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Hasenjagd mit Kugelschuss – ein Bruch mit jagdlicher Tradition

Die Diskussion um die Hasenjagd gewinnt in Südtirol zunehmend an Schärfe. Besonders im Fokus steht dabei die Praxis der Hasenjagd mit Kugelschuss, die von vielen Jägern kritisch gesehen wird. Denn sie unterscheidet sich grundlegend von der traditionellen Hasenjagd mit Stöberhunden – sowohl in ihrer Durchführung als auch in ihrem jagdethischen Anspruch.

Die traditionelle Hasenjagd: Gemeinschaft, Handwerk und Fairness

Die klassische Hasenjagd mit Stöberhunden ist tief in der alpenländischen Jagdkultur verwurzelt. Sie ist mehr als bloßes Erlegen von Wild – sie ist ein Zusammenspiel aus Erfahrung, Naturverständnis und Respekt vor dem Tier. Gut ausgebildete Hunde suchen das Gelände systematisch ab, spüren Hasen auf und bringen sie in Bewegung. Der Jäger hat dabei nur kurze Zeitfenster für einen sicheren Schuss, was hohe Konzentration, Erfahrung und Können erfordert.

Diese Form der Jagd ist geprägt von:

  • Teamarbeit zwischen Mensch und Hund
  • Waidgerechtigkeit und klaren Regeln
  • Spannung und Herausforderung, die den Jagderfolg nicht garantiert

Der Hase hat dabei stets eine reale Chance zu entkommen – ein zentraler Aspekt der Fairness in der Jagd.

Kugelschuss auf Hasen: Effizienz statt Ethik?

Im Gegensatz dazu steht die Hasenjagd mit der Kugel, die meist auf größere Distanz erfolgt. Der Hase wird dabei oft aus weiter Entfernung beschossen, ohne vorherige Beunruhigung durch Hunde oder natürliche Fluchtreaktionen.

Kritiker dieser Praxis sehen darin mehrere problematische Punkte:

  • Fehlende Chancengleichheit: Das Wild hat kaum eine Möglichkeit zu entkommen
  • Reduzierung der Jagd auf reines „Treffen“: Der handwerkliche und kulturelle Aspekt tritt in den Hintergrund
  • Hase wird durch einen Kugelschuss zerlegt: Zur Jagdausübung ist in Italien das kleinste zulässige Kaliber 5,6mm, der Standartgebrauch liegt bei 6,5 mm und größer erlaubt. Mit dieser Kugelgrösse wird ein Hase in mehrere Stücke zerlegt, also nur mehr Abfall.
  • Hasenjagd mit Wärmebildkamera: „Immer öfter werden Wildtiere, auch Hasen aus Spass, mit Drohnen und Wärmebildkameras ausspioniert und anschließend mit einer Kugel erlegt.“
  • Gefahr von Fehlschüssen durch kleine Zielgröße und weite Distanzen

Vor allem aber wird argumentiert, dass diese Form der Jagd kaum noch etwas mit der traditionellen Jagdauffassung zu tun hat. Sie wird von manchen als rein technischer Akt gesehen – ohne den ethischen Rahmen, der die Jagd eigentlich ausmacht.

„Reines Töten zum Spaß“ – eine harte, aber verbreitete Kritik

Der Vorwurf, die Hasenjagd mit Kugelschuss sei „reines Töten zum Spaß“, mag zugespitzt formuliert sein, findet jedoch in Teilen der Jägerschaft Zustimmung. Gemeint ist damit nicht pauschal die Absicht jedes einzelnen Jägers, sondern vielmehr die Wahrnehmung, dass der eigentliche Sinn der Jagd – Hege, Verantwortung und Respekt – in den Hintergrund tritt.

Wenn der Fokus ausschließlich auf dem Abschuss liegt, ohne Einbindung in ein jagdliches Gesamtkonzept, verliert die Jagd ihre Legitimation in der Gesellschaft. Gerade in Zeiten wachsender Sensibilität gegenüber Tierschutzfragen ist es entscheidend, dass jagdliche Praktiken nachvollziehbar und ethisch begründet sind.

Verantwortung der Jägerschaft

Die Jägerschaft steht heute mehr denn je in der Verantwortung, ihre Traditionen zu bewahren und gleichzeitig kritisch zu hinterfragen. Nicht jede technisch mögliche Methode ist auch jagdlich sinnvoll oder gesellschaftlich akzeptabel.

Die Frage sollte daher nicht nur lauten, was erlaubt ist, sondern auch, was vertretbar ist.

Fazit:

Die Hasenjagd mit Kugelschuss stellt einen deutlichen Bruch mit der traditionellen Jagdpraxis dar. Während die Jagd mit Stöberhunden für viele als Inbegriff waidgerechter Jagd gilt, wird die Kugeljagd auf Hasen zunehmend kritisch gesehen.

Um die Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung zu sichern, ist es notwendig, solche Entwicklungen offen zu diskutieren und sich auf jene Werte zu besinnen, die die Jagd seit jeher auszeichnen: Respekt vor dem Wild, handwerkliches Können und Verantwortung gegenüber Natur und Gesellschaft.

Bericht: PW Südtiroler Jagdportal


Foto von Christian Plattner

 

Ein Gedanke von Maurizio Dalla Zuanna (Jagrevier Untermais)  zur Hasenjagd

Die traditionelle Hasenjagd wird mit dem Jagdhund, vorwiegend Bracken und Stöberhunde ausgeübt.
Aus philosophischer Sicht kann Jagd nur dann als solche bezeichnet werden, wenn das Wild eine reale Möglichkeit zur Flucht und zum Überleben besitzt.
Im Bereich der Niederwildjagd ist das Regelwerk nicht mehr zeitgemäß, und die Jagdethik (weidmännische Jagdausübung) wird unter anderem mit dem Vorwand umgangen, bestimmte Handlungen seien gesetzlich nicht ausdrücklich verboten.
Konkret:
• Es ist nicht verboten, den Hasen mit Kugel zu erlegen, doch es sollte verboten sein. Derzeit berufen sich manche auf das Gesetz zum Nachteil der Jagdethik.

• Die Jagdethik verbietet den Schuss auf den Hasen im Leger (Sasse) nicht. Hier bedarf es keiner gesetzlichen Regelung, sondern einer klaren Feststellung, dass es sich dabei nicht um Jagd, sondern um wahlloses Töten handelt. Die klare Missbilligung solcher Verhaltensweisen ist notwendig.

• Der Gesetzgeber hat für den Kugelschuss richtigerweise eine ethische Maximaldistanz von 350 Metern festgelegt, jedoch für den Schrotschuss darauf verzichtet. Diese Distanz sollte gesetzlich auf maximal 40 Meter unter optimalen Bedingungen begrenzt werden; andernfalls steigt das Risiko von Krankschüssen erheblich.

• Der Einsatz von Wärmebildgeräten in der Auslesejagd ist ein äußerst nützliches Hilfsmittel, da er die sichere Ansprache von Schalenwild erleichtert und daher zu begrüßen ist. Beim Aufspüren des Hasens im Leger hingegen ist er absolut schädlich, da er die wichtigste Verteidigung dieses Wildes – seine Tarnung – vollständig aufhebt. Wärmebildtechnik sollte daher in der Niederwildjagd verboten werden; ihr derzeitiger Einsatz stellt einen klaren Verstoß gegen die Jagdethik dar.

Ich richte daher einen doppelten Appell an die Jägerinnen und Jäger von Untermais, weidmännisch zu jagen, sowie an den Landesvorstand des Jagdverbandes, das Regelwerk entsprechend zu aktualisieren. Ich ersuche alle Beteiligten, sich dafür einzusetzen, die Hasenjagd zunehmend weidmännisch, zeitgemäß und den heutigen Rahmenbedingungen entsprechend auszuüben, in dem Bewusstsein, dass wahre jagdliche Erfüllung aus der Lauterkeit des Handelns entsteht und Qualität stets vor Quantität zu stellen ist.
Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche ein aufrichtiges Weidmannsheil und allen Freunden der Hasenjagd einen ebenso herzlichen Hasenheil.

 

CACCIA ALLA LEPRE

La caccia tradizionale alla lepre si svolge con il cane segugio.
Dal punto di vista filosofico, la caccia può essere definita tale esclusivamente quando la preda possieda una concreta possibilità di fuga e di sopravvivenza.

In tema di caccia alla piccola selvaggina ritengo che il regolamento sia rimasto in ritardo, di conseguenza l’etica venatoria a volte viene aggirata con la giustificazione che alcune azioni non sono espressamente vietate dalla legge. Mi spiego meglio:

• Non è vietato sparare a palla alla lepre, ma dovrebbe esserlo; allo stato attuale c’è sempre qualcuno che si sente legittimato a invocare la legge a discapito dell’etica venatoria.

• L’etica venatoria non consente di sparare alla lepre in cuccio (nel covo); qui non serve una norma di legge, ma bisogna spiegare chiaramente che tale pratica non è caccia, bensì un’uccisione indiscriminata; stigmatizzare i comportamenti contrari ai principi etici venatori aiuta in questo senso.

• Il legislatore ha giustamente fissato una distanza massima etica per il tiro a canna rigata (350 metri), ma ha omesso di stabilirla per il tiro a pallini. Questa distanza dovrebbe essere fissata per legge in un massimo di 40 metri in condizioni ottimali, oltre questa distanza il rischio di ferimento diventa elevatissimo.

• L’uso del visore termico nella caccia di selezione è uno strumento molto utile perché facilita l’identificazione degli ungulati ed è quindi da promuovere; tuttavia, risulta assolutamente deleterio quando si cerca la lepre nel covo, poiché annulla la principale difesa che possiede questo selvatico: la sua capacità di nascondersi. Il visore termico dovrebbe pertanto essere proibito nella caccia alla selvaggina bassa: il suo attuale utilizzo è sicuramente lesivo dell’etica venatoria.

Rivolgo quindi un duplice appello: ai Cacciatori di Maia Bassa, affinché rispettino e difendano l’etica venatoria, e al Direttivo Provinciale ACAA, affinché aggiorni il regolamento.
Chiedo a tutti i soggetti coinvolti di adoperarsi per rendere la caccia alla lepre sempre più etica, moderna e coerente con le condizioni attuali, ricordando che la vera soddisfazione venatoria nasce dalla lealtà dell’azione, anteponendo la qualità degli interventi alla loro quantità.
Grazie per l’attenzione e un sincero in bocca al lupo – Weidmannsheil a tutti, agli appassionati della caccia alla lepre anche un cordialissimo Hasenheil!