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Die Waldohreule

Zählt zur Ordnung der Eulen und Familie der Ohreulen und Käuze

Waldohreule – Foto Winfried Rauter

Eulen sind, mit wenigen Ausnahmen, nachtaktive Beutegreifer. Sie jagen in der Dämmerung und nachts. Ihr Schnabel ist raubvogelartig gekrümmt, ihr Federkleid lang, locker und weich, was ihnen einen lautlosen Flug ermöglicht. Sie können ihren Kopf um 180 Grad drehen und haben außerdem ein außerordentlich feines Gehör, das sie in der Dunkelheit, wenn selbst ihre scharfen Augen versagen, mit Sicherheit zu ihrer Beute führt.

Aussehen: Die Waldohreule unterscheidet sich vom Waldkauz durch die Federohren. Im Vergleich mit dem rundköpfigen Waldkauz ist die Waldohreule etwas kleiner, schlanker und langflügeliger als Waldkäuze. Mit einer Länge von 35 – 38 cm und einer Spannweite von 83 – 97 cm ist die Waldohreule etwa so groß wie die Schleiereule. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Männchen wiegen durchschnittlich 250 und Weibchen 300 Gramm. Die Flügelspannweite beträgt circa 97 cm. Besondere Merkmale der Waldohreule sind die orangegelben Augen und die langen Federohren, die jedoch im Flug und im Ruhezustand ganz angelegt werden können. Entgegen der landläufigen Meinung haben die auffälligen Ohrpinsel, denen die Waldohreule ihren Namen verdankt, nichts mit dem Gehör zu tun, sondern sind reines «Schmuckwerk». Mit den echten Ohren seitlich am Kopf hört sie selbst das leiseste Quieken einer weit entfernten Wühlmaus. Der Hals der Waldohreule ist so beweglich, das sie ihn um 270 Grad drehen kann. Die Oberseite der Waldohreule ist gelblichbraun mit graubrauner Sprenkelung und Marmorierung. Das Bauchgefieder ist hell rostgelb mit kräftigen dunklen Längsstreifen und feiner Querbänderung. Die hellen Flügelspitzen haben mehrere dunkle Querbänder.

Lebensraum und Vorkommen: Die Waldohreule lebt sehr versteckt. Sie ist eingeschickter Jäger, der nachts auf lautlosen Schwingen in den Wäldern Europas Mäuse jagt. Sie ist vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Am Tage ruht sie in dichtem Laubwerk oder schlank aufgerichtet auf einem Ast nahe am Baumstamm. Die Waldohreule lässt sich leicht durch Mäuse anlocken. Die Bettelrufe der Ästlingsjungen ähneln dem Fiepen von Rehkitzen. Ihr Ruf reicht vom “hu-hu” bis zum bellenden “quack-quack-quack”. Gehört werden können diese je nach Brutbeginn und Schlupf ab April bis ca. August und ungefähr für einen Zeitraum von 6-8 Wochen . Die Waldohreule ist wie der Waldkauz ein häufiger Brutvogel in Mitteleuropa. Sie ist zum Jagen auf offenes Gelände angewiesen, braucht zum Ruhen und zur Brut aber Hecken, Baumgruppen und Feldgehölze. Gern besiedelt sie Waldränder; in geschlossenen Waldbeständen dagegen ist sie kaum anzutreffen. Während des Winters finden sich oft in städtischen Parks größere Ansammlungen von Waldohreulen in Schlafgemeinschaften von bis zu 30 Tieren. Ihre Ruheplätze sind oft unweit von Häusern in Baumgruppen von Parks oder Friedhöfen. Die Bildung sogenannter Waldohreulen-Wintergesellschaften dauert im ungefähr von November bis März. Die dämmerungs- und nachtaktiven Eulen sitzen tagsüber aufrecht und in schlanker Gestalt auf Ästen von Bäumen, oft dicht an den Stamm geschmiegt. Sie vertrauen dabei auf ihr tarnfarbenes Gefieder.

Waldohreule

Waldohreulen-Wintergesellschaften – Auffällig werden die Winteransammlungen oft auch durch die unter den Bäumen liegenden Gewölle, also den Ausgewürgten, in der Regel aus Mäusehaaren und – Knochen bestehenden, unverdaulichen Nahrungsbestandteilen und mit der Zeit zunehmende weiße Kotspuren auf die versteckt sitzenden Eulen hin. Im Winter kann man die Waldohreulen häufig in großen Verbänden antreffen. Aufgrund ihres riesigen Verbreitungsgebiets und ihrer Anpassungsfähigkeit an lokale Wald- und Beutetierverhältnisse gilt die Waldohreule allgemein nicht als bedroht. Sie ist nahezu in ganz Europa vorwiegend als Standvogel zu finden.
Nahrung Aktiv sind sie in zwei Hauptphasen, etwa drei Stunden am Abend und zweieinhalb Stunden am Morgen; zwischendurch liegt eine rund dreistündige Pause um Mitternacht. Eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang wird der Tageseinstand aufgesucht und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang wird er wieder verlassen. Die Waldohreule ist hauptsächlich nachts rege und jagt sowohl vom Ansitz aus wie auch im langsamen, schaukelnden Pirschflug. Wie bei allen Eulen verhindern samtweiche Federn mit biegsamen Härchen an den Rändern die Bildung von Luftwirbeln und machen so den Flügelschlag des nächtlichen Räubers für die Opfer unhörbar. Die Hauptbeutetiere der aufgenommenen Nahrungsmenge – sind kleine Wühlmäuse, in Mitteleuropa vor allem Feldmäuse, die sie in der Flugjagd erbeuten. Rund 100 der kleinen Nagetiere verzehrt eine einzige Waldohreule im Monat, wobei nicht berücksichtigt ist, dass sie auch ihre Jungen fast ausschließlich mit Mäusen großzieht. Daneben erbeutet sie andere kleine Wirbeltiere und Insekten. Bei Nahrungsknappheit kann die Waldohreule durchaus auch tagsüber jagen und widerlegt dadurch augenfällig den alten Aberglauben, dass Eulen bei Tageslicht nicht sehen können. In strengen Wintern, wenn die Eulen sich in der Nähe des Menschen aufhalten, fangen sie vorwiegend Spatzen und Grünfinken, die sie an deren Schlafplätzen ergreifen.

Fortpflanzung: Waldohreulen bauen keine eigenen Nester, sondern beziehen alte Krähen- und Elsternester. Für die Waldohreulen gilt dieses sogar für den größten Teil der Bruten, da diese Art ausschließlich in alten Rabenvogelnestern oder in Greifvogelhorsten brütet, und erstere spätestens nach einer solchen Zweitnutzung unbenutzbar geworden sind. Auch Eichhörnchenkobel dienen dieser Eule mitunter als Brutplatz. Da Jäger früher von unten durch Krähen- und Elsternester schossen, um diese Rabenvögel kurz zu halten, wurden auch Waldohreulen oft ihre Opfer. Heute sind solche Jagdmethoden verboten.

Waldohreulen führen in der Regel nur eine Saisonehe. Paarbildung und Balz beginnen meist Mitte Februar. Je nach Witterung beginnen die Waldohreulen Mitte März bis Mitte April mit dem Legen von 4 – 8 Eiern Die Ablage erfolgt im März/April. Nach einer Brutdauer von 27 – 28 Tagen folgt eine Nestlingszeit von etwa 20 Tagen. Nach 2 Wochen können die Jungen gut fliegen, werden jedoch noch weitere 5 – 6 Wochen von den Eltern versorgt. Die Jungen öffnen nach fünf Tagen ihre Augen und verlassen mit knapp drei Wochen noch flugunfähig das Nest. Mit fünf Wochen können sie fliegen, sie werden aber noch weitere fünf Wochen von den Eltern versorgt. Danach sind sie selbständig.