Bruchzeichen sind für die praktische Jagdausübung wichtig.
Bruchzeichen haben ihren Sinn sowohl im jagdlichen Brauchtum als auch im praktischen Jagdbetrieb. Brüche sind die Zeichensprache der Jäger. Sie sind so alt wie die Geschichte der Jagd. So lange verständigten sich die Jäger durch Bruchzeichen und schmückten sich, ihre Hunde und das erbeutete Wild mit Brüchen. Ein alter Brauch ist der sog. “letzte Bissen”, d. h. dem erbeuteten Wild wird ein Zweig ins Maul gelegt. Diese Form der Aussöhnung mit dem getöteten Wildtier geht auf Riten von Jägern der Vorzeit und späterer Naturvölker zurück Im jagdlichen Brauchtum verkörpern die Brüche eine ethische und ästhetische Funktion. ,Die Verständigung der Jäger untereinander mit Hilfe der Bruchzeichen ist auch im Jagdbetrieb unserer Zeit noch von großer Bedeutung. Bei allen Bruchzeichen und auch allen als Schmuck zu verstehenden Brüchen handelt es sich um abgebrochene Zweige, hauptsächlich der Baumarten Eiche, Kiefer, Fichte, Weißtanne und Erle.
BRUCHZEICHEN
Der Hauptbruch ist etwa armlang und befegt.
Die wichtigsten Bruchzeichen sind:
Der Hauptbruch ist mindestens armlang, er wird mit dem Waidmesser blank befegt (Rinde wird abgeschabt), um ihn so auffallender zu machen. Der Hauptbruch bedeutet »Achtung« hier muß der Jäger auf weitere Zeichen achten. Er kann auch auffällig aufgehängt werden. Ein Hauptbruch wird mit anderen Brüchen kombiniert. Er wird gelegt, gesteckt oder gehängt und bedeutet ‘Achtung, hier ist etwas angesagt’.
Leitbruch: zeigt mit der gewachsenen Spitze, wohin der Jäger gehen soll.
Der Leitbruch, der nur noch halb-armlang und ebenso befegt ist, wird dann auf das Ereignis hinweisen. Sein gewachsenes Ende zeigt in die Richtung in der gefolgt werden soll.
Der Anschußbruch
Der Anschußbruch markiert den Anschuß oder möglichen Anschuß für den Hundeführer und ist meist in Fluchtrichtung des beschossenen Stückes mit dem Fährtenbruch kombiniert (Zeichnung). Der Anschußbruch wird in den Boden gesteckt und kann so weder vom Sturm verweht noch von Schnee zugedeckt werden.Er wird unbefegt einfach senkrecht in den Boden gesteckt. Seine Länge sollte dem Bodenbewuchs angepasst werden.
Fährtenbruch: deutet in die Richtung, in die das Tier geflüchtet ist.
Der Fährtenbruch: Wenn, aus welchen Gründen auch immer, man sich nicht bei der Nachsuche beteiligen kann, wird hiermit der Hundeführer bei seiner Arbeit unterstützt.
Ein halbarmlanger nicht befegter Bruch wird je nach Geschlecht in die Fluchtrichtung gelegt (bei männlichem Wild die gebrochenen, bei weiblichem Wild die gewachsene Spitze nach vorne). Um Missverständnisse auszuräumen werden diese Brüche geäftert (kleiner Querbruch am Ende des Zweiges).
Standbruch: dient zum Markieren des Platzes, wo ein Jäger auf Drück- bzw. Treibjagden zu stehen hat
Standortbruch: Um bei Gesellschaftsjagden jedem Schützen seinen Standplatz genau zu beschreiben, wird ein armlanger Bruch in die Erde gesteckt sowie ein Hauptbruch auf den Boden gelegt. Die gewachsene Spitze zeigt in Richtung der Folge (Richtung in die der Schütze nach Abblasen des Treibens zum Sammelplatz gehen soll).
Wartebruch
Der Wartebruch: Wollen sich Jäger im Revier treffen wird ein Wartebruch, in Form von zwei gekreuzten Zweigen gelegt. Bei dem Wartebruch werden zwei unbefegte Brüche Kreuzweise übereinandere gelegt. Dies soll ein Sammelplatz oder auch Warteplatz für den Jäger darstellen
Warnbruch
Der Warnbruch: Ein von seinen Seitenzweigen vollkommen befegter, zum Kreis zusammengebogener Bruch, wird sichtbar in Augenhöhe aufgehängt. Er soll vor Gefahren (Fallen, baufälliger Hochstand, etc.) hinweisen.
Der letzte Bissen sollte Demut vor der Natur, Achtung vor dem Lebewesen und Dank Ausdruck geben.
Diese Gruppe sind die sogenannten »Streckenbrüche«. Dazu zählt man den Inbesitznahmebruch, den letzten Bissen, den Schützen- oder auch Erlegerbruch. Der letzte Bissen wird in Form eines kurzen grünen Bruches dem gestreckten Wild in den Äser geschoben. Ursprünglich wurde der letzte Bissen nur dem männlichen Schalenwild gegeben. Mittlerwiese ist er aber oft auch bei weiblichem Wild und auch bei Birkhahn, sowie beim Murmeltier zu sehen. Der Jäger hat das Wild in Besitz genommen und zeigt damit an, daß das Stück rechtmäßig erlegt ist. Der letzte Bissen ist eine Form der Respektbezeugung gegenüber dem gestreckten Wild. Im Jagdbetrieb dienen die Brüche der Verständigung, der Nachrichtenübermittlung und der Ordnung und Sicherheit. Zu dieser Gruppe gehören Haupt-, Leit-, Anschuß-, Fährten-, Standplatz-, Sammelplatz-, Warte- und Warnbruch. Jeder Bruch ist anders geformt , teilweise auch befegt oder blank und hat so eine eindeutige Funktion.
Auf der Einzeljagd
Das Erbeuten eines einzelnen Stückes Schalenwild geschieht meist auf der Einzeljagd.
Am Ende einer erfolgreichen Jagd wird das erlegte Stück waidgerecht zur Strecke gelegt. Oft wird dieser Brauch bei der Einzeljagd aber nur bei starken Trophäenträgern oder besonderen Ereignissen angewandt. Bei einem „alltäglichen“ Einzelabschuss „zur Planerfüllung“ wird man kein großes Jagdritual vollziehen. Auch wird der Jungjäger, der erst wenige Stücke erlegt hat, ein anderes emotionales Verhältnis zu diesem Brauch haben als ein Jäger, der schon viele Jahrzehnte zur Jagd geht. Alles erlegte Schalenwild erhält den Inbesitznahmebruch. Hierzu wird das Stück waidgerecht auf die rechte Seite gestreckt und ein halbarmlanger, unbefegter Bruch auf den Wildkörper (Blatt) gelegt. Bei männlichem Wild weist dabei der Bruch mit dem gebrochenen Ende zum Haupt, bei weiblichem Wild mit dem gewachsenen Ende zum Haupt des Stückes. Männliches Schalenwild und anderes Hochwild erhält außerdem den Letzten Bissen (zunehmend auch weibliches Wild). Dazu wird dem gestreckten Wild ein kleiner Bruch von oben nach unten durch den Äser gesteckt.
Erlegerbruch klick auf das Foto
Um einen Bruch zu gewinnen, bedient sich der Jäger den Materialien vor Ort. Obwohl es für die Botschaft des Bruchs keinen Unterschied macht, dürfen nur bestimmte Baumarten verwendet werden, die sogenannten gerechten Holzarten. „Gerecht“ bedeutet im jagdlichen Zusammenhang immer, dass etwas den Regeln des Waidwerks entspricht. Zu den gerechten Baumarten zählen bei den Nadelbäumen die Tanne, die Fichte und die Kiefer; bei den Laubbäumen sind es nur die Eiche und die Erle. Ist aber weit und breit keiner dieser Bäume zu finden, darf es auch eine andere Holzart sein. Nur für den Festtagsbruch und den Trauerbruch sind die gerechten Holzarten zwingend. Hat der Jäger die Baumart korrekt angesprochen, bricht er ein Zweigchen ab. Denn ein „Bruch“ ist – wie der Name schon sagt – immer ein abgebrochenes Stück Holz. Es wird nie abgeschnitten, allenfalls mit dem Messer bearbeitet, sofern dies die Art des Bruchs erfordert: Der Warnbruch ist so ein. Auch das Tragen bestimmter Kleidung und Ausrüstung gehört zum Brauchtum der Jagd. Jäger tragen oft traditionelle Jagdkleidung wie Lederhosen oder Jagdjacken und nutzen spezielle Jagdwaffen und -werkzeuge, die seit Generationen weitergegeben werden.
Jagd mit dem Jagdbegleiter oder Hundeführer
Wenn ein Jagdgast geführt oder der Jäger von jemandem begleitet wird, kommt es zu einem gemeinsamen Erlebnis. Der Erlegerbruch wird dem Schützen vom Jagdherrn oder Jagdleiter mit Händedruck und “Waidmannsheil” überreicht. Der Erleger – oder Schützenbruch ist ein kurzer bruchgerechter Zweig. Er wird dem Schützen vom Jagdbegleiter oder vom Hundeführer nach der Nachsuche überreicht.
Foto: Franz Spiss, Revier Sarntal
Wenn ein Jagdgast geführt oder der Jäger von jemandem begleitet wird, kommt es zu einem gemeinsamen Erlebnis. Der Erlegerbruch wird dem Schützen vom Jagdherrn oder Jagdleiter mit Händedruck und “Waidmannsheil” überreicht. Der Erleger – oder Schützenbruch ist ein kurzer bruchgerechter Zweig. Er wird dem Schützen vom Jagdbegleiter oder vom Hundeführer nach der Nachsuche überreicht. Der Schützenbruch wird mit dem Schweiß am Ein- oder Ausschuss des erlegten Stückes benetzt. Der Bruch wird dem Erleger vom Jagdherren mit dem Ausspruch “Waidmannsheil” überreicht. Der Schütze nimmt den Bruch, bedankt sich mit “Waidmannsdank” und steckt ihn auf die rechte Hutseite. Somit soll dem Schützen für seine Jagdausübung gedankt werden. Der Hundeführer oder Jagdbegleiter steckt den Bruch auf die linke Hutseite. Ist ein Stück Wild im Rahmen einer Nachsuche mit dem Hund zur Strecke gekommen, bricht der Schütze den Zweig vom Erlegerbruch – den er vorher in der Regel vom Hundeführer überreicht bekommen hat – ab und reicht diesen dem Hundeführer zurück. Der Hundeführer steckt schließlich diesen – vergleichsweise kleinen Hundebruch seinem vierbeinigen Gefährten in Anerkennung seiner erfolgreichen Arbeit an die Halsung.
Bei Schalenwildstrecken liegt in der ersten Reihe das Rotwild. Dabei liegen die Hirsche auf dem rechten Flügel, also vom Jagdleiter aus gesehen, links, dann folgt das weibliche Wild. Männliches und weibliches Wild wird unter sich nach der Stärke geordnet, wobei das stärkste Stück jeweils am rechten Flügel liegt. Nach den gleichen Gesichtspunkten geordnet, liegen in der nächsten Reihe das Damwild, dann Schwarzwild, Muffelwild und Rehwild.Bei reinen Niederwildstrecken liegen die Füchse
Mit nach oben gebogenen Lunten in der ersten Reihe. In der zweiten Reihe folgen die Hasen, dann Kaninchen. Als erstes Flugwild liegen die Fasanen auf der Strecke, dann die Enten und anderen Flugwildarten. Bei Niederwild wird, vom rechten Flügel beginnend, jedes zehnte Stück eine halbe Wildlänge vorgezogen. Bei sehr großen Strecken werden meistens nicht mehr als 100 in einer Reihe gestreckt, dann wird mit einer neuen Reihe begonnen.
Große Niederwildstrecken kann man auch kreisrund legen, beispielsweise bei der Hasenjagd. In die Mitte der Strecke legt man dabei die Füchse und anderes Raubwild. Bei gemischten Strecken, etwa bei Waldtreibjagden, liegt das Schalenwild vor dem Niederwild. Dabei gelten die bereits genannten Grundsätze. Jeder Strecke sollte so angeordnet sein, dass sie möglichst nicht tiefer als breit sein darf.
Seit dem Mittelalter wird die Hubertus-Legende erzählt, nach der er auf der Jagd von einem prächtigen Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih bekehrt wurde. Deshalb wird Hubertus als Schutzpatron der Jagd angesehen. Außerdem ist er Patron der Natur und Umwelt, der Schützen und Schützenbruderschaften
,Hubertus wurde 656 oder 658 geboren. Er war der älteste Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse. Als Jüngling kam er an den Hof Theiderichs III. von Burgund und wurde von diesem zum Pfalzgrafen erhoben. Da er die Gunst des Fürsten besaß und durch ausgezeichnete Klugheit alle seine Missionen erfüllte, gelangte er bald in die höchsten Stellungen des Reiches. Hubertus vermählte sich nun mit der schönen Floribana von Löwen; doch nur kurzes Eheglück war ihm beschieden, da sie nach der Geburt ihres ersten Kindes Floribertus starb. Er empfand unsäglichen Schmerz über den frühen Tod seiner Gemahlin, und um seinen Kummer zu vergessen, stürzte er sich nun um so heftiger in allerlei weltliche Vergnügen. Da geschah es, daß er, in den tiefen Wäldern der Ardennen seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagt, nachgehend, einen kapitalen Hirsch aufspürte. Zur Verwunderung des leidenschaftlichen Jägers blieb der Hirsch ruhig vor ihm stehen. Schon hatte er den Bogen gespannt, um ihn zu erlegen, da erblickte er zwischen den Geweihstangen des Hirsches ein leuchtendes Kreuz. Betroffen sank er in die Knie. Jetzt vernahm er eine Stimme, die ihn mahnte, über den Dingen dieser Welt das ewige Leben nicht zu vergessen. Diese Erscheinung beeindruckte Hubertus derart, daß er sich mit ganzer Seele Gott zuwandte. Er verließ den Hof, verzichtete auf seine Ämter, verschenkte sein Vermögen an die Armen und zog sich in die Einsamkeit der Ardennen zurück, wo er eine Zeitlang als Einsiedler lebte. Dann begab er sich zu Bischof Lambert von Maastricht, der den Verwandelten belehrte und zum Priester weihte. Im Jahre 708 starb der hl. Lambert, und sein Bistum war verwaist. Papst Sergius, der heilige Mann, erhielt in einem Gesicht die Weisung, den Pilger Hubertus zum Nachfolger des Ermordeten zu weihen. Als Hubertus sich heftig wehrte, die Würde anzunehmen, erschien ein Engel vom Himmel, der ihn die bischöfliche Stola umlegte, worauf er, den Willen Gottes erkennend, sich alsbald fügte. Mit dieser himmlischen Stola konnte er später als Bischof viele heilen. Der Geweihte zog nach Maastricht zurück, um sein ihm von Gott auferlegtes Amt zu übernehmen. Er waltete als Bischof viele Jahre lang zum Segen des Landes und missionierte vor allem in seinem früheren Jagdgebiet, den Ardennen, unter großer Mühsal und Anstrengung, denn dort waren zu dieser Zeit die heidnischen Bräuche noch fest verwurzelt. Die Reliquien des hl. Lambert übertrug er in ein wunderschönes Gotteshaus, das er ihm zu Ehren hatte erbauen lassen. Der hl. Hubertus verlegte 721 seinen Bischofssitz von Maastricht an diesen Ort, der später den Namen Lüttich erhielt und sich zu einer reichen Stadt entwickelte. Im Jahre 727 holte Gott den rastlosen Missionar viel zu früh zu sich.
Immer wieder taucht die Frage auf: Wie verhält sich der Jäger brauchtumskonform beim Jägerbegräbnis?
Ein spezielles Brauchtum hinsichtlich einer Jägerbeerdigung gibt es nicht.
Es gibt jedoch zahlreiche örtliche Gepflogenheiten, die sich eingebürgert haben und an die man sich halten kann.
Oberstes Gebot bei einem so traurigen Anlass ist aber, sich vor allem den Wünschen der Hinterbliebenen unterzuordnen und diese zu respektieren.
Vorweg: Brauchtum soll zum Brauchen sein und muss daher als dynamischer Prozess immer wieder den Gegebenheiten angepasst werden; so auch das Verhalten und das Auftreten der Jäger beim Jägerbegräbnis.
Der Jäger behält im Rahmen einer Formation, also etwa als Ehrenwache eines Toten oder als Sargträger, auch in der Kirche den Hut auf, ansonsten ist das Tragen des Jagdhutes in der Kirche verpönt. Wenn ein Jäger seinen Freund hinausbegleitet in sein allerletztes irdisches Zuhause, so steckt er sich einen Bruch links (!) an den Hut, und zwar so, dass die Bruchunterseite nach außen zeigt.
Er lässt den Hut ruhig auf, während des feierlichen Abschieds am Grab.
Als allerletzten Gruß gibt er mit dem Bruch Weihwasser und wirft dem Freund seinen Trauerbruch ins Grab. Dann zieht er ein letztes Mal den Hut vor dem Toten.
Also, ein Trauerfall tritt ein …
Dann ist der erste Schritt, den Revierleiter zu verständigen, und dieser nimmt Kontakt zur Trauerfamilie auf und spricht das Beileid der Jägerschaft aus. Er klärt, ob ein Jägerbegräbnis gewünscht wird. Diesen Schritt kann in einer Jagdgesellschaft der Obmann oder der Jagdleiter übernehmen.
Ein Interview mit Frau Claudia Haider zum Thema “Jägerbegräbnis”:
Die Familie wünscht ein Jägerbegräbnis …
Dann hat als nächsten Schritt der Revierleiter oder Obmann der Jagdgesellschaft die Mitglieder des Jagdrevieres zu verständigen. Ein Kranz der Jägerschaft mit grüner Schleife ist zu besorgen. Aufg der Schleife wird NICHT Weidmannsheil, sondern WEIDMANNS RUH geschrieben.
Was ist vor dem Begräbnis noch zu bedenken?
Der RL oder Obmann der Jagdgesellschaft trägt Sorge, dass das offene Grab mit Reisig ausgelegt ist und die Trauerbrüche in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.
Welche Holzart eignet sich als Trauerbruch?
Es sollte die Fichte, Zirbe, Latsche oder Tanne ausgewählt werden. Der Trauerbruch wird, wie auch der Fest-, Ehren- und Standesbruch, auf der linken Hutseite getragen.
Wo liegt der Unterschied zwischen dem Trauerbruch und den anderen Brüchen?
Der Trauerbruch wird immer mit der Nadelunterseite nach außen getragen. Daher schlage ich auch die Tanne vor, da ihre Unterseite gut erkennbar ist. (Dreispross).
Am Tag des Begräbnisses …?
… sammeln sich die Jäger am Einsegnungsort und stecken den Trauerbruch auf den Jägerhut und nehmen an der Aussegnung in der Leichenhalle teil. Danach drücken die Jäger den Hinterbliebenen ihre Anteilnahme aus und sammeln sich an die Spitze des Trauerzuges oder gehen vor dem Sarg zum Friedhof/Kirche.
Foto: Flora Brugger
Was soll hier beachtet werden?
Die Jäger gehen im Trauerzug und falls jagdliche Auszeichnungen des Verstorbenen vorhanden sind, kämen diese auf einen Samtpolster an der Spitze der jagdlichen Abordnung. Zwei Jungjäger tragen den Kranz der Jägerschaft im Trauerzug, die ebenfalls an der Spitze des Zuges Aufstellung nehmen. Der Sarg kann von einer Ehrenwache, bestehend aus vier Jägern, begleitet werden. Im Trauerzug gehen die Jäger möglichst im Gleichschritt und bilden vor der Kirche ein Spalier, durch das sich der Trauerzug mit dem Sarg bewegt. Hat der Sarg das Spalier passiert, nehmen die Jäger Aufstellung. Eine oft diskutierte Frage ist, ob die Jäger in der Kirche den Hut aufbehalten.
Ich meine, dass Brauchtum brauchbar sein muss, und daher schlage ich Folgendes vor: Wenn die Jäger in Formation stehen – was ja meist der Fall ist – bleibt der Hut auf dem Kopf. Gleiches gilt für Jagdhornbläser, die in der Kirche Aufstellung nehmen. Setzen sich aber einzelne Jäger in die Bankreihen, würde ich empfehlen, den Hut abzunehmen, um den Dahintersitzenden die Sicht auf den Altar nicht zu erschweren. Weiters wird der Hut bei der Einsegnung am Grab und bei der Übergabe des Trauerbruchs abgenommen (die Bläser blasen “Jagd vorbei – Halali”).
Welche Musikstücke schlagen sie vor, wenn eine Jagdhornbläser Gruppe anwesend ist?
Beim Auszug aus der Einsegnungshalle ein getragenes Stück, eventuell aus einer Messe, die ja jede Jagdhornbläser Gruppe im Repertoire hat. Am offenen Grab, wenn der Sarg hinuntergelassen wird, folgt “Jagd vorbei – Halali”. Bei der Übergabe des letzten Bruches ins Grab kann “Auf Wiedersehen” geblasen werden.
Wenn ein Jäger seinen Freund hinausbegleitet in sein allerletztes irdisches Zuhause, so steckt er sich einen Bruch links (!) an den Hut, und zwar so, dass die Bruchunterseite nach außen zeigt.
Wann spricht der Vertreter/Revierleiter?
Nach der Einsegnung, den Fürbitten, dem Vaterunser und dem Schlussgebet des Pfarrers sprechen die Grabredner. Der Revierleiter des Jagdreviers sollte der letzte Sprecher sein. Es wird vorgeschlagen, dass bei Funktionären des Landesausschusses der LJM, bei HRL und Funktionären des Bezirkes der BJM und bei Mitgliedern des Hegeringes der HRL oder Obmann spricht. Die Ansprache soll nicht weitläufig sein, sondern den Verstorbenen als Jäger würdigen. Am Ende lässt der Redner dem Verstorbenen den letzten Bruch ins Grab folgen. Die Bläser intonieren “Auf Wiedersehen”. Alle anwesenden Jäger übergeben jetzt den Trauerbruch. Die Jäger nehmen den Hut mit der rechten Hand ab, lösen mit der linken Hand den Bruch aus dem Hutband, legen ihn auf den Hut und kippen diesen dann ins Grab. Nach dieser Verabschiedung, bei der noch “Weidmannsheil” gesagt werden kann, gehen die Jäger in loser Reihenfolge ab und setzen den Hut wieder auf.
Der Jagdhut wird von den Jägerinnen und Jägern grundsätzlich am Kopf behalten. Nur bei den kurzen Einsegnungen und bei den Signalen “Halali” und “Jagd vorbei” wird der Jagdhut kurz abgenommen.
Wohin kommt der Bruch bei der Bestattung?
Hier wird am Ende der feierlichen Zeremonie der Bruch auf den Sarg oder in dessen Nähe gelegt.
Darf der Jäger seinen Hund mitnehmen?
Im Allgemeinen gilt: Hunde gehören nicht auf einen Friedhof. Ist der Verstorbene jedoch Hundeführer gewesen, können – wenn gewünscht – durchaus zwei Hundeführer in der Jägerabordnung mitgehen und das Spalier mitbilden.
Im Zusammenhang mit dem Jägerhund gibt es ja einen Brauch …
Ja. Ist das Leben eines Jägers erloschen, kümmern sich die nächsten Verwandten um den Toten und jemand anderer füttert den Hund, auch wenn zum Beispiel der Tod bei Nacht eintritt, und zwar um zu zeigen, dass der Hund als Helfer und treuer Gefährte auch beim Heimgang seines Herrn keinen Mangel erleiden muss.
Gibt es sonst noch etwas Wesentliches zu beachten bei einem Begräbnis?
Jägerbegräbnisse sind Anlässe, wo wir Jäger unser Brauchtum leben. Ausgedrückt durch unsere jagdliche Kleidung, unsere Jagdmusik und unsere Bräuche rund ums Jägerbegräbnis, stehen wir im direkten Kontakt mit der nichtjagenden Bevölkerung. Durch unser uraltes Brauchtum ist es uns möglich, den Situationen Würde und Respekt zu verleihen und unsere Ehrerbietung auszudrücken. Da auch Kameradschaft großgeschrieben wird, kümmert man sich nach dem Begräbnis noch um die Trauerfamilie.
Die Jagd hat in vielen Kulturen eine lange Tradition, die oft mit Brauchtum verbunden ist. Das Jagdbrauchtum umfasst nicht nur die eigentliche Jagd, sondern auch Rituale, Bräuche und Werte, die mit dieser Tätigkeit verbunden sind.
Jäger sehen die Jagd oft als eine Form der nachhaltigen Ressourcennutzung und als Beitrag zum Naturschutz. Traditionell werden nach der erfolgreichen Jagd oft Rituale wie das Anblasen des Jagdhorns oder das “Jagdschüssel” zelebriert, um Respekt vor dem erlegten Wild und Dankbarkeit auszudrücken.
Jagdbrauchtum spielt auch eine Rolle in der Überlieferung von Fertigkeiten und Wissen von Generation zu Generation. Die enge Verbindung zur Natur und die Achtung vor dem Wildtier sind zentrale Elemente, die in vielen jagdlichen Traditionen betont werden.
Allerdings wird die Jagd auch kontrovers diskutiert, da sie ethische und ökologische Fragen aufwirft. Eine ausgewogene Betrachtung zwischen Tradition, Nachhaltigkeit und dem Schutz von Tieren ist daher notwendig, um das Jagdbrauchtum zeitgemäß zu gestalten.
Das Jagdbrauchtum ist oft von einer tiefen Verbundenheit zur Natur geprägt. Jäger sehen sich nicht nur als Nutzer, sondern auch als Hüter der Ökosysteme. Die Kenntnis über das Verhalten der Wildtiere, ihre Lebensräume und ökologischen Zusammenhänge sind daher zentrale Bestandteile jagdlichen Brauchtums.
In vielen Kulturen gibt es auch festgelegte Regeln und Etikette in Bezug auf die Jagd. Diese dienen nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Wahrung eines respektvollen Umgangs mit der Natur und anderen Jägern. Das Teilen von Beute und die gemeinsame Pflege des Jagdbrauchtums stärken die Gemeinschaft der Jäger.
Gleichzeitig stehen jagdliche Traditionen im Spannungsfeld moderner Entwicklungen und Umweltschutzbedenken. Die Debatte über die Notwendigkeit der Jagd, insbesondere in Zeiten des Klimawandels und des Artenschwunds, führt zu einer Neubewertung traditioneller Praktiken.
Insgesamt ist das Jagdbrauchtum vielschichtig und reflektiert den stetigen Wandel zwischen Bewahrung von Traditionen und Anpassung an zeitgemäße Herausforderungen im Naturschutz.
Dieses Foto wurde uns freundlicherweise von Ales Maxa zur Verfügung gestellt.
Die Jagd ist eine Leidenschaft, die ein hohes Maß an Fachwissen und handwerklichem Können erfordert. Darüber hinaus bedeutet die heutige Jagd aber auch die Fortsetzung einer langen und bewährten Tradition, die für einen waidgerechten Umgang mit dem Wild steht. Jägersprache, BRUCHZEICHEN, JAGDSIGNALE sowie die SAGE UM DEN HEILIGEN HUBERTUS werden heutzutage in erster Linie mit „jagdlichem Brauchtum” in Verbindung gebracht.
Schon ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich dieJÄGERSPRACHE als eine umfangreiche „Sondersprache” mit heute rund 3000 Begriffen. Sie umfasst Begriffe mit Jagdbezug aller Art, Bezeichnungen zu jagdlichen Vorgängen, zu Lebenszeichen, zu Körperteilen und zu den Aufenthaltorten des Wildes, der Jagdhunde und der Beizvögel. Die Weidmannssprache ist bildhafter Ausdruck über das Verhalten des Wildes, dessen Körperbau und die Tätigkeiten des Jägers. Sie war bei ihrer Entstehung eine Fach- und Standessprache und markierte die Sonderstellung und Spezialisierung der höfischen Berufsjäger. Verstöße gegen die in mündlicher Tradition weitergegebene Sprachregelung wurden als grobe Missachtung des Standesgefühls angesehen und bestraft. Heute ist das jagdliche Brauchtum eine Moral. Es werden Bräuche im handwerklichen Sinne und die Achtung vor dem Wild gepflegt. Die Verständigung der Jäger untereinander mit Hilfe der BRUCHZEICHEN ist auch im Jagdbetrieb unserer Zeit noch von großer Bedeutung. Bei allen Bruchzeichen und auch allen als Schmuck zu verstehenden Brüchen handelt es sich um abgebrochene Zweige, hauptsächlich der Baumarten Eiche, Kiefer, Fichte, Weißtanne und Erle
Jagdliches Brauchtum unterliegt auch der geschichtlichen Entwicklung und der Veränderung gesellschaftlicher Anforderungen. Immer wichtiger ist dabei das Ansehen des Jägers in der Öffentlichkeit.
Wird von den meisten Nichtjägern die Jagd noch für notwendig gehalten, ist die Akzeptanz des Tötens von Wildtieren deutlich geringer. Die Pflege des jagdlichen Brauchtums wird immer mehr Öffentlichkeitsarbeit. Eine wichtige Rolle spielen hier die Jagdhornbläsergruppen.
Zunehmend werden auch Oktavhörner und Parforcehörner geblasen. Die meisten Gruppen bemühen sich um die Wahrung einer vielseitigen Instrumentalbesetzung. Das spiegelt sich auch im musikalischen Repertoire wieder. Jagdsignale als unverzichtbarer Bestandteil der Jagd gehören gleichermaßen dazu wie Jagdlieder und Musik über die Jagd.
In alter Zeit hat es auf dem Ritten viele Hirsche gegeben, besonders zahlreich waren sie in der Gegend von Oberinn gegen den Sam hin; so heißt eine schön bewaldete niedere Bergkuppe oberhalb des genannten Dorfes. Daselbst hat man des öftern eine Hirschkuh gesehen, welche ganz “g’hill” und fromm war. Die Leute hatten das Tier überaus liebgewonnen und hielten es hoch in Ehren, als wäre es etwas übernatürliches. Eine zweite, so fromme und den Menschen zugetane Hirschkuh gab es nirgends mehr.
Da sei einmal ein wildfremder Jäger gekommen, niemand wußte woher, und habe das gute Tier geschossen. Wie sie es zerlegten, stießen sie auf ein Kitzchen von wunderbarer Färbung. Den Leuten erschien diese Tat als ein wahrer Frevel und sie konnten das gute Tier lange nicht vergessen. Infolge dieses Frevels, erzählt man, hätten alle Hirsche weitum die Gegend verlassen, und seither sei keiner mehr auf dem Ritten gesehen worden. Erst viel später siedelten sich am Ritten wieder einige Hirsche an.
Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 243
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DER GEBANNTE JÄGER
Vor vielen Jahren lebte auf dem Ritten ein Jäger, der mit wahrer Leidenschaft der Jagd ergeben war und an den Feiertagen gerade so jagte, wie unter der Woche.
Zur Strafe wurde er nach seinem Tode in einen Spielhahn verwandelt und auf die Seiser Alm hinübergebannt. Da wippt er oft durch die Luft, und an seinem Wippen erkennt man ihn. Schießt man auf den Spielhahn, so wird er wohl verwundet und ächzt wie ein Mensch, wippt aber wieder fort, denn sterben kann er nicht.
Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 214 f.
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DAS “HEXENBÖDELE” BEI LENGSTEIN am Ritten
Im Wald oberhalb von Lengstein und von diesem Ort nicht weit entfernt liegt das “Hexenbödele”, eine kleine Lichtung, in deren Mitte eine einzelne Lärche hoch aufragt. Diese Lärche ist mit einem auffälligen “Hexenbesen” – einer dichten Wucherung von Ästen und Zweigen – versehen und zudem mit einem Kruzifix geschmückt.
Hier trafen sich nächtlicherweile vor alten Zeiten oft und oft die Hexen der ganzen Umgegend und hielten mit dem Teufel wüste Gelage. Darum war das “Bödele” gemieden, und um viel Geld wären die Leute nicht zu bewegen gewesen, diesen Platz im Walde zur Nachtzeit aufzusuchen.
Nur einmal brüstete sich ein Bursche, daß er sich vor Teufel und Hexen nicht fürchte und deshalb ohne weiteres bereit sei, diesen Platz zu mitternächtlicher Zeit aufzusuchen. Eine Wette war bald abgeschlossen, und der kecke Bursche machte sich auf den Weg zum “Hexenbödele”.
Doch er kam nicht mehr zurück, und als man am darauffolgenden Tag ihn suchen ging, fand man ihn tot auf dem Bödele liegen. Die Hexen hatten ihn in den Boden hineingedrückt und gestampft und so getötet. Zum Gedächtnis an diesen auf so elende Weise Umgekommenen und auch zur künftigen Fernhaltung des bösen Hexenspukes vom “Bödele”, brachte man an der Lärche auf der Mitte des Platzes das Bild des Gekreuzigten an, der heute noch da hängt.
Quelle: Weber, P. Beda, Das Land Tirol, ein Handbuch für Reisende. 2. Band, Südtirol. S. 212
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DAS DURCHSCHOSSENE KREUZ
In der Heilig- Geist- Kirche in Kasern hängt ein von drei Kugeln durchbohrtes Kruzifix *), über das man sich folgende Legende erzählt:
Im Pinzgau war einst ein grosses Preisschießen angekündigt und ein Pustertaler Schütze , der am Wettbewerb teilnehmen wollte, probierte in seinem frevlerischen Übermut seine Treffsicherheit an einem Wegkreuz aus ,das am Brünnlasbichl unterm Tauernhaus bei Trinkstein stand. Die drei Probeschüsse durchschlugen genau die Herzgegend des Heilands. Im Salzburgerischen drüben errang der siegessichere Schütze mit Leichtigkeit den ersten Preis, einen großen, prächtigen Stier. Auf dem Heimweg kam er mit dem Stier am durchschossenen Kruzifix vorbei. Plötzlich wurde das Tier wild, der Pustertaler Schütze vermochte das rasende Tier nicht mehr zu halten, und der Stier spießte den Unglücklichen mit seinen Hörnern auf.
Einige Zeit später kamen Bauern an der Unglücksstelle vorbei und sahen den wildgewordenen Stier und den Mann, der tot auf der Erde lag. Das durchschossene Kreuz brachte man in die Heilig- Geist- Kirche. Der Pfarrherr versuchte immer wieder die Einschusslöcher von einem Schnitzler schließen zu lassen; doch vergeblich ; immer wieder brachen die Holzdübel von alleine heraus.
Heute noch wird das durchschossene Kreuz bei der jährlichen großen Prozession der Ahrner zur Kornmutter in Ehrenburg vorangetragen.
(gesammelt und aufgeschrieben von Steger Konrad)
In Afers erzählen die alten Leute folgendes: Wenn einer gar so versessen ist aufs Wildern und er ist schon ein alter Mann und hat viel, viel Wild zusammengeschossen und fürchtet sich im Wald vor dem Teufel nicht, so geschieht ihm schon einmal etwas Wunderliches. Kann sein, er sieht einen Rehbock oder einen schönen Pfalzhahn und schießt darauf, aber das Tier fällt nicht, und er tut’s noch ein paarmal und weiß, daß der Stutzen gut ist und er noch nie gefehlt hat – das Tier steht aber fest und schaut ihn eindringlich an, und zuletzt fließt aus dem Büchsenlauf das Blut, soviel er vergossen hat sein Lebtag, das Tier rennt oder fliegt davon und bleibt heil und gesund … Dann hat der Wilderer, der alte, einen Tag, den er sein Leben nimmer vergessen kann!
Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 193 f.
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DER BÄRENJÄGER IN PUTZACH
Im Seberstöckl zu Rein in Taufers ist ein Gemälde, welches eine Szene im wildromantischen Putzach darstellt. Auf einer Felskante steht ein Jäger einem aufgerichteten Bären gegenüber, und rechts klettert ein Bursche mit Gewehr herzu und will schon zum Schuß ansetzen. Darüber ist ein Muttergottesbild. Unten steht: Jakob Plankensteiner, Jager und Unterseber in Rain 1699.
Hierüber erzählen die Leute folgendes: Ein alter Seber, ein kühner Nirnrod vor dem Herrn und als solcher weitum bekannt, zog einstmals auf die Jagd. Er klettert eine Felswand hinan und steht oben auf schmaler Felskante plötzlich einem entsetzlichen Bären gegenüber, der sich bereits aufrichtet, den ungeladenen Besucher mit Umarmung zu begrüßen. Der Jäger sieht wohl, daß er zum Anlegen des Gewehres weder Raum noch Zeit hat, wirft daher den Stutzen fort und schickt sich an, mit dem Tier zu raufen. Zugleich ruft er seinem Sohn, der ihm zu Hilfe über die Felsen herüberklettert, zu, er solle ja das Schießen bleiben lassen, sonst könne er den falschen treffen.
Nachdem sodann beide, der Jäger und der Bär, sich eine Zeitlang fest umklammert gehalten, scheint beiden der Gedanke gekommen zu sein, daß diese Umarmung zu gefährlich werden könnte, und sie ließen beide zugleich los. Der Bär schaute den Jäger noch eine Weile an und zog sich dann in seine hinten liegenden Felsgemächer zurück; der Jäger aber, der ebenfalls froh war, dem andern so leicht entronnen zu sein, ließ ihn ungestört gehen.
Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 604 f.
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HEXEN ALS HASEN
Malettes ist ein unheimlicher Tummelplatz der Hexen, die jeden Pfinztag dorthin fahren. Einmal kam ein Jäger dorthin und schoß einen Hasen und steckte ihn in seinen jagdsack. Bald darauf kam ein großer Zug Hasen paarweise daher, voran ein Hase, der an einem roten Band ein “kumpfets Schellele” trug. Dieser fing an, wie ein Mensch zu reden und rief: “Langöhrl, wo bist du?” Der geschossene Hase rief aus dem Sacke: “Der Staudenuli hat mich im Sack.” Jetzt warf der Jäger entsetzt den Sack weg und eilte aus dem unheimlichen Revier. (Bei Mals.)
Quelle: Zingerle, Ignaz Vinzenz, Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, Nr. 803, S. 469
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SALIGE ALS BESCHÜTZER DES WILDES
Die Saligen waren auch die Beschützerinnen des Wildes und den Jägern deshalb sehr gram. Wenn ein Reh oder eine Gemse oft schon zum Schusse stand, so kam plötzlich ein lauter und durchdringender Ruf aus dem Wald oder vom Berg herunter und verscheuchte das Opfer, dem Jäger das leere Nachsehen lassend.
Unweit des Schwarzsees hatte einmal ein Jäger auf ein junges Reh geschossen und folgte nun durch das Gebüsch der Spur des verwundeten Tieres. Er gelangte auf eine Waldlichtung, wo er das angeschossene Tier zu Füßen einer schönen blassen Saligen liegen fand, die gerade damit beschäftigt war, dem Reh die Wunde auszuwaschen und einen Verband von heilsamen Kräutern anzulegen.
Als der Jäger frech herankam und mit roher Faust sein Opfer ergreifen wollte da erhob sich die Salige mit zornfunkelnden Augen und sagte, ihm die scneeweiße Hand entgegenstreckend:
“Laß ab, laß ab –
der nächste Mond bescheint dein Grab!”
Und so war es auch. Noch ehe der Mond sich erneute, hatte die Kugel eines Wilderers dem Jäger sein Lebenslicht ausgeblasen.
Quelle: Meyer Martinus, Sagen-Kränzlein aus Tirol. 2. Auflage. Innsbruck 1884, S. 360 f.
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