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Wildverbiss

Bereits in den Sommermonaten werden vielerorts die Futtermittel zur Ausbringung an Rehwild für den kommenden Winter eingelagert. Meist routinemäßig, in Weiterführung bestehender Fütterungstraditionen. Die jagdlichen Gründe für die Rehwildfütterung können dabei vielfältig sein: Verminderung der Wintersterblichkeit, Erhöhung der Kondition, Verbesserung der Geweihstärke, Bindung des Rehwildes ans Revier (v.a. im Gebirge), Vermeidung von Verbissschäden, Beibehalten von langjährigen Gewohnheiten, Schaffung von Akzeptanz für die Jagd bei Nichtjägern oder weil man es seitens der Mitjäger einfach so erwartet. Wo die jagdwirtschaftlichen Ziele im Vordergrund stehen, besteht die Gefahr, dass bei der Planung und Durchführung der Winterfütterung die Verbissreduktion vernachlässigt wird. Wenn die Wildschadensprophylaxe im Vordergrund steht, muss in Waldrevieren auch die sehr grundsätzliche Frage gestellt und mit stichhaltigen Argumenten beantwortet werden: Unter welchen Rahmenbedingungen kann von einem gezielten Einsatz fachgerechter Winterfütterung ein Beitrag zur Verminderung von Verbissschäden überhaupt erwartet und unter welchen Rahmenbedingungen soll zur Verbissminderung auf die Winterfütterung des Rehwildes vielleicht sogar verzichtet werden?
Dieser prinzipiellen Fragestellung widmete sich ein Seminar der Österreichischen Bundesforste AG im Juni 2005 in Gmunden am Traunsee. Als fachliche Betreuer der rund 40 Teilnehmer – in erster Linie Forstleute und Berufsjäger aus ÖBf-Revieren – konnten Experten aus unterschiedlichen für diese Frage bedeutsamen Fachrichtungen gewonnen werden:

  • Dr. Miroslav VODNANSKY vom Mitteleuropäischen Institut für Wildtierökologie Wien- Brno-Nitra für die Fachgebiete Veterinärmedizin und Ernährungsphysiologie
  • Dr. Helmuth WÖLFEL vom Institut für Wildbiologie und Jagdkunde der Universität Göttingen für die Fachgebiete Biologie und Verhaltenskunde und
  • Prof. Dr. Friedrich REIMOSER vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie in Wien für die Fachgebiete Forstwirtschaft und Wildökologie.

Verbissschäden

Zum richtigen Einordnen der Schlussfolgerungen aus dem Seminar ein Hinweis zu den Rahmenbedingungen bei den Bundesforsten, die Ausgangspunkt für die Diskussion sind:  Die Mehrheit der ÖBf-Reviere weist hohe Waldausstattung auf und beherbergt zusätzlich zum Rehwild im Regelfall zumindest eine zweite Schalenwildart. Die breite Palette der Rehwild-Lebensräume der ÖBf AG reicht von den meist wüchsigen Tieflagen mit Laubwaldgesellschaften über karge Kalkgebirge mit langsamwüchsigen Fichten-Tannen- Laubmischwaldstandorten (die bei den Bundesforsten überdurchschnittlich stark vertreten sind) bis zu subalpinen Nadelwaldgesellschaften auf Kristallinstandorten. In den Fachgesprächen wurde diesen ausgeprägten Unterschieden Rechnung getragen, indem jeweils Teilnehmer mit ähnlichen Rahmengedingungen gemeinsam ihre Fragen mit den fachlichen Betreuern aufarbeiteten – getrennt von den anderen beiden Gruppen mit jeweils anders gearteten Lebensraumbedingungen.
Hauptergebnis der Veranstaltung bestätigt: Füttern heißt mehr schießen
Die von den drei Experten unabhängig voneinander gegebenen Empfehlungen wichen im Hinblick auf das Ziel Verbissprophylaxe kaum voneinander ab – trotz deren grundsätzlich unterschiedlicher Einstellung zur Winterfütterung des Rehwildes! Hier die drei wesentlichsten Punkte:

  1. Von einer fachgerechten Winterfütterung für Rehwild kann nur dann ein Beitrag zur Verbissminderung erwartet werden, wenn die Bejagung intensiv genug ist: „Man darf nicht heizen und sich dann wundern, dass die Herdplatte heiß wird.“ Fütterung bei mangelnder Bejagung wird abgelehnt, denn fachgerechte und ausreichende Fütterung erhöht die Zuwachsrate und senkt die Mortalität eines Rehwildbestandes. Der daraus resultierende Bestandesanstieg muss voll abgeschöpft werden, um eine zusätzliche Auslösung von Verbissschäden hintan zu halten.
  2. Sofern Rehwild gefüttert wird, hat dies im Rahmen eines forstlich-jagdlichen Gesamtkonzeptes zu geschehen um die Gefahr der Auslösung zusätzlicher Verbissschäden zu minimieren. Für die Verminderung von Verbissschäden sind die Lebensraumsituation (insbesondere waldbauliche Konzepte) und die Bejagung (Abschusshöhe, zeitliche und räumliche Verteilung des Abschusses) von übergeordneter Bedeutung. Mit der Fütterung nimmt die Bedeutung der Bejagung noch erheblich zu! Im Vergleich mit dem Abschuss wird die Wirkung der Fütterung im Hinblick auf die Verbissreduktion oft überschätzt.
  3. Herbstfütterung erhöht bei fachgerechter Durchführung die Kondition (und damit den Zuwachs) und kann unter bestimmten Voraussetzungen (gleichzeitig richtig durchgeführter Abschuss) ein Beitrag zur Erzielung stärkerer Trophäen sein. Winterfütterung vermindert in erster Linie die Mortalität (vor allem von Stücken mit schlechter Kondition) und erfordert ebenso einen höheren Abschuss, sofern der Rehbestand in der Folge nicht ansteigen soll. Weitere grundsätzliche Aussagen im Hinblick auf Verbissreduktion

Verbisschäden durch Rotwild

Die Standortswahl für Fütterungen ist auf die forstlichen Erfordernisse abzustimmen. Findet diese Planung durch den Jäger allein statt, besteht die Gefahr, dass der Aspekt Wildschadensminderung in den Hintergrund rückt. Die Anzahl der Fütterungen ist von der jagdlichen Regulierbarkeit des lokalen Rehbestandes abhängig zu machen. Mit der Futtervorlage erreicht man im Regelfall nur einen Teil der Rehpopulation – auch bei einer Fütterungsdichte von mehr als 1 je 100 ha, wie beispielhaft veranschaulicht wurde (Futterverbrauch in einem Forschungsgatter). Von einer fachgerechten Fütterung des Rehwildes ist insbesondere in einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld ein Beitrag zur Verbissminderung in den Waldinseln (mit saisonal überhöhten Rehwildbeständen) zu erwarten. In wüchsigen Lagen (z.B. Wienerwald, Kobernaußer Wald) ist es im Hinblick auf die Verbissminderung eher von untergeordneter Bedeutung, ob Rehwild gefüttert wird oder nicht. Die Möglichkeit, mittels Fütterung Rehwild räumlich zu lenken, ist im Hochgebirge besser, in tieferen Lagen und vor allem bei milden Wintern hingegen eher bescheiden. Eine räumliche Lenkung des Rehwildes ist vor allem durch punktuelles Vorgehen bei der  Bejagung sehr gut möglich. Eine flächendeckende Reduktion des Rehbestandes hingegen wird z.B. von Dr. Wölfel im Waldrevier weder für wahrscheinlich noch hinsichtlich der Minderung der Verbissschäden für nötig gehalten.  Hinsichtlich tragbarer Verbissbelastung wurde als problematisch eingestuft, Rehwildhege mit dem Futterbeutel in

typischen Rotwildrevieren zu betreiben. Empfehlung: hegerische Unterordnung des Rehwildes in Rotwildgebieten. Im Hinblick auf die Verbissminderung ist eine Winterfütterung des Rotwildes wesentlich bedeutsamer als eine Fütterung des Rehwildes.

Verbissschäden Foto von Hubert Tschaffert

Eine Winterfütterung des Rehwildes ist weder für dessen Arterhaltung erforderlich noch eine „moralische Verpflichtung“ (diese bestünde ansonsten für sämtliche Tierarten). Der „Notzeit“-Begriff im Rahmen jagdgesetzlicher Fütterungs-Bestimmungen wird als missverständlich und unangemessen eingestuft. Ein legitimes Ziel der Fütterung kann jedoch z.B. die Verbesserung der jagdlichen Erntemöglichkeiten bei gleichzeitiger  Verringerung des Verbissdrucks während der Winterperiode und im beginnenden Frühjahr sein. Auch die fachgerechte Durchführung der Fütterung ist für den Erfolg dieser Maßnahme entscheidend. Werden Fehler gemacht (wie laut Einschätzung der Experten an der überwiegenden Zahl der österreichischen Rehwildfütterungen), können durch Fütterung Schäden am Wild und am Wald provoziert werden. Sofern Rehwild gefüttert wird, sind folgende Grundregeln einzuhalten: Der Eiweißgehalt der Futterration darf nicht zu hoch sein, insbesondere im Herbst. Der optimale Bereich liegt zwischen 10 % und 12 %. Eine zu hohe Eiweißaufnahme im Herbst und Winter führt zu nachteiligen Auswirkungen. Deshalb sind z.B. Sesam und Biertreber als

Verbisschäden

Alleinfutter nicht geeignet. Energiereiches Futter erfordert ausreichend grob strukturierte Rohfaser. Deshalb sind alle Getreidearten (von diesen insbesondere Körnermais und Weizen) sowie jene Industrie-Pellets, die nur fein vermahlene Bestandteile enthalten, wegen des Mangels an grob strukturierter Rohfaser als Alleinfuttermittel für Rehwild schädlich und daher ungeeignet. Das vorgelegte Futter muss für Rehwild attraktiv genug sein, um vom Verbiss an Baumknospen und Baumtrieben ablenken und dadurch zur Verbissreduktion beitragen zu können. In Kombination mit dem hoch attraktiven Apfeltrester kann von den Getreidearten allenfalls Hafer (hoher Spelzenanteil) mit bescheidenem Anteil beigegeben und in gut durchmischter Form vorgelegt werden. Bei Vorlage von Pellets müssen deren Bestandteile noch eine ausreichend grobe Struktur zum Wiederkäuen aufweisen.  Konsequenzen für die Rehwildhege Angesichts des Hauptergebnisses der Veranstaltung (siehe oben, Punkt 1) muss hinsichtlich der jeweiligen Auswirkungen der Fütterung auf die Verbissschäden folgende Frage stärker ins Zentrum gerückt werden: Wird im Revier, wo gefüttert werden soll, das Rehwild durch die Jagd ausreichend reguliert? Das bedeutet zu allererst, dass der Abschussplan der jeweiligen Reviersituation entspricht und auch konsequent erfüllt wird.
Zahlreiche Studien belegen, dass Rehe im Wald nicht zählbar sind, vor allem in größeren zusammenhängenden Waldgebieten. Einige Erfahrungen der letzten Jahre in bundesforstlichen Revieren weisen eindrücklich darauf hin, dass entgegen den Vermutungen der zuständigen Jäger die Rehe durch den Abschuss offenbar nicht reguliert werden. Das gilt auch für Rotwildreviere, wo man angenommen hatte, der Rehbestand sei auf Grund hoher Rotwildbestände ohnehin sozial „unter Druck“ und deshalb eher niedrig. So wurde zum Beispiel die Unterschätzung des Rehbestandes anlässlich einer herbstlichen Stöberjagd auf Rotwild im Pinzgau im Oktober 2003 offenkundig (siehe Bericht im Anblick, Heft 1/2004, Seite 32-35): An diesem Jagdtag wurde zusätzlich zum erlegten Rotwild bei den Rehgeißen und Kitzen fast das doppelte des geplanten Jahresabschusses erlegt – ohne dass in der Folge die Winterfütterungen verwaist gewesen wären und ohne dass der Rehwildabschuss im darauf folgenden Jahr hätte reduziert werden müssen. Im Gegenteil, der Rehwildabschuss war 2004 höher als in den Jahren vor der ersten Stöberjagd. Der Rehwildbestand muss also vor der Stöberjagd um mehr als 100 % unterschätzt worden sein. Die Unterschätzung des Rehwildbestandes dürfte in Österreich kein Einzelfall sein: Analysiert man anhand offizieller jagdstatistischer Daten die langjährige Entwicklung der Rehwildabschüsse und des Fallwildes in Österreich, erhärtet sich der Eindruck, dass der jährliche Zuwachs durch die Jagd überwiegend nicht abgeschöpft wird. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Dr. Hubert Zeiler, wie im Anblick anhand des Zahlenmaterials dokumentiert ist (Heft 4/2005). Unter Berücksichtigung dieser Schlussfolgerung und der oben zusammengefassten Expertenaussagen hat man in Waldrevieren, in denen Rehwild gefüttert wird und in denen eine Verringerung der Verbissbelastung notwendig erscheint, die Wahl zwischen zwei Erfolg versprechenden Alternativen: Entweder sind die Rehwildabschüsse anzuheben, bis die Fallwildrate über mehrere Jahre hinweg rückläufig ist (zumindest beim „sonstigen“ Fallwild; bei nicht gravierend veränderter Verkehrssituation auch beim Verkehrsfallwild) – erst dann ist davon auszugehen, dass der Zuwachs abgeschöpft wird und die Fütterung zur Verbissminderung beiträgt.   Oder die Rehwildfütterung ist zu reduzieren, um eine Verbiss provozierende Bestandserhöhung zu vermeiden. Diese Variante ist zu empfehlen, wenn eine Anhebung des Rehwildabschusses sowie die Erfüllung des Abschussplanes auf praktische Schwierigkeiten stoßen. Sofern unter solchen Rahmenbedingungen auf entmischungsgefährdeten Standorten die Verbissbelastung zu hoch ist, erscheint eine Reduktion der Rehwildfütterung empfehlenswert. Für die Bundesforste gilt das insbesondere auf langsamwüchsigen Kalk- und Dolomitstandorten in hochmontaner Lage – speziell in Revierteilen, wo dem Rotwild hohe Priorität zukommt.

Bericht: Dr. Friedrich Völk und DI Friedrich Hochrainer, Österreichische Bundesforste AG, 2005

 

 

Hirsch

Rothirsche sind die mächtigsten und größten geweihtragende Tiere unserer Wälder. Beim Rotwild treten weltweit ca. 12 Unterarten auf. Wapiti: Ursprünglich über weite Teile Nordamerikas verbreitet, beschränkt sich das Vorkommen des Wapiti im Wesentlichen nur noch auf die westliche Hälfte der Vereinigten Staaten, von Kanada bis nach Neu Mexiko. Maral oder Kaukasushirsch – Cervus elaphus maral: Verbreitet in Kleinasien, dem Kaukasus und Nordpersien. Durch die geänderten Lebensbedingungen (Straßen- und Siedlungsbau, Tourismus,…) und das veränderte Freizeitverhalten der Menschen sind die Lebensräume für den Rothirsch in Südtirol stark eingeschränkt worden.

Vorkommen und Lebensraum: Der Rothirsch, auch Edelhirsch, ist das größte Wildtier in den Revieren in Südtirol. Nur der männliche Rothirsch trägt ein Geweih. Dieses kann bis zu 6 kg schwer sein. Die weiblichen Tiere leben mit ihren Jungtieren in Rudeln, welche von erfahrenen Alttieren angeführt werden. Ebenso bilden die männlichen Tiere eigene Rudel, wobei nur die ältesten Hirsche davon abgesondert als ausgesprochene Einzelgänger umherziehen. Nach einer Tragzeit von etwa 8 Monaten wird im Spätfrühling (Mai/Juni) ein Kalb gesetzt, das bis zur Geburt des nächsten Jungtieres bei der Mutter bleibt. Im Alter von ein bis zwei Jahren erreicht der Rothirsch die Geschlechtsreife. Ausgewachsen ist er hingegen erst im Alter von 4 Jahren. Ein großes Männchen erreicht dann eine Schulterhöhe von 1,5 Metern. Rothirsche werden im Durchschnitt zwischen 18 bis 20 Jahre alt.
Das Rotwild ist dämmerungs- und nachtaktiv und in ungestörten Bereichen bis hinauf zur Waldgrenze weit verbreitet. In vom Menschen ungestörten Gebieten steigt das sehr scheue Rotwild im Sommer bis in die alpinen Grasheiden (bis etwa 2700m) empor. In vom Menschen hingegen immer wieder aufgesuchten Gebieten finden derartige Wanderungen über die Waldgrenze vorwiegend in der Nacht statt.

VERHALTEN: Angeführt von dem ältesten Tier lebt das Rotwild in zumeist nach Geschlechtern getrennten Sozial- verbänden, genannt Rudel oder Gruppe. Die weiblichen Rudel werden von einem führenden (mit Kalb) Alttier geführt; in solchen Rudeln trifft man auch noch Junghirsche an. Die Hirsche sind in kleineren Rudeln unterwegs, wobei alte Hirsche (insbesondere sogenannte Platzhirsche) oft nur einen jüngeren Hirsch, den sog. Adjudanten bei sich haben. Das Rotwild ist in vielen Gebieten – bedingt durch Störungen – überwiegend nachtaktiv geworden und zieht dann in der Dämmerung zu den Äsungsplätzen.

NAHRUNG: Der Rothirsch ist ein Wiederkäuer mit einem bis zu 25 Liter fassenden Pansen. Dieser ist an seinen Wänden komplett mit langen Zotten ausgekleidet. Der natürliche Fressrhythmus ist für den Wiederkäuer Rothirsch wichtig, um seine Magenflora am Leben zu erhalten und eine kontinuierliche Energieversorgung zu gewährleisten. Der tägliche Zeitaufwand für das Fressen beträgt insgesamt sieben bis zehn Stunden in 5 – 6 Fressperioden. Der tägliche Nahrungsbedarf schwankt dabei aktivitätsabhängig zwischen 8 und 20 Kilogramm Frischmasse bei 100 Kilogramm Lebendgewicht. Die Nahrung wird beim Wiederkäuen gründlich mit den Zähnen zerrieben und dadurch wirkungsvoll aufgeschlossen. Der erforderliche Wasserbedarf von sieben bis neun Litern wird mit dem Tau und an Gewässern aufgenommen.
Im Unterschied zum Reh, das jeweils nur die eiweißreichsten Triebe und Blätter bevorzugt, ist der Rothirsch weniger wählerisch. Innerhalb seines Verbreitungsgebiets werden über 300 verschiedene Pflanzenarten gefressen. Dies ist ein großer Vorteil, denn es erleichtert die Anpassung an verschiedene Lebensräume und ermöglicht auch in der nahrungsarmen Zeit ein Überleben.
Der Rothirsch sucht sich sowohl eiweißreiche als auch eiweißärmere Kost. Dazu gehören neben den bevorzugt gefressenen Gräsern und Kräutern auch Triebe, Blätter, Flechten, Pilze, Baumfrüchte wie Eicheln, Kastanien und Bucheckern, Wildobst, Baumrinde und Zwergsträucher. Über die Wintermonate überwiegt die grasreiche, eiweißarme Kost. In Zeiten der Trächtigkeit und des Geweihaufbaus wird ein höherer Anteil eiweißreicher Nahrung benötigt. Die Nahrung der Kälber besteht im ersten Lebensmonat ausschließlich aus Muttermilch. Erst mit Beginn des zweiten Lebensmonats nehmen auch sie regelmäßig grüne Pflanzen auf. Vor allem im Herbst und Frühjahr schält der Rothirsch bevorzugt die Rinde von Laubbäumen wie Eberesche, Weide und Aspe zum Fressen ab. Baumrinde enthält Nährstoffe, Vitamine und bis zu 60 Prozent Wasser. Junge Baumrinde weist einen Futterwert, der ähnlich ist wie von Wiesengras mittlerer Güte, auf. Die saftführende Sommerrinde wird von den Tieren in langen Streifen abgezogen. Dabei dienen die Schneidezähne im Unterkiefer als Schneidwerkzeug. Im Winter sitzt die Rinde durch den fehlenden Saftstrom wesentlich fester am Baum und kann nur geringfügig mit den Zähnen abgeschabt werden. Bereits durch Schälen geschwächte Bäume werden wiederholt aufgesucht, weil der Bitterstoffgehalt in der Rinde abnimmt. Baumrinde sowie die Knospen, Triebe und Blätter von Bäumen und Sträuchern gehören ganzjährig zur artspezifischen Nahrung dazu. Mit seiner Art der Ernährung übt der Rothirsch Einfluß auf die Waldvegetation aus. Diese Einflüsse gehören natürlicherweise zum Ökosystem Wald. Bäume in dichten Waldbereichen, die durch Rindenfraß geschwächt sind, sterben frühzeitig ab. Dadurch werden lichtliebende Arten gefördert und klein räumig besonders artenreiche Mosaike in der Artengemeinschaft des Waldes geschaffen oder erhalten.

STIMME: RÖHREN DER HIRSCHE

Erscheinungsbild: Der Hirsch hat im Sommer ein rötlich-braun gefärbtes Fell, das sich im Winter dunkelbraun bis grau verfärbt. Nur die männlichen Tiere bilden ein Geweih aus, daher werden die Weibchen auch als Kahlwild bezeichnet. Der erwachsene Hirsch hat eine Schulterhöhe von 1,3 m und eine Länge von ca. 2 m. Das durchschnittliche Gewicht beträgt ungefähr 160 kg beim Hirsch und 90 kg beim Alttier (erwachsenes Weibchen). Die Körperentwicklung ist beim Hirsch im 7. Lebensjahr, beim Alttier im 5. Lebensjahr abgeschlossen.

Geweihbildung: Für den Aufbau der bei jungen und alten Hirschen sehr unterschiedlichen Geweih-Knochenmasse benötigen junge Hirsche 60 bis 90 Tage, alte dagegen 90 bis 130 Tage. Alte Hirsche bilden meist stärkere Geweihe, die bei voller Ausbildung mindestens 5 Enden in jeder Geweihstange aufweisen. Die Stangen sind sehr stabil gebaut, können aber zumindest an den Enden auch abbrechen, vor allem bei Kämpfen, die mitunter sehr heftig ausgetragen werden. Sie sind innen porös und bleiben auch nach der Fertigstellung schwach durchblutet. Während des Wachstums sind sie von einer weichen Basthaut überzogen, in der Blutbahnen mit entsprechendem Baustofftransport (Kalzium, Magnesium) und Nerven verlaufen. Nach Beendigung des Geweihwachstums wird der vertrocknete Bast abgefegt.
Die Größe des Geweihs ist vom Alter und vom Gesundheitszustand des Tieres abhängig. Es gibt aber auch regionale Unterschiede. Hirsche, die in Gebieten mit armen Sandböden leben, haben beispielsweise geringere Geweihe als ihre Artgenossen auf nährstoffreichen Basaltböden.
Im 12. bis 14. Lebensmonat (Juni – August des auf die Geburt folgenden Jahres) beginnen die jungen Hirsche, ihr Erstlingsgeweih zu bilden. Das sind normalerweise einfache Spieße, die gegen Ende ihres zweiten Lebensjahres im Mai – Juni wieder abgeworfen werden. Im zweiten Geweih werden in jeder Geweihstange bereits drei bis vier, selten auch mehr Enden ausgebildet. Ältere Hirsche können Geweihe mit bis zu 20 oder noch mehr Enden haben, die sich durch Verzweigungen vor allem am Stangenende ergeben. Mit fünf bis sechs Jahren sind die Hirsche körperlich ausgewachsen. Dann haben sie mehr Energie „übrig“ für die alljährliche Geweihbildung, die bei Hirschen im Alter von  bis 14 Jahren meist am stärksten (schwersten) sind. In der Brunftzeit(September/Oktober) werden durch das markante Röhren der Hirsche die jeweiligen Territorien abgegrenzt. Gegen Ende des ersten Lebensjahres entwickeln sich beim männlichen Kalb knochige Stirnzapfen, die sogenannten Rosenstöcke. Zu Beginn des zweiten Lebensjahres bilden sich ein einfaches Erstlingsgeweih, das nur aus Spießen und ohne Rosen besteht. Es wird im darauf folgenden Frühjahr abgeworfen. Nach dem Abwurf baut sich ein neues Geweih auf (siehe Bild links), nun aber mit Rosen und mit einer ersten Gabelung, der sog. Augsprosse. Die Endenzahl nimmt dann gewöhnlich von Jahr zu Jahr zu. Es bildet sich die Mittelsprosse, manchmal auch eine Eissprosse zwischen Aug- und Mittelsprosse, das Stangenende teilt sich in zwei (Gabeln) und anschließend in mehrere Enden (Krone).

Brunft / Paarung Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Tragzeit Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Setzzeit Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Säugezeit Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez
Geweihaufbau Januar Februar März April Mai Juni Juli Aug. Sept Okt Nov Dez

Während des Wachstums ist das Geweih mit einer behaarten Haut dem sog. Bast überzogen, der gegenüber Verletzungen sehr empfindlich ist. Nach Ausreifung des Geweihs im Juli/August wird der Bast an Sträuchern und Bäumchen abgestreift (fegen). Das jetzt hervortretende Geweih ist farblos, doch unter dem Einfluß der Pflanzensäfte verfärbt es sich rasch bis dunkelbraun, wobei die Endspitzen durch weiteres Schlagen hell poliert werden. Über die Altersbestimmung gibt das Geweih keine zuverlässige Aussage, es fließt nur in eine Gesamtbeurteilung mit ein. Geschlechtsreife: Aktive Fortpflanzung bei intakter Sozialstruktur: Männlich erst ab 6 Jahren als Platzhirsch. Weiblich, frühestens ab 1 Jahr (stark abhängig von der Populationsdichte und von der Kondition).

Hirschbrunft

 HIRSCHBRUNFT: Jedes Jahr ab Ende August, wenn die Geweihe der männlichen Rothirsche fertig ausgebildet sind und der Hormonspiegel steigt, wird jeder andere Hirsch zum Konkurrenten. Die lockeren Rudelverbände der männlichen Hirsche lösen sich auf, denn sie wollen nun zu den weiblichen Tieren. Sind die Platzhirsche wieder bei ihrem Rudel, röhren sie lautstark, um ihren Anspruch auf die Hirschkühe zu zeigen und Konkurrenten abzuschrecken. “Wenn das nicht reicht, kommt es auch schon mal zu spektakulären Kämpfen, wo die Geweihe der Hirsche lautstark aufeinander krachen. Fortpflanzungserfolge haben fast nur die starken acht- bis zehnjährigen Tiere. Ein männlicher Rothirsch muss etwa sechs Jahre alt sein, bevor er ein Rudel verteidigen kann, wo ältere Tiere fehlen, kann jedoch auch schon mal ein junger Hirsch die weiblichen Tiere begatten.” In dieser Zeit wird die Nahrungsaufnahme für die männlichen Hirsche zur Nebensache, die Paarung mit den weiblichen Tieren und die Verteidigung des Rudels nimmt die ganze Kraft und Zeit in Anspruch. Etablierte und bodenständige, reifere Hirsche beziehen bereits vor Brunftbeginn bestimmte Einstände – meist Trockeninseln -, die hinsichtlich ihrer quantitativen und qualitativen Äsungsverhältnisse besonders attraktiv sind und deshalb auch vom Kahlwild in teils extremer Dichte frequentiert werden. Unabhängig von der Anwesenheit von Kahlwild zeigen die “Platzhirsche” dort gegenüber fremden Hirschen Territorial- bzw. Revierverhalten. Die verteidigten Areale haben eine Größe von mitunter weniger als zwei Hektar und sind oft durch einen Kanal, Graben oder durch eine offene Wasserfläche auch optisch vom “Nachbarrevier” getrennt. Die klassische These des nicht-territorialen Rotwildes und dass der Rothirsch zur Brunft dem Kahlwild in dessen bevorzugte Äsungsbereiche folgt, dort herdet und Nebenbuhler vom Rudel fernhält, hat offensichtlich nicht überall Gültigkeit. Territorialität im Brunftverhalten des Rotwildes ist durchaus möglich.

JAGD: Eine Menge von Neuerungen sind mit dem neuen Landesjagdgesetz 2021 in Kraft getreten, siehe unter AKTUELLES.  Kahlwildabschuss vom 01. Mai bis 15. Dezember. Die Jagd auf den Jahrlingshirsch beginnt am 15. Juni und endet am 15. Dezember. Der Hirsch (männliche) darf vom 01. August bis 15. Dezember erlegt werden. Das Rotwild unterliegt einer genauen Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Bei Abschuss eines Hirsches, müssen bis zu 1:4 Kahlwild erlegt werden. Bei den Hirschen wird  zwischen Jahrlingshirschen und mehrjährige Hirschen unterschieden. Der Anteil der Jahrlingshirschabschüssen muss zumindest 30% des Hirschabschusses betragen.