Seite wählen

Stammtischgespräche

Stammtisch – Foto: Silvia Pickelmann

In unserer Seite  „STAMMTISCHGESPÄCHE und MEINUNGEN ZUR JAGD“ kommen künftig  Jäger/innen, Leser/innen zu Wort, die aus ihrer Sicht Sachverhalte, Regelungen und Ereignisse kommentieren können.

STAMMTISCHGESPRÄCHE und Meinungen zur Jagd schreiben (siehe unten)  

WAS IST ERLAUBT

  • eine eigene Meinung haben
  • Standpunkt beziehen
  • eigene Argumente haben und diese sinnvoll vertreten können
  • Mut aufbringen, dem anderen die ehrliche Meinung zu sagen
  • Jeder freut sich über positive Argumente und Lob….
  • offen und bereit sein, bei sinnvollen Argumenten seine Meinung zu überdenken
  • die Meinung des Anderen akzeptieren
  • die Diskussion sachlich führen und nicht persönlich angreifen/beleidigen oder Hass schüren!

Wenn auch Ihnen etwas auf dem Herzen liegt, melden Sie sich gerne bei uns.
Ihre Meinung und Mitteilung wird im Südtiroler Jagdportal auf dieser Seite veröffentlicht.
Natürlich besteht auch die Möglichkeit, auf den einzelnen Einträgen zu antworten

Mail: info@jagd.it

Kurt von Bozen schrieb:
25.05.2021

Soll das ein Witz sein? Habe gerade unter www.provinz.bz.it folgendes gelesen: 
Wenn ich ein Wildtier tot fahre, oder noch schlimmer verletze,  brauche ich es erst nach 24 Stunden melden, kurz um,  ich kann das verletzte oder tote Wildtier liegen lassen und nach 24 Stunden die Rufnummer 112 anrufen, habe ich das richtig verstanden??  

Nach einem Unfall
Nach einem Unfall sind in erster Linie die eigene Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Wird ein Wild bei einem Unfall getötet, ist der Lenker verpflichtet, dies innerhalb von 24 Stunden dem zuständigen Revierleiter, Jagdaufseher oder der Forstbehörde zu melden. Dasselbe gilt bei angefahrenen Tieren: Auch wenn das Tier sofort flieht, kann es verletzt sein und später verenden. Stellt das verletzte Tier eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer dar, sollte der Feuerwehrnotruf 112 abgesetzt werden, um das weitere Vorgehen den zuständigen Stellen zu überlassen (kein verletztes Tier berühren!).


Jägerin vom Wipptal schrieb:
17.05.2021

Auslesejagd

Die Jagd ist in Italien kein Privileg wohlhabender Bürger. Im Prinzip hat hier jeder das Recht, zu festgelegten Zeiten Tiere zu schießen. Entsprechend verbreitet ist die Jagd in Italien mit Südtirol, und entsprechend groß sind die Probleme die teils auch „Hausgemacht“ sind.
   Am besten lässt sich die Jagd in Italien mit dem Autofahren vergleichen: Jeder erwachsene Bürger hat das Recht, auf öffentlichen Straßen ein Auto zu fahren. Man braucht dazu nur einen Führerschein und natürlich ein Auto. Zur Jagd braucht man in Italien eine Jagdkarte (nicht vergleichbar mit dem deutschen Jagdschein) und ein Gewehr. Für den Straßenverkehr gibt es Regeln und die meisten Autofahrer halten sich daran. Viele aber auch nicht. Bei der Jagd ist es ganz genauso.
Über das Jagen (wie über Autofahren) wird viel, kontrovers und emotionsgeladen diskutiert. Wer kompetent mitreden will, sollte die Rechte und Pflichten der Jäger und Nichtjäger kennen und auch eine Mitverantwortung tragen.

Meine Meinung: Es wird fortlaufend von Kitzrettung gesprochen, alles ganz gut und Recht, aber auf der einen Seite versucht man Kitze vor dem Mähtod zu retten, kauft dafür teure Drohnen und Geräte und auf der anderen Seite werden mit der Auslesejagd die am 01. Mai beginnt jede Menge trächtige Hirschtiere und trächtiges Rehwild geschossen, Tiere die vor dem setzen sind. Wenn der Südtiroler Jagdverband eine Statistik veröffentlichen würde, würden vielen die Haare zu Berge stehen, eine Situation die mit einer Auslesejagd nichts mehr zu tun hat. Gerade zu dieser Zeit brauchen die Muttertiere sehr viel Ruhe und Energie, darum bin ich grundsätzlich gegen diese Auslesejagd und dessen Jagdausübung die schon mit 1 Mai beginnt. Immer wieder werden im Monat Mai verwechselbare Hirsche erlegt, ältere Hirsche die eben später das Gehörn schieben. Dadurch gibt es auch viel Streit, Hass und und Meinungsverschiedenheiten unter den Jägern. Alles dies wäre vermeidbar, wenn die C-Hirsche ebenfalls ab 15 Juni (Jagdbeginn auf den T-Bock) bejagbar wären.
Im übrigen Italien beginnt die Jagdsaison die letzte Woche im September und endet mit 30. Jänner des darauffolgenden Jahres, nur Südtirol hat diese Ausnahmeregelung.
Im übrigen Italien ist die Jagdausübung bei weitem strenger geregelt und übertrifft bei weitem unser Jagdordnung.
Vielleicht sollten sich die zuständigen Personen einmal Gedanken machen, ob wir in Südtirol eine solche Auslesejagd überhaupt brauchen?

 


Wolfgang Payer aus Oberösterreich schrieb:
17.05.2021

Meine Jagderfahrung als 18 Jähriger

Im vergangenen Herbst war es so weit, ich war endlich 18 Jahre alt: Alt genug um als Treiber an Bewegungsjagden teilzunehmen. Ich wollte einen tieferen Einblick in die Jagd bekommen und herausfinden, ob Jagd mehr ist, als das Töten von Wildtieren. Als Treiber hat man die Aufgabe, das Wild dazu zu bringen, in Richtung der Jäger zu laufen, damit diese dann das Wildtier schießen können.
Im Gegensatz zu Bewegungsjagden, bei denen viele Schützen gleichzeitig in einem Revier jagen, gibt es auch noch die Möglichkeit der Ansitzjagd, bei der der Schütze auf einem Hochsitz auf das Wild wartet. Diese Form der Jagd erfordert Geduld, Ruhe und eine richtige Einschätzung von Wind und Entfernung. Hier hat der Jäger die Möglichkeit, sich Zeit zu nehmen, um das Wild genauer zu identifizieren, zum Beispiel bezüglich des Alters, des Geschlechts und Gesundheitszustands.
Doch Jagd besteht nicht nur aus Gemeinschaftsjagden und Ansitzen, sondern auch aus vielen Dingen, die man Hege nennt. Hege bedeutet: Maßnahmen zum Schutz und Erhalt eines artenreichen Wildbestands. Die Hege ist ein Grundsatz der sogenannten “Waidgerechtigkeit”. Hege heißt aber auch Vermeidung von Wildschäden – also die durch Wild verursachten Schäden in der Land- oder Forstwirtschaft.
Wildschweine verursachen “tierische” Schäden, denn sie pflügen auf der Futtersuche große Flächen Acker- und Grünland um, die dadurch dauerhaften Schaden davontragen. Rehböcke schaben im Frühjahr eine juckende Haut von ihrem frisch gewachsenen Gehörn ab. Dies nennt man Verfegen. Fegeschäden hemmen Bäume in ihrem Wachstum. Der Jäger versucht gezielt, den Wildbestand einzudämmen, sodass die Schäden gering sind. Die Kosten zur Beseitigung dieser Schäden müssen die Jagdpächter bezahlen. Das Geld dafür versuchen die Jäger durch den Verkauf des selbst erlegten Wildes zu verdienen.
Das Töten der Wildtiere ist also nur ein Teil der Jagd. Viele Menschen sind gegen die Jagd, da sie es ungerecht finden, dass die Jäger in den Wald gehen und Tiere töten.
Bei meiner ersten Treibjagd wurden drei Wildschweine, ein Reh und zwei Füchse zur Strecke gebracht, womit alle zufrieden waren. Beim anschließenden Ausweiden der Tiere (außer den Füchsen) ging es konzentriert und hygienisch zu: Es wurde mit Handschuhen und sauberem Werkzeug gearbeitet, denn hier geht es um die Beschaffung eines Lebensmittels, nämlich Wildbret.

Ich finde, Jagd ist ein spannendes und abwechslungsreiche Aufgabe, bei dem es um mehr geht als das Töten von Wildtieren, nämlich um Schutz von Natur, Wald und Landwirtschaft.


Rainer K. vom Pustertal schrieb:
15.05.2021

Kitzrettung; 

Wenn ich so die Beiträge in der Presse , sowie in den „Jagdzeitungen“ lese, habe ich den Eindruck, daß es auf  dieser Welt nur mehr  „Bürohocker“ gibt, die hinter einer Scheibe nur Theorie ohne Praxiserfahrung aufstellen können!  Einfach etwas schreiben um schreiben zu können. 
Glauben sie ja nicht, uns Bauern ist es egal-, ob und wie viele Kitze wir herausmähen, aber leider sieht es in der Praxis anders aus!
Wie das mit dem Mähen wirklich abläuft, davon haben offensichtlich die meisten Jäger und Experten keine rechte Vorstellung.
Dies fängt schon mit dem Informieren oder Absprache zwischen Bauern und Jäger an:
Es wäre sehr angenehm für einen Bauern, wenn er in Ruhe und Beschaulichkeit seine Arbeit für einige Tage im voraus planen könnte. Nur ist er leider nicht allein planungsberechtigt, sondern der Wettergott will mitreden und auch der Arbeitgeber.  Sehr häufig fällt die Entscheidung erst spät Abend oder sogar FRÜH morgens. Die Landwirtschaft ist ein teures Hobby, gerechnet wird nach geheimnisvollen Ritualen, die meisten Bauern arbeiten sich nach dem Feierabend noch krumm und Mähzeit ist Stress hoch 3 für einen Bauern.
Viele Landwirte sind berufstätig und kümmern sich zusätzlich noch um Vieh und Land. Spät abends oder früh morgens muss mit Scheinwerfer gemäht werden, weil der Lohnempfänger und Bauer ja auch nicht von der Arbeitsstelle dauernd fernbleiben darf wann er will!
Warum bringt schon, von Innen nach außen mähen kein Erfolg?
Außer Komplikationen beim rangieren bringt das gar nichts, nur Theorie!
 Die Kitze, Junghasen oder brütende Vögel flüchten nicht aus der Fläche. Andernfalls würden sie ja nicht vermäht. Bestenfalls rutschen Hasen oder etwas größere Kitze 1 oder 2 m weiter in die Fläche. Selbst wenn man langsam fährt beim Mähen, so mit 4-5 km/h und 1,8 m Arbeitsbreite, was aber völlig praxisfremd ist , werden die Kleinen erwischt. Wie sieht es erst bei 15-20 km/h und 6 m Arbeitsbreite aus?  Ich denke an Flächen die “geringfügig” größer als 2 ha sind.
Wird ein Rehkitz erwischt, werden wir gleich als Mörder bezeichnet, ja sogar mit Anzeigen und Strafzahlungen gedroht

Absuchen ist wunderschön in der Theorie, in der Praxis sieht es anders aus.
Auch das absuchen mit Drohnen bringt nicht den gewünschten Erfolg, eine teure Angelegenheit aber beim meterhohen Gras mit wenig Erfolg Kitze zu finden.  
Vergrämen ist nach meiner Erfahrung noch die sicherste Methode, dann aber nicht mit den immer wieder erwähnten Düngertüten oder Plastikfahnen. Die kommen inzwischen so häufig in der freien Wildbahn vor, daß kein Aas geschweige denn Reh daran Anstoß nimmt. So unbekannte Sachen wie bunte Luftballons, Blinklampen oder unbekannte Geräusche/Töne machen da eher Sinn.
 Insgesamt würde es den Jägern nicht schaden, sich intensiver mit der heutigen  Landwirtschaft zu befassen um auch bestimmte Zusammenhänge besser verstehen zu können und von der rein jagdlichen Betrachtungsweise mal heraus kommen zu können.