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Fehlt den Jägern die Jagdkultur?

Foto® WP Südtiroler Jagdportal

Die Jagd ist eine uralte Tradition, die seit Jahrtausenden von Menschen praktiziert wird. Sie diente nicht nur als Mittel zur Nahrungsbeschaffung, sondern auch als Ausdruck von Kultur und Identität. Doch in der heutigen Zeit scheint die Jagdkultur bei vielen Jägern verloren gegangen zu sein. Immer mehr Menschen betreiben die Jagd rein aus sportlichen Gründen und vernachlässigen dabei die ethischen und moralischen Aspekte, die eng mit der Jagd verbunden sind.
Die Jagdkultur umfasst eine Vielzahl von Werten und Traditionen, die den Jägern über Generationen hinweg weitergegeben wurden. Dazu gehören unter anderem Respekt vor der Natur und den Tieren, nachhaltige Nutzung der Ressourcen und die Einhaltung von jagdlichen Regeln und Gesetzen. Die Jagd war einst eng mit dem Überleben der Menschen verbunden und wurde daher mit großem Respekt und Verantwortung ausgeübt.
Heutzutage jedoch scheint die Jagd für viele Jäger zu einem reinen Zeitvertreib geworden zu sein. Die Natur und die Tiere werden oft nur noch als Trophäen betrachtet, die es zu erlegen gilt. Bei sehr vielen Jägern zählt nur die Stückzahl, der erlegten Tiere,  aber haben dabei von der Jagdkultur wenig oder gar nichts erlebt. Der eigentliche Sinn und Zweck der Jagd, nämlich die nachhaltige Nutzung der Natur und die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts, gerät dabei in den Hintergrund. Die Jagd wird zu einem reinen Vergnügen, bei dem es nur noch um das Erlegen von möglichst vielen Tieren geht.

Foto: Netzfund

Diese Entwicklung ist bedenklich, denn sie führt zu einer Entfremdung von der Natur und zu einer Verarmung der jagdlichen Traditionen. Die Jäger verlieren den Bezug zur Natur und zu den Tieren, sie vergessen ihre Verantwortung als Teil des Ökosystems. Jagd sollte nicht nur dem eigenen Vergnügen dienen, sondern auch dem Schutz der Natur und der Erhaltung der Artenvielfalt.
Wenn Jäger/innen nur noch als Spass, Kleintiere wie Hasen oder Vögel als Zielscheibe verwenden,  hat dies mit der Jagdkultur nichts mehr zu tun, denn bei solchen Abschüssen mit der Kugel bleibt nur mehr Müll übrig, und kann auch nicht mehr für die Küche verwendet werden.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Jagdkultur wieder zu stärken. Jäger sollten sich bewusst machen, dass die Jagd mehr ist als nur das Erlegen von Tieren. Sie sollten sich wieder mit den Werten und Traditionen der Jagd auseinandersetzen und diese in ihrem Handeln berücksichtigen. Dazu gehört zum Beispiel die respektvolle Behandlung der erlegten Tiere, die nachhaltige Nutzung der Ressourcen und die Einhaltung von jagdlichen Regeln und Gesetzen.
Auch die Ausbildung und Weiterbildung der Jäger spielt eine wichtige Rolle. Es sollte vermehrt Wert auf eine umfassende Ausbildung gelegt werden, die nicht nur die technischen Fähigkeiten vermittelt, sondern auch das Verständnis für die Natur und die Verantwortung als Jäger. Nur so können Jäger zu Botschaftern der Natur werden und einen positiven Beitrag zum Naturschutz leisten.

Fotorechte: Piccolruaz Helmuth

Auch der Jagdhund spielt eine wichtige Rolle in der Tradition der Jagd. Seit vielen Jahrhunderten begleitet er den Jäger bei der Suche nach Wild und unterstützt ihn bei der Jagd. Mit ihrem ausgezeichneten Geruchssinn und ihrer Schnelligkeit sind Hunde in der Lage, Wildtiere aufzuspüren und zu verfolgen. Sie können auch helfen, das Wild in eine bestimmte Richtung zu lenken und den Jäger bei der Arbeit zu unterstützen. Darüber hinaus sind Hunde treue Begleiter und Partner des Jägers, die ihm in allen Situationen zur Seite stehen. Sie sind nicht nur unverzichtbare Helfer, sondern auch geschätzte Familienmitglieder und werden oft wie solche behandelt. Die enge Bindung zwischen Hund und Jäger ist ein charakteristisches Merkmal der Jagdtradition und zeigt, wie eng Mensch und Tier in diesem Bereich zusammenarbeiten.
Die moderne Jagdpraxis hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Mit der zunehmenden Technologisierung und dem Einsatz von Hochleistungswaffen ist die Rolle des Jagdhundes in den Hintergrund gerückt. Viele Jäger sehen keinen Bedarf mehr darin, einen Hund auszubilden, da sie der Meinung sind, dass sie die Jagd alleine bewältigen können.
Doch diese Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten. Kaum ein Jäger nimmt sich noch die Zeit, einen Hund auszubilden, obwohl ein gut ausgebildeter Jagdhund viele Vorteile mit sich bringt. Ein Hund kann nicht nur bei der Suche und dem Aufspüren von Wild unterstützen, sondern auch bei der Nachsuche und dem Apportieren helfen. Darüber hinaus sorgt ein gut erzogener Hund für Sicherheit und kann in gefährlichen Situationen wertvolle Dienste leisten.
Es ist bedauerlich, dass die Ausbildung von Jagdhunden heutzutage oft vernachlässigt wird. Die enge Bindung zwischen Jäger und Hund, die bei der Ausbildung entsteht, geht verloren. Zudem geht auch das Wissen über die verschiedenen Hunderassen und ihre Fähigkeiten verloren.

Es wäre wünschenswert, dass sich mehr Jäger wieder der Ausbildung von Hunden widmen. Denn ein gut ausgebildeter Jagdhund ist nicht nur ein wertvoller Partner bei der Jagd, sondern auch ein treuer Begleiter im Alltag. Die Zeit und Mühe, die in die Ausbildung investiert wird, zahlt sich am Ende aus und ermöglicht eine effektivere und nachhaltigere Jagdausübung.
Es liegt also an uns Jägern selbst, die Jagdkultur und Jagdtradition wieder mit Leben zu füllen. Sie müssen sich bewusst machen, dass die Jagd mehr ist als nur ein Hobby oder ein Sport ist. Sie müssen den Respekt vor der Natur und den Tieren wiederentdecken und ihr Handeln danach ausrichten. Nur so kann die Jagd ihre ursprüngliche Bedeutung und ihren Wert als Kulturgut wiedererlangen.

Text: PW – Südtiroler Jagdportal