zehn Stunden in 5 – 6 Fressperioden. Der tägliche Nahrungsbedarf schwankt dabei aktivitätsabhängig zwischen 8 und 20 Kilogramm Frischmasse bei 100 Kilogramm Lebendgewicht. Die Nahrung wird beim Wiederkäuen gründlich mit den Zähnen zerrieben und dadurch wirkungsvoll aufgeschlossen. Der erforderliche Wasserbedarf von sieben bis neun Litern wird mit dem Tau und an Gewässern aufgenommen.
Im Unterschied zum Reh, das jeweils nur die eiweißreichsten Triebe und Blätter bevorzugt, ist der Rothirsch weniger wählerisch. Innerhalb seines Verbreitungsgebiets werden über 300 verschiedene Pflanzenarten gefressen. Dies ist ein großer Vorteil, denn es erleichtert die Anpassung an verschiedene Lebensräume und ermöglicht auch in der nahrungsarmen Zeit ein Überleben.
Der Rothirsch sucht sich sowohl eiweißreiche als auch eiweißärmere Kost. Dazu gehören neben den bevorzugt gefressenen Gräsern und Kräutern auch Triebe, Blätter, Flechten, Pilze, Baumfrüchte wie Eicheln, Kastanien und Bucheckern, Wildobst, Baumrinde und Zwergsträucher. Über die Wintermonate überwiegt die grasreiche, eiweißarme Kost. In Zeiten der Trächtigkeit und des Geweihaufbaus wird ein höherer Anteil eiweißreicher Nahrung benötigt. Die Nahrung der Kälber besteht im ersten Lebensmonat ausschließlich aus Muttermilch. Erst mit Beginn des zweiten Lebensmonats nehmen auch sie regelmäßig grüne Pflanzen auf. Vor allem im Herbst und Frühjahr schält der Rothirsch bevorzugt die Rinde von Laubbäumen wie Eberesche, Weide und Aspe zum Fressen ab. Baumrinde enthält Nährstoffe, Vitamine und bis zu 60 Prozent Wasser. Junge Baumrinde weist einen Futterwert, der ähnlich ist wie von Wiesengras mittlerer Güte, auf. Die saftführende Sommerrinde wird von den Tieren in langen Streifen abgezogen. Dabei dienen die Schneidezähne im Unterkiefer als Schneidwerkzeug. Im Winter sitzt die Rinde durch den fehlenden Saftstrom wesentlich fester am Baum und kann nur geringfügig mit den Zähnen abgeschabt werden. Bereits durch Schälen geschwächte Bäume werden wiederholt aufgesucht, weil der Bitterstoffgehalt in der Rinde abnimmt. Baumrinde sowie die Knospen, Triebe und Blätter von Bäumen und Sträuchern gehören ganzjährig zur artspezifischen Nahrung dazu. Mit seiner Art der Ernährung übt der Rothirsch Einfluß auf die Waldvegetation aus. Diese Einflüsse gehören natürlicherweise zum Ökosystem Wald. Bäume in dichten Waldbereichen, die durch Rindenfraß geschwächt sind, sterben frühzeitig ab. Dadurch werden lichtliebende Arten gefördert und klein räumig besonders artenreiche Mosaike in der Artengemeinschaft des Waldes geschaffen oder erhalten.

STIMME: RÖHREN DER HIRSCHE

Erscheinungsbild: Der Hirsch hat im Sommer ein rötlich-braun gefärbtes Fell, das sich im Winter dunkelbraun bis grau verfärbt. Nur die männlichen Tiere bilden ein Geweih aus, daher werden die Weibchen auch als Kahlwild bezeichnet. Der erwachsene Hirsch hat eine Schulterhöhe von 1,3 m und eine Länge von ca. 2 m. Das durchschnittliche Gewicht beträgt ungefähr 160 kg beim Hirsch und 90 kg beim Alttier (erwachsenes Weibchen). Die Körperentwicklung ist beim Hirsch im 7. Lebensjahr, beim Alttier im 5. Lebensjahr abgeschlossen.

Geweihbildung: Für den Aufbau der bei jungen und alten Hirschen sehr unterschiedlichen Geweih-Knochenmasse benötigen junge Hirsche 60 bis 90 Tage, alte dagegen 90 bis 130 Tage. Alte Hirsche bilden meist stärkere Geweihe, die bei voller Ausbildung mindestens 5 Enden in jeder Geweihstange aufweisen. Die Stangen sind sehr stabil gebaut, können aber zumindest an den Enden auch abbrechen, vor allem bei Kämpfen, die mitunter sehr heftig ausgetragen werden. Sie sind innen porös und bleiben auch nach der Fertigstellung schwach durchblutet. Während des Wachstums sind sie von einer weichen Basthaut überzogen, in der Blutbahnen mit entsprechendem Baustofftransport (Kalzium, Magnesium) und Nerven verlaufen. Nach Beendigung des Geweihwachstums wird der vertrocknete Bast abgefegt.
Die Größe des Geweihs ist vom Alter und vom Gesundheitszustand des Tieres abhängig. Es gibt aber auch regionale Unterschiede. Hirsche, die in Gebieten mit armen Sandböden leben, haben beispielsweise geringere Geweihe als ihre Artgenossen auf nährstoffreichen Basaltböden.
Im 12. bis 14. Lebensmonat (Juni – August des auf die Geburt folgenden Jahres) beginnen die jungen Hirsche, ihr Erstlingsgeweih zu bilden. Das sind normalerweise einfache Spieße, die gegen Ende ihres zweiten Lebensjahres im Mai – Juni wieder abgeworfen werden. Im zweiten Geweih werden in jeder Geweihstange bereits drei bis vier, selten auch mehr Enden ausgebildet. Ältere Hirsche können Geweihe mit bis zu 20 oder noch mehr Enden haben, die sich durch Verzweigungen vor allem am Stangenende ergeben. Mit fünf bis sechs Jahren sind die Hirsche körperlich ausgewachsen. Dann haben sie mehr Energie „übrig“ für die alljährliche Geweihbildung, die bei Hirschen im Alter von  bis 14 Jahren meist am stärksten (schwersten) sind. In der Brunftzeit(September/Oktober) werden durch das markante Röhren der Hirsche die jeweiligen Territorien abgegrenzt. Gegen Ende des ersten Lebensjahres entwickeln sich beim männlichen Kalb knochige Stirnzapfen, die sogenannten Rosenstöcke. Zu Beginn des zweiten Lebensjahres bilden sich ein einfaches Erstlingsgeweih, das nur aus Spießen und ohne Rosen besteht. Es wird im darauf folgenden Frühjahr abgeworfen. Nach dem Abwurf baut sich ein neues Geweih auf (siehe Bild links), nun aber mit Rosen und mit einer ersten Gabelung, der sog. Augsprosse. Die Endenzahl nimmt dann gewöhnlich von Jahr zu Jahr zu. Es bildet sich die Mittelsprosse, manchmal auch eine Eissprosse zwischen Aug- und Mittelsprosse, das Stangenende teilt sich in zwei (Gabeln) und anschließend in mehrere Enden (Krone).

Brunft / Paarung Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Tragzeit Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Setzzeit Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Säugezeit Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Geweihaufbau Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez

Während des Wachstums ist das Geweih mit einer behaarten Haut dem sog. Bast überzogen, der gegenüber Verletzungen sehr empfindlich ist. Nach Ausreifung des Geweihs im Juli/August wird der Bast an Sträuchern und Bäumchen abgestreift (fegen). Das jetzt hervortretende Geweih ist farblos, doch unter dem Einfluß der Pflanzensäfte verfärbt es sich rasch bis dunkelbraun, wobei die Endspitzen durch weiteres Schlagen hell poliert werden. Über die Altersbestimmung gibt das Geweih keine zuverlässige Aussage, es fließt nur in eine Gesamtbeurteilung mit ein. Geschlechtsreife: Aktive Fortpflanzung bei intakter Sozialstruktur: Männlich erst ab 6 Jahren als Platzhirsch. Weiblich, frühestens ab 1 Jahr (stark abhängig von der Populationsdichte und von der Kondition).

HIRSCHBRUNFT: Jedes Jahr ab Ende August, wenn die Geweihe der männlichen Rothirsche fertig ausgebildet sind und der Hormonspiegel steigt, wird jeder andere Hirsch zum Konkurrenten. Die lockeren Rudelverbände der männlichen Hirsche lösen sich auf, denn sie wollen nun zu den weiblichen Tieren. Sind die Platzhirsche wieder bei ihrem Rudel, röhren sie lautstark, um ihren Anspruch auf die Hirschkühe zu zeigen und Konkurrenten abzuschrecken. “Wenn das nicht reicht, kommt es auch schon mal zu spektakulären Kämpfen, wo die Geweihe der Hirsche lautstark aufeinander krachen. Fortpflanzungserfolge haben fast nur die starken acht- bis zehnjährigen Tiere. Ein männlicher Rothirsch muss etwa sechs Jahre alt sein, bevor er ein Rudel verteidigen kann, wo ältere Tiere fehlen, kann jedoch auch schon mal ein junger Hirsch die weiblichen Tiere begatten.” In dieser Zeit wird die Nahrungsaufnahme für die männlichen Hirsche zur Nebensache, die Paarung mit den weiblichen Tieren und die Verteidigung des Rudels nimmt die ganze Kraft und Zeit in Anspruch. Etablierte und bodenständige, reifere Hirsche beziehen bereits vor Brunftbeginn bestimmte Einstände – meist Trockeninseln -, die hinsichtlich ihrer quantitativen und qualitativen Äsungsverhältnisse besonders attraktiv sind und deshalb auch vom Kahlwild in teils extremer Dichte frequentiert werden. Unabhängig von der Anwesenheit von Kahlwild zeigen die “Platzhirsche” dort gegenüber fremden Hirschen Territorial- bzw. Revierverhalten. Die verteidigten Areale haben eine Größe von mitunter weniger als zwei Hektar und sind oft durch einen Kanal, Graben oder durch eine offene Wasserfläche auch optisch vom “Nachbarrevier” getrennt. Die klassische These des nicht-territorialen Rotwildes und dass der Rothirsch zur Brunft dem Kahlwild in dessen bevorzugte Äsungsbereiche folgt, dort herdet und Nebenbuhler vom Rudel fernhält, hat offensichtlich nicht überall Gültigkeit. Territorialität im Brunftverhalten des Rotwildes ist durchaus möglich.

Jagdzeiten: Die Jagdzeit auf das Kahlwild beginnt mit 01 Mai und endet mit 15. Dezember. Tiere und Kälber sollten 50/50 erlegt werden, d.h. gleich viel Kälber wie Muttertiere.

Der Hirsch (männliche) darf vom 01. August bis 15. Dezember erlegt werden. Das Rotwild unterliegt einer genauen Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Bei Abschuss eines Hirsches, müssen 2 Stück Kahlwild erlegt werden.

Schneehase

Schneehase lepus timidus

Der Meister des Überlebens

Schneehase im Winterkleid

Größe und Aussehen: Die gesamte Gestalt des Schneehasen erscheint im Vergleich zum Feldhasen insgesamt runder, der Kopf und die Schnauzpartie sind stumpfer. Die Ohren (Löffel), etwa 10 cm lang, erreichen nach vorne gelegt, gerade die Schnauzenspitze. Beim Feldhasen sind sie deutlich länger. Auch ein Blick in die Augen (Seher) ermöglicht die Unterscheidung der beiden Arten: bei dem Feldhasen ist die Iris braun, beim Schneehausen hellgelb.

Aufgrund seiner guten Tarnung und verborgenen Lebensweise ist der Anblick eines Schneehasen ein durchaus seltener Genuss. Dies zeigt ein Blick auf seine besondere Anpassungsmerkmale: übergroße Füße, mit langen steifen Borstenhaaren versehen und weit spreizbaren Hinterläufe – richtige Schneeschuhe – die auch in weichem Schnee noch Halt geben, eine perfekte Tarnfärbung im Winter und die Fähigkeit, sich gewissermaßen unsichtbar zu machen. Der Schneehase ist 48-68 cm lang und wiegt ca. 2,5 bis 5 kg. Die hohlen, luftgefüllten Haare, obwohl dünner als beim Feldhasen, bieten einen guten Kälteschutz. In der weißen Unterwolle und den aufliegenden weißen Grannenhaaren des Winterfells sind die Farbstoffe durch Luft ersetzt. Dadurch verliert der Schneehase im Winter, verglichen mit dem Sommerfell etwa 30% weniger Energie. Die weiße Farbe bewirkt eine hervorragende Tarnung im Schnee. Man muss schon genau hinschauen, will man den Schneehasen im Winter, wenn er sein weißes Fell trägt näher betrachten. Der Schneehase schützt sich dadurch, dass sie sich möglichst unauffällig verhalten und sich zwischen den “Latschen”, Büschen und Steinen verbergen. Ihre Fellfarbe wirkt dabei als Tarnung, denn sie ist der Umgebung des jeweiligen Lebensraumes angepasst – und hier gibt es dann den ersten ins Auge fallenden Unterschied zwischen Schneehase und Feldhase:

Schneehase im Sommerkleid

Im Sommer sehen sich beide Arten noch sehr ähnlich; ihr Fell ist bräunlichgrau gesprenkelt, oft mit rötlichbraunen Beimischungen und helleren und dunkleren Bereichen. Vor dem Beginn des Winters wechseln die Hasen jedoch ihr Haarkleid; sie werden dann schneeweiß und sind in der verschneiten Landschaft kaum zu erkennen. Wie lange dieses Winterfell getragen wird, ist ganz von dem Vorkommen der jeweiligen Schneehasen abhängig.

Auch in ihrem sozialen Verhalten unterscheiden sich Schneehasen von Feldhasen. Während Feldhasen meistens allein anzutreffen sind und sich nur bei hoher Siedlungsdichte Gruppenstrukturen bilden, kann man Schneehasen durchaus als gesellig bezeichnen. Gerade in den unwirtlichen arktischen Regionen finden sie sich häufig zu Ansammlungen von mehreren hundert Tieren zusammen. Diese Zusammenschlüsse sind anonym und die Einzeltiere kennen einander nicht. Sie dienen der erhöhten Sicherheit der einzelnen Individuen. Man hat beim Schneehasen aber auch kleinere Gruppenstrukturen gefunden, in denen die Tiere sich kennen und Rangordnung ausbilden. Solche Gruppen legen oft Schneeburgen an, in denen die Tiere vor dem rauhen Klima einigermaßen geschützt sind. Wichtig für den Lebensraum ist die günstige Kombination von Deckung und Nahrung. Im Winter verlässt ein Teil der Schneehasen die obersten Lagen und sucht im Bergwald und im Dickicht die Zuflucht, darum sind auch Schneehasen bei Futterstellen von Reh- und Rotwild gemeinsam mit Feldhasen häufig anzutreffen. Zwischen Tageseinstand (Ruheplatz) und Nahrungsplatz können größere Strecken, bis zu 2 km oder 200-300 Höhemeter liegen. Besonders günstige Nahrungsplätze, können zum Sammelplatz für mehrere Hasen werden. Schneehasen können ihre Umwelt auf vielfältige Art kennzeichnen. Mit ihren Analdrüsen und Wangendrüsen setzen sie Duftmarken.

Foto: Stefan Ainhauser, Sarntal

Gibt es nun tatsächlich immer weniger Schneehasen in den Alpen? In einigen Gebieten ist der Rückgang deutlich sichtbar, vor allem zählt der Schneehase in Deutschland zu den bedrohten Arten und findet sich deshalb auch auf der “roten Liste gefährdeter Tiere” wieder, obwohl es keinerlei Untersuchungen zur Entwicklung des Schneehasen gibt. Möglicherweise sind die Schneehasen in vielen Vorkommen in den Alpen gefährdet, beispielsweise durch Veränderungen im Lebensraum, Störungen oder klimatische Faktoren. Aber noch gibt es keine weiterführenden populationsdynamischen Untersuchungen, die hier Antworten geben können. Bisher gibt es keine Hinweise dafür, dass in Gebieten mit Jagd auf den Schneehasen, die Bestände unter dem Jagdruck leiden.

SKIZZE aus CD “Jägerschule” Landesbetrieb für Forst und Domänenverwaltung Bozen

Fortpflanzung: Geschlechtsreif sind die Hasen schon nach einem Jahr mit einer Trächtigkeitsdauer von 50 Tagen. Bastarde (Kreuzung zwischen Feldhasen und Schneehasen) sind offenbar unfruchtbar. In den Alpen halten sich die Rammler bereits lange vor der eigentlichen Paarungszeit nahe bei den Häsinnen auf. Für die Paarung bevorzugen die Schneehasen ebenso wie die Felshasen übersichtliche Flächen, die ausreichend Deckung bieten. Für das Setzen ihrer zwei bis fünf Jungen sucht sich die Häsin eine der Sasse ähnliche Stelle. Für den ersten Wurf im April bis Mitte Mai besteht die Sasse oft noch aus einer von der Häsin gegrabenen Schneeröhre. Eine Häsin setzt in der Regel 1-4 mal pro Jahr. Wie bei der Verwandtschaft sind auch die kleinen Schneehasen Nestflüchter. Die Tragzeit beträgt ca. 7 Wochen. Sie kommen bereits mit dem Fell und voll entwickelt zur Welt. Sehr rasch sind die Jungen fähig, das Nest zu verlassen. Sie werden etwa drei Wochen gesäugt, aber schon nach zehn Tagen können sie das erste Grün aufnehmen und folgen der Mutter auf Nahrungssuche. Der zweite Wurf erfolgt im Juni/Juli

Vorkommen: Schneehasen finden sich auf der gesamten nördlichen Halbkugel. Schneehasen sind auf einige kritische Faktoren in der Ausstattung ihrer Lebensräume angewiesen. Entscheidend scheinen in den Alpen gute Versteckmöglichkeiten vor allem während des Tages zu sein. Anderseits ist die Erreichbarkeit und Menge der Nahrung im Spätwinter von entscheidender Bedeutung. Der Schneehase ist in Südtirol sehr heimisch. Er bewohnt die Latschenfelder in den Alpen und Waldgebiete über ca. 1300 Meereshöhe. Der Schneehase ist für sein Leben in einer der kältesten Gegenden gut ausgerüstet. Er kann in Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius überleben und sich auch bei Schnee gut fortbewegen.

Jagdzeiten: Schneehasen sind in den Alpen nur in Frankreich, der Schweiz, in einigen österreichischen Bundesländern und Südtirol jagdbar. In Südtirol dürfen die Schneehasen an maximal 3 Wochentagen und zwar vom 01.Oktober bis 30. November mit Hunde bejagt werden. Jeder Jagdtag muss im Kontrollkalender einzutragen werden.

Das Ausgehen von Spuren und das Absuchen aperer Hänge nach weißen Hasen ist ebenso beliebt wie das brackieren der Hasen mit Laufhunden. Vorstehhunde und Stöberer spielen nur eine untergeordnete Rolle. In Südtirol werden jährlich ca. 500 – 600 Schneehasen erlegt. Die Schneehasenstrecke in Südtirol lassen nicht den Schluss zu, dass dem Schneehasen das baldige Aus droht; im Gegenteil, Je mehr der Schneehase bejagt wird, um so gesünder der Bestand. “Je weniger Jäger, desto weniger Hasen”

Auerhahn – Auerwild

Der Auerhahn, auch URHAHN oder GROßER HAHN genannt, gehört zu der Hohen Jagd. Das Auerwild ist die größte europäische Hühnerart. In den Alpen erreichen Auerhahnen eine Flügelspannweite von 1,20 – 1,40 m, eine Länge bis zu fast 90 cm und ein Gewicht von 3,5 bis 6 Kilo und sind die größten Rauhfusshühner unserer Alpen.

Auerhenne

Merkmale:
Paarungszeit: April – Mai
Brutdauer: 4 Wochen
Gelege: 4 – 10 Eier

Der Hahn hat eine dunkelgrau-schwarze Grundfärbung. Seine Schwingen und die Befiederung seiner Ständer sind braun. Er hat einen weißen Achselfleck und seine Brust weißt ein metallisch blaugrün schillerndes Brustschild auf. Oberhalb seiner Augen besitzt er nackte, rote Rosen die zur Balzzeit stark anschwellen (Balzrosen). Sein Stoß (Spiel oder Fächer) weißt meist 18 bis 20 Oberstoßfedern, die Schaufeln, welche auf der Oberseite mehr oder weniger stark weiß gesprenkelt sind, auf. Sein Schnabel (Broker) ist schiefergrau bis elfenbeinfarben. Auf das Alter des Hahnes lassen Farbe und Form des Schnabels schließen. Der Schnabel des jungen Vogels ist blau-grau, der Oberschnabel glatt und wenig gekrümmt. Mit dem zunehmenden Alter wird die Schnabelfalbe gelbgrün.

 

 

Foto: Lukas Marty

Ab etwa dem vierten Lebensjahr entwickelt sich bei den Hahnen, unterhalb der Nasenlöcher eine Rille, die Schnabelrille, der Obernabel zeigt zwei deutliche Längsfurchen und seine Spitze ist lang und hakig, gebogen. Eine deutliche Ausprägung derselben deutet auf einen alten Hahn hin. Die Stoßfedern (Schaufeln) sind bei älteren Hähnen breiterund mehr abgerundet als bei den jungen Hähnen. Die Auerhenne ist mit 1,3 bis 2,3 Kilo wesentlich geringer als die Hahn. Die Henne hat als Grundfarbe ihres Gefieders eine mehr oder minder starke rostbraune bis rostgelbe Befiederung. Deutlich ausgeprägt ist ihr rostgelbes bis kastanienbraunes Brustschild. Die Querbänderung sowie Sprenkelung des Hennengefieders ist in den Farben schwarz und grau; sie ist im Gegensatz zur Birkhenne kräftiger. Ihr Stoß ist relativ lang und abgerundet. Das Auerwild bewohnt reich gegliederte, lichte Misch- und Nadelwälder mit Vorkommen von Altholzbeständen. Am günstigsten sind für das Auerwild Wälder in denen eine reiche Kraut- und Strauchschicht vorkommt, sowie Altholzbestände die sehr licht stehen. Die Balz: beim Auerwild ist stark von der Höhenlage und der Witterung abhängig. Sie kann bereits im März beginnen und ebenso noch im Juni vorhanden sein. Zumeist fällt sie aber in die Monate April bis Mai. Die Balz findet auf traditionellen Balzplätzen und Balzbäumen statt wobei der Hahn bereits am Abend seinen Balzbaum bezieht und somit Balz- und Schlafbaum identisch ist. Noch bei Finsternis beginnt der Hahn frühmorgens, nach kurzem Einspiel, seine Strophen und Gsetzln zu singen. Knappen – Triller – Hauptschlag – Wetzen.  Ein solches Gsetzl dauert etwa 6 Sekunden (wenn der Hahn gut eingespielt ist) und wird laufend wiederholt. Nach Sonnenaufgang überstellt sich der Hahn auf den Boden zur Bodenbalz. Dort balzt er weiter und macht ab und an statt des Schleifens einen Flattersprung. Dabei bringt er sich mit einigen Flügelschlägen in etwa 2m Höhe und kommt mit rüttelnden Flügelschlägen wieder laut polternd zu Boden. Während der Bodenbalz werden auch die Hennen befruchtet (getreten). Sobald die Henne mit der Eiablage beginnt erscheint sie in der Regel nicht mehr am Balzplatz. Die Eier werden, an geschütztem Ort, in eine flach gescharrte Mulde gelegt und von der Henne knapp 4 Wochen bebrütet. In den ersten Lebenswochen ernähren sich die Kücken tierisch (Insekten, Kerfe) um sich dann allmählich auf pflanzliche Kost umzustellen. Die Kücken (Gesperre) bleiben etwa bis Ende August Anfang September bei der Henne und werden dann selbstständig.

– AUERHAHN BALZGESANG mp3 (ANHÖREN).

 

Lebensweise: Das Auerwild ist ein scheuer, unauffälliger Waldbewohner der in seiner Bestandeszahl ( “Bestand” – Auerwild zählt zur hohen Jagd), gegenüber den Nachkriegsjahren, deutlich zurückgegangen ist. Die Ursache dafür liegt wieder einmal mehr nicht beim Jäger sondern in der Reduktion der Lebensräume vom Auerwild. Mischwälder wurden durch Monokulturen (Fichte) ersetzt, diese Monokulturen bedeuten das Aus für das Auerwild. In manchen Gebieten wurde bei der Waldbewirtschaftung wieder auf die Lebensraumbedürfnisse des Auerwildes gedacht. Der Erfolg, eine Bestandeszunahme des Auerwildes, stellte sich alsbald ein.

Nahrung: Auch der Verdauungstrakt der Raufußhühner ist besonders angepasst an die ballastreiche Nahrung aus Blättern, Heidelbeeren, Insekten, Zweigen und Nadeln. Kiefer – und Fichtennadeln bilden den Hauptteil der Nahrung, wobei auch die Nadeln der Zirbe angenommen wird. Mit dem scharfen Hornschnabel kann das Auerhuhn diese Nahrung abschneiden. Damit gibt es für Auerwild im Winter eigentlich kaum Nahrungsengpässe. Auerhühner verschlucken wie auch andere Hühner Magensteine, die im Magen zurückgehalten werden und sich allmählich abnutzen. Normalerweise sind das Kieselsteine, die sich nicht in Magensäure auflösen. Im Winter fressen Auerhühner statt der dann nur schwer erreichbaren Kieselsteine auch harte Holzteile oder Kerne. Die karge Winterkost aus Kiefernnadeln ist für den Magen des Auerhuhns nur mühsam zu verdauen. Deshalb fressen sie, wie andere Vögel, die sich von Pflanzen ernähren, teils große Mengen kleiner Steinchen. Das unterstützt den Magen, die Pflanzenteile mechanisch zu zerkleinern.

Jagdzeiten: In Südtirol ist das Auerwild ganzjährig geschützt und darf somit nicht bejagt werden

Text Auerhahn wurde uns freundlicherweise von (www.jagdweb.at ) zur Verfügung gestellt