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“Ein Wildunfall kann für alle Beteiligten eine traumatische Erfahrung sein.”
 Laut Presseaussendung des Südtiroler Jagdverbandes, wurden in den vergangenen Jahren, etwa 600 bis 900 Wildunfälle gemeldet, wobei die Dunkelziffer weitaus höher ist!

 

Viele Autofahrer stehen nach einem solchen Vorfall unter Schock und zögern, die Notrufnummer 112 zu wählen. Diese Entscheidung hat gravierende Folgen, sowohl für die verletzten Tiere als auch für die Menschen, die möglicherweise Hilfe benötigen. Es ist von großer Bedeutung, die Gründe für dieses Verhalten zu verstehen und Lösungen zu finden, um die Notfallreaktion zu verbessern.

Die rückläufige Meldung von Wildunfällen und das Zurücklassen verletzter Tiere lassen sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel gesellschaftlicher, rechtlicher und individueller Faktoren. Ein wichtiger Grund, warum viele Autofahrer nach einem Wildunfall nicht anrufen, ist die Unsicherheit über die Situation. Manche Lenker sind schlicht überfordert: Sie wissen nicht, wen sie anrufen sollen, dürfen das Tier nicht erlösen und verlassen aus Unsicherheit den Unfallort.

Oft wird angenommen, dass noch angefahrene und flüchtige Tiere unverletzt sind und keine Hilfe benötigen. Studien zeigen jedoch, dass viele Tiere nach einem Zusammenstoß schwer verletzt sind. Das Ignorieren eines Wildunfalls kann dazu führen, dass leidende Tiere unnötig lange im Schmerz bleiben und bei den meisten Fällen zum Tod führen.

Ein weiterer Grund, warum Autofahrer zögern, die Notrufnummer 112 zu wählen, ist die Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Einige Menschen befürchten, für den Unfall verantwortlich gemacht zu werden, selbst wenn es sich um einen unglücklichen Vorfall handelt. Diese Angst kann lähmend sein und dazu führen, dass Hilfe nicht in Anspruch genommen wird.

Unkenntnis über den richtigen Umgang mit Wildunfällen spielt eine wesentliche Rolle. Viele Autofahrer wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie ein Tier überfahren. Aufklärung und Informationen könnten hier Abhilfe schaffen. Bildungseinrichtungen und Verkehrssicherheitskampagnen könnten dazu beitragen, das Bewusstsein zu schärfen und den Menschen zu zeigen, welche Schritte im Falle eines Wildunfalls zu unternehmen sind. Konkrete Informationen darüber, wie man sich verhält und wem man helfen kann, sind unerlässlich für eine schnelle und angemessene Reaktion.

Angst vor Alkoholkontrollen mit polizeilichen Konsequenzen spielen eine wesentliche Rolle:
Aus dieser Angst heraus wird der Unfall verschwiegen, selbst wenn ein Tier verletzt zurückbleibt. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt, dass ein Autofahrer, der ein Reh überfahren hat, beim Eintreffen der Polizei einen langen bürokratischen Weg ergehen mußte, von der Alkoholkontrolle bis zur Begutachtung des Fahrzeuges, Autoreifen………  Gerade solche Situationen schrecken Autofahrer/innen ab, Hilfe zu holen, auch wenn solche Situationen NUR Einzelfälle sind.

Zeitdruck und Bequemlichkeit:  Insbesondere auf dem Arbeitsweg oder nachts scheuen viele den Zeitaufwand, Polizei, Forstdienst oder Jagdausübungsberechtigte zu verständigen. Der kurzfristige Eigennutzen wird über das Tierwohl gestellt.

Unwissen über Meldepflichten:  Ein erheblicher Teil der Autofahrer weiß nicht, dass Tierunfälle in Italien meldepflichtig sind. In Italien besteht eine Meldepflicht bei Wildunfällen, auch wenn das Tier flüchtet, insbesondere in Regionen wie Südtirol, wo Sie die Notrufnummer 112 wählen müssen, um die örtliche Forstbehörde oder Jagdaufseher zu informieren; das Unterlassen kann rechtliche Konsequenzen haben, da dies Tierschutz und Verkehrssicherheit betrifft, und bei angefahrenen Haustieren ist ebenfalls eine Meldung bei Polizei ratsam, um Tierquälerei zu vermeiden und Hilfe zu organisieren.  Eine rasche Meldung erspart dem Tier unnötiges Leiden! 

Zusammenfassung: Die Entscheidung vieler Autofahrer, die Notrufnummer 112 nach einem Wildunfall nicht zu wählen, wird aus Unsicherheit, Angst vor rechtlichen Konsequenzen und mangelndem Wissen resultiert. Um die Situation zu verbessern, ist es entscheidend, sowohl über rechtliche Schutzmaßnahmen als auch über den richtigen Umgang mit solchen Unfällen aufzuklären. Es ist an der Zeit, die Gesellschaft dazu zu bewegen, Verantwortung zu übernehmen und im Notfall zu handeln. Nur so kann sichergestellt werden, dass verletzte Tiere die Hilfe erhalten, die sie dringend benötigen.

Mit zunehmender Urbanisierung und gesellschaftlicher Distanz zur Land- und Forstwirtschaft geht oft auch das Verantwortungsgefühl gegenüber Wildtieren zurück. Das Tier wird nicht mehr als Teil eines Ökosystems wahrgenommen, sondern als „Sachschaden am Fahrzeug“.

 

Siehe auch unsen Bericht: Bei Wildunfällen- Notrufnummer 112 wählen

Bericht: WP-Südtroler Jagdportal