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Greifvögel

Akrobaten der Lüfte

Greifvögel sind Akrobaten der LüfteAlle Greifvögel gehören zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Zur Bestimmung ist wichtig, dass man sich den Kopf, die Flügel, die Schwanzfedern, die Beine, das Rückengefieder und die Unterseite genau ansieht. Denn im Flug sehen viele Greifvögel in der Silhouetten gleich aus.
Zur großen Gruppe der Greifvögel gehören die Familien der Habichtartigen und Falken, die sich wie die Eulen und Käuze auf das Erjagen und Töten lebender Beutetiere spezialisiert haben. Im Unterschied zu den Eulen und Käuzen, die auch als Nachtgreifvögel bezeichnet werden, sind sie jedoch – mit Ausnahme des in den Tropen lebenden Fledermausaars – tagaktiv. Greifvögel und Eulen sind nicht näher miteinander verwandt. Die Greifvögel konnten im Laufe der Evolution immer neue Nahrungsquellen (Insekten, Fische, Reptilien, Vögel und Säugetiere verschiedenster Größe) erschließen, was zur Entstehung zahlreicher Arten führte, die sich vor allem durch ihre Körpergröße voneinander unterscheiden: So wiegt das Sperbermännchen (der Terzel) nur 130 g, während das Weibchen des Gänsegeiers bis zu 9500 g auf die Waage bringt.

In Südtirol leben zur Zeit neun verschiedene Greifvogelarten, die verschiedene ökologische Nischen besetzen und sich so meist nicht in die Quere kommen: Sie jagen oder ernähren sich von Aas, haben ein unterschiedliches Beutespektrum oder leben in verschiedenen Lebensräumen. Durch ihre unterschiedlichen Lebensweisen ist die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Arten minimal. Dies bedeutet jedoch nicht, dass zwischenartliche Konflikte von vornherein ausgeschlossen werden können! Kleinere Arten wie der Turmfalke und der Sperber fallen oft größeren Arten wie dem Steinadler, dem Habicht und dem Wanderfalken zum Opfer. Aus diesem Grund verhalten sich Turmfalken und Sperber größeren Arten gegenüber sehr aggressiv (sie „hassen“); so wurden schon oft Angriffe von kleinen Greifvogelarten auf Steinadler oder Mäusebussarde beobachtet. Wechselwirkungen zwischen Arten mit einem ähnlichen Beutespektrum sind aufgrund der großen Nahrungskonkurrenz meist aggressiver Natur.
Innerartliche Konkurrenz, Territorialität und Geschlechtsunterschied:  Das größte Problem der Beutegreifer ist die Verfügbarkeit von Beutetieren. Die Nahrungsressourcen stellen einen limitierenden, sowohl zwischenartlichen als auch innerartlichen Konkurrenzfaktor dar. Um zu verhindern, dass der innerartliche Kampf um Nahrungsressourcen in einen Kampf zwischen den Geschlechtern ausartet, der das Weiterbestehen der Art in Frage stellen würde, sind bei einigen Greifvogelarten (Sperber, Habicht, Steinadler, Wanderfalke) die weiblichen und die männlichen Individuen unterschiedlich groß (Geschlechtsoder Sexualdimorphismus). Bei den Greifvögeln ist – im Gegensatz zu den anderen Vogelarten und den Säugetieren – das Weibchen größer als das Männchen. So ist das Sperberweibchen fast doppelt so schwer wie das Männchen. Die kleinere Körpergröße des Terzels befähigt diesen zu einem wendigeren Flug und somit auch zur Jagd auf kleinere und schnellere Beutetiere, während das Weibchen größere Tiere erbeuten kann. Dadurch, dass beiden Geschlechtern unterschiedliche Nahrungsressourcen zugänglich sind, wird einerseits die Nahrungskonkurrenz zwischen ihnen stark herabgesetzt und andererseits die Anzahl der insgesamt für die Art verfügbaren Nahrungsquellen erhöht. Um die übermäßige Besiedlung eines Gebietes und damit einhergehende Kämpfe zu vermeiden, besetzt jedes Greifvogelpaar ein bestimmtes Revier und verteidigt dieses aktiv gegen fremde Artgenossen. Sie vollführen vor allem im Grenzbereich des Reviers und in der Nähe ihres Nests Schauflüge, bei denen sich das Paar, oft aber auch nur das Männchen, abwechselnd steil nach unten stürzt, um anschließend mit halbgeschlossenen Flügeln wieder aufzusteigen. Die Bindung an das Revier ist bei Greifvögeln meist sehr stark; Paare nisten jahrelang im gleichen-
Text: Autonome Provinz Bozen – Amt für Jagd und Fischerei

Greifvögel als Zeichen der Macht

Für den Menschen sind die weltweit vorkommenden Greifvögel seit Urzeiten von Geheimnissen umwittert. In vielen Kulturen dienten Greife als mythologische Symbole oder als Wappentiere.
Der Adler wird auf Grund seiner Größe als König der Lüfte angesehen und gilt als Zeichen für Macht, Kraft und Überlegenheit. In Deutschland ist er als Bundesadler ein Symbol für die Stärke und Souveränität des Staates.

Der Adler schläft auch Säugetiere, wie Fuchs, Gämsen, Rehkitze und kleine Haustiere

Vom Raubvogel zum Greifvogel: Doch lange Zeit wurden die im Volksmund als “Raubvögel” bezeichneten Tiere gejagt und getötet, da ihnen viele negative Eigenschaften angedichtet wurden. Bei manchen Menschen lösen sie Unbehagen aus.
Das mag mit ihrer lautlosen Art sich fortzubewegen zusammenhängen, aber auch damit, dass sie lebende Beute erjagen und auch gelegentlich Aas nicht verschmähen.
Dabei sind dies durchweg positive Eigenschaften, denn Greifvögel halten den Bestand vieler Schädlinge – wie Wühlmäuse und Insekten – klein. Zudem erbeuten sie oft kranke oder schwächliche Tiere, beseitigen Tierleichen und tragen so zum biologischen Gleichgewicht bei.
Heute ist die Gefahr der Ausrottung mancher Greifvögel gebannt, die noch vor wenigen Jahrzehnten bestand. Denn inzwischen genießen alle in Deutschland vorkommenden Arten ganzjährig Schonzeit, sie dürfen also nicht mehr gejagt werden.

Biologische Fakten: Die Ordnung der Greifvögel (auch Falconiformes) zeichnet sich dadurch aus, dass die Tiere sich vorwiegend von fleischlicher Nahrung ernähren und ihre Beute aus dem Flug mit ihren Krallen ergreifen.
Da die früher geläufige Bezeichnung “Raubvögel” auch auf viele andere Vögel zutrifft, wird sie als Ordnungsname nicht mehr verwendet. Überwiegend gehen die Greifvögel tagsüber auf Jagd.
Einige Merkmale sind für alle Arten bezeichnend: ihr sehr gutes Sehvermögen, der nach unten gebogene Hakenschnabel, kräftige Beine und die mit scharfen Krallen ausgestatteten Füße.

Falkenartige und habichtartige Greifvögel:
Familie Habichtartige: Die Familie der Habichtartigen ist die größte Familie der Greifvögel. Sie umfasst u.a. Gänsegeier, Habicht, Kornweihe, Mäusebussard, Rohrweihe, Rotmilan, Schreiadler, Schwarzmilan, Seeadler, Sperber, Wespenbussard und Wiesenweihe.
Neuerdings werden auch die Geier dazugezählt. Typisch für die Familie sind ein Geschlechtsdimorphismus bezüglich der Größe (Weibchen größer als Männchen), breite Schwingen und meist eine recht unauffällige, dem Lebensraum angepasste Färbung. In Mitteleuropa unterscheidet man die Familie der Habichtartigen – mit etwa 24 sehr verschiedenen Arten, weltweit etwa 235 – und die der Falkenartigen – mit acht Falkenarten, weltweit etwa 52. Zur Familie der Habichtartigen gehören unter anderem Steinadler, Habicht, Bussard, Milan, Weihe und Geier, Eule und Uhu werden übrigens nicht zu den Greifvögeln gerechnet, sie bilden eine eigene Ordnung.

Familie Falken: Zur Familie der Falken zählen: Baumfalke, Rotfußfalke, Turmfalke und Wanderfalke.  Die Familie der Falken zeichnet sich durch eine recht geringe Körpergröße, sichelförmige Flügel und einen kleinen, spitzen Schnabel aus. Zudem bauen Falken keine Nester Einige Arten, zum Beispiel viele Falken, übernehmen leer stehende Nester anderer Vögel oder benutzen schon vorhandene feste Unterlagen. Die Gelege bestehen aus mehreren Eiern, einige Arten ziehen jedoch nur ein Junges groß. Die Vögel nisten gerne auf Bäumen oder Felsen, aber manche errichten auch im Röhricht oder auf dem Boden ihren Horst, wie man das Nest der Greifvögel nennt. Die geschlüpften Jungen sind Nesthocker und werden zunächst von den Eltern versorgt. Sind sie flügge, müssen sie die Jagd erst erlernen. Dabei fangen sie zunächst mit leicht zu fangender Beute an. Häufig sind die Weibchen größer als die Männchen, wahrscheinlich um sich beim aggressiven Balzverhalten der Männchen besser wehren zu können. Die Körperlänge von Greifvögeln reicht von 14 bis 115 Zentimetern. Der Lebensraum vieler Greifvögel gliedert sich in das Horstfeld und das Beutefeld, denn in der Umgebung des Nestes wird nicht gejagt. Die Größe des Jagdgebietes richtet sich nach der Beuteleistung.

Familie Fischadler – ein erfolgreicher Jäger:  Beachtenswert ist die Jagdtechnik des Fischadlers im Wasser. Hat er beim Beuteflug in bis zu 50 Metern Höhe einen Fisch gesichtet, setzt er aus dem Flug mit weit vorgestreckten Greiffüßen und angewinkelten Flügeln zum Tauchen an. In zwei Hundertstel-Sekunden schließen sich die mit langen Stacheln versehenen Krallen um die Beute. Doch jetzt kommt Schwerstarbeit auf den Vogel zu, denn um sich und die Beute aus dem Wasser zu ziehen, muss er enorme Kräfte aufbringen. Mit Hilfe seines Schwanzes stößt er sich nach dem Auftauchen von der Wasseroberfläche ab, deshalb heißt seine Technik auch Stoßtauchen.
Ist der Fisch zu schwer, muss er ihn loslassen. Bis zu einem Meter tief können Fischadler tauchen. Ihr Gefieder ist durch Fett vor der Nässe geschützt.
Die bei uns ansässigen Fischadler überwintern im Mittelmeerraum, in Südwestasien und Afrika. Der Fischadler ist der einzige Vertreter seiner Familie. Er ist genetischen Untersuchungen zu Folge mit keinem weiteren Fischadler Greifvogel näher verwandt und hat somit einen “Sonderstatus” inne

ADLER – Steinadler

Aussehen: Gewiß zu den beeindruckendsten Tieren der Alpen zählt der Steinadler. Dieser majestätische Vogel kann der eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern erreichen. Ursprünglich war dieser Greifvogel in Europa bis in die Ebenen verbreitet. Durch menschliche Verfolgung wurde der Steinadler jedoch großflächig ausgerottet bzw. zum Rückzug in die entlegenen Gebiete der Gebirge gezwungen. Durch entsprechende Schutzmaßnahmen konnten sich die Steinadlerbestände in Südtirol bis heute soweit erholen, daß der Bestand als gesichert gelten kann, solange der gesetzlich vorgeschriebene Schutz anhält. Steinadler sind Einzelgänger. Nur selten kann man sie paarweise oder im Familienverband beobachten. Die Reviere, welche beansprucht werden, sind sehr groß und können bis zu 150 km² erreichen. Aus diesem Grund ist die Besiedlungsdichte in Südtirol vergleichsweise gering. Im Sommer jagt der Steinadler vorzugsweise oberhalb der Waldgrenze, im Winter jagt er auch in tiefer gelegenen Bereichen. Alle Adler sind im Flug von anderen Raubvögeln dadurch zu unterscheiden, daß sie den Kopf gerade vorstrecken, so daß man den Schnabel als abgesetzte Spitze sehen kann, und daß die Schwungfedern an den geraden, überall ziemlich gleich breiten Flügeln gespreizt und nach vorn gebogen sind.

Vorkommen: Einst auf der gemäßigten Halbkugel allenthalben verbreitet, heute z. B. in Europa sehr fragmentiert und nicht in allen Regionen und Ländern Brutvogel. Heute in West- und Mitteleuropa nur noch Gebirgsvogel. Ist in der Regel Standvogel und inzwischen auch in den Südtiroler Alpen sehr heimisch.

Nahrung: Er ist in der Lage Beutetiere bis zu 5 Kilo zu “tragen”. Seine Beutetiere sind: “Murmeltiere, Schneehasen, Birk- und Auerhühner, Gams- u. Rehkitze aber auch Fuchs, Marder und geschwächte Tiere”. Nicht unerheblich ist der Fallwildanteil an seiner Beute. Ein Steinadlerpaar das einen Jungadler aufzieht benötigt in einem Jahr etwa 270 kg Beute. Bezogen auf seine Reviergröße (35 -150 Quadratkilometer ( 1 Quadratkilometer = 100 ha )ist der Einfluss des Steinadlers auf seine Beutetiere gering. Das Murmeltier ist beispielsweise seine Sommernahrung in den Alpen. Nutzt niedrigen Suchflug und Ansitzjagd. Der Steinadler kann maximal 5 kg heben, so daß er größere Beute erst zerteilen muß oder er beläßt sie an Ort und Stelle und sucht sie über eine längere Zeit immer wieder auf.

Fortpflanzung: Der Steinadler wird erst im fünften oder sechsten Lebensjahr fortpflanzungsfähig und lebt von da an in DAUEREHE . Jedes Paar pflegt mehrere Horste (bis zu zwölf), die sie abwechselnd benützen. Man darf daher aus der Zahl der Horste nicht auf die Zahl der Adler schließen. Die Horste sind in der Regel unterhalb der Jagdgebiete angelegt, da es für die Vögel naturgemäß leichter ist, die schwere Beute ab- als aufzutransportieren. Die Horste werden im Gebirge an Felswänden in Regengeschützten Nischen, meist für den Menschen kaum zugängig, angelegt, in der Ebene, wo der Adler in Mitteleuropa schon lange nicht mehr brütet, in der Krone hoher, alter Bäume. So ein Horst, der aus groben Ästen und Reisern besteht, wird bei jeder Benützung weiter ausgebaut, so daß er im Laufe der Jahre zu einer ansehnlichen Burg von 2 m Durchmesser und mehr als 1 m Höhe werden kann. Schon im Februar, März belegt das Weibchen die warm ausgekleidete Nestmulde mit ein bis zwei Eiern.   Das Weibchen brütet je Ei 43-45 Tage; wird während der Nahrungsaufnahme vom Männchen abgelöst. Nestlingszeit 65-80 Tage. Da die Jungen in einem Abstand von mehreren Tagen ausschlüpfen, sind sie ungleich groß. Das schwächere kommt dann bei der Atzung gewöhnlich zu kurz und verhungert oder wird vom Geschwister getötet. Beide Eltern jagen Beute, das Weibchen füttert.

Die Führungszeit ist lang und dauert in den Alpen etwa bis Jahresende. Da jährlich nur eine Brut

stattfindet, ist die Vermehrung der Adler gering und es ist verständlich, daß bei der rücksichtslosen Verfolgung, die die Adler in Mitteleuropa bis zum ersten Weltkrieg erfuhren, sie dem Aussterben nahe waren. Der Steinadler erhält nachdem er sein weißes Daunenkleid abgelegt hat, ein fast einfärbig dunkelbraunes Jugendkleid. Im zweiten und dritten Lebensjahr sehen sie das endgültige Alterskleid, im dem der Oberkopf und Hals hell graugelblich ist und die Unterseite des sonst dunkelbraunen Körpers mit einzelnen unscharfen, gelbbraunen Flecken besetzt ist. Der Schwanz ist in der Jugend im Wurzelteil weiß, im Alter grau, die Endhälfte aber immer schwarz und am Ende leicht abgerundet. Der Steinadler hat, ausgewachsen, etwa 2 m Flügelspannweite und ist im Flug an den gefingerten Schwingen, seinen mittellangen, leicht gerundeten Stoß und den vorgebauten Kopf gut zu erkennen. Der Schnabel und die Krallen sind schwarz, die Füße (Ständer) gelb. Es hat lange gebraucht, bis die Ornithologen sich in den vielen Kleidern der verschiedenen Adlerarten zurechtgefunden haben. Die Weibchen sind, wie bei allen Raubvögeln, merklich größer als die Männchen, und wiegen rund 4,5 kg, während die Männchen 3,5 kg schwer sind.

Lebenserwartung: Steinadler werden bis zu 20 Jahre alt.

Jagdzeiten: Der Adler steht unter Naturschutz und darf nicht bejagd werden

STIMME DES STEINADLERS