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Schrotgewehr

Die richtige Flinte

 Mit Josef Adler und Franz Veit

In Zangtal wurde das ANBLICK-Schrotschuss-Seminar abgehalten. Am praktischen Flintenschießen interessierte Jäger wurden von Ing. Franz Veit und Josef Adler zuerst theoretisch im Umgang mit der Flinte unterwiesen. Dann folgten praktische Übungen am Trap-Stand sowie beim Jagdparcours.

Je nach Anordnung der Läufe entwickeln Flinten Eigenheiten im Bezug auf das Schießverhalten. Deshalb stellt sich die Frage, ob die jagdlich üblichen Querflinten für den Schrotschuss besser oder schlechter geeignet sind?

Flinte oder Bockflinte?
Querflinten sind im jagdlichen Betrieb der Bockflinte ebenbürtig, solange nicht hohe Schusszahlen in rascher Abfolge abgegeben werden. Dann beginnt das Problem der heißen Läufe – das Halten der Waffe wird ohne Handschuh oder Laufschutz nahezu unmöglich. Bei leichteren Waffen kann es auch bereits zu Verspannungen kommen, und die Waffe lässt sich nur schwer öffnen. Vorteile bringt die Querflinte beim Zielen auf querstreichendes Flugwild sowie bei querflüchtigen Hasen. Das Aufnehmen ist durch die breitere Waffe einfacher.
Bockflinten sind sowohl im jagdlichen als auch im sportlichen Schießen universell einsetzbar. Je nach Ausbildung der Verschlusskonstruktion sind mit diesen Waffen hohe Schussanzahlen ohne Beeinträchtigung der Trefferbilder und ohne Nachteile für den Schützen möglich – der Vorderschaft umschließt ja den unteren Lauf. Die Hand greift nicht direkt auf das heiße Metall.

Der Lauf schießt, der Schaft trifft: Ein Sprichwort, welches nichts an Aktualität verloren hat. Der Schaft entscheidet großteils darüber, ob mit einer Waffe getroffen oder gefehlt wird. Dies gilt sowohl bei der Jagd wie auch beim jagdsportlichen Schießen. Sehr oft wird beim Ankauf der Waffe zu wenig Rücksicht auf die richtige Schäftung der Waffe gelegt. Dabei ist nicht nur die Länge des Schaftes zu beachten, denn diese kann ja auch noch im Nachhinein durch Kürzen oder Montieren einer stärkeren Schaftkappe geändert werden. Viel wichtiger ist die Lage des Schaftes zur Visierlinie, zur Laufschiene.

Senkung und Schränkung: Die Senkung und Schränkung des Schaftes muss vor allem beachtet werden. Die Senkung des Schaftes ist dafür verantwortlich, ob die Flinte einen „Hochschuss“ hat oder ob man das Ziel „abdecken“ muss. Je nachdem für welchen Einsatz die Waffe hauptsächlich eingesetzt werden soll, wird man sich für mehr oder weniger Hochschuss entscheiden. Es macht keinen Sinn, wenn sich ein Jungjäger von einem Trap-Schützen ein gebrauchtes Gewehr kauft, nur weil es günstig ist und der Vorgänger damit eine 25er-Serie nach der anderen geschossen hat. Auf der Jagd wird er mit dieser Waffe verzweifeln, weil er nichts trifft, er wird nämlich dauernd zu hoch schießen, ohne es selbst zu merken.
Umgekehrt wird ein angehender Sportschütze mit einer „Suhler“ – die für starke Senkung bekannt ist – am Trap-Stand verzweifeln. Um zu treffen, müsste er die Taube ja jedes Mal ordentlich abdecken. Universell einsetzbar, ob zur Jagd oder fürs jagdsportliche Schießen, ist eine Waffe mit leichtem Hochschuss – egal ob

Quer- oder Bockflinte
Noch ein Wort zur Schränkung. Mit einer „geraden Waffe“ trifft jeder, egal ob Rechts- oder Linksschütze. Eine Schränkung ist nur in den seltensten Fällen notwendig, eine falsche Schränkung führt aber unweigerlich zum Fehlschuss. 

Bockflinte

Querflinte

71 cm bis 76 cm Lauflänge: Lauflängen zwischen 71 cm und 76 cm sind heute Standard, wobei 76 cm-Läufe eher für das sportliche Schießen Verwendung finden. Für die Jagd sind die kürzeren Läufe von Vorteil, weil sie führiger sind und leichter zu korrigieren.

Sporting-Läufe Bei den Läufen setzen sich in letzter Zeit immer öfter die so genannten „Sporting Läufe“ mit den wechselbaren Choke-Einsätzen durch. Dadurch kann die Waffe auf den speziellen Einsatz abgestimmt werden – von Zylinder bis Extra-Full. Bei der Jagd kann auf diese Ausführung allerdings verzichtet werden. Eine fixe und oder und 1 Bohrung reichen allemal aus.

Einabzug – ein Muss 
Es setzt sich in letzter Zeit immer mehr der Einabzug durch. Wenn der Schütze beabsichtigt, mit der Waffe auch jagdsportlich zu schießen, ist der Einabzug ein absolutes Muss. Wenn die Waffe nur zur Jagd Verwendung finden soll, kann es aber ohne weiteres ein Doppelabzug sein. Für viele Jäger ist die Flinte ohne Doppelabzug gar nicht vorstellbar.

Kaliber – eine Philosophie für sich
Für viele Jäger ist die Wahl des Kalibers eine eigene Philosophie. Es soll hier daher keine Lanze für irgend ein Kaliber gebrochen werden. Wer der Meinung ist, das Kal. 20 sei für ihn das Richtige, der soll damit zur Jagd gehen. Wenn er ein guter Schütze ist, wird er damit vielleicht auch mehr Stücke zur Strecke bringen als sein Nachbarschütze mit Kal. 12. Eines ist allerdings sicher, wenn die Waffe auch jagdsportlich eingesetzt werden soll, ist Kal. 12 die richtige Wahl. Das Angebot an Waffen und vor allem aber auch das Angebot an kostengünstiger Munition ist hier am größten.
Und noch etwas kann als erwiesen angesehen werden: Die Einsatzschussweite reduziert sich vom Kal. 12 auf Kal.16 um 5 m und von Kal. 16 auf Kal. 20 um weitere 5 m. Von Kal. 12 auf Kal. 20 sind das also 10 m! Wenn nun immer entgegen gehalten wird, dass mit Kal. 20 viel weiter geschossen werden kann als mit Kal. 12, beruht dies meistens auf der Tatsache, dass die kleinkalibrigen Waffen meist sehr enge Bohrungen besitzen, im Gegensatz zu den weiteren Bohrungen und kürzeren Läufen der großkalibrigen Waffen.

Wahl der Munition
Bei Wettkämpfen am Schießstand werden generell nur Schrotkorndurchmesser von 2,0 – 2,5 mm verwendet bei einem Schrotgewicht von 24 Gramm bei Trap- und Skeet-Bewerben, bis 28 Gramm bei Compak-Sporting und bis 36 Gramm beim Jagdparcours. Für die Jagd bestimmt das zu bejagende Wild die Schrotgröße. Schrotgröße um 3,3 mm sind als gute Wahl für alle bei uns vorkommenden Niederwildarten anzusehen. Beim Schrotgewicht ist zu bedenken, dass eine 42-Gramm-Ladung wesentlich langsamer ist, als eine 28-Gramm-Ladung. Das Vorhaltemaß kann bei der leichteren, aber schnelleren 28-Gramm-Ladung daher um einiges geringer sein – ebenso die Beanspruchung der Waffe und des Schützen. Eine leichte 28-Gramm-Ladung ist also sehr oft die bessere Wahl.

DER SCHROTSCHUSS

Foto; Cacciatrici Trentine

Der Schrotschuss: (k)ein geeignetes Instrument zum „waidgerechten“ Töten?

Die Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd Schleswig-Holstein, der Deutsche Jagdschutzverband und die Landesjagdverbände erinnern die Jäger mit Regelmäßigkeit an ihre ethische und gesetzliche Pflicht, das Wild so zu erlegen, dass ihm vermeidbare Schmerzen und Leiden erspart bleiben.
In der Praxis jedoch ist leider zu beobachten, dass viele Jäger dieses Gebot nur unzureichend befolgen. Das gilt insbesondere beim Schießen mit Schrotgewehren auf sich bewegende Ziele. In Deutschland erkennt man derzeit bei den praktizierenden Jägern kaum Bereitschaft, das Problem überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn es objektiv anzugehen und nach Erklärungen und Lösungen zu suchen.
In den skandinavischen Ländern und in Nordamerika hingegen hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Schrotjagd vielfach zu dem Ergebnis führt, dass beschossene Tiere keinesfalls unmittelbar getötet werden,
sondern verletzt entkommen und mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitlich beeinträchtigt sind bzw. nach längerem Leiden sterben.
In den USA werden jährlich etwa 14 Millionen Wasservögel erlegt. Vier Millionen weitere werden dabei krankgeschossen und entkommen. Viele von ihnen werden wahrscheinlich den Verletzungen erliegen. Man muss also davon ausgehen, dass zu der Jagdstrecke noch etwa ein Drittel (28%) Schussopfer
zu addieren sind.
In Dänemark haben Untersuchungen und Modellrechnungen ergeben, dass auf 10 totgeschossene Kurzschnabelgänse 5 angeschossene Gänse kommen. In einer anderen Studie fanden Wissenschaftler sogar einen Anteil von 7 krankgeschossenen Gänsen auf 10 getötete Tiere. Bei gefangenen jungen Kurzschnabelgänsen im ersten Lebensjahr ergaben Röntgenuntersuchungen einen Anteil von 24% mit Schrotkugeln im Körper, bei älteren gar 36%. In England wurden adulte Kurzschnabelgänse untersucht. 39% waren mit Schrotkugeln belastet. Schwedische Forscher ermittelten bei jungen Saatgänsen 28% Schrot-verletzte Individuen und 62% bei den älteren Vögeln.

Die Sterblichkeitsraten bei verletzten Tieren sind schwer zu ermitteln.
Modellrechnungen ergaben keine eindeutigen Richtwerte. Sie zeigen jedoch erhöhte Mortalität bei Schrot-verletzten Vögeln gegenüber nicht verletzten.
Die Untersuchungsergebnisse sind mit hoher Sicherheit auf die Situation in Deutschland zu übertragen. Hier wird im Unterschied etwa zu Skandinavien noch überwiegend Bleischrot verwendet. Dieses Schwermetall belastet angeschossenes Wild nicht nur durch die Verletzungen beim Einschlagen in den Körper, sondern auch durch seine toxische Wirkung. Es löst sogar Kettenreaktionen aus, indem Wildtiere, welche angeschossene Vögel oder Säugetiere fressen, ebenfalls vergiftet werden . Studien an Seeadlern ergaben bei 28% bzw. 20% Vergiftung durch Blei aus Schrot- und Kugelmunition als Todesursache. Seeadler erbeuten angeschossene Wasservögel und ernähren sich auch von Kadavern und Aufbruch. Würde man für die schleswig-holsteinische Jahresstrecke von 2002/2003 an Enten und Gänsen, die ca. 75.000 Individuen betrug, aufgrund der oben zitierten Erfahrungen aus Skandinavien annehmen, dass auf jeweils 10 unmittelbar getötete 5 verletzte Tiere zusätzlich entfallen, so würde das bedeuten, dass weitere 37.500 angeschossen entkommen sind!
Für die hohe Rate von verletzten Wasservögeln und ggf. sekundär vergifteten Beutegreifern machen Fachleute Jäger verantwortlich. Viele jagen leichtfertig trotz unzureichender Schießfertigkeit. Es mangelt ihnen an Disziplin beim Schuss auf Wild. Häufig schießen sie auf zu große Entfernungen und verwenden überwiegend Bleimunition.
Gravierende Tierschutzprobleme bestehen gewiss nicht nur bei der Wasservogeljagd, sondern generell beim Schrotschuss auf sich bewegende Wildtiere, also Hasen, Kaninchen, Tauben, Fasanen etc..

Es ist also davon auszugehen, dass Jahr für Jahr in Deutschland Hunderttausende von jagdbaren Vögeln und Säugetieren angeschossen und nicht gefunden werden.

 

Text von von Dr. Günter Heidemann, AGNJ-SH
Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd e.V. Schleswig-Holstein AGNJ-SH
Landesverband des ÖJV  Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmut Neu Windmühlenkoppel 17a 23617 Stockelsdorf

 

Waffenkunde

In den Wildbezirken Südtirols können folgende Schußwaffen und Munitionsarten für Jagdzwecke benützt und mitgeführt werden:

  1. alle Doppel- und Bockdoppelflinten (Schrotgewehre) mit einer Laufweite nicht größer als Kaliber 12,
  2. alle Büchsen (Kugelgewehre) einschließlich der Repetierbüchse ab Kaliber 5,6 mm; die dazugehörigen Patronen müssen eine Hülsenlänge von mindestens 40 mm haben.
  3. kombinierte Gewehre, und zwar zwei- und dreiläufige Gewehre mit einem oder zwei Schrotläufen mit einer Laufweite nicht größer als Kaliber 12 sowie einem oder zwei Kugelläufen ab Kaliber 5,6 mm und einer Hülsenlänge von mindestens 40 mm.

(2) Die Verwendung von Prügel- oder Kastenfallen für die Jagd auf Raubwild kann unter Beachtung allfälliger von dem für die Jagd zuständigen Landesrat festgesetzter Zeiten und Auflagen ebenfalls erlaubt werden.

(3) Der Jagdausübungsberechtigte ist ermächtigt, während der Jagd außer den erlaubten Schußwaffen und Jagdhunden Jagdmesser und -stichwaffen mitzuführen.

Der Jäger hat die Aufgabe übernommen, die früher in unseren Breitgraden Wolf, Bär, Luchs hatten, nämlich die schwachen und kranken Tiere schnell und schmerzlos zu erlegen und so zur Gesundhaltung und Regulierung der Wildarten beizutragen.
Bei der Jagd hat der Jäger mit unterschiedlichen Schuss-Entfernungen zu tun. Das Wild kann 20 oder auch über 300 Meter entfernt stehen, das Ziel kann hasengroß oder aber auch hirschgroß sein. Die Jagdbüchse soll diesen Anforderungen gerecht werden. Eine moderne Jagdbüchse mit Zielfernrohr erfüllt diese Anforderungen.  Wenn der Jäger seine Waffe auf „Fleckschuss“ einschießt, dann geht er davon aus, dass er eine gewünschte optimale Entfernung wählt (etwa bis 200 m).Im Jagdbetrieb, dort richtet sich die Schussentfernung nach dem Standort des Wildes, es kann auf 15 oder auf 400 Meter in Anblick kommen. Das ist variabel und vorher nicht planbar. Der Jäger muss natürlich abwägen, ob der Schuss über eine bestimmte Entfernung noch vertretbar sicher ist. Besonders bei langsamen Geschossen (rasanzschwache Kaliber) wird Fleckschuss gewählt. Auch vor allem bei „Schonzeitbüchsen“, die bei der Raubwildjagd eingesetzt werden, wird oftmals der Fleckschuss vorgezogen. Dabei kommt erschwerend dazu, dass das Wild relativ klein ist und sich schon deshalb größere Entfernungen verbieten, wenn man waidgerecht jagen will.

Fotograf unbekannt

Die Ausübung der Jagd ist zwangsläufig eng mit dem Umgang mit Waffen verbunden. Jeder, der unter bestimmten Umständen eine Waffe führen und benutzen darf, muss sich der Gefahren voll bewusst sein. Auf keinen Fall darf die ethische Verpflichtung vergessen werden, die der waidgerechte Jäger seinen Wild gegenüber hat.

Merke: Bei einem Schuss auf Wild muss genau und tödlich getroffen werden. Sogenannte „Kunstschüsse“ verbieten sich aus Gründen der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes! Dem Fach JAGDWAFFENKUNDE wird in der Jägerprüfung eine besondere Bedeutung beigemessen, die es auch für den schon oder bald aktiven Jäger nie verlieren wird.

Der Besitz einer, für jede Wildart passenden Büchse oder Flinte, muss für jeden Jäger selbstverständlich sein. Ein gute Ausrüstung, ein Rucksack, trittsicheres Schuhwerk, ein gutes Fernglas und ein Spektiv gehören ebenfalls dazu. Auch ein Erste Hilfe Paket gehört in jeden Rucksack. Ein Handy kann für Notfälle mitgeführt werden. Es ist besonders im Gebirge vorteilhaft, bei angeschweißten Wild sofort einen Hundeführer oder beim Abschuss von schwerem Wildtieren sofort Hilfe zur Bergung rufen zu können. Mit der Waffe fängt es an: Beginnen wir mit dem Handwerkszeug: Voraussetzung für das saubere Erlegen von Wild ist das hundertprozentige Vertrauen zur Waffe. Das Kontroll- beziehungsweise Einschießen der Büchse vor Beginn der Bockjagd ist für die meisten von uns selbstverständlich geworden, aber das war es dann häufig auch schon für den Rest des Jagdjahres. Doch, wenn wir ehrlich sind, das reicht nicht. Kaum einer von uns erlegt so viel Wild, dass er ausreichend Routine bei allen Jagdarten hat.
Es sollte daher selbstverständlich sein, dass zumindest bei unerklärbaren schlechten Schüssen oder Fehlschüssen die Waffe auf ihre Treffpunktlage hin kontrolliert wird.
Wie gesagt, schießen hat auch etwas mit Psychologie zu tun, und das Vertrauen zur Waffe darf keinesfalls gestört sein.
Darüber hinaus sollte jeder von uns einige Male im Jahr die üblichen DJV-Disziplinen mit seiner „Alltagswaffe“ schießen, und diejenigen, die Drückjagd-Gelegenheiten haben, sollten einige Packungen Patronen mit ihrer Drückjagdwaffe auf den laufenden Keiler, besser noch im Schießkino „verbrauchen“. Man weiß dann ziemlich genau, was man sich im Jagdbetrieb zutrauen kann und wann man besser „den Finger gerade lässt“.


Bei uns wird zweifellos das meiste Schalenwild von Stand- oder Hochsitzen aus erlegt. Pirsch und Drückjagd sind für viele die Ausnahme. Nun sind ja bekanntlich längst nicht alle Stand- und Hochsitze von der Konstruktion her gleich, und es ergeben sich ständig andere Anschlag-Situationen. Daher hat es sich bewährt, besonders bei unbekannten Sitzen, gleich nach Besteigen Anschlag-Übungen in alle Schussrichtungen zu machen. Wenn es dann ernst wird, weiß man sofort, wie man sich einrichten muss, um ruhig zu schießen. Eventuelle Auflagehilfen für den Ellenbogen oder ähnliches liegen dann rechtzeitig parat und können eingerichtet werden, ohne dass es klappert oder die Anschlaghilfe gar herunter fällt. Man mag das als Pedanterie auslegen, aber diese Anschlag-Übungen helfen, wenn Wild überraschend anwechselt. An oder auf großen Flächen oder an langen Schneisen, verschätzen sich besonders (allein gelassene) Jagdgäste oft in der Entfernung. Mit unseren großen Optiken wird dann manchmal unverantwortlich weit geschossen, was zu Fehl- oder Krankschüssen führt. An Schneisen helfen Markierungspflöcke in 100, 150 und 200 Meter Entfernung, solche Fehleinschätzungen zu vermeiden. Auf großen Freiflächen kann man dem Jagdgast auch anhand markanter Geländepunkte Schätzungshilfen geben. Auch wenn ich allzu viel Technik auf der Jagd nicht besonders liebe, aber in fremden Revieren, bei der Berg- und der Auslandsjagd hat sich mittlerweile ein Laser-Entfernungsmesser gut bewährt. Besagte Pflöcke oder Markierungspunkte im Gelände helfen selbstverständlich auch bei der späteren Suche nach einem eventuellen Anschuss. Die heutige Optik und Präzision der Gewehre verführt zum weiten Schießen. Selbstverständlich muss sich jeder seine eigenen Grenzen selbst stecken. Wenn wir unsere Büchsen, wie heute üblich, auf 100 Meter mit rund vier Zentimeter Hochschusseinschießen, ist ein Treffen auf rund 200 Meter ohne große Haltepunktveränderung mit den meisten Kalibern möglich. Im Normalfall sollte man es meines Erachtens aber bei geringem Schalenwild bei 150 Meter gut sein lassen, und 200 Meter Schuss-Entfernung dürfte für die meisten, auch bei starkem Hochwild, die obere Grenze darstellen. Ich weiß, dass teilweise im Hochgebirge weiter geschossen wird. Aber zum einen ist die vorrangige Anschlagart im Hochgebirge, liegend aufgelegt, eine sehr sichere Anschlagart, und zum anderen lassen es die Geländestrukturen dort manchmal nicht anders zu. Die Bergjäger trainieren außerdem die weiten Schüsse auch sehr intensiv und kennen in der Regel ihre eigenen und die Leistungen ihrer Waffen.

Misst man aber im Hochgebirge mit dem Entfernungsmesser die geschätzten Entfernungen nach, erlebt man oft Überraschungen. Die meisten Nachsuchen schlicht durch zu riskantes Schießen verursacht werden. Wer sich an eine vernünftige Entfernung hält und das Wild nur breit stehend beschießt, wird kaum Nachsuchen verursachen. Experimente wie Träger- und Tellerschüsse oder solche auf spitz stehendes Wild, verursachen Probleme.

Bericht: Deutsche Jagdzeitung

Siehe auch Jagdwaffen und Handhabung