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Wildverbiss

Bereits in den Sommermonaten werden vielerorts die Futtermittel zur Ausbringung an Rehwild für den kommenden Winter eingelagert. Meist routinemäßig, in Weiterführung bestehender Fütterungstraditionen. Die jagdlichen Gründe für die Rehwildfütterung können dabei vielfältig sein: Verminderung der Wintersterblichkeit, Erhöhung der Kondition, Verbesserung der Geweihstärke, Bindung des Rehwildes ans Revier (v.a. im Gebirge), Vermeidung von Verbissschäden, Beibehalten von langjährigen Gewohnheiten, Schaffung von Akzeptanz für die Jagd bei Nichtjägern oder weil man es seitens der Mitjäger einfach so erwartet. Wo die jagdwirtschaftlichen Ziele im Vordergrund stehen, besteht die Gefahr, dass bei der Planung und Durchführung der Winterfütterung die Verbissreduktion vernachlässigt wird. Wenn die Wildschadensprophylaxe im Vordergrund steht, muss in Waldrevieren auch die sehr grundsätzliche Frage gestellt und mit stichhaltigen Argumenten beantwortet werden: Unter welchen Rahmenbedingungen kann von einem gezielten Einsatz fachgerechter Winterfütterung ein Beitrag zur Verminderung von Verbissschäden überhaupt erwartet und unter welchen Rahmenbedingungen soll zur Verbissminderung auf die Winterfütterung des Rehwildes vielleicht sogar verzichtet werden?
Dieser prinzipiellen Fragestellung widmete sich ein Seminar der Österreichischen Bundesforste AG im Juni 2005 in Gmunden am Traunsee. Als fachliche Betreuer der rund 40 Teilnehmer – in erster Linie Forstleute und Berufsjäger aus ÖBf-Revieren – konnten Experten aus unterschiedlichen für diese Frage bedeutsamen Fachrichtungen gewonnen werden:

  • Dr. Miroslav VODNANSKY vom Mitteleuropäischen Institut für Wildtierökologie Wien- Brno-Nitra für die Fachgebiete Veterinärmedizin und Ernährungsphysiologie
  • Dr. Helmuth WÖLFEL vom Institut für Wildbiologie und Jagdkunde der Universität Göttingen für die Fachgebiete Biologie und Verhaltenskunde und
  • Prof. Dr. Friedrich REIMOSER vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie in Wien für die Fachgebiete Forstwirtschaft und Wildökologie.

Verbissschäden

Zum richtigen Einordnen der Schlussfolgerungen aus dem Seminar ein Hinweis zu den Rahmenbedingungen bei den Bundesforsten, die Ausgangspunkt für die Diskussion sind:  Die Mehrheit der ÖBf-Reviere weist hohe Waldausstattung auf und beherbergt zusätzlich zum Rehwild im Regelfall zumindest eine zweite Schalenwildart. Die breite Palette der Rehwild-Lebensräume der ÖBf AG reicht von den meist wüchsigen Tieflagen mit Laubwaldgesellschaften über karge Kalkgebirge mit langsamwüchsigen Fichten-Tannen- Laubmischwaldstandorten (die bei den Bundesforsten überdurchschnittlich stark vertreten sind) bis zu subalpinen Nadelwaldgesellschaften auf Kristallinstandorten. In den Fachgesprächen wurde diesen ausgeprägten Unterschieden Rechnung getragen, indem jeweils Teilnehmer mit ähnlichen Rahmengedingungen gemeinsam ihre Fragen mit den fachlichen Betreuern aufarbeiteten – getrennt von den anderen beiden Gruppen mit jeweils anders gearteten Lebensraumbedingungen.
Hauptergebnis der Veranstaltung bestätigt: Füttern heißt mehr schießen
Die von den drei Experten unabhängig voneinander gegebenen Empfehlungen wichen im Hinblick auf das Ziel Verbissprophylaxe kaum voneinander ab – trotz deren grundsätzlich unterschiedlicher Einstellung zur Winterfütterung des Rehwildes! Hier die drei wesentlichsten Punkte:

  1. Von einer fachgerechten Winterfütterung für Rehwild kann nur dann ein Beitrag zur Verbissminderung erwartet werden, wenn die Bejagung intensiv genug ist: „Man darf nicht heizen und sich dann wundern, dass die Herdplatte heiß wird.“ Fütterung bei mangelnder Bejagung wird abgelehnt, denn fachgerechte und ausreichende Fütterung erhöht die Zuwachsrate und senkt die Mortalität eines Rehwildbestandes. Der daraus resultierende Bestandesanstieg muss voll abgeschöpft werden, um eine zusätzliche Auslösung von Verbissschäden hintan zu halten.
  2. Sofern Rehwild gefüttert wird, hat dies im Rahmen eines forstlich-jagdlichen Gesamtkonzeptes zu geschehen um die Gefahr der Auslösung zusätzlicher Verbissschäden zu minimieren. Für die Verminderung von Verbissschäden sind die Lebensraumsituation (insbesondere waldbauliche Konzepte) und die Bejagung (Abschusshöhe, zeitliche und räumliche Verteilung des Abschusses) von übergeordneter Bedeutung. Mit der Fütterung nimmt die Bedeutung der Bejagung noch erheblich zu! Im Vergleich mit dem Abschuss wird die Wirkung der Fütterung im Hinblick auf die Verbissreduktion oft überschätzt.
  3. Herbstfütterung erhöht bei fachgerechter Durchführung die Kondition (und damit den Zuwachs) und kann unter bestimmten Voraussetzungen (gleichzeitig richtig durchgeführter Abschuss) ein Beitrag zur Erzielung stärkerer Trophäen sein. Winterfütterung vermindert in erster Linie die Mortalität (vor allem von Stücken mit schlechter Kondition) und erfordert ebenso einen höheren Abschuss, sofern der Rehbestand in der Folge nicht ansteigen soll. Weitere grundsätzliche Aussagen im Hinblick auf Verbissreduktion

Verbisschäden durch Rotwild

Die Standortswahl für Fütterungen ist auf die forstlichen Erfordernisse abzustimmen. Findet diese Planung durch den Jäger allein statt, besteht die Gefahr, dass der Aspekt Wildschadensminderung in den Hintergrund rückt. Die Anzahl der Fütterungen ist von der jagdlichen Regulierbarkeit des lokalen Rehbestandes abhängig zu machen. Mit der Futtervorlage erreicht man im Regelfall nur einen Teil der Rehpopulation – auch bei einer Fütterungsdichte von mehr als 1 je 100 ha, wie beispielhaft veranschaulicht wurde (Futterverbrauch in einem Forschungsgatter). Von einer fachgerechten Fütterung des Rehwildes ist insbesondere in einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld ein Beitrag zur Verbissminderung in den Waldinseln (mit saisonal überhöhten Rehwildbeständen) zu erwarten. In wüchsigen Lagen (z.B. Wienerwald, Kobernaußer Wald) ist es im Hinblick auf die Verbissminderung eher von untergeordneter Bedeutung, ob Rehwild gefüttert wird oder nicht. Die Möglichkeit, mittels Fütterung Rehwild räumlich zu lenken, ist im Hochgebirge besser, in tieferen Lagen und vor allem bei milden Wintern hingegen eher bescheiden. Eine räumliche Lenkung des Rehwildes ist vor allem durch punktuelles Vorgehen bei der  Bejagung sehr gut möglich. Eine flächendeckende Reduktion des Rehbestandes hingegen wird z.B. von Dr. Wölfel im Waldrevier weder für wahrscheinlich noch hinsichtlich der Minderung der Verbissschäden für nötig gehalten.  Hinsichtlich tragbarer Verbissbelastung wurde als problematisch eingestuft, Rehwildhege mit dem Futterbeutel in

typischen Rotwildrevieren zu betreiben. Empfehlung: hegerische Unterordnung des Rehwildes in Rotwildgebieten. Im Hinblick auf die Verbissminderung ist eine Winterfütterung des Rotwildes wesentlich bedeutsamer als eine Fütterung des Rehwildes.

Verbissschäden Foto von Hubert Tschaffert

Eine Winterfütterung des Rehwildes ist weder für dessen Arterhaltung erforderlich noch eine „moralische Verpflichtung“ (diese bestünde ansonsten für sämtliche Tierarten). Der „Notzeit“-Begriff im Rahmen jagdgesetzlicher Fütterungs-Bestimmungen wird als missverständlich und unangemessen eingestuft. Ein legitimes Ziel der Fütterung kann jedoch z.B. die Verbesserung der jagdlichen Erntemöglichkeiten bei gleichzeitiger  Verringerung des Verbissdrucks während der Winterperiode und im beginnenden Frühjahr sein. Auch die fachgerechte Durchführung der Fütterung ist für den Erfolg dieser Maßnahme entscheidend. Werden Fehler gemacht (wie laut Einschätzung der Experten an der überwiegenden Zahl der österreichischen Rehwildfütterungen), können durch Fütterung Schäden am Wild und am Wald provoziert werden. Sofern Rehwild gefüttert wird, sind folgende Grundregeln einzuhalten: Der Eiweißgehalt der Futterration darf nicht zu hoch sein, insbesondere im Herbst. Der optimale Bereich liegt zwischen 10 % und 12 %. Eine zu hohe Eiweißaufnahme im Herbst und Winter führt zu nachteiligen Auswirkungen. Deshalb sind z.B. Sesam und Biertreber als

Verbisschäden

Alleinfutter nicht geeignet. Energiereiches Futter erfordert ausreichend grob strukturierte Rohfaser. Deshalb sind alle Getreidearten (von diesen insbesondere Körnermais und Weizen) sowie jene Industrie-Pellets, die nur fein vermahlene Bestandteile enthalten, wegen des Mangels an grob strukturierter Rohfaser als Alleinfuttermittel für Rehwild schädlich und daher ungeeignet. Das vorgelegte Futter muss für Rehwild attraktiv genug sein, um vom Verbiss an Baumknospen und Baumtrieben ablenken und dadurch zur Verbissreduktion beitragen zu können. In Kombination mit dem hoch attraktiven Apfeltrester kann von den Getreidearten allenfalls Hafer (hoher Spelzenanteil) mit bescheidenem Anteil beigegeben und in gut durchmischter Form vorgelegt werden. Bei Vorlage von Pellets müssen deren Bestandteile noch eine ausreichend grobe Struktur zum Wiederkäuen aufweisen.  Konsequenzen für die Rehwildhege Angesichts des Hauptergebnisses der Veranstaltung (siehe oben, Punkt 1) muss hinsichtlich der jeweiligen Auswirkungen der Fütterung auf die Verbissschäden folgende Frage stärker ins Zentrum gerückt werden: Wird im Revier, wo gefüttert werden soll, das Rehwild durch die Jagd ausreichend reguliert? Das bedeutet zu allererst, dass der Abschussplan der jeweiligen Reviersituation entspricht und auch konsequent erfüllt wird.
Zahlreiche Studien belegen, dass Rehe im Wald nicht zählbar sind, vor allem in größeren zusammenhängenden Waldgebieten. Einige Erfahrungen der letzten Jahre in bundesforstlichen Revieren weisen eindrücklich darauf hin, dass entgegen den Vermutungen der zuständigen Jäger die Rehe durch den Abschuss offenbar nicht reguliert werden. Das gilt auch für Rotwildreviere, wo man angenommen hatte, der Rehbestand sei auf Grund hoher Rotwildbestände ohnehin sozial „unter Druck“ und deshalb eher niedrig. So wurde zum Beispiel die Unterschätzung des Rehbestandes anlässlich einer herbstlichen Stöberjagd auf Rotwild im Pinzgau im Oktober 2003 offenkundig (siehe Bericht im Anblick, Heft 1/2004, Seite 32-35): An diesem Jagdtag wurde zusätzlich zum erlegten Rotwild bei den Rehgeißen und Kitzen fast das doppelte des geplanten Jahresabschusses erlegt – ohne dass in der Folge die Winterfütterungen verwaist gewesen wären und ohne dass der Rehwildabschuss im darauf folgenden Jahr hätte reduziert werden müssen. Im Gegenteil, der Rehwildabschuss war 2004 höher als in den Jahren vor der ersten Stöberjagd. Der Rehwildbestand muss also vor der Stöberjagd um mehr als 100 % unterschätzt worden sein. Die Unterschätzung des Rehwildbestandes dürfte in Österreich kein Einzelfall sein: Analysiert man anhand offizieller jagdstatistischer Daten die langjährige Entwicklung der Rehwildabschüsse und des Fallwildes in Österreich, erhärtet sich der Eindruck, dass der jährliche Zuwachs durch die Jagd überwiegend nicht abgeschöpft wird. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Dr. Hubert Zeiler, wie im Anblick anhand des Zahlenmaterials dokumentiert ist (Heft 4/2005). Unter Berücksichtigung dieser Schlussfolgerung und der oben zusammengefassten Expertenaussagen hat man in Waldrevieren, in denen Rehwild gefüttert wird und in denen eine Verringerung der Verbissbelastung notwendig erscheint, die Wahl zwischen zwei Erfolg versprechenden Alternativen: Entweder sind die Rehwildabschüsse anzuheben, bis die Fallwildrate über mehrere Jahre hinweg rückläufig ist (zumindest beim „sonstigen“ Fallwild; bei nicht gravierend veränderter Verkehrssituation auch beim Verkehrsfallwild) – erst dann ist davon auszugehen, dass der Zuwachs abgeschöpft wird und die Fütterung zur Verbissminderung beiträgt.   Oder die Rehwildfütterung ist zu reduzieren, um eine Verbiss provozierende Bestandserhöhung zu vermeiden. Diese Variante ist zu empfehlen, wenn eine Anhebung des Rehwildabschusses sowie die Erfüllung des Abschussplanes auf praktische Schwierigkeiten stoßen. Sofern unter solchen Rahmenbedingungen auf entmischungsgefährdeten Standorten die Verbissbelastung zu hoch ist, erscheint eine Reduktion der Rehwildfütterung empfehlenswert. Für die Bundesforste gilt das insbesondere auf langsamwüchsigen Kalk- und Dolomitstandorten in hochmontaner Lage – speziell in Revierteilen, wo dem Rotwild hohe Priorität zukommt.

Bericht: Dr. Friedrich Völk und DI Friedrich Hochrainer, Österreichische Bundesforste AG, 2005

 

 

Rehwild

Rehwild kommt bei uns von der Küste bis ins Hochgebirge praktisch überall vor. Obwohl es als so genannter Konzentratselektierer besondere Anforderungen an die Äsung (Nahrung) stellt, ist es doch so anpassungsfähig, dass es sich flächendeckend verbreiten und zu unserer häufigsten Schalenwildart entwickeln konnte. Als Lebensraum bevorzugt Rehwild Mischwaldbestände mit reicher Strauchflora, abwechselnd mit Lichtungen, Feldern und Wiesen. In Gegenden ohne Wald leben die sog. Feldrehe, deren Lebensraum und Einstand das offene Feld ist. Sie haben sich den gegebenen Umständen angepasst und stehen Tag und Nacht auf den Feldern, dabei nutzen sie geschickt jede kleine Deckung aus. Sie nehmen Bewegungen im allgemeinen noch eher wahr als Rehe, deren Lebensraum die Wälder sind. Feldrehböcke haben durch die reichliche, kalkhaltige Äsung in der Regel überdurchschnittlich starke Gehörne und neigen zur Frühreife.

Aussehen: Der Körperbau des Rehwildes ist seiner Lebensweise gut angepasst und so bezeichnet man das Rehwild auch als Schlüpfer. Es ist so in der Lage jede Deckung in unterholzreichen Lebensräumen zu nutzen. Im weiten Durchschnitt sind zweijährige Böcke 112 cm lang, 66 cm hoch und weisen ein Lebendgewicht von 23 Kilogramm auf. Für die weiblichen Stücke gilt das selbe, allerdings sind sie im Durchschnitt 2 Kilo leichter, bringen es also nur auf 21 Kilogramm. Je nach Äsung, Jahreszeiten und Verhalten ist auch das Gewicht und der Körperbau es Rehwildes unterschiedlich. Bei einer Rückenhöhe bis 75 cm hat das Reh eine zierliche Gestalt und hohe Beine (“Läufe”) mit schmalen, scharfrandigen Hufen (“Schalen”). Besonders auffällig beim Rehwild ist der so genannte Spiegel. Hierbei handelt es um einen ausgedehnten weißen Fleck auf dem “Hinterteil”. Der Spiegel ist in seiner Form geschlechtsspezifisch. So weist er beim weiblichen Rehwild eine herzförmige Form mit einem herabhängendem Haarbüschel, der so genannten Schürze auf, beim Männlichen hingegen ist er nierenförmig und hat keine Schürze. Auch der Spiegel unterliegt beim Haarwechsel einer Farbänderung. So ist er im Sommerhaar rötlich-gelb und klein, im Winterhaar aber hebt er sich durch fast strahlendes Weiß von der übrigen Färbung ab und ist größer als im Sommer. Die Böcke hingegen beginnen ab dem Frühjahr ein ausgeprägtes territoriales Verhalten zu zeigen, indem sie sich auf die Suche nach einem eigenen Einstandsgebiet begeben. Von nun an beginnen auch die Einstandskämpfe, die im Sommer ihren Höhepunkt erreichen. Bei diesen Einstandskämpfen entscheidet in der Regel weniger die körperliche Konstitution als das Alter. So kann man fast immer davon ausgehen, daß der Flüchtende zweier Böcke auch der Jüngere ist. Insgesamt wird das soziale Verhalten des Rehwildes stark von seinem Lebensraum beeinflusst. So bilden Rehe, die ausschließlich auf Feldern leben größere Gemeinschaften, so genannte Sprünge, die Ihnen mehr Schutz gewähren. Dieses Rehwild hat sein Verhalten bereits soweit an den eigentlich atypischen Lebensraum angepasst, daß man von Feldrehen spricht. Der bevorzugte oder vielleicht auch natürliche, im Sinne von ursprünglichem Lebensraum besteht aus Wald und Feld. Bevorzugt hält sich das Rehwild dort an der Wald-/ Feldgrenze auf. Vom Beginn des Sommers an steht es in solchen Revieren in den Feldern und ungemähten Wiesen und zieht sich erst nach der Ernte in den nun mehr Deckung bietenden Wald zurück. Je härter die Winter werden, umso mehr neigt das Rehwild auch in solchen Revieren zur Bildung von Sprüngen (Rudeln), wobei es zu keiner Trennung nach Alter oder Geschlecht kommt. Erst mit Einsetzen des Frühlings kommt es dann wieder zur Auflösung derlei Lebensgemeinschaften. Die beste Beobachtungszeit des Rehwildes ist das Frühjahr.

Rehgais im Winterkleid (Winterdecke), hinten sehr gut die “Schürze” zu erkennen

Rehbrunft, Blattzeit und Fortpflanzung: Fortpflanzungsfähig ist das Rehwild vom 2. Lebensjahr an, voll erwachsen im 3. Lebensjahr. Die Hormone, die für beide Vorgänge bei Rehbock verantwortlich sind, nämlich für das Gehörn und die Funktionsfähigkeit der Hoden, arbeiten Hand in Hand: Das Wachstumshormon aus dem Vorderlappen der Hirnanhangdrüse ist für das Wachstum des Gehörns verantwortlich. Allerdings kann es allein nichts bewirken, sondern nur zusammen mit dem männlichen Geschlechtshormon das in den Hoden produziert wird. Wir wissen, daß die Gehörne zum Teil schon im März verfegt sind. Wesentlich schwieriger ist es jedoch für den Jäger festzustellen, daß bereits im Mai die von Tag zu Tag anschwellenden Brunftkugeln des Bockes lebensfähiges Sperma produzieren. Dies muß aber in der Regel noch knapp zwei Monate warten, bis es für die Reproduktion genutzt werden kann. Denn erst Anfang Juli können die ersten Ricken aufnehmen. Die Blattzeit (Brunftzeit) ist Mitte Juli bis Mitte August. Der Brunftbetrieb wird durch einen speziellen Duftstoff, den das weibliche Rehwild absondert, ausgelöst. Böcke, die nicht unmittelbar mit Ricken zusammenstehen oder die nicht von weiblichen Stücken aufgesucht werden, verfolgen ähnlich wie ein Schweißhund mit tiefer Nase die Fährte einer brunftigen Ricke. Und dabei wird, je nach Bestand und Revierstruktur, das ursprüngliche Territorium deutlich erweitert.

Rehbock im Sommerkleid (Sommerdecke)

Berühren Böcke dabei die Reviere anderer, so kann es bei gleicher Stärke unter Umständen zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Bei Annäherung des Bockes flüchtet in der Regel das weibliche Stück, so daß es zu einer Hetzjagd kommt, dem bekannten Treiben. Dieses Treiben kann auch über mehrere Kilometer gehen, und es wird oft von dem recht lauten Keuchen des Bockes begleitet. Bei einem Halt bewindet meist der Bock ausgiebig den Schürzenbereich der Ricke, worauf oft das Treiben, jetzt in immer enger werdenden Kreisen, fortgesetzt wird.
Die Spuren dieses kreisförmigen Treibens in der Bodenvegetation sind die bekannten Hexenringe. Je mehr Böcke im Revier sind und je heißer die Tage, desto reger ist der Brunftbetrieb. Weibliches Rehwild ist etwa drei bis vier Tage brunftig. Der Bock reitet auf, und es kommt zu einem sehr kurzen Beschlag. Allerdings kann es bis zu 20 Mal wiederholt werden. Der Bock ist nach der Brunftzeit stark mitgenommen und ruht häufig erschöpft im Gras, während die Ricke ruhig daneben äst oder zieht sich mehrere Tage in die Walddichtung zurück. Dadurch haben auch die jungen Böcke die Gelegenheit, die eine oder andere Gais zu beschlagen. Durch die eintretende KEIMRUHE bei der Gais, ist die Tragzeit neuneinhalb Monate (40 Wochen oder ca. 290 Tage). In sehr seltenen Fällen erfolgt im November/Dezember eine zweite Rehbrunft. Bei diesen Rehen entfällt die Eiruhe, sie haben eine regelmäßige Tragzeit von ca. fünfeinhalb Monaten. Der Vorteil dEs handelt sich hierbei um Rehe, die im Sommer nicht befruchtet wurden und bei dieser Nachbrunft vom Bock erneut beschlagen und befruchtet werden. ieser verlängerten Tragzeit liegt auf der Hand. Sowohl die Brunft als auch das Setzen der Kitz erfolgen in einer Zeit voller Vegetation und damit in einer Zeit optimaler äußerer Bedingungen.

Im Mai/Juni des darauf folgenden Jahr werden in der Regel ein bis zwei, Kitze gesetzt und sofort von der Gais trocken geleckt. Das Setzen erfolgt, wie bei allen Cerviden, fast ausnahmslos im Liegen. Das Kitz hat ein beiges, weiß gepunktetes Haarkleid und kaum Körpergeruch. Im Laufe des Sommers verschwinden diese Punkte mehr und mehr, weil das Sommerhaarkleid heranwächst. In den ersten Wochen legt die Geiß ihre Kitze an getrennten Plätzen ab. Sie drücken sich bei drohender Gefahr und verhalten sich regungslos. So sind sie vor Feinden optimal geschützt. Sie sind in diesem Alter noch nicht zur Flucht fähig. Aus diesem Grund kommt es häufig bei der Mahd von Wiesen oder Feldern zu tödlichen Verletzungen. Die Kitze werden ungefähr ein halbes Jahr gesäugt (mehrmals täglich), wobei sie die Geiß gewöhnlich im Stehen saugen läßt. Ab der dritten Lebenswoche nehmen die Kitze auch Grünäsung zu sich. Sie bleiben bis zum erneuten Setzen bei der Mutter und werden von dieser kurz vorher abgeschlagen (vertrieben).

Die abgeschlagenen Schmalrehe und Jährlinge irren anfangs umher, später tun sich zwei oder mehrere Jährlinge zusammen. Schmalrehe versuchen meist bei älteren Böcken, die einen festen Einstand haben, Anschluß zu finden.

MERKE: Fassen Sie niemals ein Kitz mit den Händen an, verwenden sie eine Wolldecke oder ein großes Büschel Gras; die Geis nimmt den Geruch des Menschen wahr und verstößt somit häufig das Kitz.

 

Brunft / Paarung

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

verlängerte Tragzeit

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Setzzeit

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Säugezeit

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Geweihaufbau

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

Sept

Okt

Nov

Dez

Nahrung: Bei der Äsung zeigt sich das Rehwild naschhaft und wählerisch. Es nimmt nur die nährstoffreichen Pflanzenteile, also die Knospen und jungen Als Wiederkäuer ist das Reh ein reiner Pflanzenfresser. Das Reh liebt eine lichte, buschreiche Umwelt und hochwertige Nahrung. Auch auf Wiesen äst es nur bestimmte Gräser und Kräuter. Die Äsungs- und Widerkauperioden sind häufig und kurz. Das liegt daran, daß die Rehe relativ betrachtet den kleinsten Pansen aller heimischen Hirscharten besitzen und obendrein einen hohen Energiebedarf aufweisen. Dem zu Folge muß die aufgenommene Nahrung energiereich und leichtverdaulich sein.. Sie muß hohen Anteil an Rohprotein und leicht vergärbaren Kohlenhydrate besitzen und darf gleichzeitig geringen Rohfaseranteil besitzen. Dies ist in Notzeiten bei der Winterfütterung von großer Bedeutung, denn hier benötigt das Rehwild einen deutlich höheren Anteil an Saftfutter. Der tägliche Nahrungsbedarf schwankt bei einem ausgewachsenen Reh zwischen zwei und vier Kilogramm. In den Wintermonaten wird der Stoffwechsel der Rehe deutlich reduziert (bis zu 50% gegenüber den Sommermonaten).
GEWEIHBILDUNG: Wie erwähnt zählt das Rehwild zu den Geweihträgern. Die Bildung eines jährlich neuen Gehörnes wird hormonell gesteuert und hier im wesentlichen durch die beiden Hormone Somatotorpin, welches für das Gehörnwachstum zuständig ist und durch Testosteron, welches das Einstellen des Gehörnwachstums und das spätere Abwerfen bewirkt. Bei der Ausbildung des Gehörnes kommt es zu einer Umwandlung von Knorpelgewebe zu Knochensubstanz, wobei das heranwachsende Gehörn von einer schützenden Haut, dem sogenannten Bast umgeben ist. Dieser versorgt es mit allen für das Wachstum nötigen Stoffen. Der Aufbau und die Versorgung des Gehörns erfolgen dabei immer von der Spitze aus. Eine Ausnahme von diesem Ablauf bilden nur die Rosen, die von Anfang an aus Knochensubstanz bestehen. Ist das Gehörn vollständig verknöchert, stirbt der Bast allmählich ab und der Bock entfernt ihn, in dem er fegt. Das Fegen, das in diesem Falle lediglich der Entfernung des Bastes dient, dauert nur wenige Stunden. Zum Vorschein kommt ein weißes Gehörn. Seine spätere Farbe erhält es durch Pflanzensäfte und Humusstoffe, denn der Bock wird in der Folge weiterhin fegen, um sein Territorium abzugrenzen. Ist die Blattzeit beendet, sinkt allmählich der Testosterongehalt und der Prozess des Abwerfens wird eingeleitet. In einem kleinen Bereich im Zentrum zwischen Rosen und Rosenstöcken können nun Osteoklasten, (Knochenfresszellen), aktiv werden, die dafür sorgen dass die knöcherne

Verbindung zwischen Rosenstock und Geweihstange gelockert wird. Dabei wird das bestehende Knochengewebe nach und nach durch Osteoklasten resorbiert, so daß der Kontakt lediglich über dünne Knochenbrücken aufrechterhalten wird. Zudem beginnt das die Rosenstöcke umgebende epidermale Gewebe verstärkt zu wachsen und drückt dabei von unten gegen die Rosen der Geweihstangen. Durch diesen Druck lösen sich die Stangen schließlich schon bei leichter Bewegung vollständig von den Rosenstöcken ab.Was den Zyklus von der Bildung des Gehörnesbis zu dessen Abwurf betrifft, muß zwischen Bockkitzen und älteren Böcken unterschieden werden. Der gravierendste Unterschied ist wohl, daß das Bockkitz beim Erstlingsgehörn keine Rosen ausbildet. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, daß das Erstlingsgehörn nicht von Bast, sondern von normaler Haut umschlossen ist. Sein Wachstum beginnt bereits im vierten bis fünften Lebensmonat. Von Mitte Dezember bis in den Januar hinein wird dieses Gehörn freigelegt. Geschieht dies bis zu diesem Zeitpunkt nicht, stellt das Bockkitz das Gehörnwachstum ein und holt diesen Prozess erst im Folgejahr nach. Dabei kommt es im Gegensatz zu den normal entwickelten Altersgenossen auch dann zu einem Gehörn ohne Rosen. Schon im Februar wird das Erstlingsgehörn wieder abgeworfen. Die Bildung des Folgegehörnes erfolgt unmittelbar. Von nun an tritt der Bock, was die Entwicklung des Gehörnes betrifft in den Zyklus der übrigen Böcke ein. Während der Wintermonate schiebt der Bock sein Gehörn. Das heißt aber auch, daß dieser recht Energie aufwendige Prozess in die Zeit knapper werdenden Nahrungsangebotes fällt. Es liegt auf der Hand, daß die äußeren Umstände durchaus Einfluss auf die Gehörnbildung haben können. Jährlinge (ein Kitz wird am 01.04. dem seiner Geburt folgenden Jahr zum Jährling) fegen hier Gehörn erst relativ spät, das heißt zu Anfang Mai, wohingegen die älteren Böcke dies bereits in der Zeit von März bis April erledigen. Abgeworfen werden die Gehörne in der Regel im Oktober.

ABNORMITÄT

ABNORMITÄT: Bei jungen Kitzböcken, die noch keine Rosenstöcke haben, führt eine Kastration wahrscheinlich zur dauernden Geweihlosigkeit (Plattkopf). Ist der Rosenstock jedoch schon entwickelt, aber noch kein Geweih vorhanden, kommt es zu kleinen, knollenförmigen Perücken, die nie mehr abgeworfen werden. Wird ein älterer Bock mit Bastgeweih am Kurzwildbret schwer verletzt oder kastriert, entwickelt sich dieses zur Perücke und wird ebenfalls nicht mehr abgeworfen. Erfolgt die Verletzung oder Kastration nach dem Fegen des Geweihs bzw. zu dem Zeitpunkt, zu dem die Verknöcherung bereits eingetreten ist, wird es einige Wochen später abgeworfen und neu als Perückengeweih geschoben. Auch dieses wird nicht mehr abgeworfen. Ein vielendiges Geweih (siehe Foto links) entsteht durch die Verletzung des Geweihs im Bast zu Beginn der Geweihbildung. Es bilden sich mehrere abnorme Enden, das nächste geschobene Geweih ist wieder normal. Beim Knickbruch einer Geweihstange, die an der Bruchstelle bereits verknöchert, jedoch noch im Bast war, wird die Stange vom Bast bis zur Verheilung gehalten. Die weiterwachsenden Enden streben nach oben. Das nächste Geweih wächst wieder normal. War die Geweihstange noch nicht verknöchert, als sie knickte und brach, wachsen an der Bruchstelle abnorme Enden, die alle nach oben streben. Das nächste Geweih, das der Bock schiebt, ist wieder normal.

Ein Moorbock ist ein Rehbock, der ein dunkles, glanzloses Geweih mit hohem Volumen, jedoch auffallend geringem Gewicht trägt. Ein solches Geweih ist von poröser Substanz, und die Enden sind häufig z. T. abgebröckelt. Ein Korkenzieher- und Widdergeweih ist ein Geweih, das während des Wachstums weich und biegsam ist, sich durch das eigene Gewicht verformt und später verkalkt. Die Ursachen sind häufig Parasitenbefall oder Stoffwechselstörungen. Das nächste Geweih ist meist wieder normal.

Als Gummigeweih bezeichnet man ein weiches, biegsames Geweih, das sich durch das Eigengewicht verformt und nicht verkalkt. Der Bast löst sich nur innerhalb einer bestimmten Zeit vom Geweih. Hindert schlechter Gesundheitszustand oder ähnliches den Bock am Verfegen, bleibt der Bast teilweise am Geweih haften, und es entsteht das sog. Pergament- oder Ledergeweih. Das nächste Geweih ist wieder normal.

Ein Frost- oder Hungergeweih weist nur noch Geweihstümpfe auf, die oberhalb der Rosenstöcke enden. Der obere Stangenteil ist durch starken Kalkmangel zurückgeblieben und dann abgestorben und abgebrochen, die Stampfenden sind glatt und stumpf. Das nächste Geweih ist wieder normal.

Beim Pechgeweih ist der Bast abnorm verdickt, die Enden fehlen. Die Verdickung des Bastes entsteht durch Entzündung (meist durch Frosteinwirkung). Das nächste Geweih ist wahrscheinlich wieder normal.

Perückenbock – ©: Jagdportal

EIN PERÜCKENBOCK  (siehe Foto) ist ein männliches Reh (Rehbock), das wegen des Ausfalls der Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron durch Krankheiten, Verlust oder Verletzung der Testikel (Verletzung der Geschlechtsorgane) nicht mehr in der Lage ist, ein einwandfreies Geweih zu bilden. Die Knochensubstanz des Geweihes und insbesondere der Bast (die während der Geweihbildung das Geweih versorgende Haut) wuchern und das Wachstum kommt nicht zum Stillstand, so dass sich Gebilde formieren, die äußerlich an eine Turmfrisur erinnern. Die Wucherungen können sich über das gesamte Haupt erstrecken und die Augen des Tieres (Lichter) bedecken. Das Tier ist in seiner Lebensweise, auch in der Nahrungsaufnahme, stark behindert und meistens nicht fortpflanzungsfähig.

Blasengeweih ist ein normales Geweih mit einem beulenartigen Geweihauswuchs, der innen hohl ist und eingetrockneten Schweiß enthält. Eine derartige Geweihblase entsteht durch einen Bluterguß, eine Quetschung oder eine Prellung des Geweihs im Bast. Das nächste Geweih ist wieder normal.

Sinnesleistung und Lautäußerung: Geruchs- und Gehörsinn sind hervorragend ausgebildet. Augen weniger leistungsfähig, Rehe sind farbenblind und können räumlich nicht wahrnehmen, sie registrieren Bewegungen sehr genau. Stimme der Rehe: Wenn sich Rehe erschrecken, geben sie einen bellenden Laut von sich.

Stimme Rehwild

 

Jagdzeiten: Die Jagd auf das Rehwild (Gaisen, Kitze und Jahringsböcke) beginnt in Südtirol mit 01. Mai und endet mit 15. Dezember. Der Rehbock (Trophäenbock) darf ab 15. Juni bis 20.Oktober erlegt werden. Der Abschuss von Rehwild unterliegt einer Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Der Abschuss muss 1 : 1 erfolgen, d.h. es muss gleich viel weibliches Rehwild – wie männliches (Böcke) abgeschossen werden.