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Gams

Die zoologische Bezeichnung des Gamswildes ist Rupicapra rupicapra. Es gehört zur Familie der Rinderartigen (Bovidae). Die Boviden kennzeichnen sich insbesondere dadurch aus das sie hochspezialisierte Wiederkäuer sind und eine große Anpassungsfähigkeit an ihre Lebensräume haben. Weiters sind sie Hornträger, wobei das Horn wohl verschiedene Formen hat jedoch sich nicht verzweigt und auch nicht abgeworfen wird. Das Horn sitzt fest auf einen Knochenzapfen.

Gamsbock

Gamsbock

Das Gamswild teilen wir ein in:
JAHRLINGE beiderlei Geschlechts, ((einjährige Gams)
GAISEN 
BÖCKE der Klasse 2 (das sind zwei- bis fünfjährige Böcke),
BÖCKE der Klasse 1,(das sind sechsjährige und ältere Böcke),
KITZE werden aber auf den Abschuss nicht angerechnet.

Lebensraum: Bei uns in Südtirol ist der typische Lebensraum der Gams das Hochgebirge, die Almen bis herunter in die Waldgrenze. Zur Winterszeit auch in den Bergwäldern. Es gibt auch so genannte Waldgams die Ihren Lebensraum das ganze Jahr über im Wald haben (es gibt Gebirge die niedere Höhenlagen aufweisen und dadurch bewaldet sind). Diese Waldgams kommen zumeist nur in geringen Beständen vor. Im Hochbebirge lebt das weibliche Wild mit den Kitzen in Rudeln zusammen. Auch die jüngeren Böcke bilden Rudel, nur die alten und reifen Böcke leben als Einzelgänger. Im Sommer bevorzugt das Gamswild die schattseitigen Lagen und im Winter ist es gerne auf der Sonnseite anzutreffen. Bei hoher Schneelage zieht das Gamswild auch in tiefere Lagen zur Äsungsaufnahme. Es trifft immer mehr zu, daß das Gamswild in seinem natürlichen Lebensraum durch verschiedene Sporttreibende z. B. Mountainbiker, Drachenflieger, Paragleiter, Schwammerlsucher, Tourenschifahrer, usw. gestört wird und deshalb ständig in tiefer gelegene Wälder flüchten muß und diese dann auch als Einstandsgebiete annimmt. Das Gamswild ist ein tagaktives Wild und nützt die frühen Morgen- und Vormittagsstunden sowie die Abendstunden zur Äsungsaufnahme. Die Gams ist ein

Gamsgais

Gamsgais im Winterkleid

hervorragender Kletterer im Fels und durch eine überdurchschnittlich große Lunge zu gewaltigen Leistungen fähig. Er vernimmt (hört) sehr gut, er windet (riechen) sehr gut, er äugt (sieht) ganz gut, wobei das erkennen von Bewegungen ausgezeichnet wahrgenommen wird.

Geschlechts- und Altersunterschiede: Wir machen einen Unterschied zwischen Altersbestimmung und Altersschätzung: Altersbestimmung heißt, das Alter aufs Jahr genau zu ermitteln. Altersschätzung beschränkt sich auf die Aufgabe des ungefähren Alters. Die Gesichtsschädel des Jungwildes ist kurz und streckt sicher erst mit den Jahren. Deshalb ist der Kopf von Gamsjahrlingen kürzer als beim erwachsenen Wild. Jungwild ist leicht gebaut und schlank. Im Rudel haben Jungtiere nie eine führende Position. Beim richtigen Ansprechen einer Gams müssen Aussehen, Verhalten, Körperbau und Gamskrucke mit einbezogen werden. Das sicherste Merkmal (Bock oder Gais) ist, wenn sie die Gams beim “nässen beobachten können. Die Geschlechter kann man an der Krümmung der Schläuche erkennen, jedoch kann dies nicht immer einwandfrei behauptet werden, so gibt es bockgehakelte Geißen und geißgehakelte Böcke. Das Alter am erlegten Gamswild kann man an den Jahresringen abzählen. Diese entstehen durch den jährlichen tütenartigen Hornzuwachs. Die scharfe Abgrenzung der Gesichtsmaske und der schlanke Körperbau sind ein Zeichen für eine jüngere Gams. Die Zügel werden,

Gamsjahrling (einjährige Gams)

je älter die Gams ist, umso verwaschener gegenüber dem hellen Haupt. Der Körper wirkt kantig und die Läufe wirken kürzer. Der Widerrist tritt stärker hervor, der Spiegel wird kleiner, der Träger wirkt kürzer und stärker.

Auch Knochen können Hinweise auf das Alter geben. Das Gamskitz, bildet auf den Stirnzapfen bis zum Herbst keine hörnerne Haken. Die horntragenden Tiere besitzen ihre auf Knochenzapfen sitzende, aus Hornsubstanz bestehende Trophäe ihr Leben lang. Wie bei allen horntragenden Wildarten trägt auch die Gamsgeiß eine Krücke. Sie ist allerdings etwas dünner und oben nicht so stark nach hinten unten gekrümmt (gehakelt) als die des Bockes. Der Schlauchquerschnitt ist beim Bock eher kreisrund und bei der Geiß ist dieser eher oval. Die Schläuche wachsen jährlich tütenartig ineinander und sitzen auf verknöcherten Stirnzapfen.

Beim Ansprechen eines Gamsbockes muß man auch sein Verhalten gegenüber seinen Artgenossen während des Jahres und im besonderen beim Brunftgeschehen beobachten. Auch das Haarbüschel an der Austrittsöffnung der Brunftrute(Pinsel) wird als Hilfsmittel zur Altersbestimmung am lebenden Gamsbock herangezogen. Die alten Bocke besitzen meist einen längeren Pinsel als die Jungen. Mit Beginn der Vegetationsperiode im drauffolgenden Jahr wächst die Krucke weiter. Die junge Gams (JAHRLING genannt) macht den Jahringsschub, der etwa Mitte des Jahres (Juli/August) abgeschlossen wird. Die Krucke wächst erst wieder im nächsten Jahr weiter, und so fort. Beachte, die Krucke wächst nicht von Jahresmitte (etwa August) bis Frühjahr (etwa Mai) des darauffolgenden Jahres. In diesem Zeitraum sieht die Krucke also immer gleich aus, obwohl der Gams dabei fast ein Jahr älter wird. Die einzelnen Jahresschübe sind dadurch einen mehr oder weniger deutlichen Jahresring voneinander getrennt. Kaum erkennbar ist der Ring zwischen Kitz- und Jahrlingsschub. Er sitzt etwa in der Krümmung der Krucke. Der zweite, dritte und vierte Schub sind mehrere Zentimeter oder weniger. Der Kruckenschlauch schließt sich mit Abschluß des fünften Schubes eng um den Stirnzapfen. Nun werden nur noch die sogenannten Millimeterringe (genauer: Millimeterschübe) gebildet. Jeder steht für ein Lebensjahr.

Gamskitz

Das richtige Ansprechen und das Alter einer Gams

Was zählt man? – Wir zählen die vollendeten Lebensjahre. also zählen wir die Schübe. Den letzten (untersten) dürfen wir aber nicht mitzählen, denn dessen Lebensjahr ist noch nicht vollendet. Haben wir beispielweise im Januar ein Kitz gefunden, so sehen wir nur einen Schub, den “letzten”: Das Kitz ist 0 vollendete Jahre alt- richtig! Erst der Jahrling ist ein vollendetes Jahr alt. Er hat zwei Schübe, und dazwischen einen Jahresring. Die Abnutzung der Backzähne ist beim Gamswild ein unsicheres Altersbestimmungsmerkmal. Es ist wohl Unerfahren oder nur “Wichtigtuerei” eines Jägers oder sogar eines Pirschführers, wenn er mit seinem Spektiv oder sogar mit seinem Fernglas auf eine Schussentfernung das Jahr einer Gamsgais oder eines Gamsbockes aufs Jahr bestimmen will. Die Regel lautet: JUNG, REIF oder ALT. “Ausnahme von der Regel: Finger gerade!”

Wohl anders ist beim ansprechen eines Jahrling. Vor allen an der Höhe der Krucke und dem jugendlichen Aussehen kann man einen Jahrling ( 1 jährige Gams) richtig ansprechen.

 

Aussehen: Gemsen können bis zu 25 Jahre alt werden, erreichen durchschnittlich ein Alter von 15 Jahren. Eine Altersbestimmung durch das Gebiss ist nicht wirklich möglich, da die Zähne keine Abnützungserscheinungen zeigen. Ab dem zweiten Lebensjahr wird die Gams geschlechtsreif. Die Gais säugt ihr Junges bis in den Winter, kümmert sich aber insgesamt 1 ½ Jahre um das Kitz. Das Gamswild verfärbt seine Decke zweimal pro Jahr; im Frühjahr (Mai) und im Herbst (September). Die Sommerdecke besitzt kürzere, fahlgelb gefärbte Grannenhaare, der Aalstrich – vom Haupt über den Rücken bis zum Wedel – (siehe Foto Gams im Sommer), die Läufe, die Bauchseite und die Zügel am Haupt sind dunkel bis schwarz gefärbt. Die Zügel sind zwei vom Kruckenansatz über die Lichter bis zu den Äserwinkeln reichende schwarze Streifen. Pinselhaare weisen mit Sicherheit auf einen Bock hin. Die Länge der Haare gibt entgegen häufiger Meinung keinen sicheren Hinweis auf das Alter, aber ist ein guter “Ansprechsfaktor”. Verlassen Sie sich niemals nur auf die Krucke

GAMS IM SOMMER GAMS IM WINTER
Im Winter sind die Grannenhaare schwarz gefärbt, nur die Maske am Haupt, die Bauchunterseite und der Spiegel sind weiß. Die langen Grannenhaare mit den weißen Spitzen (Reif am Aalstrich des Wintergamsbockes werden als Bart bezeichnet, sie werden nur im Frühjahr gewechselt. Will man aus diesen langen Haaren einen Bart binden lassen, so muß man sie im warmen Zustand vom frisch erlegten Gamsbock rupfen und in steifes Zeitungspapier verpacken, damit die bis ca. 20cm langen Haare nicht beschädigt werden. Die Hufe der Gämsen sind relativ lang und scharf. Die harten Schalenränder und die elastische Sohle erleichtern das Klettern: Im Sommer, wenn sich die Schalenränder am Fels abschleifen, findet die Gämse mit der weichen Sohle guten Halt. Im Winter hingegen verhilft die scharfe Kante zu sicherem Tritt auf vereisten Flächen. Durch seine spreizbaren, hartgummiartigen Schalen ist das Gamswild besonders gut für das Leben in der Felsregion ausgestattet. Die beiden Hufschalen sind gegeneinander sehr beweglich. Bei normalen Gang werden sie parallel zueinander aufgesetzt, bei Flucht, Schnee oder in steilem Gelände sind sie stark gespreizt. Die Afterklauen, zwei kleine zurückgebildete Zehen hinter den Hufen, werden vor allem beim Abwärtsgehen als Bremse eingesetzt; sie hinterlassen nur in weichem Boden einen Abdruck. Die Kotpillen sind fast kugelförmig und messen etwa 1.5 cm im Durchmesser.

Losung: besteht aus mehr oder minder losen dunkelbraunen bis schwarzen Zäpfchen. Die Gamslosung ist im Winter schwarz glänzend. Die Beeren sind ca. 8 mm stark und 1,2 cm lang. Im Sommer wird sie in zusammengedrückter Form abgesetzt. Zwischen Bock- und Geißenlosung gibt es keinen Unterschied.

Nahrung: Gämsen leben gemeinsam in Rudeln und sind hauptsächlich tagaktiv. Sie nutzen die frühen Morgen- und Vormittags- sowie die Abendstunden zur Nahrungsaufnahme. Als Nahrung nimmt das Gamswild Gräser, Kräuter, Flechten, Moose und im Winter Knospen und Triebe von Sträuchern, Laub und Nadelbäumen auf. Von einer Winterfütterung sollte man beim Gamswild absehen. Im Wald sind die Gämsen unerwünscht, da sie Forstpflanzen und Jungbäume verbeißen männliches Wild erlegt werden, und der Eingriff in die Jugend (Jahrlinge) darf ebenfalls nicht zu knapp ausfallen.

Besonders zu achten ist der Abschuss von Gamsgeisen, dass kein Muttertier erlegt wird. Kitze werden hauptsächlich während der Brunft vom Bock nicht geduldet und somit während der Liebeszeit beim Rudel zurückgelassen. Somit beobachtet man immer wieder Geisen ohne Kitze die in Wirklichkeit aber “Führend” sind. Wird eine Muttergais erlegt, schließen sich die Kitze auch anderen Gaisen oder dem Rudel an, so beobachtet man immer wieder Gamsgaise die zwei und mehrere Kitze führen. Nachdem aber die Kitze ohne Muttermilch auskommen müssen, überleben im Hochgebirge nur körperlich gesunde und starke Gamskitze den Winter. Als wichtigste Hegemaßnahme

(siehe Bericht) beim Gamswild kann die Anlage von Salzlecken an von Feuchtigkeit geschützten und vom Gamswild beliebten Stellen genannt werden. Der Abschuß von schlecht verhaartem und kümmerndem Gamswild ist eine wichtige Hegemaßnahme. Ein Geschlechterverhältnis von 1:1 sollte angestrebt werden. Die Zuwachsrate beträgt beim Gamswild ca. 50 % der Geißen des Frühjahrstandes. Der Jäger soll stärker in die Jugendklasse (III) eingreifen. Die Mittelklasse sollte möglichst geschont werden, sie sollte ca. 60 % des Bestandes betragen.

Gamsgais und Gamskitz im Sommerkleid

Hege: Gamswild bringt verhältnismäßig wenig Nachwuchs, und viele Kitze kommen im Winter im Gebirge um. Die Bejagung muss daher vorsichtiger erfolgen als beim Rehwild. Um Alters und um das Geschlechtsverhältnis ausgewogen zu erhalten, muss insgesamt etwa mehr weibliches als männliches vorhanden sein. (siehe den Bericht über die Gamswildhege)

Reviermarkierung: Der Gamsbock markiert sein Revier besonders während der Brunft durch ein Sekret aus den hinter den Schläuchen sitzenden Brunftfeigen. Sollte ein Rivale in sein Revier gelangen werden Rangkämpfe ausgetragen und aus seinem Revier blitzartig durch das felsige Gelände Kilometerweit vertrieben. Brunftige Gamsböcke erkennt man auch durch das unruhige Verhalten, kaum Äsungsaufnahme und dauernd auf Suche nach einer Gamsgeis. Bewandert ständig sein markiertes Revier um auch Nebenbuhler von seinen Geisen fernzuhalten. Deutlich erkennbar sind das “Blädern” mit weit geöffneten Äser (Maul) und der wachelnde Bart bei älteren Böcken.
Lautäußerung Gamswild: (Reinhören): Bei Gefahr stößt das Gamswild durch den Windfang einen weithin hörbaren Pfiff aus. Die Geiß verständigt sich mit dem Kitz durch leises Meckern. Sehr ähnlich, nur wesentlich lauter, ist das Blädern des Bockes in der Brunftzeit.

Reviermarkierung
Fortpflanzung: Die Gamsbrunft findet im November statt, die Brunft ist besonders lebhaft bei Schneelage und klarem, kaltem Wetter. Der Platzbock, der in der Brunftzeit zum Geißenrudel steht, beherrscht dieses. Nähert sich ein anderer Bock diesem Rudel, so vertreibt er ihn oft durch eine halsbrecherische Verfolgungsjagd über weite Strecken. Der Gamsbock treibt blädernd und öfters nässend die brunftige Geiß und beschlägt sie. Die Gamsgeiß geht ca. 26 Wochen beschlagen und setzt ihr Kitz (meist nur eines) Ende Mai bis Mitte Juni. Zum Setzen verläßt die Geiß das Rudel und kehrt erst nach einigen Tagen wieder mit dem Kitz zurück.

Krankheit: Gamsblindheit und die Gamsräude sind jene Krankheiten, die am häufigsten auftreten. Bestandes gefährdend können sich auch Krankheiten wie Gamsblindheit und Gamsräude auswirken, die epidemisch auftreten und zu einem “Massensterben” führen können.

Gamsblindheit

Die Gamsblindheit (auch Gemsblindheit) ist eine hoch ansteckende Augenerkrankung der Schafe, Ziegen, Gämsen und Steinböcke (insbesondere Rupicapra r. rupicapra und Capra i. ibex). Sie wird durch den Erreger Mykoplasma conjunctivae (Mykoplasmen) hervorgerufen. Die Erkrankung ist auch als Infektiöse Keratokonjunktivitis IKK bzw IKC (infectious keratoconjunctivitis ) bekannt. Infektiöse Keratokonjunktividen können jedoch in der Veterinärmedizin auch Krankheiten bezeichnen, die nicht durch Mykoplasma c. hervorgerufen werden, die der Gemsblindheit jedoch ähneln. Mykoplasma conjunctivae ist bei Schafen verbreitet und diese Tiere stellen ein Erregerreservoir dar von dem aus Wildtiere infiziert werden können wenn diese sich in der Nähe von Schafherden aufhalten. Typisch für die Gemsblindheit ist das Auftreten von Eqidemien. Diese Erblindung hält einige Zeit an. In dieser Phase ist der Gams stark gefährdet umzukommen. Häufig überlebt die Gams auch die völlige Erblindung und das Sehvermögen stellt sich allmählich wieder ein. Bei starken Befall wird Hornhaut und Netzhaut verletzt und führt somit zur totalen Erblindung. Als Erreger werden immer wieder Bakterien, Rickettsien und Viren genannt, den genauen Erreger kennt man jedoch noch nicht. In manchen Gebieten kommt auch der kleine Lungenwurm recht häufig vor. Er ist besonders für Jungtiere gefährlich während ihn ältere Stücke meist ohne äußerlich sichtbare Kennzeichen ertragen. Der Befall zeigt sich in schwacher Konstitution des betroffenen Stückes. Auch hüstelt es. Der Vollständigkeit wegen seien noch ein paar Krankheiten namentlich erwähnt: Papillomatose (Lippengrind) – Maul- u. Klauenseuche gehören wie die Gamsblindheit zur Gruppe der Infektionskrankheiten. Einige Invasionskrankheiten (Parasitosen) wie: Befall mit Haarlingen – Leberegelkrankheit – Bandwurmbefall und andere mehr.

Gamsräude

Die Gamsräude und der Lungenwurm (kleiner und großer) gehören zur hier aufgeführten Gruppe. Bei der Gamsräude (siehe Bericht) handelt es sich um eine Grabmilbenart (Sarcoptes rupicapraer) die in einer Hautschicht des Gams Gänge frisst und auch ihre Exkremente dort hinterlässt. Dies führt beim Gams zu einen starken Juckreiz, Hautentzündung, Haarausfall – die Funktionen der Haut werden zerstört- schließlich erleidet das Gamswild einen qualvollen Tod. Die Krankheit ist von einen Tier auf ein Anderes übertragbar. Ganze Gamsbestände wurden auf diese Weise dahingerafft. Als Gegenmaßnahme hilft nur das frühzeitige erkennen der betroffenen Tiere und entnehmen derselben aus dem Bestand.

Jagd: In Südtirol wird die Jagd auf Gamswild vom 1. August bis zum 15. Dezember ausgeübt, wobei der eigentliche Reiz der Bejagung in den späten Herbsttagen liegt. Die Jagd wird, besonders während der Brunft in den Monaten Oktober bis Dezember, mit der Pirsch kombiniert. Gejagt wird Gamswild überwiegend im Gebirge auf Ansitzjagd. Die Jagdausübung auf Gamswild darf nur in Begleitung eines Pirschführers erfolgen. Bei der Bejagung von Gamswild ist Berg Erfahrung, eine gute Ausrüstung, eine genau schießende Waffe und eine rasante Patrone wie z.B. die 6,5 x 68 erforderlich.

Stimme Gams

 

Video: PW Jagdportal aufgenommen von einem Wanderer

Text Gams übernommen mit Zustimmung von www.jagdweb.at

Text Gamsblindheit mit Zustimmung von: Wildvet Projects Dr. Marco Giacometti, www.wildvet-projects.ch

 

Murmeltier

Paarungszeit: Mai
Trächtigkeitsdauer: 5 Wochen

Wurfzeit: Juni – Juli
Junge: 2 – 6

Vorkommen 1.500 bis 2.700 Meter

Der Name „Murmeltier“ ist vermutlich aus dem lateinischen Wort „Mus montis“ = Alpenmaus entstanden. Das Murmeltier ist ein Säugetier , das zu der Familie der Hörnchen gehört. Es ist zweifelsohne das bekannteste Tier der alpinen Fauna. Sicher hat jeder Bergwanderer schon einmal das niedliche Nagetier von einem Weg aus beobachteten können oder seinen charakteristischen Warnschrei gehört. Das Murmeltier ist tagaktiv, kommt häufiger vor und ist in gewissen Gebieten überhaupt nicht scheu.

Aussehen

AUSSEHEN: Das Murmeltier besitzt einen sehr breitgedrungenen Körperbau. Die Hinter- und Vorderextremitäten sind ungefähr gleich lang. Murmel haben einen kräftigen Knochen- und Muskelbau. Der kurze und breite Kopf sitzt auf einem sehr kurzen, beweglichen Hals. Auf dem schwarzgrauen Köpfchen sitzen kleine, sehr stark behaarte Ohren. Der Rücken ist gelbbraun bis graubraun, die Bauchseite des Fells ist gelblichbraun. Die Spitze ihres 15 – 20 cm langen Schwanzes ist jedoch immer schwarz. Einmal im Jahr – nach dem Winterschlaf – verlieren die Murmeltiere ihr altes Fell und ersetzen es durch ein neues. Junge Murmeltiere haben ein flauschiges, dunkles Fell, bei älteren Tieren wird das Fell hingegen immer struppiger. Zum Graben seiner Baue hat das Murmel starke Krallen, und zwar je fünf an den Hinterpfoten und jeweils vier an den Vorderpfoten. Gesichts-, Geruchs- und Gehörsinn sind beim Murmel besonders ausgeprägt.

VERHALTEN: Murmeltiere sind tagaktiv. Sie müssen daher beim Äsen sehr vorsichtig vor Feinden sein. Wenn es in seiner typischen aufrechten Position steht, ruht es auf den Hinterpfoten, der Schwanz ist auf dem Boden ausgestreckt, während die Vorderpfoten vor der Brust hinunterhängen. Diese Stellung nimmt das Nagetier ein, um zu fressen und sein Territorium zu überwachen, aber auch im Alarmzustand. Wenn eines der Tiere eine Gefahr bemerkt, stößt es sofort einen schrillen Schrei aus, der wie ein lauter Pfiff wirkt. Ist dieser Schrei lang gezogen, bedeutet dies, daß eine Gefahr aus der Luft im Anzug ist. Ist hingegen eine Abfolge derartiger Schreie zu vernehmen, deutet dies auf eine Gefahr am Boden hin. Seit jeher gilt das Fett des Murmeltieres, das so genannte “Mankei-Schmalz”, als heilkräftig. Früher wurde es häufig gegen Brust- und Lungenleiden, Magenbeschwerden, Seitenstechen sowie gegen Nerven- und Gelenksschmerzen verwendet. Heute wird das Murmeltierfett nur noch zur Herstellung Durchblutungsfördernder Salben verwendet.

LEBENSRAUM: Die Murmeltiere bewohnen Geröll – und Graslandschaften im alpinen Raum, im Allgemeinen oberhalb der Waldgrenze und auf der Sonnenseite. Sie leben in mehr oder weniger großen Gruppen auf einer Höhe zwischen 1500 und 2500 m. Jede dieser Kolonien besteht aus mehreren Familien, die in einer Gemeinschaft leben und mehrere Baue besitzen. Abgesehen von ihren Streifzügen im Frühjahr halten sich die Nagetiere fast immer in unmittelbarer Nähe ihrer Bauten auf. Letzterer schützt die Tiere vor Feinden und vor der Witterung und während des sechsmonatigen Winterschlafs vor der Kälte. Der bau besteht aus einem 5 bis 10 m langen Haupteingang von 15 bis 20 cm Durchmesser mit verschiedenen Kammern, deren Böden mit Heu bedeckt sind, um mehreren Nebengängen. Er kann bis zu drei Metern in die tiefe reichen. Am Eingang des Baus bildet die ausgehobene und festgestampfte Erde eine vegetationslose Terrasse.

Nahrung: Das Murmeltier ernährt sich in erster Linie von Pflanzen, aber es frisst auch Insekten – Käfer und Heuschrecken-, Larven, Regenwürmer und Vogeleier. Besonders gern mag es Schwingel, Klee, Ampfer, Nesseln, Krokus und Glockenblumen. Im Frühjahr, nach dem Winterschlaf, ernähren sich die Murmel hauptsächlich von Wurzeln und Knollen. Pro Tag benötigt das erwachsene Murmeltier ca. 1,2 kg Grünmasse. Diese Nahrung wird mit den immer nachwachsenden Nagezähnen abgebissen und mit den Backenzähnen zermahlen und zerkleinert.

Feinde: Als Feinde des Murmeltiers kennen wir den Steinadler, Fuchs, Kolkraben, Uhu und streunende Hunde. Bei Auftauchen eines Feindes warnen die stets wachsamen Tiere einander durch einen schrillen Pfiff und flüchten im Nu in ihre Baue. Der Fuchs jagt das Murmeltier mit Vorliebe im Frühjahr.

FORTPFLANZUNG: Etwa zwei Wochen nach dem Verlassen des Baus – Anfang Mai – nach dem Winterschlaf findet die Paarung statt. Geschlechtsreif werden die Murmel mit zwei Jahren. Die Weibchen (Katz) erreichen ihre Fortpflanzungsfähigkeit im Alter von drei Jahren und werden jedes zweite Jahr befruchtet. Die Männchen (Bär) sind normalerweise monogam. die Paarung findet im Bau statt. Nach etwa 1 Monat Tragzeit werden in der Regel bis zu 6 Junge geboren. Die Jungen (Affen) sind c. 30 Gramm schwer und kommen taub, blind und nackt zur Welt. Nach zwei Wochen haben sie eine Größe einer Ratte erreicht. Die ersten Ausflüge aus dem Bau machen sie im Alter von 35 bis 40 Tagen. Dabei bleiben die Jungen, die sofort mit Fressen von Pflanzen beginnen, in der Nähe des Baus. Im August haben sie ungefähr die Hälfte der Grösse eines erwachsenen Tiers erreicht; vor ihrem ersten Winterschlaf sind sie 1 bis 1,5 kg schwer, vor dem zweiten 2 bis 3 kg.

Murmeltierfamilie: v.l.n.r. Bär, Affe, Katze

Mit drei Jahren ist ihr Körper ausgewachsen. Die Sterblichkeit der Jungen ist sehr hoch: 30% sterben vor dem ersten Winterschlaf

Winterbau: In diesem verbringen die Murmel ihren Winterschlaf. Er ist 5-7 m lang und führt tief in die Erde zu einem großen Kessel. Das letzte Stück von diesem Gang führt wieder bergauf, damit sich im Kessel kein Sickerwasser ansammeln kann. Der lange Gang hat unterirdische Abzweigungen, in denen der Kot abgesetzt wird.
Vor dem Winterschlaf wird der Schlafkessel mit ca. 15 kg Heu ausgepolstert, die Röhre wird dann mehrere Meter mittels Erde und Steinen verschlossen. Bevor die Murmel, die im Sommer und Herbst viel Feist angesetzt haben, sich in den Winterschlaf legen, entleeren sie ihren Darm. Danach liegen sie zusammengerollt (bis zu 10 Murmel pro Kessel) und verringern ihre Lebensfunktion. Die Körpertemperatur wird auf 10° C gesenkt (minimal auf 5° C), die Herzschläge auf

Die aufrechte Stellung ist typisch für das Murmeltier

ca. 30/min. (min. 2-3) und die Atemzüge werden auf 2-4 pro Minute gesenkt. Der Winterschlaf tritt ein, wenn die Kesseltemperatur 12° C erreicht, sinkt sie unter 5° C, wachen die Tiere auf und ihre Körpertemperatur steigt auf die Normaltemperatur von 35-36° C an. Dadurch heizen sie die Kesseltemperatur wieder auf 12° C an. In diesen Pausen setzen die Murmel nur Harn ab. In der Winterschlafzeit (ca. 6 Monate) zehren die Murmel von dem im Herbst angeästen 1,5 kg Feist; der fast zur Gänze verbraucht wird.

Ausdrücke:
Murmel: Murmentl, Murmel

Fett: Fett o. Schmalz

Gesamtes Wild im Revier: Bestand

Männliches Tier: Bär

Fortpflanzungszeit: Bärzeit,

Weibliches Tier: Katze

Nahrung: Äsung

Junge: Affen

Unterirdische Behausung: Bau (jeweils Sommer-/Winterbau)

Ohren: Lauscher auch Gehöre

Sich dort aufhalten: im Bau stecken

Pfote: Brante

Zugang vom Winterbau schließen: mit einem Zapfen zuschlagen

Schwanz: Rute

Wohnhöhle im Bau: Schopf

Haut abziehen: abschwarten, abbalgen

Ausweiden: aufbrechen

Lautäußerung: Pfeifen (Warnlaut) ANHÖREN

Schneehühner

Das Alpenschneehuhn

Alpenschneehühner: Der Unterschied zwischen Hahn und Henne, rechts die Henne und links der Hahn

Alpenschneehuhn im Winterkleid

Der äussere Unterschied zwischen Hahn und Henne ist sehr gering. Sie unterscheiden sich durch die schwarze Augenbinde des Hahns, die bei der Henne fehlt.
Die Zehen sind bei beiden Geschlechtern bis an die Krallen dicht befiedert (siehe Bild links). Dieser Schneeschuheffekt (vgl. Schneehase) wird bei den anderen Rauhfusshühnerarten durch die Balzstifte an den Zehen erreicht. Der Hahn hat einen schwarzen Zügelstreif auch im Sommergefieder. Die Balzrosen bilden sich nach der Balz zurück und sind nicht mehr sichtbar. Die Henne hat keine Balzrosen, allerdings ist bei grosser Erregung ein winziger roter Strich über dem Augenlied normalerweise aber nicht sichtbar ist.
Das Alpenschneehuhn ist ein im Raum Südtirol sehr häufig vorkommendes Rauhfußhuhn. Es besiedelt vor allem alpines Gebiet im Zwergstrauchgürtel zwischen der Wald- und Schneegrenze (von 1900 bis 2900 m). Es bevorzugt ein mehr oder weniger offenes Gelände, in welchem die Vegetation in der Regel nicht höher als 30 cm hoch wächst. Schneehühner wechseln dreimal im Jahr ihr Gefieder. Nur die Schwanzfedern bleiben ganzjährig schwarz, die Arm- und Handschwingen weiss. Die Konturfedern, vor allem im Rücken-, Hals-, Kopf- und Brustbereich, werden im Frühjahr grünlich-braun, Ende Sommer graubraun und Ende Herbst weiss gemausert. Damit ergibt sich eine jahreszeitlich angepasste Tarnfärbung, die der Vegetation oder dem schneereichen Untergrund entspricht.

BALZGESANG und Stimme des Alpenschneehuhn: Im Laufe des März nimmt die Intensität und Dauer des Gesanges zu und erreicht gegen Ende April, Anfang Mai ihren Höhepunkt. Schneehühner leben monogam und territorial. Die Hähne besetzen vor Beginn der Balzzeit Territorien. Diese grenzen meist unmittelbar aneinander und werden hartnäckig verteidigt. Hennen wandern von Territorium zu Territorium und bleiben bei demjenigen Hahn,

 

Schneehuhn im Sommerkleid

Schneehuhn im Sommerkleid der ihnen anscheinend am meisten zusagt. Mit Ende der Paarungszeit werden die Territorien nicht mehr besetzt. Die Hähne wandern mit zurückweichender Schneedecke im Sommer in höhere Lagen. Die Hennen brüten alleine zwischen Heidelbeer- oder Alpenrosenbüschen und folgen im Laufe des Sommers mit den Küken den Hähnen nach und bilden mit diesen im Herbst grössere Schwärme, die ohne weiteres 20 bis 30 Stück, in seltenen Fällen auch mehr zählen können. Mit Einbruch des Winters ziehen sie wieder in die Gebiete der Frühjahrsterritorien. Ganzjährig ist bei Tagesanbruch der knarrende Gesang der Hähne zu hören. Ähnlich territorial wie das Schneehuhn verhält sich das waldbewohnende Haselhuhn. Im Gegensatz dazu sind Auerhuhn und Birkhuhn nicht ausgesprochen territorial. Das heisst, dass die Auer- und Birkhähne nur auf der Arena des Balzplatzes, vergleichbar mit einer in Stücke zerlegten Torte, ein Stücklein Balzplatz für sich beanspruchen und verteidigen, ausserhalb dieses Ortes aber keine Gebietsansprüche haben. Als rein alpiner und hochalpiner Gebirgsbewohner ist diese Rauhfusshühnerart am wenigsten gefährdet. Nasse und kalte Witterung während der Brut- und Aufzuchtzeit oder frühsommerliche Wintereinbrüche sind ausserhalb des Hochwinters die härtesten Widersacher von Schneehuhnbeständen.

 

Paarungszeit: April/Mai

Brutdauer: 3,5 Wochen

Gelege: 5 – 9 Eier

Vorkommen: Alpin/Hochalpin

Verhalten: Saisonal territorial

Schneehühner Brut

Sobald die alpine Vegetation wieder grünt, steht den Schneehühnern ein üppiges Nahrungsangebot zur Verfügung. Küken fressen in den ersten Tagen und Wochen vor allem Insekten und Larven (hoher Vitamin- und Eiweissgehalt). Schneehühner sind Pflanzenfresser. Auch bei dieser Vogelart ist der winterliche Engpass das Nadelöhr, an dem sich Leben oder Sterben entscheidet. Die Winternahrung umfasst: Heidelbeere (Triebe sind immergrün und energiereich,Blätter fallen im Herbst ab);Preiselbeere (Blätter, immergrün); Alpenrosen (Knospen und Blätter); Verschiedene Gebirgsweiden (Knospen / Kätzchen von Schweizerweide, Zwergweide, …);
Verschiedene andere Zwergsträucher und Kräuter, Moose und Flechten. Eine besondere Eigenheit der Schneehühner sind die beiden bis zu 25 cm langen Blinddärme. In ihnen lebt eine spezielle Art von Bakterien, die in der Lage sind, den Holzstoff Lignin zu verdauen, der für alle Pflanzenfresser und auch für den Menschen unverdaubar ist. Auf diese Weise wird in der holzreichen Zwergstrauchnahrung auch das letzte Quäntchen Energie verwertet und dem Organismus zugeführt. Wer im Winter wenig Nahrung (Energie) zur Verfügung hat, kann nur überleben, wenn er möglichst wenig davon verbraucht. Um möglichst viel Energie sparen zu können und Raubtieren zu entgehen, graben sich Schneehühner ähnlich wie Birkhühner während der Nachtzeit und während der Mittagszeit in Schneehöhlen ein. Morgens bei Tagesanbruch verlassen sie diese Höhlen, um den Kropf mit Nahrung zu füllen. Anschliessend graben sie sich mit den Füssen voran im pulverigen Schnee ein, und versinken bis ca. ½ Meter tief im Schnee. Dort graben sie einen ungefähr halbmeterlangen Tunnel, den  sie hinter sich verschliessen. In diesem „Iglu“ verdauen sie die aufgenommene Nahrung und hinterlassen ein Häufchen Kot. Dasselbe wiederholt sich am Nachmittag. Flüge werden wann immer möglich vermieden, weil dadurch viel Energie vergeudet wird. Messungen haben gezeigt, dass auch bei extrem tiefen Minusgraden (Nordostsibirien mit -40 bis – 50°C Aussentemperatur und starken Winden) in der Schneehöhle die Temperatur nicht unter -1 bis -4°C absinkt. Auch bei völlig gefrorener und mit einer Eisschicht überzogenen Pflanzennahrung können die Birkhühner und Schneehühner ihre Energiebilanz auf diese Weise aufrecht erhalten. Genügend unberührter Pulverschnee und Vermeidung jeglicher Stö­rung ist allerdings Voraussetzung hierzu (Variantenskifahren in Schnee- und Birkhuhngebieten).

Bericht von Herrn Michel Fasel – Wildbiologe – FL-9490 Vaduz

Jagdzeiten: Das Schneehuhn darf in Südtirol vom 01. Oktober bis 15. Dezember bejagd werden. Der Abschuss unterliegt einer Abschussplanung des betreffenden Reviers

Steinwild

Der Alpensteinbock (Capra ibex)

Alle Infos über Lebensraum, Verhalten und Fortpflanzung

EIGENSCHAFTEN: Beeindruckend sind sie schon, die mächtigen Steinböcke! Wenn sie ihren Kopf langsam senken und mit ihren bis zu einem Meter langen Hörnern hin und her wiegen, zollen sie Respekt. .Kaum ein Wildtier des Hochgebirges hat in Sage, Aberglaube, Volksmedizin und Brauchtum über Jahrhunderte eine so große Rolle gespielt wie der Alpensteinbock. Steinwild hat ausgesprochen gute Sinne und ist ein ausgezeichneter Kletterer. Allein dies war schon ein Grund für seine Bedrohung. Steinwild lässt seine Feinde sehr nahe kommen, in der Gewissheit sich mit 2-3 Sprüngen sofort in Sicherheit zu begeben. Dies führte bis 1820 fast zur Ausrottung. Durch Aberglaube wurde das Steinwild ab 1622 in den Bergen vehement bejagt. Sein Blut, die Magensteine (Bezoare), die Hörner, Milz und Knochenmark und nicht zuletzt das Herzkreuz (verhärteter Knorpel der Herzklappen) der unverwundbar machte, führte dazu, dass bereits Mitte des 16. Jahrhunderts die Jagd auf Steinwild unter körperliche Strafe gestellt wurde. Das überleben verdankt das Steinwild Viktor Emanuel, König von Italien, der das letzte Steinwild am Gran Paradiso unter Schutz stellte und sich das alleinige Jagdrecht erkaufte. Aus diesem Bestand wurden allmählich immer mehr Tiere ausgesiedelt, sodass der Bestand heute als nicht mehr gefährdet angesehen wird. Nach mühevoller Arbeit der Jäger und Naturfreunde wurde der Steinbock wieder in Südtirol mit Erfolg eingesetzt.

Strickner Skizze Geweih: Aus CD “Jägerschulde” Landesbetrieb für Forst und Domänenverwaltung Bozen

AUSSEHEN: Der Steinbock ist ein kraftvolles Tier, das eine Schulterhöhe von 1 m und ein Gewicht bis 100 kg erreichen kann, bei der Gais etwa die Hälfte. Seine mächtigen Hörner können bis zu 1 m lang und bis zu 15 kg schwer sein. Beide Geschlechter tragen auf starken Stirnzapfen ihre Gehörne. Die Geißen sind kleiner als die Böcke und haben nur ca. 30 cm lange Hörner. Das vier Wochen alte Junge (“Kitz”) bildet bereits Hornzapfen aus. Nach 2 Monaten sind sie bereits ca. 3 cm lang. Bei Böcken werden sie bis zu 1 m lang, bei Geisen bis ca. 30 cm. Der Querschnitt des Bockhorns ist dreieckig, der der Geis meist oval. Steinböcke werden ca. 15 bis 18 Jahre alt, das Alter kann an den Schmuckwülsten am Horn ermittelt werden; es werden in der Regel zwei solche Wülste pro Jahr gebildet. Nach dem zehnten Jahr nimmt das Wachstum der Hörner stark ab. Der Körper des Steinbocks ist gedrungen. Das Fell (“Decke”) ist im Sommer braungrau bis rötlichgrau, im Winter gelblich-braungrau mit weißlicher Unterwolle. Daher wird der Steinbock auch mancherorts als “Fahlwild” bezeichnet. Die tiefgespaltenen Hufe der stämmigen Beine mit den gummiartigen Zehenballen und scharfen Schalenrändern verleihen den Tieren eine außerordentliche Kletterfähigkeit.

Steingais mit Kitz – Foto Marcel Schäfer

VERHALTEN: Eine Steinbockherde setzt sich aus zehn bis zwanzig Weibchen und Jungtieren zusammen. Daneben gibt es die weniger stabilen Junggesellenherden noch nicht ganz ausgewachsener Böcke sowie einzeln lebende alte Böcke. Das Steinwild bildet Rudel von verschiedener Stärke, zu denen sich die alten Böcke jedoch nur während der Paarungszeit gesellen. Wie die Gemsen weiden auch die Steinböcke des Nachts in den höchsten Wäldern, im Sommer jedoch niemals weiter als eine Viertelstunde unter der Spitze einer freien Höhe. Mit Sonnenaufgang beginnen sie weidend aufwärts zu klettern und lagern sich endlich an den wärmsten und höchsten, nach Osten oder Süden gelegenen Plätzen. Bei ihren Weidegängen halten sie nicht nur ihre Wechselein, sondern lagern auch regelmäßig an bestimmten Stellen, am liebsten auf Felsvorsprüngen, die ihnen den Rücken decken und freie Umschau gewähren. Steinböcke sind Gebirgsspezialisten und begeben sich nur ausnahmsweise in den Waldbereich. Bei der Wanderung von den höhergelegenen Sommer- in die Wintereinstände legen insbesondere die Böcke meist längere Strecken zurück. Jede Bewegung des Steinwildes ist rasch, kräftig und dabei doch leicht. Der Steinbock läuft schnell und anhaltend, klettert mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit und zieht mit geradezu unverständlicher Sicherheit und Schnelligkeit an Felswänden hin, wo nur er Fuß fassen kann. Eine Unebenheit der Wand, die das menschliche Auge selbst in der Nähe kaum wahrnimmt, genügt ihm, sicheren Halt zu finden; eine Felsspalte, ein kleines Loch usw. werden für ihn zu Stufen wie bei einer Treppe. Nach Art der Ziegen gefällt er sich in der Jugend in neckischen und selbst im Alter in mutwilligen Streichen, tritt aber immer selbstbewusst auf und bekundet erforderlicher weise hohen Mut, Rauf- und Kampflust, welche ihm keineswegs schlecht ansteht. Gefährlichen Tieren weicht er aus, schwächere behandelt er übermütig oder beachtet sie kaum. Mit den Gemsen will er nichts zu tun haben und hält sich, unbedrängt, fern von ihnen; Hausziegen dagegen sucht er gelegentlich auf und paart sich auch freiwillig mit ihnen.

Foto: Johannes Lechner

BRUNFT: Ab dem dritten Lebensjahr sind die Steinböcke geschlechtsreif, Geißen in der Regel mit zweieinhalb Jahren. Ein faszinierendes Schauspiel – die Steinbock- die im November beginnt und und bis in den Januar hinein reicht Erwachsene, vollfeiste Böcke besitzen einen Fettanteil von etwa 35 Kilogramm. Diese Reserve benötigen sie während der in die kälteste Jahreszeit fallenden Brunft: In dieser Zeit steht das Fahlwild in gemischten Rudeln, die meist aus einem älteren Bock, jüngeren Böcken, Geißen und Jungtieren bestehen. Die alten Böcke befinden sich dabei in verschiedenen Gruppen. Diese ranghohen Stücke signalisieren mit umgeklapptem Wedel, dessen weiße Unterseite weithin leuchtet, ihre Brunftbereitschaft. Außerdem liegt bei umgeklapptem Wedel ein Drüsenfeld frei, das starke Duftsignale aussendet. Der dominante Bock umwirbt die Geiß mit der charakteristischen „Streckhaltung”, die an die Körperhaltung erinnert, die der Bock zum Beispiel auch beim Unterkriechen eines Zaunes einnehmen würde. Die langen Hörner liegen dabei auf dem Rücken auf. Zusätzlich klappt der Bock die Oberlippe hoch und „flippert” mit dem Lecker. Gelegentlich rotiert dabei der im Verhältnis zum Körper kleine Kopf, und der Vorderlauf pendelt zögernd in Richtung Geiß. Die Geißen weichen anfangs den sich nähernden Böcken aus. Während der beiden Tage des Eisprungs dulden die Geißen schließlich das Unterschreiten der Intimdistanz durch den Bock. Die Geißen schwenken kurz vor der Kopulation mit dem Wedel und animieren so zum Aufreiten. Nach der nur wenige Sekunden dauernden Begattung begleitet der dominante Bock die Geiß noch einige Zeit, um danach wieder mit den anderen Böcken an der Gemeinschaftsbrunft teilzunehmen. Die Steingeiß setzt Nach ca. 23 Wochen, Ende Mai oder im Juni meist ein Kitz. Zwillingskitze sind selten. Schon am Tag des Setzens folgt das Kitz der Mutter. Im Alter von vier, fünf Wochen schließen sich die Kitze zu Jugendverbänden zusammen. Obwohl die Kitze schon ab der zweiten Lebenswoche Pflanzenäsung aufnehmen, werden sie von der Geiß bis in den Winter hinein gesäugt. Die Ernährung Die Steinböcke sind genügsame Wiederkäuer und hinsichtlich ihrer Nahrung weniger Anspruchsvoll gegenüber Gämsen oder Rehe. Sie ernähren sich hauptsächlich aus Kräutern, Knospen, Latschen und Weichhölzern. Im Winter auch aus Flechten, saftigen Baumrinden, Moosen und hervor gescharrte Flechten oder Gräser. In der kalten Jahreszeit sind Steinböcke den ganzen Tag auf Futtersuche und geschäftigen sich mit scharren und bevorzugen sonnige Felsvorsprünge die ihnen freien Umschau gewähren.

STIMME: Die Stimme des Steinbocks ähnelt dem Pfeifen der Gemse, ist aber gedehnter. Erschreckt, läßt er ein kurzes Niesen, erzürnt, ein geräuschvolles Blasen durch die Nasenlöcher vernehmen; in der Jugend meckert er.

Jagd: Nicht nur die Berg-, sondern auch die meisten “Flachlandjäger” sind an Gams- und Steinwild überaus interessiert, da es wohl der Traum eines jeden Weidmannes ist, zumindest einmal diesem Gebirgswild nachzustellen. Steinwild wird heute aus rationalen Überlegungen mit Sonderbewilligungen und mehreren Auflagen bejagt. Das war vor einigen Jahrzehnten noch nicht der Fall. So schrieb Bergmüller 1912 in seinem Buch „Erfahrungen auf dem Gebiete der hohen Jagd”: „Es ist ganz überflüssig, über die Jagd auf den Steinbock ein Wort zu verlieren. Diese gehört bei uns leider der Vergangenheit an.” Heute wird es in manchen der stark anwachsenden Steinbock-Kolonien zur Notwendigkeit, mit Lebendfang oder Hegeabschüssen die Populationsdichte zu mindern, weil zu hohe Bestände für die Art Nachteile bringen. In überbevölkerten Kolonien verschlechtert sich durch die Äsungsknappheit und den steigenden sozialen Stress der körperliche Zustand der Steinböcke. Nach strengen Wintern steigt die Fallwildquote, und es treten verstärkt Erkrankungen wie Lungenentzündung, Parasitenbefall, Gamsblindheit und Räude auf. Darüber hinaus mindert sich die Fortpflanzungsleistung der Population, und einzelne Stücke weichen dem „Bevölkerungsdruck” aus und wandern in als Steinwildlebensräume wenig geeignete Gebiete ab.