Das Birkwild (Spielhahn)

Foto: Jeanny Müller

Auch das Birkwild gehört zu den Wald- und Rauhfußhühnern. Wie beim Auerwild trägt der Hahn ein Prachtgefieder, während die Henne auch durchweg hellbraunem Grund schlicht dunkel gebändert ist. Der Hahn wird ca. 50 cm groß und bis 1,5 kg schwer. Hennen etwas weniger. Auffallend sind beim Hahn die “roten Rosen” über den Augen (Seher). Der Spielhahn ( eigentlich Birkhahn genannt ) ist etwa so groß wie ein normales Haushuhn. Anders als beim Auerhahn sind die Stoßfedern (das Spiel). Junge Hähne tragen beiderseits je ein bis zwei, -alte bis zu vier krumme Federn (Sicheln) im Spiel, die gern als Hutschmuck getragen werden.

Paarungszeit: April – Mai
Brutdauer: ca. 4 Wochen
Gelege: 7 – 10 Eier

Foto: Ingo Gerlach

Birkhahn und Birkhenne unterscheiden sich eindeutig. Der Birkhahn glänzend blauschwarzes Gefieder, Flügelunterseite weiß. Auf den Schwingen (Flügel) trägt sie einen kleinen weißen Spiegel. Ihr Stoß ist leicht gegabelt, der Unterstoß auf weißem Grund dunkel gebändert. Die Birkhenne ist etwas kleiner als das Männchen, gelbbraun, ihr Gefieder ist dicht von schwarzen Streifen durchzogen. Man findet das Birkwild in offene, mit Gebüsch und Bäumen durchsetzte Landschaften, im Hochgebirge mit Latschen und Almenwiesen. Die Henne ist auf hellbraunen Grund dunkel gebändert und auf den Schwingen trägt sie einen kleinen weißen Spiegel .Der leicht gegabelte Stoß ist dunkel gefärbt und an der unteren Seite weiß. Das Birkhuhn ist ein Hochgebirgsbewohner, der es vorzieht, im Bereich der Waldgrenze (“Waldkampfzone”) und darüber zu leben. Es bewohnt vor allem die Latschenfelder und offene Landschaften im Bereich der Waldgrenze.

Seine Nahrung ist des Auerwildes ähnlich. Die ungedüngten Wiesenflächen auf unseren heimischen Almen weisen artenreiche Pflanzengesellschaften auf und beherbergen zahlreiche Insektenarten und Nahrung. Die kleinräumigen Übergänge zwischen Wald und Weide bieten ebenfalls Biotope und reichlich Nahrung für das Birkwild. Junge Birkhühner brauchen ddas Eiweiß und ernähren sich deshalb vorwiegend von Insekten, Würmern, Spinnen und Schnecken. Erwachsende Hühner gehen tagsüber seiner Äsung auf offener Fläche nach. Die Äsung besteht aus Gräsern, Knospen, Heidekraut, Samen, Blüten, Insekten und Beeren. Für die Küken gibt es vorwiegend Insekten und Weichtiere, später mit Vorliebe Beeren aller Art.

Wie alle Hühnervögel nimmt auch das Birkwild Steinchen auf, die im Magen die Nahrung zerreiben

Die Balz: (reinhören -Balzgesang mp3) – Die Hauptbalzzeit fällt, zwischen Ende März bis Anfang Juni. Die Spielhahnbalz vollzieht sich meistens auf bestimmte Balzplätze, wobei die Hähne in der Morgendämmerung einfallen. Besonders beeindruckend ist das Balzverhalten der Birkhähne. Der Hahn imponiert dabei mit aufgestellten Stoß und Lautäußerungen wie Kullern und Blasen. Verschiedenste Posen und Flattersprünge sowie ein charakteristischer Balzgesang aus Fauchen und kullernden Lauten sind die markanten Elemente dieses zur Balzzeit an den Tag gelegten Verhaltens. Bevor die Sonne scheint, wird eine Pause eingelegt, die Jäger bezeichnet diese Pause als Morgengebet, dann schließt sich die Sonnenbalz an, wobei die Hähne meistens auf Bäume oder Hecken aufsitzen. Während der Balzzeit schwellen bei den Hähnen die roten Hautgebilde oberhalb der Augen, welche deshalb auch “Balzrosen” genannt werden. Spielhähne raufen gern, zumal sie sich immer zu mehreren auf einem Balzplatz einfinden. Die sog. Raufer sind die, die ihren Rang am lebhaftesten verteidigen (Platzhähne). Sie kommen am ehesten zum Treten, wenn gegen Morgen die Hennen erscheinen, die sich dann gewöhnlich dem stärksten Hahn zuwenden, um sich treten zu lassen. Es gibt Kreuzungen zwischen Auer – und Birkwild welches dann Rackelwild genannt wird . Meistens tritt der Birkhahn eine Auerhenne. Ebenso wie beim Auerwild, kommt es auch beim Birkwild zu keiner ehelichen Bindung.

BRUT: Brutdauer der Henne sind 28 Tage. Das Nest wird auf dem Boden meist zwischen gut deckenden Zwergsträuchern angelegt. Die Hennen polstern eine Bodenmulde gut versteckt im Heidekraut aus. Der Hahn beteiligt sich nicht an der Brutpflege. Nur die Henne, welche durch ihr braungesprenkeltes, erdfarbenes Gefieder bestens getarnt ist, brütet 26-27 Tage die Eier aus. Wie bei den meisten Hühnervögeln kommen die Jungen in weit fortgeschrittenem Zustand zur Welt und beginnen umherzulaufen und nach Nahrung zu picken, sobald ihr Dunenkleid abgetrocknet ist: sie sind Nestflüchter. Allerdings  können sie ihre Körpertemperatur vorerst noch nicht selbständig aufrechterhalten, sondern sind insbesondere bei schlechtem Wetter und in der Nacht noch ca. 3 Wochen auf das „Hudern“ durch die Mutter angewiesen. Im Gegensatz zu ihren Eltern, sind die jungen Birkhühner während der ersten drei Wochen ihres Lebens keine Vegetarier, sondern ernähren sich fast ausschließlich von Insekten, besonders Rüsselkäfern, Ameisen, Spannerraupen, Blattwespen und Fliegen. Diese sehr eiweißreiche Kost lässt sie sehr rasch heranwachsen. Schon im Alter von zwei Monaten sind sie beinahe ausgewachsen. Über Winter bleibt der Familienverband beisammen. Die weiblichen Jungtiere pflanzen sich zumeist schon im folgenden Frühling erstmals fort. Die jungen Männchen sind dann zwar ebenfalls geschlechtsreif, doch können sie sich gewöhnlich erst im zweiten oder dritten Lebensjahr erstmals fortpflanzen. Zuerst muss es ihnen nämlich gelingen, sich auf einem Balzplatz zu behaupten.

Die Mauser (Federwechsel) ist im Oktober, nach der die jungen Hähne ausgeschildert haben und ein Prachtgefieder tragen.

Jagd: Eine verantwortungsbewusste Abschussplanung ist die wichtigste Grundlage für die richtige Bejagung der Raufußhühner.

Als Trophäe wird entweder der ganze Hahn präpariert, oder das Spiel (Schwanz) mit dem weißen Unterstoß wird als Hut- oder Wandschmuck verwendet.

In Südtirol darf der Birkhahn vom 15. Oktober bis 15. Dezember bejagd werden und unterliegt einer Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Die Henne hingegen ist ganzjährig geschützt.

Ist eine Entnahme von  Spielhahnen für den Bestand und für die Entwicklung der Birkhühner verträglich?

Unter den – im Anhang I der Richtlinie 79/409/EG des Rates der Europäischen Gemeinschaften vom 2. April 1979 aufgelisteten – Rauhfußhühner scheint auch das Birkwild (Tetrao tetrix tetrix) auf; von diesem ist gemäß den Bestimmungen von Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe f) und Artikel 27 Absatz 1 des LG Nr. 14/87 im Zeitraum vom 15. Oktober bis zum 15. Dezember nur der Hahn jagdbar, wobei alljährlich ein Abschussplan zu erstellen ist, Die jagdliche Nutzung dieser Vogelart unterliegt somit der Beurteilung über die Verträglichkeit der Entnahme, welch erstere mit der – durch das LG Nr. 10 vom 12. Oktober 2007 vorgenommenen – Novellierung des Landesjagdgesetzes eingeführt worden ist. Da es sich um die Erstanwendung einer neuen Bestimmung handelt, stehen natürlich nicht alle zweckdienlichen Daten für eine genaue Beschreibung der jetzigen Situation zur Verfügung; teilweise muss deshalb auf Schätzungen aufgrund verschiedener Weiser zurückgegriffen werden. Unabdingbar erachtet man jedenfalls eine Abgrenzung des Verbreitungsgebietes des Birkwildes, die Erhebung der bekannten Balzplätze sowie die Zählung der dort während der Frühjahrsbalz vorhandenen Stücke. Aufgrund dieser Überlegungen hat das Amt für Jagd und Fischerei in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jagdverband (SJV) und mit Unterstützung der hauptberuflichen Jagdaufseher alle bekannten Balzplätze erhoben; dabei werden landesweit 1085 gezählt, hauptsächlich in den nördlichen Landesteilen d. h. in den Bergen nördlich der Vinschger und Pusterer Talfurche sowie in den Sarntaler Alpen. Ein gut zusammenhängendes Verbreitungsgebiet des Spielwildes ist weiters auch in den beiden Bergketten entlang des oberen und mittleren Ultentales festgestellt worden. In den oben beschriebenen Landesteilen sind natürlich während der Bestandserhebung zwischen dem 20. April und Anfang Juni auch die mesiten Birkhähne und –hennen gezählt worden, im Detail 2047 der landesweit insgesamt 2557 bestätigten Hähne. Für die Reviere im obigen Gebiet – im Bericht „Stand des Birkwildes im August 2008 und Reproduktinsbereichnung nach Reimoser“ wird dieses in die Bewirtschaftungseinheiten Rhätische und Ötztaler Alpen, Texelgruppe, Stubaier- Zillertaler- und Sarntaler Alpen sowie Drei Seen Gebiet/Maddalene unterteilt – kann somit die Entnahme eines Kontingentes von Spielhahnen als veträglich beurteilt werden. Weiters ist man der Ansicht, dass die Reproduktionsberechnung nach Reimoser – diese wird in dem oben genannten technischen Bericht verdeutlicht, welchen das Amt für Jagd und Fischerei gemeinsam mit dem SJV erstellt hat – als Grundlage für die Planung der Abschüsse dienen kann, welche für die einzelnen Bewirtschaftungseinheiten zu genehmigen und dann auf die, in denselben gelegenen Reviere aufzuteilen sind.

Im Wesentlichen mit der Situation im Alpenhauptkamm vergleichbar ist jene in den Pustertaler Dolomiten; diese werden in dem oben genannten technischen Bericht in einen östlichen und zentralen Abschnitt unterteilt. Auch in ihnen konnte nämlich bei der Frühjahrserhebung 2008 auf den Balzplätzen ein guter Hahnenbestand (insgesamt 444 Stück) gezählt werden. Somit kann auch für die Reviere in diesem südostlichen Landesteil eine Spielhahnentnahme nach den oben beschriebenen Kriterien als ökologisch vertretbar beurteilt werden. Anders hingegen ist die Verteilung des Spielwildes und somit auch sein Bestand im südlichen Südtirol, wo die meisten Balzplätze sich entlang der Landesgrenze befinden. Weiters sind dort insgesamt nur 66 Spielhähne gezählt worden; zudem geht aus dem vom Amt für Jagd und Fischerei und dem SJV gemeinsam erarbeiteten technischen Bericht hervor, dass wir in den südlichen Dolomiten mit einem Durchschnitt von 1,8 Hähnen pro Balzplatz die landesweite niedrigste Dichte haben. Deshalb ist man der Ansicht, dass in diesem Gebiet höchstens die Entnahme eines Spielhahnes pro Revier und auch nur dann zuträglich ist, wenn bei der Frühjahrszählung mindestens fünf Stück bestätigt worden sind.

All dies vorausgeschickt schätzt das Amt für Jagd und Fischerei, dass folgenden Bewirtschaftungseinheiten im Jahre 2008 eine Entnahme von Spielhähnen im nachstehend angegebenem Ausmaß für den Erhalt und die Entwicklung des Bestandes verträglich ist:

– in den Rhätischen und Ötztaler Alpen (Reviere kraft Gesetzes Taufers, Graun, Mals, Matsch, Schluderns, Laas und Schlanders sowie Eigenjagd Marienberg) von max. 34 Stück,

– in der Texelgruppe (Reviere kraft Gesetzes Schnals, Naturns, Partschins, Algund, Tirol, Riffian-Kuens, St. Martin und Moos in Passeier sowie Eigenjagd Jufahl) von max. 53 Stück,

– in den Stubaier Alpen (Reviere kraft Gesetzes Ridnaun, Ratschings, Mareit, Telfes, Sterzing und Brenner) von max. 33 Stück,

– in den östlichen Zillertaler Alpen (Reviere kraft Gesetzes Terenten, Pfalzen Gais, Mühwald, Lappach, Sand in Taufers, Luttach, St.Peter, St. Johann und St. Jakob in Ahrn, Prettau, Ahornach, Kematen, Rein, Percha, Taisten, St.Martin, St.Magdalena und Pichl in Gsies, Rasen, Antholz, Wahlen, und Vierschach/Winnebach sowie Eigenjagden Brugger, Heiss-, Oberhaidacher-, Putzen- und Winterstallalpe sowie Ochsenfeld) von max. 130 Stück ,

– in den Sarntaler Alpen (Reviere kraft Gesetzes Hafling, Schenna, St. Leonhard in Passeier, Vöran, Mölten, Sarntal, Ritten, Barbian, Villanders, Klausen, Feldthurns, Pfeffersberg, Vahrn, Mittewald, Stilfes, Elzenbaum und Jaufental sowie Eigenjagden Heißhof, Inderst in Asten, Steinwend, Hinterflagger, Kühbergalm und Puntleid) von max. 92 Stück ,

– in den östlichen Dolomiten (Reviere kraft Gesetzes Sexten, Innichen, Toblach, Prags, Olang, Enneberg, Bruneck, Wengen und Abtei sowie Eigenjagden Gufidaun und Grünwald) von max. 37 Stück,

– in den mittleren Dolomiten (Reviere kraft Gesetzes Corvara, Campill, St. Martin in Thurn, Welschellen, Rodeneck, Montal, Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich in Gröden, Villnöss, St.Andrä und Lüsen sowie Eigenjagden Mundevilla, Cuncan und Nivenol) von max. 59 Stück und

– in den beiden Gebirgszügen entlang des Ultentales bzw. im Drei Seen Gebiet und in den Maddalene (Reviere kraft Gesetzes Ulten, St.Pankraz, Latsch, Kastelbell-Tschars, Naturns, Proveis, Laurein U.lb. Frau im Walde und Tisens) von max. 39 Stück.

2 immer im Jahr 2008 in den Revieren kraft Gesetzes, welche teilweise im Mendelzug bzw. in den südlichen Dolomiten liegen, die Entnahme jeweils eines Spielhahnes nur dann für den betreffenden Bestand verträglich ist, wenn im entsprechenden Wildbezirk während der Frühjahrszählung mindestens 5 Hähne bestätigt worden sind.

Stimme Birkhahn

Bericht: Amtsdirektor Dr. Erhard (Amt für Jagd und Fischerei)