
© Foto: Sigismondi Andreas und Helmuth Piccolruaz
Bericht: Joachim Orbach
Die Nachsuche ist ein Gebot der Waidgerechtigkeit und Bestandteil unserer Jagdkultur sowie des Jagd – und Tierschutzgesetz. Daher ist die Nachsuchenarbeit auch nur mit geeigneten und geprüften Jagdhunden waidgerecht und tierschutzkonform. Dieses betrifft auch die Nachsuche auf alle Wildarten und nicht nur auf Schalenwild zu. So sind für die Nachsuche auf Schalenwild entsprechend eingearbeitete, geprüfte und geführte Hunde der Schweißhundrassen oder anderer Rassen erforderlich. Und für andere Wildarten wie das Schalenwild sind es die Verlorenbringer verschiedener Jagdhunderassen. Was den Verlorenbringer anbelangt so schrieb bereits im Jahre 1881 Hegewald ( Siegesmund Freiherr von Zeitlitz und Neukirch ) als einer der Hauptinitiatoren des Deutschen Jagdgebrauchshundwesen:
„Ich mache einen gewaltigen Unterschied zwischen Apportieren und Verloren-Apportieren und betrachte letztere Kunst als die eigentliche Haupttugend, welche bei Gebrauchshund für die Jagd nie sorgsam genug ausgebildet werden kann.“
Wenn es nun um das Thema Nachsuche auf Schalenwild geht, scheiden sich oftmals die Geister- insbesondere dann, wenn es um die einfache Totsuche oder die erschwerte Nachsuche geht. Das trifft dann auch immer zu, wenn es um die Frage geht, soll ich einen Spezialisten (anerkanntes Nachsuchengespann) rufen? Bewusst habe ich hier nicht Schweißhundführer und Schweißhund geschrieben, da ich die Leistungsfähigkeit auf der Wundfährte von anderen Jagdhunderassen nicht in Frage stellen möchte – bestimmte Voraussetzungen von Hund u. Führer als Gespann erfüllend. Vielseitig geführten Jagdhunden sind aber auch oftmals gegenüber den reinen Schweißhunden Grenzen gesetzt. Allerdings bedarf auch der Hund einer Schweißhunderasse eine entsprechende Einarbeitung, Prüfungen, Auslastung und Führung. Der Besitz eines Schweißhundes macht daher noch längst nicht den Schweißhundführer aus- was leider oftmals verkannt wird. Schweißhunde ( HS u. BGS ) sind keine Statussymbole! Dort wo im Jahr nur wenige Nachsuchen anfallen, braucht man meiner Meinung nach auch keinen eigenen Schweißhund. In allen Bundesländern besteht die Möglichkeit einen ANERKANNTEN Nachsuchenführer bei Bedarf zu rufen, was man dann aber auch machen sollte. Man kann sich ja schließlich auch bei den Nachsuchenstationen bereits vor einer angesetzten Drückjagd nach einer evtl. Verfügbarkeit am Jagdtag oder am Tag danach erkundigen. Aber nicht nur zur Drückjagdzeit sollte man die Rufnummer eines Nachsuchenführer in der Nähe kennen.
Um Antworten auf einige Fragen zur Nachsuche auf Schalenwild zu bekommen, habe ich vor einigen Jahren ein Interview mit dem im In- und Ausland bekannten Buchautor und Schweißhundführer Bernd Krewer ( 1939 – 2020 ) geführt.

Fotorechte: Leo Hellweger
Was sollte ein Hundeführer (als Führer einer auf Vielseitigkeit verwendbar gezüchteten Rasse) nach einer bestandenen Prüfung beim Einstieg die Nachsuchenpraxis beachten und welche Kenntnisse sollte er haben oder sich aneignen?
B.K.: Er sollte Passion und Zeit haben. Nachsuchen richten sich nicht nach beruflichen Terminen und die Vollmondphasen, in denen naturgemäß die meisten auf der Einzeljagd verursachten Schwarzwildnachsuchen anfallen, auch nicht. Wer nur am Wochenende und während seines Urlaubs Zeit hat, bringt keine optimalen Voraussetzungen für die Nachsuchenarbeit mit.
Er sollte sich vorab in der einschlägigen Nachsuchen-Literatur schlaumachen (gerade die gibt es ja zu genüge). Er sollte Kontakt zu einem viel beschäftigten Nachsuchenführer aufnehmen und diesen, so oft es geht, bei Nachsuchen als „zweiter Mann“ begleiten. Dabei kann er mehr lernen als aus allen Büchern der Welt!
Viele Hundeführer sagen oftmals „ ich will meinen Hund ausschließlich für einfache Totsuchen brauchen“. Was würden Sie diesen Hundeführern empfehlen und was ist hierbei zu beachten?
B.K.: Eine Nachsuche ist dann ( garantiert! ) einfach, wenn am Anschuss ein halber Pfund Lunge liegt. Ein Leberschuss bei einer Sau kann bereits hohe Anforderungen an Hund und Führer stellen. Umgekehrt: ein Rumpftreffer bei einem Reh ist in 99 % aller Fälle eine „einfache“ (weil kurze) Nachsuche. Die Pirschzeichen am Anschuss richtig ansprechen zu können und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen ist bereits die halbe Ladenmiete.
Bei unklaren Treffern und nicht eindeutigen Pirschzeichen am Anschuss: Kein Schweißhundführer wird es dem Führer eines nicht spezialisierten Jagdhundes verübeln, wenn er mit seinem Hund hundert bis maximal zweihundert Meter der Wundfährte am Riemen nachhängt ( vorausgesetzt, der eigene Hund ist keine heiße Hündin! ), dann aber abbricht und die ( zwei – und vierbeinigen ) Spezialisten um Hilfe bittet. Jeder vierbeinige BP, VPS, VGP, – Absolvent wird diese maximal 200 Meter ohne Probleme schaffen. Selbst eine bestandene Verbandsschweiß – Fährtenschuhprüfung ist als Einstieg in die Nachsuchenpraxis gedacht und macht noch längst nicht den erfahren Spezialisten auf der natürlichen Wundfährte aus.
Da Hunde unterschiedlicher Rassen und Größen oftmals zur Nachsuche geführt werden, oder zur Nachsuche geführt werden sollen, stellt sich auch die Frage: Wenn ist unbedingt ein hochläufiger Hund mit entsprechender Wildschärfe als sogenannter Loshund bei der Nachsuche mitzuführen?

Anschuss-Pirschzeichen
B.K.: Man sollte immer einen hochläufigen, wildscharfen und laut jagenden Loshund mitführen, wenn der „Riemenarbeiter“ bei der notwendigen Hetze wegen zu kurzer Läufe oder mangelnder Wildschärfe den Erfolg der Nachsuche gefährden können. Im Schwarzdorn, im Raps und in ausgedehnten Brombeerverhauen ist auch der mittelgroße bis große Hund bei kranken „mittelgroßen bis großen“ Sauen gefährdet. Er setzt dem Schlag des Keilers viel Masse entgegen und dabei kann eine Menge zu Bruch gehen. Viele Schweißhundeführer setzen hier als Loshunde Deutsche Jagdterrier ein, die sehr viel wendiger sind und dem Keilerschlag weniger Masse entgegensetzen. Wo dem großen / mittelgroßen Hund die Rippen brechen, fliegt der Terrier oft nur durch die Luft.
Wenn die Nachsuche mit dem eigenen geprüften Hund nicht zum Erfolg geführt hat, stellt sich die Frage: Welche Fehler sollte der Hundeführer dann nicht machen?
B.K.: Auf keinen Fall schnallen und den Hund „ frei-verloren“ suchen lassen! Nur der Schweißriemen zwingt den Hund zu jeder Nasenarbeit zwingend notwendigen Konzentration!
Bedenke: Hunde die häufig bei Bewegungsjagden eingesetzt werden, können gelegentlich auf gesunden Fährten zum Erfolg ( = Beute) führen, nämlich dann, wenn das gejagte Wild vor den Hunden erlegt wird. Bei solchen Hunden „reißt“ der Faden, obwohl sie ja eigentlich gelernt haben, dass nur die Wundwitterung und der Schweiß in der Fährte Erfolg verspricht. Bei solchen Hunden kann/ sollte man sich auf die Verleitungssicherheit nicht mehr verlassen. Sie werden jeder frischen Verleitung folgen, die die kalte, vielleicht nicht mehr schweißende Wundfährte kreuzt.
Und nun zu einer Grundsatzfrage: Wann sollte man einen Spezialisten einer anerkannten Schweißhundestation / Nachsuchenstation zur Nachsuche rufen?
B.K.: Nachsuchen sind praktizierter Tierschutz und fester Bestandteil dessen, was wir „Waidgerechtigkeit“ nennen. Jedes Herumprobieren mit ungeeigneten Hunden auf den Fährten kranken Wildes verlängert dessen Leiden und Schmerzen und ist im hohen Maße unwaidgerecht.
Im Übrigen: siehe, meine Antwort zur Frage 2!
Kein Schweißhundführer wird es einem Jäger übel nehmen, wenn dieser ihn nach einem Schuss auf eine „Vollmond-Sau“ um Mitternacht anruft und um die Nachsuche bittet. Dann kann dieser planen und frühzeitig seinen Hund am Anschuss ansetzen. Das wird u.U. die Leiden des kranken Wildes verkürzen und vielleicht auch den Vorgaben der Wildbrethygieneverordnung noch gerecht werden.
Fazit: „Jagd ohne brauchbaren Hund ist Schund“ diesen alten Spruch sollten Jäger/innen immer beachten und nur mit Hunden jagen, die mindestens ihre Brauchbarkeit durch eine bestandene Brauchbarkeitsprüfung nachgewiesen haben. Im Bedarfsfall sollte man aber einen anerkannten Schweißhund– Nachsuchenführer rufen und nicht mit ungeigneten Hunden es erst selbst zu probieren.
