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Jagdhorn

DAS JAGDHÖRNER sind Brauchtum und Signalinstrumente 

Jagdhornbläser Sarner Meldar

Das Jagdhorn hat seit dem Mittelalter seine Bedeutung während der Jagd. Jagdsignale und jagdliches Brauchtum gehören zur Jagd wie das Salz in die Suppe. Das Jagdhorn hat auch heute noch einen hohen Stellenwert innerhalb der Jägerschaften und Verbände. Rund 50.000 Jäger blasen in Europa das Jagdhorn, ein ventilloses Blechblasinstrument, mit welchem, bedingt durch seine Bauform, nur eine begrenzte Zahl von Tönen aus der Naturtonreihe hervorgebracht werden kann. Unsere Vorfahren verwendeten das Horn des Urrindes als überlebenswichtiges Signalgerät. Dort liegt der Ursprung des Jagdhornes. Heute noch verwendet man das Jagdhorn bei Gesellschaftsjagden zur Verständigung über weite Entfernungen.
Mit der Zeit entwickelten sich Signale, die von allen Jägern verstanden werden müssen, um eine reibungslose Abwicklung der Jagd zu ermöglichen. Darüber hinaus dient das Blasen von Jagdhörnern in Gruppen der Pflege von Kultur und altem Brauchtum. Die Umrahmung von Feiern auf traditionelle Weise, ist aus dem modernen Jagdbetrieb nicht wegzudenken. Selbst bei nicht jagdlichen Anlässen werden Jagdhörner von Komponisten und Musikern in vielfältiger Weise als wohlklingende Melodieninstrumente immer wieder gern eingesetzt.

Das Parforcehorn ist ein Blechblasinstrument  das ursprünglich als Signalinstrument für die Parforcejagd diente. Es ist ein Vorläufer des Waldhorns. – Foto: BJM Eduard Weger

Jagdhornblasen erlernt man am besten in einer schon bestehenden Gruppe. Vorausgesetzt wird ein gutes Gehör und musikalisches Gespür, da Jagdhörner nur die Naturtöne (Naturhorn in B: c – g- c- e- g – a“) umfassen, welche durch eine Veränderung der Lippenspannung erzeugt werden. Die Technik ist zu einem gewissen Grad erlernbar, wenn es aber darum geht die gesamte Tonreihe zu einem Stück zu formen und das noch im Zusammenspiel mit anderen Bläsern, hilft nur das Gehör. Bei der „klassischen“ Reihe der Jagdsignale werden die fünf möglichen Naturtöne des Plesshorns (nur bei einem Signal werden 6 Töne verwendet) durch rhythmische und melodische Gestaltung zu klar unterscheidbaren Melodien geformt.

Das Parforcejagdhorn

Wir unterscheiden zwei Arten von Jagdhörnern. Das Parforcejagdhorn (großes Horn) und das Fürst-Pless-Jagdhorn (kleines Horn).

Das Parforcejagdhorn war zunächst zwischen 1700 und 1800 mit der aus Frankreich übernommenen prunkvollen Reitjagd bei uns bekannt und beliebt geworden. Es konnte aufgrund seiner Größe leicht über die Schulter gehängt werden, und der Reiter hatte beide Hände frei. Auf dem Parforcehorn sind dynamische Unterschiede sehr gut zu gestalten. Der Klangcharakter reicht vom weichen, runden Ton bis hin zum rauen, klirrenden Schmettern. Während in Frankreich das Parforcehorn immer im Vordergrund stand, war es bei uns nach und nach in den Hintergrund geraten und hat sich erneut nach 1970 durchgesetzt, da man wieder erkannt hatte, dass damit die Jagdmusik großartig bereichert werden kann. Die Grundstimmung ist in Es, B oder mit einem Ventil umschaltbar zwischen Es oder B. Das Instrument in B klingt eine Quinte höher als das in Es. Durch das Blasen mit Naturtönen können auch Melodien und als charakteristische zweistimmige Tonfolge die sogenannten Hornquinten gespielt werden. Auf dem Instrument in B sind mindestens 12 Naturtöne spielbar, auf dem Instrument in Es mindestens 16. Parforcehörner sind transponierende Instrumente, notiert wird immer in C-dur (d. h. ohne Vorzeichen) im Violinschlüssel Das Parforcehorn in B wird auch in einer Ausführung mit drei Ventilen (Wirkung der Ventile wie bei einer Trompete) gebaut. In Frankreich wird an Stelle des Parforcehorns die auf dem Grundton D stehende Trompe de Classe geblasen.

Das Fürst-Pless-Jagdhorn

Das Fürst-Pless-Jagdhorn wurde nach dem Oberstjägermeister des Kaisers Hans Heinrich XI. genannt, ab 1870 als Signalhorn für die Jagd verwendet, und hat sich bis heute mit seiner einfachen, aber einprägsamen Melodiegestaltung erhalten. Im

Zusammenklang mit anderen Hörnern vermittelt es einen kräftigen, runden Klangeindruck.
Mit dem Ventilhorn wurde eine Verfeinerung des vorgenannten Horns erreicht, denn es können noch zusätzliche Töne mit diesem Instrument erzeugt werden.

Nach erfolgreicher Jagd und zur Ehre des gestreckten Wildes wird das „kleine Horn“ für die Totsignale benötigt. Die Strecke wird verblasen. Jeder gestreckten Wildart wird mit einer speziellen Melodie die Ehre erwiesen. Erfreulicher Weise hat das Jagdhornblasen in letzter Zeit einen großartigen Aufschwung genommen. Dieser Trend ist zu unserer Freude festzustellen.

Die Bläsergruppe beteiligen sich auch an dem regelmäßig stattfindenden Wettbewerben und verschiedenen anderen zahlreichen Veranstaltungen. So gehören die Auftritte beim Hubertusfest und bei jagdlichen Veranstaltungen; zu besonderen Anlässen in der Jägerschaft wie z.B. runden Geburtstagen, Hochzeiten und jagdlichem Erfolg sind die Bläser zu hören und erfreuen mit Fanfaren und Jagdmärschen.

Bruchzeichen

Bruchzeichen sind für die praktische Jagdausübung wichtig.

Bruchzeichen haben ihren Sinn sowohl im jagdlichen Brauchtum als auch im praktischen Jagdbetrieb. Brüche sind die Zeichensprache der Jäger. Sie sind so alt wie die Geschichte der Jagd. So lange verständigten sich die Jäger durch Bruchzeichen und schmückten sich, ihre Hunde und das erbeutete Wild mit Brüchen. Ein alter Brauch ist der sog. “letzte Bissen”, d. h. dem erbeuteten Wild wird ein Zweig ins Maul gelegt. Diese Form der Aussöhnung mit dem getöteten Wildtier geht auf Riten von Jägern der Vorzeit und späterer Naturvölker zurück Im jagdlichen Brauchtum verkörpern die Brüche eine ethische und ästhetische Funktion. ,Die Verständigung der Jäger untereinander mit Hilfe der Bruchzeichen ist auch im Jagdbetrieb unserer Zeit noch von großer Bedeutung. Bei allen Bruchzeichen und auch allen als Schmuck zu verstehenden Brüchen handelt es sich um abgebrochene Zweige, hauptsächlich der Baumarten Eiche, Kiefer, Fichte, Weißtanne und Erle.

 

BRUCHZEICHEN

Der Hauptbruch ist etwa armlang und befegt.

Die wichtigsten Bruchzeichen sind:

Der Hauptbruch ist mindestens armlang, er wird mit dem Waidmesser blank befegt (Rinde wird abgeschabt), um ihn so auffallender zu machen. Der Hauptbruch bedeutet »Achtung« hier muß der Jäger auf weitere Zeichen achten. Er kann auch auffällig aufgehängt werden. Ein Hauptbruch wird mit anderen Brüchen kombiniert. Er wird gelegt, gesteckt oder gehängt und bedeutet ‘Achtung, hier ist etwas angesagt’.

 

 

 

Leitbruch: zeigt mit der gewachsenen Spitze, wohin der Jäger gehen soll.

 

 

Der Leitbruch, der nur noch halb-armlang und ebenso befegt ist, wird dann auf das Ereignis hinweisen. Sein gewachsenes Ende zeigt in die Richtung in der gefolgt werden soll.

 

 

 

 

 

 

Der Anschußbruch markiert den Anschuß oder möglichen Anschuß für den Hundeführer und ist meist in Fluchtrichtung des beschossenen Stückes mit dem Fährtenbruch kombiniert (Zeichnung). Der Anschußbruch wird in den Boden gesteckt und kann so weder vom Sturm verweht noch von Schnee zugedeckt werden.Er wird unbefegt einfach senkrecht in den Boden gesteckt. Seine Länge sollte dem Bodenbewuchs angepasst werden.

 

 

 

Fährtenbruch: deutet in die Richtung, in die das Tier geflüchtet ist.

 

Der Fährtenbruch: Wenn, aus welchen Gründen  auch immer, man sich nicht bei der Nachsuche beteiligen kann, wird hiermit der Hundeführer bei seiner Arbeit unterstützt.
Ein halbarmlanger nicht befegter Bruch wird je nach Geschlecht in die Fluchtrichtung gelegt (bei männlichem Wild die gebrochenen, bei weiblichem Wild die gewachsene Spitze nach vorne). Um Missverständnisse auszuräumen werden diese Brüche geäftert (kleiner Querbruch am Ende des Zweiges).

 

 

 

 

Standbruch: dient zum Markieren des Platzes, wo ein Jäger auf Drück- bzw. Treibjagden zu stehen hat

 

 

Standortbruch: Um bei Gesellschaftsjagden jedem Schützen seinen Standplatz genau zu beschreiben, wird ein armlanger Bruch in die Erde gesteckt sowie ein Hauptbruch auf den Boden gelegt. Die gewachsene Spitze zeigt in Richtung der Folge (Richtung in die der Schütze nach Abblasen des Treibens zum Sammelplatz gehen soll).

 

 

 

 

 

Wartebruch

 

Der Wartebruch: Wollen sich Jäger im Revier treffen wird ein Wartebruch, in Form von zwei gekreuzten Zweigen gelegt. Bei dem Wartebruch werden zwei unbefegte Brüche Kreuzweise übereinandere gelegt. Dies soll ein Sammelplatz oder auch Warteplatz für den Jäger darstellen

 

 

 

 

 

Warnbruch

 

 

Der Warnbruch: Ein von seinen Seitenzweigen vollkommen befegter, zum Kreis zusammengebogener Bruch, wird sichtbar in Augenhöhe aufgehängt. Er soll vor Gefahren (Fallen, baufälliger Hochstand, etc.) hinweisen.

 

 

 

 

Diese Gruppe sind die sogenannten »Streckenbrüche«. Dazu zählt man den Inbesitznahmebruch, den letzten Bissen, den Schützen- oder auch Erlegerbruch. Der letzte Bissen wird in Form eines kurzen grünen Bruches dem gestreckten Wild in den Äser geschoben. Ursprünglich wurde der letzte Bissen nur dem männlichen Schalenwild gegeben. Mittlerwiese ist er aber oft auch bei weiblichem Wild und auch bei Birkhahn, sowie beim Murmeltier zu sehen. Der Jäger hat das Wild in Besitz genommen und zeigt damit an, daß das Stück rechtmäßig erlegt ist. Der letzte Bissen ist eine Form der Respektbezeugung gegenüber dem gestreckten Wild. Im Jagdbetrieb dienen die Brüche der Verständigung, der Nachrichtenübermittlung und der Ordnung und Sicherheit. Zu dieser Gruppe gehören Haupt-, Leit-, Anschuß-, Fährten-, Standplatz-, Sammelplatz-, Warte- und Warnbruch. Jeder Bruch ist anders geformt , teilweise auch befegt oder blank und hat so eine eindeutige Funktion.

 

Der letzte Bissen sollte Demut vor der Natur, Achtung vor dem Lebewesen und Dank Ausdruck geben.

Auf der Einzeljagd

Das Erbeuten eines einzelnen Stückes Schalenwild geschieht meist auf der Einzeljagd.
Am Ende einer erfolgreichen Jagd wird das erlegte Stück waidgerecht zur Strecke gelegt. Oft wird dieser Brauch bei der Einzeljagd aber nur bei starken Trophäenträgern oder besonderen Ereignissen angewandt. Bei einem „alltäglichen“ Einzelabschuss „zur Planerfüllung“ wird man kein großes Jagdritual vollziehen.  Auch wird der Jungjäger, der erst wenige Stücke erlegt hat, ein anderes emotionales Verhältnis zu diesem Brauch haben als ein Jäger, der schon viele Jahrzehnte zur Jagd geht.
Alles erlegte Schalenwild erhält den Inbesitznahmebruch. Hierzu wird das Stück waidgerecht auf die rechte Seite gestreckt und ein halbarmlanger, unbefegter Bruch auf den Wildkörper (Blatt) gelegt. Bei männlichem Wild weist dabei der Bruch mit dem gebrochenen Ende zum Haupt, bei weiblichem Wild mit dem gewachsenen Ende zum Haupt des Stückes. Männliches Schalenwild und anderes Hochwild erhält außerdem den Letzten Bissen (zunehmend auch weibliches Wild). Dazu wird dem gestreckten Wild ein kleiner Bruch von oben nach unten durch den Äser gesteckt.

Foto: Franz Spiss, Revier Sarntal

Jagd mit dem Jagdbegleiter oder Hundeführer

Wenn ein Jagdgast geführt oder der Jäger von jemandem begleitet wird, kommt es zu einem gemeinsamen Erlebnis. Der Erlegerbruch wird dem Schützen vom Jagdherrn oder Jagdleiter mit Händedruck und “Waidmannsheil” überreicht. Der Erleger – oder Schützenbruch ist ein kurzer bruchgerechter Zweig. Er wird dem Schützen vom Jagdbegleiter oder vom Hundeführer nach der Nachsuche überreicht. Der Schützenbruch wird mit dem Schweiß am Ein- oder Ausschuss des erlegten Stückes benetzt. Der Bruch wird dem Erleger vom Jagdherren mit dem Ausspruch “Waidmannsheil” überreicht. Der Schütze nimmt den Bruch, bedankt sich mit “Waidmannsdank” und steckt ihn auf die rechte Hutseite. Somit soll dem Schützen für seine Jagdausübung gedankt werden. Der Hundeführer oder Jagdbegleiter steckt den Bruch auf die linke Hutseite. Ist ein Stück Wild im Rahmen einer Nachsuche mit dem Hund zur Strecke gekommen, bricht der Schütze den Zweig vom Erlegerbruch – den er vorher in der Regel vom Hundeführer überreicht bekommen hat – ab und reicht diesen dem Hundeführer zurück. Der Hundeführer steckt schließlich diesen – vergleichsweise kleinen Hundebruch seinem vierbeinigen Gefährten in Anerkennung seiner erfolgreichen Arbeit an die Halsung.

Nach der Gesellschaftsjagd

Das Streckelegen erfolgt nach Beendigung der Jagd, bei sehr guten Niederwildjagden auch nach Beendigung jedes einzelnen Treibens. Es gibt sowohl reine Schalenwild- als auch reine Niederwild- oder gemischte Strecken. Alles Wild liegt in der Strecke auf der rechten Seite. Schalenwild wird mit dem Inbesitznahmebruch, und männliche Stücke werden zusätzlich mit dem Letzten Bissen verbrochen. Das Haupt von Trophäenträgern wird so gelegt, dass die Trophäe gut zur Geltung kommt. Bei Schalenwildstrecken liegt in der ersten Reihe das Rotwild. Dabei liegen die Hirsche auf dem rechten Flügel, also vom Jagdleiter aus gesehen, links, dann folgt das weibliche Wild. Männliches und weibliches Wild wird unter sich nach der Stärke geordnet, wobei das stärkste Stück jeweils am rechten Flügel liegt. Nach den gleichen Gesichtspunkten geordnet, liegen in der nächsten Reihe das Damwild, dann Schwarzwild, Muffelwild und Rehwild.Bei reinen Niederwildstrecken liegen die Füchse

Mit nach oben gebogenen Lunten in der ersten Reihe. In der zweiten Reihe folgen die Hasen, dann Kaninchen. Als erstes Flugwild liegen die Fasanen auf der Strecke, dann die Enten und anderen Flugwildarten. Bei Niederwild wird, vom rechten Flügel beginnend, jedes zehnte Stück eine halbe Wildlänge vorgezogen. Bei sehr großen Strecken werden meistens nicht mehr als 100 in einer Reihe gestreckt, dann wird mit einer neuen Reihe begonnen.

Große Niederwildstrecken kann man auch kreisrund legen, beispielsweise bei der Hasenjagd. In die Mitte der Strecke legt man dabei die Füchse und anderes Raubwild. Bei gemischten Strecken, etwa bei Waldtreibjagden, liegt das Schalenwild vor dem Niederwild. Dabei gelten die bereits genannten Grundsätze. Jeder Strecke sollte so angeordnet sein, dass sie möglichst nicht tiefer als breit sein darf.