Wenn es unten im Tal schon lange Frühling ist, leuchtet die Alm im Königstal noch weiß. Aber Ende April bis spätestens Anfang Mai graben sich schon die Murmeltiere durch den meterdicken Schnee. Ihr Winterschlaf ist vorbei, und sie sitzen vor den Löchern in der wärmenden Lenzsonne, obwohl es noch 6 bis 7 Wochen dauern wird, ehe sie rundum grüne Nahrung finden werden. Ihr frühes Erscheinen hat einen Grund: der Sommer ist kurz, und sie müssen so früh es geht Hochzeit halten. Denn je eher die Jungen geboren werden, desto größer und runder werden sie in den Herbst gehen, wenn die Zeit der nächsten Schlummer-Runde naht. Es ist für alle lebenswichtig, wenn ihre Konstitution gut ist. Es profitiert die ganze Familie davon, denn ein Murmeltier hält es im Winter alleine nicht aus. Spätestens Anfang Oktober geht es ab ins Kuschelbett, dann beginnen 7-8 Monate Winterschlaf. Je fetter und gesünder sie sind und je mehr sich zusammenkuscheln, desto besser ist die Überlebenschance für die ganze Familie. Darum mühen sich alle redlich, sich die nötige Speckschicht für die nächste Schlummerrunde anzufressen. Zu kleine Familien haben aber auch dann noch Probleme, heil über den Winter zu kommen. Der Großfamilie geht es am allerbesten.
Foto; Holg Schmiedt
Schlecht ergeht es oft den 5-jährigen, die abgewandert sind, um neue Reviere zu besiedeln und eigene Familien zu gründen. Solange es keine Jungen und Enkel im eigenen Bau gibt, können sie nicht kuscheln, und da kann es im Winter schon ekelhaft kalt sein, falls die wärmende Schneedecke dünn bleibt. Schlecht ergeht es aber auch den Senioren, die ausgezogen sind, um ihr Altenteil in einem abseitigen Bau alleine zu beziehen. Oft sind sie mit Parasiten verseucht, oder sie wollen ohne Gesellschaft sein, weil es ihnen nicht besonders gut geht. Der erfahrene Bergbauernjäger kennt solche Baue, und er weiß, dass die alten Murmeltiere wenig Chance haben, lebend über den Winter zu kommen, wenn sie niemand zum Kuscheln haben. Er jagt bevorzugt dort, denn hier richtet seine Jagd für den Gesamtbestand keinen Schaden an. Auch Fuchs und Steinadler kennen diese Altersbaue und wissen, dass die alten Herrschaften oft unvorsichtig sind und dass man Chancen hat, dort nicht nur zu jagen, sondern auch zu fangen. Murmeltierjagd, wie in der Schweiz, Südtirol und Österreich, ist bei Bergsteigern unbeliebt. Viele reagieren mit Emotionen darauf. Sie haben auch irgendwie Recht, denn starke und gesunde Tiere aus einer Großfamilie herauszuschießen, ist unwaidgerecht, weil jedes fehlende alte, gesunde und starke Tier eine ganze Murmeltiergemeinschaft gefährden kann. Denn jedes einzelne Tier wird für ihre Überlebensstrategie gebraucht. Die Jungtiere haben ohne ältere Onkel, Tanten und Eltern wenig Chancen durch den Winter zu kommen, aber auch die Jugend wird gebraucht, damit die alten Murmeltiere kuscheln können. So hat „Zimmeter“ bis zu 15 Murmeltiere in einem Bau friedlich schlafend, zusammengerollt und kuschelnd angetroffen. Der Biologe Walter Arnold hat die Erkenntnis vom kuschelnden Murmeltier bekannt gemacht, aber die alten Bergbauernjäger haben das auch schon gewusst, nur haben sie sich nicht so gut ausdrücken können wie er als Akademiker, und über die Zusammenhänge haben sie auch noch nicht nachgedacht. Aber sie wären nicht auf die Idee gekommen wie ein Stadtjäger, der kaltlächelnd aus einer intakten Murmeltiergroßfamilie die wichtigsten herausschießt und damit in Kauf nimmt, dass eine kleine Familie dem Kältetod geweiht ist. Wer in Harmonie mit sich und der Natur lebt, der kennt seine Murmeltiere und jagt am Austragsstüberl oder gar nicht. In Deutschland erübrigt sich diese Warnung, denn Murmeltiere haben das ganze Jahr Schonzeit. Für den Bergwanderer gehören sie zu den liebenswertesten Geschöpfen der Alpen und man kann sich an ihren Spielen und Treiben nicht satt sehen und viele Stunden und Tage beobachtend vor ihrem Bau verbringen. Mir ergeht das nicht anders, und obwohl ich schon Hunderte guter Fotos habe, finde ich immer wieder etwas, das ich noch fotografieren muss, denn man kann ja nicht zugeben, das es einfach Freude macht, vor ihrem Bau auf dem Bauch zu liegen und ihnen nur zuzuschauen. So bin ich wieder einmal mit allerschwerstem Fotogepäck in das Königstal unter dem Schneibstein gestiegen, am Rande im Nationalpark Berchtesgaden. Ich weiß noch nicht, ob es noch lohnt. Dass sie kaum noch fressen, erschwert die Sache. Sie sind schon dick und rund auf den Winter vorbereitet, und nur einige 100 Meter höher ist es schon Winter. Ich liebe diese kühleren Tage, weil ich beim Steigen nicht schwitze, und auch die Murmeltiere halten diese Temperatur in ihrem dicken Pelz besser aus. Im Sommer fliehen sie oft bei zu großer Hitze in den Keller ihrer Baue unter die kühlende Erde und stellen sogar dafür das Futtern ein. Aber in größeren Höhen oder jetzt im Herbst genießen sie sichtlich auch noch die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne, die auf den Heidelbeerhängen das Herbstlaub der Blätter rot aufglühen lässt. Am Bau läuten Schwalbenwurzenziane und violette Herbstenziane, aber sonst ist die Blütenpracht vergangen. Dunkle Fichten rahmen das Königstal ein, über dem bergwärts schroff und verwittert die Felskulissen der Schneibsteinwände hängen. Talwärts ist grandioser Abschluss das mächtige Watzmannmassiv, in dessen Senken schon vielfach Schnee die Mulden füllt. Haufenwolken türmen sich, mit Gewittern drohend darüber, und ein eiskalter Wind drückt Nebelbänke in den Königsee. In der Bärenwand pfeift zischend ein alter Gamsbock, aber neugierig bleibt er stehen. Ein Chor zwitschernder Alpendohlen fällt ein, rennt über die Grashänge, stochert mit gelben Schnäbeln, und dann lassen sie sich nacheinander ohne einen Flügelschlag hinauftragen über schroffe Steilwände bis zum Gipfel. Wispernd ziehen auf dem Weg in den Süden Riesenscharen Kleinvögeln durch. Jetzt sind es Buchfinken oder Goldammern, denen ein Wanderfalke glücklos nachjagt. Vielleicht hat er auch keinen Hunger. “Rabrab” hallt es von den Wänden und “klong klong” segelt ein Kolkrabenpaar über den blauen Himmel zwischen den weißen und grauen Wolkenbänken. Man sieht sie immer zu zweit. Nur auf die Murmeltiere hoffe ich heute bei dem unsicheren Wetter vergebens, weil sie vorher wissen, dass es nachts regnen wird, wie es die blauschwarze Wand vor König Watze am Himmel verspricht. Auch im Sommer bleiben sie zuweilen selbst an schönen Tagen im Bau. Nicht nur der Hitze wegen, wohl auch, weil sie den Wetterwechsel voraussagen können. Im September aber sind sie fett und haben den Ausflug gar nicht mehr nötig. Allerdings lieben sie jetzt die Sonne, vor der sie in der Hochsommerhitze an den sonst so gerne bewohnten Süd-Hängen fliehen. Darum wohl wachsen auch die Jungtiere in den Hochlagen um 2500 m schneller, weil es kühler ist und sie den ganzen Tag zum Futtern nutzen können. Die sonst so beliebte Höhe um 1500 m an Süd- und Südosthängen, lässt dagegen das Weiden nur in den kühlen Morgen- und Abendstunden zu. Je seltener sie Besuch von Menschen und Tieren erhalten, umso vorsichtiger sind sie, je häufiger ein Gelände begangen wird, desto vertrauter. Die Murmeltierstadt im Königstal hat ganzen Heerscharen von Diplomanden und Doktoranden als Übungsgelände gedient. Man hat Murmel in Fallen gefangen, hat ihnen mit Farbe große Nummern aufgemalt, die sie erst beim Haarwechsel wieder losgeworden sind.
Man hat ihnen Sender umgeschnallt und unter Narkose Temperatursonden mit Funkmeldung unter die Haut gepflanzt, hat sie gewogen, hat Zähne und Haare ausgezupft, gerade dass man
nicht noch schlafend mit ihnen gekuschelt hat. Sicher waren sie nicht ganz glücklich darüber, aber jetzt sind sie die am besten erforschten Murmeltiere der Alpen. Besonders jene, die neben dem Trampelpfad wohnen, sind es gewohnt, dass immer wieder mal ein Mensch vorbeimarschiert. Während es sonst vernünftiger ist, sich in Deckung hinter einen Fels zu legen und notfalls auch ein Versteckzelt zu benutzen, ist das hier nicht nötig. Ich riskiere es, und es klappt, denn ich setze mich am kommenden Morgen, nach der Frühpirsch auf Gams, ganz offen in eine Mulde neben einem mächtigen Bau mit vielen Röhren. Viele Generationen Murmeltiere haben an dieser Burg gebaut, sie immer wieder ergänzt und ganze Halden aus dem Untergrund heraufgebuddelt, um sie den Ansprüchen neuer Generationen immer wieder anzupassen. Kot und Urin haben die Pflanzenwelt beeinflusst und rundum steht üppige nicht enden wollende Äsung von zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Etwa 50 m oberhalb am Steilhang ist der nächste Bau. Von dort aus hat mich ein dunkelgraues, fast schwarzes Murmeltier entdeckt, und ein schriller Pfiff hallt warnend über das ganze Tal. Es steht auf zwei Beinen, hoch aufgerichtet, um besser sichern zu können, wendet sich hier- und dorthin, reißt den Mund weit auf und schreit seinen schrillen Pfiff immer wieder warnend hinaus. Bei dem hätte ich so offen sitzend sicher kein Glück. Wenigstens habe ich erst einmal jemand zum Anschauen und die Hoffnung, dass es heute besser wird. Ein Tarnzelt habe ich noch nie zu den Murmeltieren mitgenommen, obwohl ich mir zuweilen eines gewünscht hätte, aber 25 kg Fotogepäck im Rucksack plus Essen, Trinken und Wäsche, sind genug. An meiner Röhre rührt sich etwas, und in einem der Löcher, 8 m vor mir, erscheint ein Bumskopf. Das Murmel bleibt in der Röhre sitzen und schiebt den Kopf nur bis zum Hals heraus. Die braune Wackelnase ist weiß umrahmt und auch das Gesicht ist so grau wie das beim eisgrauen Murmeltier in Alaska, also ist es wohl ein Bär. Durch das 5,6/600 mm Objektiv sehe ich die gelben Nagezähne und kann auf die Schnurrhaare scharf stellen. Kurz, wie abgeschnitten, sind die Öhrchen, und die dunklen Augen blitzen. Das Murmel lässt mich lange warten, ehe es weiter aus der Röhre kommt und sich umdreht, um zu dem oberhalb bellenden Artgenossen hinauf zu sichern. Dabei kommt es sehr langsam und ruckweise immer ein Stück weiter hervor, wendet sich wieder mir zu und mustert mich. Ich fotografiere mit der Pentax 645, abwechselnd mit dem 4/300 mm Objektiv auf Velvia-Film und dem 5,6/600 mm auf RDP100 und immer mit Einbeinstativ. Um ihm die letzte Angst zu nehmen, greife ich zu einem Trick, den ich bei Murmeltieren schon unendlich oft, aber auch schon bei Braunbären und anderen Tieren angewandt habe. Ich spreche mit ihm. Es ist nicht der Inhalt meiner Worte, sondern der Klang der Stimme, die es beruhigt, obwohl ich ihm allerhand Artigkeiten sage, was für ein nettes Puscheltier es sei, dass es keine Angst haben muss und derlei mehr. Es stellt den Kopf schief und lauscht, und ich rücke immer näher. Die kürzeste Distanz, die mir noch reizvoll erscheint, liegt bei 3-4 m. Da es sich überzeugen lässt, dass ihm keine Gefahr droht, kommen wir den ganzen langen Tag gut miteinander aus. Wenn jemand auf dem nahegelegenen Steig vorübermarschiert, macht es zuweilen Männchen oder hüpft auch mit schlagendem Schwanz zu einer anderen Röhre. Eine Art von Fuchsschwanz hat es, mit einer fast schwarzen Blume am Ende. An den unteren Röhren erscheinen Jungtiere zwischen den üppigen Pestwurzblättern und verblühter Goldrute. Man nennt die Jungen Mankei-Hasen, den Vater Bär und die Mutter Katz.
Die Hasen sind jetzt 3 Monate alt und noch recht klein. Jedes 4. von ihnen wird den Winterschlaf nicht überleben, denn sie wiegen nur 1/3 der Alten und speichern nicht genügend Fett. Mein Bär macht Männchen und schaut herab, der Hase nach oben und beide mustern sich. Aber sie kennen sich und wittern, dass sie aus dem gleichen Bau stammen. Mit den Drüsen hinter den Wangen ist das Revier markiert. Arnold nimmt an, dass der Alfabär eines Baues sein Territorium gegen fremde Männchen verteidigt und daß die ranghohe Katz es gegen andere Weibchen verteidigt. Sie sollen dabei brutale Kämpfer mit ihren messerscharfen Zähnen austragen und die gnadenlos einsetzen. Ich habe nun 40 Jahre lang Murmeltieren zugeschaut, aber noch nie Ernstkämpfe beobachtet. Ihr Tanzen zur Ranz-Zeit April/Mai macht eher den Eindruck eines spielerischen Reigens. Wenn sie den Mund weit aufreißen und mit den Zähnen drohen, muss das noch nicht ernsthaft sein, sondern es kann wie bei Eisbären eine Beschwichtigung bedeuten. Ich will nicht abstreiten, dass es einen Ernstkampf geben kann, aber ich habe Zweifel am gnadenlos verteidigten Revier. Mir fällt vielmehr auf, dass alle Murmeltiere eines Hanges einander besuchen und man kann einzelne Tiere auch ohne Nummer unterscheiden. Dabei fällt auf, dass solche Besuche oft über hunderte Meter weit zu Freunden und Verwandten führen, bei denen sie als Gast in den Bau schlüpfen. Schließlich kehren sie in den eigenen zurück. Es erscheint auch sinnvoll, daß sie bei solchen Ausflügen beim Nachbarn und in Notröhren miteinander Schutz suchen, wenn Gefahr von Fuchs oder Adler droht, der eigene Bau aber nicht erreichbar ist. Obwohl das ganze Tal durchlöchert ist, werden Feinde immer einzelne Mankei fangen, und besonders der Adler zieht seine Jungen mit ihnen auf. Er schlägt stets oberhalb seines Horstes, denn ein schweres erwachsenes Tier kann er nur im Sinkflug tragen, aber nicht bergauf. Gefährdet sind die auswandernden mittelalten Tiere, weil neue Siedlungsgebiete noch nicht so viele Löcher haben, wie die große Murmeltierstadt im Königstal. Man liest zuweilen, daß sie Wachen aufstellen, die warnen. Das stimmt nur bedingt, denn jedes warnt, wenn es Verdächtiges bemerkt und andere warnen dann mit, so daß ihr Gepfeife wie ein Lauffeuer über den Hang von Tier zu Tier eilt. Manchmal stehen sie auch nur wie Wichtelmännchen, um bessere Übersicht zu haben. Sie legen sich aber auch flach auf Felsplatten zum Sonnen, wobei sie wie Pfannkuchen auseinanderfließen. Meist aber sitzen sie da oder watscheln behende umher. Bären sind meist grauer als die brauneren Katzen, aber wirklich unterscheiden lassen sie sich nur an den Zitzen der säugenden Mutter. Jäger wollen meist Bären schießen, aber Fehler sind dabei vorprogrammiert. Vor allem ist es auch falsch, aus einem kleinen Familienverband die überlebenswichtigen großen Alttiere herauszuschießen und damit den Rest der Familie dem Kältetod preiszugeben. Auf der Alm blüht jetzt noch der Herbstenzian, aber sie äsen nur noch vom Feinsten. Kurz geschorenes auch jetzt noch frisch ausschlagendes Gras mähen sie millimeterfein als “Rasenmeckis”. Das schmeckt auch noch den Fettwämsten. Wenn sie stehen, wird deutlich, wie fett sie jetzt sind. Zeit, das Bett zu richten. Die Blätter der Blaubeeren leuchten rot in der Pracht des Indianersommers, und über den Hang kommt von hoch droben ein Murmel herab, mit einem Grasschnurrbart im Mund. Den braucht er nicht als Wintervorrat, sondern als Kuschelbett. Bei dieser eiligen Begegnung im Regen habe ich die EOS1 mit 2,8/300 Autofocus dabei. Vor einem anderen Bau habe ich eine vergleichbare Scene vor 25 Jahren im schon tief liegendem Schnee aufgenommen. Man kann die Heuernte eher beobachten, als daß man sie fotografieren kann, und darum gibt es wohl auch abenteuerliche Schilderungen davon. Auf den Hütten erzählt man sich, daß sie das Gras abknipsen und zum Trocknen breiten und wenden wie Bauern. Dann legt sich ein Murmel auf den Rücken und die übrigen laden das Heu auf den Bauch. Schließlich nimmt eines den Schwanz als Deichsel und hui, geht es ab in den Bau. Eine uralte Geschichte übrigens, die Sebastian Münster schon Anno 1588 aufgeschrieben hat. Er beschreibt die Tiere so: “Die Savoyarden nennen es Marmota, die Engadiner Marmotella, In Bern heißt es Murmeli, in Wallis Murmentli und Mistbelleri, in Graubünden Marbetle, in Glarus Munk, in Salzburg Murmele, in Bayern Mankei. Die Teutschen aber nennen es Murmelthier, vielleicht darum, daß es murret und korret, so es schlafft. Es sicht gleich wie ein groß Küngelin, hat aber abgeschnitten oren und einen Schwantz, der einer spannen lang ist, lang vorder Zen, beißt übel so es erzürnt wird, hat kurtz schenkel, die seind under dem Bauch gantz dick von Haar, gleich als hett es schlotterhosen angezogen, hat beerentappen und lang Klauwen daran, mit denen es gar unbilliglich tief in das Erdreich grept. So man ihm etwas zu essen gibt, nimmt es dasselbig in sein vorder Fuß, wie ein Eichhörnlin, sitzt auffgericht wie ein Aff. Kann auf zweyen hinderen Füßen gehen wie ein Beer……”
Eine zutreffende Beschreibung. Ein von mir untersuchter Bär wog mehr als 5 kg, war 52 cm lang und der buschige Schwanz hatte zusätzliche 17 cm. Der Brustumfang war 40 cm, das Herz wog 15 g. Ein weibliches Tier wog 4,5 kg, war 47 cm lang, der Schwanz 18 cm, Brustumfang 36 cm. Herzgewicht nur 10 g. Die Därme dieser beiden Tiere waren zum Platzen voll mit Murmeltierbandwürmern, 2-2,5 cm lang und o,5-1 cm breit, die wie Bandnudeln aussehen, rund 100 Stück beim Bären, 50 bei der Katz. Darum wohl sind sie auch schlecht verhärt und haben noch alte Winterwolle im Haar, und jedes der beiden Murmel stammte aus einem Senioren-Einzelbau. Goldrichtig bejagt, waren sie wahrscheinlich schon älter als 15 Jahre. Der Winterschlaf der Murmeltiere ist eines der großen noch ungenügend erforschten Phänomene. Während sie wach 1000 mg CO2 ausscheiden, ist es im Halbschlaf 400 mg und im tiefsten Schlaf nur noch 50-200 mg, denn die Zahl der Atemzüge sinkt von 50 auf 5 pro Minute, die der Herzschläge von 200 auf 15. Durch eingeschränkten Stoffwechsel sinkt die Körpertemperatur von 32 auf 2,2 bis 1,3 Grad C. (Nach Tratz) Sie sind dann in einem Starrezustand und fühlen sich schlaff an. Meist sind sie als Kugel eingerollt, mit der Schnauze zwischen den Hinterbeinen, um die Oberfläche zu verringern. In dieser Zeit verlieren sie 1/3 des Körpergewichtes, also bis ca. 1,5 kg und zehren vom Körperfett der Sommermast. Nach Arnold heizen sie den Körper alle 14 Tage etwa auf 37 Grad auf, um dann im Abortgang Harn abzusetzen. Nach etwa 24 Stunden fallen sie wieder in den Starrezustand des Winterschlafs. Jungtiere, die nur 1/3 der Alten wiegen, haben dafür weniger Fettreserven verfügbar. Darum ist es für sie lebenswichtig von der Wärmeproduktion der Alten zu profitieren. Je mehr Alttiere eine Gruppe hat, desto besser die Überlebenschance der Jungen. Fehlen durch Jagd oder Feinde zu viele Alttiere, können alle den Kältetod sterben, denn langsam kriecht der Frost immer tiefer in den Boden. Irgendwann wird die wärmende Schlummer-Rolle der Alten die nachrückende Jugend übernehmen und die überalterten Senioren ziehen aus. Es leben aber nachrückende Tiere bis zum 5. Jahr mit im Bau, die alle zur wärmenden Kuschelgemeinschaft gehören. Nach Arnold bleiben 80% der 2-jährigen und 1/3 der 3-4-jährigen in der Gruppe, aber alle 5-j. wandern ab, bis auf jene, die den Bau erben werden. Murmeltiere haben ein hoch entwickeltes Sozialleben und damit haben sie sich einen lange Zeit unwirtlichen Lebensraum erschlossen, eine Landschaft, in der sie nur als starke Kuschelgemeinschaft überleben können. Dem haben sie auch ihre Fortpflanzung angepaßt. Arnold meint, dass nur ranghohe Weibchen gedeckt werden und dass nur ein Weibchen der Familie begattet wird oder ein Schwangerschaftsabbruch durch Resorbierung der Ebryonen stattfindet. Möglicherweise hat der andere Gründe, denn die Brunft findet nach dem Winterschlaf in einer Zeit ohne Nahrung statt, so dass fehlende Fettreserven der Grund dafür sein können, denn auch erschöpfte Weibchen können eine Fortpflanzungsperiode aussetzen. Es kann in einem Bau in einem Jahr also auch gar keine Jungen geben, und ich habe gesehen, dass in einem Bau auch mehrere Katzen Junge führten. Das spricht gegen eine generelle Geburtenregelung. Schließlich gibt es in den Bergen auch noch reichlich unbesiedelte Lebensräume für sie. Da das Weibchen nur kurze Zeit empfangen kann, werden alle zum Handkuss zugelassen. Die übrigen schauen jeweils beim Gruppensex zu bis sie dran sind. Alle kommen dran und es gibt keine Eifersucht. Da die Bären also daheim Chancen haben, sich zu vererben, wandern sie auch weniger leicht als Katzen ab. Genetische Untersuchungen haben bewiesen, dass die Jungen eines Wurfes von verschiedenen Vätern stammen können. Wichtig ist wohl, dass zum Zeitpunkt des Eisprungs garantiert eine Befruchtung erreicht wird. Nach 32 Tagen Tragezeit werden im Schnitt 3 Junge (1-6) geboren. 40 Tage später, Anfang Juli, kommen sie heraus. Sie wiegen jetzt runde 500 g und stellen sich radikal von Milch auf Grünfutter um. Bis zum Winterschlaf müssen sie gute 1000 g bis auf 1500-1700 g zunehmen. Kein Problem, da es auf der Alm jetzt Nahrung in Hülle und Fülle gibt. Da haben sie meist auch reichlich Zeit zum Spielen. Ihre possierlichen Affenspiele sind Tänze, wie bei den Alten zur Hochzeit, Burgkönigspiele oder sie kugeln so blitzschnell herum, dass der Fotograf kaum eine Chance hat, sie scharf zu fotografieren, denn selbst mit Teleblitz sind die Zeiten nicht kurz genug. Ende September sind im Königstal schon viele Sommerbaue verlassen und Winterbaue verschlossen. Meist sind sie nicht identisch. Vor dem Winterschlaf werden sie mit meterdicken Stopfen aus Heu, Steinen und Erde zugemacht, damit weder Kälte und Nässe, noch Mäuse eindringen können. Für sie wäre ein Nest mit schlafenden Murmeltieren ein Schlaraffenland und ein grenzenloses fressbares Vorratslager. Bergwärts gabelt sich der Gang und er steigt bergan, damit kein Schmelzwasser sie ersäufen kann. Eine Sackgasse hat das Material für den Stopfen geliefert und dient zugleich als Klosettgang für die Schlafpausen. Der Hauptgang mündet in einen Kessel, der 1,5-3 m unter der Oberfläche liegt, aber 8-12 m tief in den Berg hineinführt. Da kuscheln sie dann eng zusammengeschmiegt in ihrem Heulager. Manchmal 10-20 Tiere.
Ein langer Winter ist da, vorbei ist das muntere Treiben im Königstal und zurück bleiben 7-8 Monate Einsamkeit
Im Deutschen ( und damit auch österreichischen ) Waidwerk zählt das Wildschein (Schwarzwild) zum HOCHWILD.
Eine schwarzbraune bis schwarzgraue Färbung der älteren Exemplare gaben den Wildschweinen die jagdliche Bezeichnung “Schwarzwild”. Die Fähigkeit zur Anpassung, der heimlichen Lebensweise und nicht zuletzt das intelligente Verhalten haben dazu beigetragen das sich der Urahn unseres heutigen Hausschweins seit Millionen von Jahren kaum verändert hat. Im Vergleich zum bekannten Hausschwein ist das Wildschwein hochläufig, hat lange Beine. Der Körper wirkt gedrungen. Das Wildschwein hat eine auffällig starkes Gebiss. Der Kopf ist beim männlichen Stück eher dreieckig, beim weiblichen Stück eher länglich.
Schwarzwild Rotte – Foto: Birgit Luedemann
Das Schwarzwild zählt in Deutschland und Österreich zum Hochwild.
Sozialstruktur: Es lebt in Rotten mehrerer Bachen mit ihren Frischlingen. Die Keiler leben einzeln und treffen nur in der Paarungszeit mit den Rotten zusammen. Die jungen Wildschweine werden Frischlinge genannt.
siehe auch die Jägersprache Schwarzwild, klick auf das Bild/Zeichnung
Merkmale:
Körperlänge 110 – 155 cm,
Schwanz 15 – 20 cm,
Gewicht 50 – 190 kg bei Ebern und bei Bachen (Weibchen) 35 – 160 kg
Altersgruppen:
Frischling: 1. LJ
Überläufer: 2. LJ
2-jähriger Keiler oder Bache
3-jähriger Keiler oder Bache
Angehendes Schwein: 4 Jahre und älter
Lautäußerungen: Grunzen, Quieken, Blasen als Warnlaut
In Gestalt und Aussehen kann man das Wildschwein mit keiner anderen freilebenden Tierart Europas verwechseln. Kopf keilförmig, der mit kurzem Hals in den massigen, gedrungenen Körper übergeht. Schnauze mit Rüsselscheibe. erreichen. ausgewachsene männliche Tiere mit großen Eckzähnen im Oberkiefer und im Unterkiefer; dichtes, borstiges Fell, dunkel graubraun gefärbt; Frischlinge gelbbraun, dabei rotbraun längsgestreift, bekommen im Alter von etwa 10 Monaten die Färbung der erwachsenen Tiere. Die Eber fallen besonders durch die mit zunehmendem Alter immer weiter hervorstehende Eckzähne (Hauer) auf. Sie stellen gefährliche Waffen dar. Keiler können ein Gewicht von bis zu 250 kg erreichen. Am Lauf sind die 2. und 5 fünfte Zehe (Afterklauen, Geäfter) noch deutlich ausgebildet und auch im Trittsiegel (Fährte) gut erkennbar.
Lebensraum: Wildschweine richten keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie meiden nur ganz offenes Gelände ohne jegliche Deckung und die Hochlagen im Gebirge. Feuchte Laub- und Laubmischwälder bilden zweifellos die günstigste Lebensweise, weil die Wildschweine dort leichte nach Nahrung wühlen und die herbstliche Mast an Bucheckern und Eicheln nutzen können. Auwälder stellten früher sicher die Zentren ihrer Verbreitung dar, ber dieser Waldtyp ist heute in Mitteleuropa nahezu vernichtet. Sie brauchen Wasserstellen, um zu trinken und zu suhlen. Wildschweine sind sehr anpassungsfähig und tauchen zunehmend auch in den Vorgärten von Stadtgebieten auf. Fichtendickungen im Flachland und im Mittelgebirgsbereich ersetzen jetzt die Auen als Rückzugsgebiet. Die Anwesenheit von Wildschweinen verrät mit unter auch ihr ausgeprägter Geruch. Auch typische Wühlstellen zeugen von Ihnen.
Lebensweise: Wildschweine leben in geselligen in Familienverbänden, die Rotten genannt werden. Den Kern dieses Verbandes bildet die Bache mit ihren Jungen, den Frischlingen. Auch die vorjährigen Jungtiere bleiben nicht selten mit im Verband, bis sie geschlechtsreif werden. Die Eber (Keiler) besuchen die Rotten gelegentlich, ohne sich aber um die Jungen zu kümmern. Erst mit Einsetzen der Fortpflanzungszeit schließen sich die Sauen an. Die einzelnen Gruppen halten sich an feste Einstände. Dorthin ziehen sie sich tagsüber zurück, ruhen in der Deckung oder suhlen sich in Schlammpfützen. Gegen Abend wird die Rotte munter und zieht zur Nahrungssuche aus. Vorsichtig nähern sich die Tiere dem Waldrand, stets nach allen Seiten sichernd. Dabei können sie sich erstaunlich leise bewegen, während sie sonst, bei Flucht etwa, mit großem Getöse durchs Dickicht brechen. Sie schwimmen sehr gut und besiedelten daher auch Inseln in breiten Strömen der Seen. Mit ihren kleinen Augen sehen sie schlecht, und sie verlassen sich mehr auf ihr Gehör und auf ihre empfindliche, rüsselförmige Nase. Sie dient auch zum Wühlen, wenn .die Wildschweine nach Würmern, Insektenlarven, Knollen (Kartoffeln oder stärkereichen Speisewurzel) oder Pilzen suchen. Die fast scheibenförmige Schnauze ermöglicht einerseits das Aufbrechen der Erde, andererseits den gleichzeitigen Einsatz des Geruchsorgans. Wildschweine schätzen Hautkontakt mit Artgenossen. Sie lagern zusammen, reiben sich die Schwarte und putzen sich auch gegenseitig. Die bei den Keilern stark ausgebildeten Hauer dienen nicht nur zum Kampf gegen Rivalen, sondern auch zur Abwehr von Feinden.
Bache mit Frischlinge
Nahrung: Wildschweine kann man mit Recht als echte Allesfresser bezeichnen.. Das Nahrungsspektrum umfasst pflanzliche und tierische Nahrung: Gras, Kräuter, Knollen, Wurzeln, Eicheln, Früchte und Samen, Würmer, Insekten, Mäuse und Gelege von Bodenbrütern, Jungtiere, frisst auch Aas. Mit der Schnauze brechen die Sauen den Boden nach Nahrung um, sie pflügen im wahrsten Sinne des Wortes den Boden.
Fortpflanzung: Geschlechtsreife tritt bei guten Nahrungsbedingungen ab dem 1 . Lebensjahr ein. Die Paarungszeit ist im November bis Februar. Bei guter Nahrungsversorgung und gestörter Sozialordnung können Bachen allerdings das ganze Jahr über paarungsbereit sein. Normalerweise synchronisiert die Leitbache die Paarungsbereitschaft aller Bachen in der Rotte.
Vor der Geburt sondert sich die Bache von der Rotte ab und zieht sich in einen geschlossenen Wurfkessel (=mit Gräsern ausgepolstertes Nest im Gestrüpp) zurück, den sie zuvor gebaut hat. Nach einer Tragzeit von 4 Monaten wirft sie im März-April 1 bis 8 Frischlinge, die 3 Monate gesäugt werden. In den ersten Tagen nach der Geburt duldet sie keine Artgenossen, sie verliert sogar die Furcht vor den Menschen und greift an, wenn sich jemand dem Kessel nähert. Sauen vernehmen sehr gut, äugen jedoch schlecht, Bewegungen werden aber wahrgenommen. Hervorragend ausgebildet sind das Witterungsvermögen und der Geschmackssinn, der sie zum Herausfinden von Leckerbissen befähigt. Sie haben ein hohes Lernvermögen, ein sehr gutes Gedächtnis und ein ausgeprägtes Zeitempfinden. Lautäußerungen sind sehr häufig. Wenn eine Rotte Sauen rege ist oder im Gebräch steht, sind die verschiedensten Lautäußerungen zu hören. Brechende Sauen grunzen und schmatzen. Bachen grunzen, um ihre Frischlinge bei sich zu halten. Frischlinge quieken oder klagen, wenn sie gestoßen werden oder ein stärkerer Artgenosse ihnen einen Stoß mit dem Gebräch versetzt. Bei Gefahr, Erregung und Unsicherheit warnen sie durch das Blasen. Bei erkannter Gefahr werden sie nach einem deutlichen “Wuff” flüchtig. Sauen, die in Not geraten, von Hunden gepackt werden oder schmerzhafte Knochenschüsse haben, klagen (ähnlich wie das Hausschwein), dies kommt jedoch nur selten vor. Wird ein weidwunder Keiler von Hunden gestellt oder stehen sich zur Rauschzeit zwei Rivalen gegenüber, ist das Wetzen der Waffen zu hören. Der Keiler schlägt dabei aus Wut das Gewaff aufeinander.
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Text Populationsökolpgie des Schwarzwildes Von Dr. Claudia Biber
Rehwild kommt bei uns von der Küste bis ins Hochgebirge praktisch überall vor. Obwohl es als so genannter Konzentratselektierer besondere Anforderungen an die Äsung (Nahrung) stellt, ist es doch so anpassungsfähig, dass es sich flächendeckend verbreiten und zu unserer häufigsten Schalenwildart entwickeln konnte. Als Lebensraum bevorzugt Rehwild Mischwaldbestände mit reicher Strauchflora, abwechselnd mit Lichtungen, Feldern und Wiesen. In Gegenden ohne Wald leben die sog. Feldrehe, deren Lebensraum und Einstand das offene Feld ist. Sie haben sich den gegebenen Umständen angepasst und stehen Tag und Nacht auf den Feldern, dabei nutzen sie geschickt jede kleine Deckung aus. Sie nehmen Bewegungen im allgemeinen noch eher wahr als Rehe, deren Lebensraum die Wälder sind. Feldrehböcke haben durch die reichliche, kalkhaltige Äsung in der Regel überdurchschnittlich starke Gehörne und neigen zur Frühreife.
AUSSEHEN, (siehe auch richtig ansprechen) : Der Körperbau des Rehwildes ist seiner Lebensweise gut angepasst und so bezeichnet man das Rehwild auch als Schlüpfer. Es ist so in der Lage jede Deckung in unterholzreichen Lebensräumen zu nutzen. Im weiten Durchschnitt sind zweijährige Böcke 112 cm lang, 66 cm hoch und weisen ein Lebendgewicht von 23 Kilogramm auf. Für die weiblichen Stücke gilt das selbe, allerdings sind sie im Durchschnitt 2 Kilo leichter, bringen es also nur auf 21 Kilogramm. Je nach Äsung, Jahreszeiten und Verhalten ist auch das Gewicht und der Körperbau es Rehwildes unterschiedlich. Bei einer Rückenhöhe bis 75 cm hat das Reh eine zierliche Gestalt und hohe Beine (“Läufe”) mit schmalen, scharfrandigen Hufen (“Schalen”). Besonders auffällig beim Rehwild ist der so genannte Spiegel. Hierbei handelt es um einen ausgedehnten weißen Fleck auf dem “Hinterteil”. Der Spiegel ist in seiner Form geschlechtsspezifisch. So weist er beim weiblichen Rehwild eine herzförmige Form mit einem herabhängendem Haarbüschel, der so genannten Schürze auf, beim Männlichen hingegen ist er nierenförmig und hat keine Schürze. Auch der Spiegel unterliegt beim Haarwechsel einer Farbänderung. So ist er im Sommerhaar rötlich-gelb und klein, im Winterhaar aber hebt er sich durch fast strahlendes Weiß von der übrigen Färbung ab und ist größer als im Sommer. Die Böcke hingegen beginnen ab dem Frühjahr ein ausgeprägtes territoriales Verhalten zu zeigen, indem sie sich auf die Suche nach einem eigenen Einstandsgebiet begeben. Von nun an beginnen auch die Einstandskämpfe, die im Sommer ihren Höhepunkt erreichen. Bei diesen Einstandskämpfen entscheidet in der Regel weniger die körperliche Konstitution als das Alter. So kann man fast immer davon ausgehen, daß der Flüchtende zweier Böcke auch der Jüngere ist. Insgesamt wird das soziale Verhalten des Rehwildes stark von seinem Lebensraum beeinflusst. So bilden Rehe, die ausschließlich auf Feldern leben größere Gemeinschaften, so genannte Sprünge, die Ihnen mehr Schutz gewähren. Dieses Rehwild hat sein Verhalten bereits soweit an den eigentlich atypischen Lebensraum angepasst, daß man von Feldrehen spricht. Der bevorzugte oder vielleicht auch natürliche, im Sinne von ursprünglichem Lebensraum besteht aus Wald und Feld. Bevorzugt hält sich das Rehwild dort an der Wald-/ Feldgrenze auf. Vom Beginn des Sommers an steht es in solchen Revieren in den Feldern und ungemähten Wiesen und zieht sich erst nach der Ernte in den nun mehr Deckung bietenden Wald zurück. Je härter die Winter werden, umso mehr neigt das Rehwild auch in solchen Revieren zur Bildung von Sprüngen (Rudeln), wobei es zu keiner Trennung nach Alter oder Geschlecht kommt. Erst mit Einsetzen des Frühlings kommt es dann wieder zur Auflösung derlei Lebensgemeinschaften. Die beste Beobachtungszeit des Rehwildes ist das Frühjahr.
Rehgais im Winterkleid (Winterdecke), hinten sehr gut die “Schürze” zu erkennen
Rehbrunft, Blattzeit und Fortpflanzung: Fortpflanzungsfähig ist das Rehwild vom 2. Lebensjahr an, voll erwachsen im 3. Lebensjahr. Die Hormone, die für beide Vorgänge bei Rehbock verantwortlich sind, nämlich für das Gehörn und die Funktionsfähigkeit der Hoden, arbeiten Hand in Hand: Das Wachstumshormon aus dem Vorderlappen der Hirnanhangdrüse ist für das Wachstum des Gehörns verantwortlich. Allerdings kann es allein nichts bewirken, sondern nur zusammen mit dem männlichen Geschlechtshormon das in den Hoden produziert wird. Wir wissen, daß die Gehörne zum Teil schon im März verfegt sind. Wesentlich schwieriger ist es jedoch für den Jäger festzustellen, daß bereits im Mai die von Tag zu Tag anschwellenden Brunftkugeln des Bockes lebensfähiges Sperma produzieren. Dies muß aber in der Regel noch knapp zwei Monate warten, bis es für die Reproduktion genutzt werden kann. Denn erst Anfang Juli können die ersten Ricken aufnehmen. Die Blattzeit (Brunftzeit) ist Mitte Juli bis Mitte August. Der Brunftbetrieb wird durch einen speziellen Duftstoff, den das weibliche Rehwild absondert, ausgelöst. Böcke, die nicht unmittelbar mit Ricken zusammenstehen oder die nicht von weiblichen Stücken aufgesucht werden, verfolgen ähnlich wie ein Schweißhund mit tiefer Nase die Fährte einer brunftigen Ricke. Und dabei wird, je nach Bestand und Revierstruktur, das ursprüngliche Territorium deutlich erweitert.
Rehbock im Sommerkleid (Sommerdecke)
Berühren Böcke dabei die Reviere anderer, so kann es bei gleicher Stärke unter Umständen zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Bei Annäherung des Bockes flüchtet in der Regel das weibliche Stück, so daß es zu einer Hetzjagd kommt, dem bekannten Treiben. Dieses Treiben kann auch über mehrere Kilometer gehen, und es wird oft von dem recht lauten Keuchen des Bockes begleitet. Bei einem Halt bewindet meist der Bock ausgiebig den Schürzenbereich der Ricke, worauf oft das Treiben, jetzt in immer enger werdenden Kreisen, fortgesetzt wird.
Die Spuren dieses kreisförmigen Treibens in der Bodenvegetation sind die bekannten Hexenringe. Je mehr Böcke im Revier sind und je heißer die Tage, desto reger ist der Brunftbetrieb. Weibliches Rehwild ist etwa drei bis vier Tage brunftig. Der Bock reitet auf, und es kommt zu einem sehr kurzen Beschlag. Allerdings kann es bis zu 20 Mal wiederholt werden. Der Bock ist nach der Brunftzeit stark mitgenommen und ruht häufig erschöpft im Gras, während die Ricke ruhig daneben äst oder zieht sich mehrere Tage in die Walddichtung zurück. Dadurch haben auch die jungen Böcke die Gelegenheit, die eine oder andere Gais zu beschlagen. Durch die eintretende KEIMRUHE bei der Gais, ist die Tragzeit neuneinhalb Monate (40 Wochen oder ca. 290 Tage). In sehr seltenen Fällen erfolgt im November/Dezember eine zweite Rehbrunft. Bei diesen Rehen entfällt die Eiruhe, sie haben eine regelmäßige Tragzeit von ca. fünfeinhalb Monaten. Der Vorteil dEs handelt sich hierbei um Rehe, die im Sommer nicht befruchtet wurden und bei dieser Nachbrunft vom Bock erneut beschlagen und befruchtet werden. ieser verlängerten Tragzeit liegt auf der Hand. Sowohl die Brunft als auch das Setzen der Kitz erfolgen in einer Zeit voller Vegetation und damit in einer Zeit optimaler äußerer Bedingungen.
Im Mai/Juni des darauf folgenden Jahr werden in der Regel ein bis zwei, Kitze gesetzt und sofort von der Gais trocken geleckt. Das Setzen erfolgt, wie bei allen Cerviden, fast ausnahmslos im Liegen. Das Kitz hat ein beiges, weiß gepunktetes Haarkleid und kaum Körpergeruch. Im Laufe des Sommers verschwinden diese Punkte mehr und mehr, weil das Sommerhaarkleid heranwächst. In den ersten Wochen legt die Geiß ihre Kitze an getrennten Plätzen ab. Sie drücken sich bei drohender Gefahr und verhalten sich regungslos. So sind sie vor Feinden optimal geschützt. Sie sind in diesem Alter noch nicht zur Flucht fähig. Aus diesem Grund kommt es häufig bei der Mahd von Wiesen oder Feldern zu tödlichen Verletzungen. Die Kitze werden ungefähr ein halbes Jahr gesäugt (mehrmals täglich), wobei sie die Geiß gewöhnlich im Stehen saugen läßt. Ab der dritten Lebenswoche nehmen die Kitze auch Grünäsung zu sich. Sie bleiben bis zum erneuten Setzen bei der Mutter und werden von dieser kurz vorher abgeschlagen (vertrieben). Die abgeschlagenen Schmalrehe und Jährlinge irren anfangs umher, später tun sich zwei oder mehrere Jährlinge zusammen. Schmalrehe versuchen meist bei älteren Böcken, die einen festen Einstand haben, Anschluß zu finden.
MERKE: Fassen Sie niemals ein Kitz mit den Händen an, verwenden sie eine Wolldecke oder ein großes Büschel Gras; die Geis nimmt den Geruch des Menschen wahr und verstößt somit häufig das Kitz.
Nahrung: Bei der Äsung zeigt sich das Rehwild naschhaft und wählerisch. Es nimmt nur die nährstoffreichen Pflanzenteile, also die Knospen und jungen Als Wiederkäuer ist das Reh ein reiner Pflanzenfresser. Das Reh liebt eine lichte, buschreiche Umwelt und hochwertige Nahrung. Auch auf Wiesen äst es nur bestimmte Gräser und Kräuter. Die Äsungs- und Widerkauperioden sind häufig und kurz. Das liegt daran, daß die Rehe relativ betrachtet den kleinsten Pansen aller heimischen Hirscharten besitzen und obendrein einen hohen Energiebedarf aufweisen. Dem zu Folge muß die aufgenommene Nahrung energiereich und leichtverdaulich sein.. Sie muß hohen Anteil an Rohprotein und leicht vergärbaren Kohlenhydrate besitzen und darf gleichzeitig geringen Rohfaseranteil besitzen. Dies ist in Notzeiten bei der Winterfütterung von großer Bedeutung, denn hier benötigt das Rehwild einen deutlich höheren Anteil an Saftfutter. Der tägliche Nahrungsbedarf schwankt bei einem ausgewachsenen Reh zwischen zwei und vier Kilogramm. In den Wintermonaten wird der Stoffwechsel der Rehe deutlich reduziert (bis zu 50% gegenüber den Sommermonaten).
GEWEIHBILDUNG: Wie erwähnt zählt das Rehwild zu den Geweihträgern. Die Bildung eines jährlich neuen Gehörnes wird hormonell gesteuert und hier im wesentlichen durch die beiden Hormone Somatotorpin, welches für das Gehörnwachstum zuständig ist und durch Testosteron, welches das Einstellen des Gehörnwachstums und das spätere Abwerfen bewirkt. Bei der Ausbildung des Gehörnes kommt es zu einer Umwandlung von Knorpelgewebe zu Knochensubstanz, wobei das heranwachsende Gehörn von einer schützenden Haut, dem sogenannten Bast umgeben ist. Dieser versorgt es mit allen für das Wachstum nötigen Stoffen. Der Aufbau und die Versorgung des Gehörns erfolgen dabei immer von der Spitze aus. Eine Ausnahme von diesem Ablauf bilden nur die Rosen, die von Anfang an aus Knochensubstanz bestehen. Ist das Gehörn vollständig verknöchert, stirbt der Bast allmählich ab und der Bock entfernt ihn, in dem er fegt. Das Fegen, das in diesem Falle lediglich der Entfernung des Bastes dient, dauert nur wenige Stunden. Zum Vorschein kommt ein weißes Gehörn. Seine spätere Farbe erhält es durch Pflanzensäfte und Humusstoffe, denn der Bock wird in der Folge weiterhin fegen, um sein Territorium abzugrenzen. Ist die Blattzeit beendet, sinkt allmählich der Testosterongehalt und der Prozess des Abwerfens wird eingeleitet. In einem kleinen Bereich im Zentrum zwischen Rosen und Rosenstöcken können nun Osteoklasten, (Knochenfresszellen), aktiv werden, die dafür sorgen dass die knöcherne Verbindung zwischen Rosenstock und Geweihstange gelockert wird. Dabei wird das bestehende Knochengewebe nach und nach durch Osteoklasten resorbiert, so daß der Kontakt lediglich über dünne Knochenbrücken aufrechterhalten wird. Zudem beginnt das die Rosenstöcke umgebende epidermale Gewebe verstärkt zu wachsen und drückt dabei von unten gegen die Rosen der Geweihstangen. Durch diesen Druck lösen sich die Stangen schließlich schon bei leichter Bewegung vollständig von den Rosenstöcken ab.Was den Zyklus von der Bildung des Gehörnesbis zu dessen Abwurf betrifft, muß zwischen Bockkitzen und älteren Böcken unterschieden werden. Der gravierendste Unterschied ist wohl, daß das Bockkitz beim Erstlingsgehörn keine Rosen ausbildet. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, daß das Erstlingsgehörn nicht von Bast, sondern von normaler Haut umschlossen ist. Sein Wachstum beginnt bereits im vierten bis fünften Lebensmonat. Von Mitte Dezember bis in den Januar hinein wird dieses Gehörn freigelegt. Geschieht dies bis zu diesem Zeitpunkt nicht, stellt das Bockkitz das Gehörnwachstum ein und holt diesen Prozess erst im Folgejahr nach. Dabei kommt es im Gegensatz zu den normal entwickelten Altersgenossen auch dann zu einem Gehörn ohne Rosen. Schon im Februar wird das Erstlingsgehörn wieder abgeworfen. Die Bildung des Folgegehörnes erfolgt unmittelbar. Von nun an tritt der Bock, was die Entwicklung des Gehörnes betrifft in den Zyklus der übrigen Böcke ein. Während der Wintermonate schiebt der Bock sein Gehörn. Das heißt aber auch, daß dieser recht Energie aufwendige Prozess in die Zeit knapper werdenden Nahrungsangebotes fällt. Es liegt auf der Hand, daß die äußeren Umstände durchaus Einfluss auf die Gehörnbildung haben können. Jährlinge (ein Kitz wird am 01.04. dem seiner Geburt folgenden Jahr zum Jährling) fegen hier Gehörn erst relativ spät, das heißt zu Anfang Mai, wohingegen die älteren Böcke dies bereits in der Zeit von März bis April erledigen. Abgeworfen werden die Gehörne in der Regel im Oktober.
ABNORMITÄT
ABNORMITÄT: Bei jungen Kitzböcken, die noch keine Rosenstöcke haben, führt eine Kastration wahrscheinlich zur dauernden Geweihlosigkeit (Plattkopf). Ist der Rosenstock jedoch schon entwickelt, aber noch kein Geweih vorhanden, kommt es zu kleinen, knollenförmigen Perücken, die nie mehr abgeworfen werden. Wird ein älterer Bock mit Bastgeweih am Kurzwildbret schwer verletzt oder kastriert, entwickelt sich dieses zur Perücke und wird ebenfalls nicht mehr abgeworfen. Erfolgt die Verletzung oder Kastration nach dem Fegen des Geweihs bzw. zu dem Zeitpunkt, zu dem die Verknöcherung bereits eingetreten ist, wird es einige Wochen später abgeworfen und neu als Perückengeweih geschoben. Auch dieses wird nicht mehr abgeworfen. Ein vielendiges Geweih (siehe Foto links) entsteht durch die Verletzung des Geweihs im Bast zu Beginn der Geweihbildung. Es bilden sich mehrere abnorme Enden, das nächste geschobene Geweih ist wieder normal. Beim Knickbruch einer Geweihstange, die an der Bruchstelle bereits verknöchert, jedoch noch im Bast war, wird die Stange vom Bast bis zur Verheilung gehalten. Die weiterwachsenden Enden streben nach oben. Das nächste Geweih wächst wieder normal. War die Geweihstange noch nicht verknöchert, als sie knickte und brach, wachsen an der Bruchstelle abnorme Enden, die alle nach oben streben. Das nächste Geweih, das der Bock schiebt, ist wieder normal.
Ein Moorbock ist ein Rehbock, der ein dunkles, glanzloses Geweih mit hohem Volumen, jedoch auffallend geringem Gewicht trägt. Ein solches Geweih ist von poröser Substanz, und die Enden sind häufig z. T. abgebröckelt. Ein Korkenzieher- und Widdergeweih ist ein Geweih, das während des Wachstums weich und biegsam ist, sich durch das eigene Gewicht verformt und später verkalkt. Die Ursachen sind häufig Parasitenbefall oder Stoffwechselstörungen. Das nächste Geweih ist meist wieder normal.
Als Gummigeweih bezeichnet man ein weiches, biegsames Geweih, das sich durch das Eigengewicht verformt und nicht verkalkt. Der Bast löst sich nur innerhalb einer bestimmten Zeit vom Geweih. Hindert schlechter Gesundheitszustand oder ähnliches den Bock am Verfegen, bleibt der Bast teilweise am Geweih haften, und es entsteht das sog. Pergament- oder Ledergeweih. Das nächste Geweih ist wieder normal.
Ein Frost- oder Hungergeweih weist nur noch Geweihstümpfe auf, die oberhalb der Rosenstöcke enden. Der obere Stangenteil ist durch starken Kalkmangel zurückgeblieben und dann abgestorben und abgebrochen, die Stampfenden sind glatt und stumpf. Das nächste Geweih ist wieder normal.
Beim Pechgeweih ist der Bast abnorm verdickt, die Enden fehlen. Die Verdickung des Bastes entsteht durch Entzündung (meist durch Frosteinwirkung). Das nächste Geweih ist wahrscheinlich wieder normal.
EIN PERÜCKENBOCK (siehe Foto) ist ein männliches Reh (Rehbock), das wegen des Ausfalls der Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron durch Krankheiten, Verlust oder Verletzung der Testikel (Verletzung der Geschlechtsorgane) nicht mehr in der Lage ist, ein einwandfreies Geweih zu bilden. Die Knochensubstanz des Geweihes und insbesondere der Bast (die während der Geweihbildung das Geweih versorgende Haut) wuchern und das Wachstum kommt nicht zum Stillstand, so dass sich Gebilde formieren, die äußerlich an eine Turmfrisur erinnern. Die Wucherungen können sich über das gesamte Haupt erstrecken und die Augen des Tieres (Lichter) bedecken. Das Tier ist in seiner Lebensweise, auch in der Nahrungsaufnahme, stark behindert und meistens nicht fortpflanzungsfähig.
Blasengeweih ist ein normales Geweih mit einem beulenartigen Geweihauswuchs, der innen hohl ist und eingetrockneten Schweiß enthält. Eine derartige Geweihblase entsteht durch einen Bluterguß, eine Quetschung oder eine Prellung des Geweihs im Bast. Das nächste Geweih ist wieder normal.
Sinnesleistung und Lautäußerung: Geruchs- und Gehörsinn sind hervorragend ausgebildet. Augen weniger leistungsfähig, Rehe sind farbenblind und können räumlich nicht wahrnehmen, sie registrieren Bewegungen sehr genau. Stimme der Rehe: Wenn sich Rehe erschrecken, geben sie einen bellenden Laut von sich.
Stimme Rehwild
Jagdzeiten: Die Jagd auf das Rehwild (Gaisen, Kitze und Jahringsböcke) beginnt in Südtirol mit 01. Mai und endet mit 15. Dezember. Der Rehbock (Trophäenbock) darf ab 15. Juni bis 20.Oktober erlegt werden. Der Abschuss von Rehwild unterliegt einer Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Der Abschuss muss 1 : 1 erfolgen, d.h. es muss gleich viel weibliches Rehwild – wie männliches (Böcke) abgeschossen werden.
Muffel wird in SÜDTIROL nicht als heimische Wildart anerkannt und die Ausbreitung dieser Wildart ist aus “ökologischen Gründen” nicht erwünscht und soll deshalb mit wirksamen Maßnahmen verhindert werden”, so eine Presseaussendung vom Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei und sein Stellvertreter, Das Dekret aus dem Jahr 1997, dem die Entnahme des Muffelwildes zugrunde liegt, trägt dieser Ausrichtung Rechnung. Begründung: Muffelwild besiedelt Lebensräume heimischer Wildarten. Das Muffelwild besiedelt Lebensräume anderer heimischer Schalenwildarten wie Reh-, Gams- und Rotwild und ernährt sich wie diese von pflanzlicher Nahrung. Muffel bevorzugen ähnlich dem Gamswild felsige Bereiche, weshalb sich gerade in solchen Lebensräumen künftig zwei Wildarten den Lebensraum teilen müssten. Eine zusätzliche Art im selben Lebensraum bleibt nicht ohne Wirkung, Konkurrenzerscheinungen sind wahrscheinlich, der Lebensraum wird zu stark beansprucht.
Das Muffelwild lässt sich zoologisch wie folgt zuordnen: Es gehört zu den Paarhufer und Wiederkäuer und ist ein Hornträger und gehört zur Familie der Wildschafe Beim Männchen spricht man vom Widder, das Weibchen nennt man Schaf und die Jungen werden als Lamm bezeichnet. Die Brunftzeit beginnt im Oktober und kann bis in den Dezember gehen. Die Widder tragen dabei Rangkämpfe aus, in dem sie mit ihren Köpfen auf einander zu rennen und mit den Hörnern punktgenau auf einander treffen.
Die Tragzeit beträgt 5 1/2 Monate und bringen dann ab März die Jungen zur Welt. In der Regel wird ein Junges gesetzt, aber es gab auch schon Zwillings Geburten. Im Alter von etwa einem Monat beginnen beim männlichen Jungen (“Widderlamm”) die schneckenartigen Gehörne zu wachsen. Mit dem 1. Lebensjahr weist das Widdergehörn eine Länge von ca. 20 cm auf. In den Wintermonaten wird das Gehörnwachstum wie bei allen gehörntragenden Wildarten eingestellt. Das stärkste Wachstum weist das Gehörn (“Muffelschnecke”) im 2. Lebensjahr auf. Ab dem 5. – 6. Lebensjahr geht das Längenwachstum stark zurück. Die Schnecke kann bei alten Widdern eine Länge von über 80 cm erreichen. Das Alter des Muffelwidders kann an den Jahresringen abgezählt werden. Das Weibchen (“Muffelschaf”) trägt keine Schnecke, ganz selten jedoch kleine Hornstümmel.
Aussehen: Kleinstes Wildschaf. Gedrungener Körper, kurze, stämmige Läufe Hohle Hörner, die nach außen im Bogen gedreht sind, sitzen auf Stirnzapfen und werden nicht abgeworfen wie beim Hirsch oder Rehwild, sondern wachsen pro Jahr um einige Zentimeter. Nach 6 bis 8 Jahren ist das Wachstum beendet. Fell des Widders: im Winter braun bis schwarzbraun mit sogenanntem hellen Sattelfleck auf dem Rücken, im Sommer ist das Fell rotbraun. Schafe (weibliches Muffelwild): Die weiblichen Tiere werden Schafe genannt. Schafe wiegen im Durchschnitt 30-40 kg und haben im Sommer eine rehbraune und im Winter eine graubraune Färbung. Es kann vorkommen, dass Schafe dünne und kurze Hörner tragen. Normalerweise ist das Schaf hornlos.Fell des Weibchens: im Winter graubraun, im Sommer gelblichbraun.
Muffel können bis zu 55 kg schwer werden.
Lebensraum: Mischwälder mit geschlossenen Waldwiesen, in weiten Teilen Deutschlands vertreten. Für die Klauenpflege des Muffels ist möglichst fester, steiniger Böden mit Felspartien nötig. Verbreitung und Stellung im zoologischen System Wahrscheinlich stammt das Muffel aus dem vorderasiatischen Raum und kam zunächst nach Sardinien und Korsika. Von dort erfolgte die Einbürgerung in weite Teile Europas. as Mufflon gehört zu den Wildschafen.
Nahrung: Das Muffelwild zählt zu den Wiederkäuern. Der größte Teil der Nahrung besteht aus Gras, auch Blätter von Bäumen und Sträuchern, Kräuter, Samen und Feldfrüchte.
Sinnesleistung und Lautäußerung: Gutes Sehvermögen, Nase und Gehör sind ebenfalls sehr gut ausgeprägt. Bei Gefahr stößt es einen Pfeifton aus, das durch ein Aufstampfen mit den Vorderläufen unterstützt wird. Als Lock- und Kontaktlaute sind ähnliche Töne wie beim Schaf zu hören.
Fortpflanzung und Lebensweise; Geschlechtsreife im ersten Lebensjahr. Paarungszeit: November/Dezember. Widder kämpfen mit den Schädeln gegeneinander, wobei es zu einem kräftigen Krachen der Hörner kommt. Nach einer Tragzeit von 21 Wochen setzt das Wildschaf Ende April 1 bis 2 Lämmer, die etwa 4 Wochen gesäugt werden. Die Lämmer können der Mutter bereits nach wenigen Lebensstunden folgen. Das Muffelwild ist sehr standortreu, es lebt in einem Rudel, das vom ältesten Schaf, dem Leitschaf, angeführt wird. Ab dem 3. Lebensjahr allerdings schließen sich die männlichen Tiere zu Widderrudeln zusammen. Das Muffelwild kann bis zu 20 Jahre alt werden.
Gefahren für das Muffelwild: Lediglich schwache Lämmer werden häufiger von Fuchs, Adler, Wildkatze oder Wildschwein gefressen. Die Muffel brauchen festen Boden und ein trocken – warmes Klima, da es an Schalenauswachsen, Moderhinke, Leberegeln, Magen- und Darmwürmern erkranken kann.
Foto und erleger: Philipp Skalka
* Bejagung: die gezielte Bejagung eines bestimmten Widders ist sehr schwer. Das liegt daran, dass Widder (wie Keiler) nicht wie Rehbock oder Hirsch relativ sicher zu bestätigen sind. Es gibt zwar in jedem Revier besonders beliebte Einstände und Äsungsplätze, auf denen sich die Wildschafe bevorzugt aufhalten, aber trotzdem sind sie bei der Einstands- und Äsungsflächenwahl doch recht unstet. So kann sich ein alter Widder jederzeit sozusagen für Wochen und Monate “unsichtbar” machen.
Ich kenne die “Erlegungsgeschichten” von über 30 stärkeren Widdern, die im DJZ- Revier und den benachbarten Revieren zur Strecke gekommen sind. Danach liegen die erfolgreichen Bejagungsschwerpunkte Anfang August, zur Brunftzeit und im Monatswechsel Dezember/Januar. Im August und im Dezember/Januar stehen die Widder gern zusammen und bevorzugen in dieser Zeit bestimmte Äsungsplätze. Häufig kann man dann ansagen, wann sie austreten. Das hört sich relativ leicht an. Leider sind diese Widder meist mittelalt und jung. Die wirklich reifen meiden die Anwesenheit der “Halbstarken” und wechseln ständig ihren Standort. Als Jagdart empfehle ich im Normalfall den Ansitz. Pirschen oder gar einen bestimmten Widder pirschend suchen, wird kaum gelingen, einmal abgesehen davon, dass wir in unseren kleinen bis mittelgroßen Revieren bei dieser Art zu jagen enorm stören. Hat man das Muffelwild ein paar Mal vertreten, werden die Fluchtdistanzen immer größer. Muffelwild äugt nach meiner Beobachtung von allen einheimischen Schalenwildarten am besten. Wittern und Vernehmen sind dagegen vergleichsweise schlecht ausgebildet, wobei das Wittern schlechter ist als das Vernehmen.
Hat man ein Rudel oder einen Trupp Widder auf größere Entfernung ausgemacht, mag es natürlich gelingen, die Stücke im kupierten oder hügeligen Gelände anzupirschen. Im gebirgigen Gelände pirscht man grundsätzlich von unten nach oben, um Bewegungen am Horizont zu vermeiden, die mit 100-prozentiger Sicherheit von einem der Stücke eräugt werden. Bei der ersten Bewegung flüchtet das Rudel kilometerweit. Widder haben allerdings die Angewohnheit, nach einer kurzen, spontanen Flucht, ähnlich wie Gams, ein “Haberl” zu machen, was schon manchem Widder zum Verhängnis geworden ist. Leider nicht immer.
Wie klingt ein Mufflon?
Die Lautäußerungen des Muffelwildes sind denen des Hausschafes sehr ähnlich. Die Lämmer meckern, die weiblichen Tiere (Schafe) bähen und die männlichen Tiere (Widder) blöken. Um Artgenossen vor einer drohenden Gefahr zu warnen, stoßen vor allem die älteren Leitschafe einen zischenden Pfeifton aus.
* Bericht “schwierige Bejagung” von Hans-Joachim Duderstaedt aus DEUTSCHER JAGD-ZEITUNG
Rothirsche, die Könige der Wälder, so wie sie auch genannt werden, sind die mächtigsten und größten geweihtragende Tiere unserer Wälder. Beim Rotwild treten weltweit ca. 12 Unterarten auf. Durch die geänderten Lebensbedingungen (Straßen- und Siedlungsbau, Tourismus,…) und das veränderte Freizeitverhalten der Menschen sind die Lebensräume für den Rothirsch in Südtirol stark eingeschränkt worden.
BEGRIFFE:
Hirsch, Rothirsch
Männliche Tiere
Tier, Kahlwild
Weibliche Tiere
Kalb (Hirschkalb/Tierkalb)
Jungtier bis zum 31.03. des 1. Lebensjahres
Schmalspießer (1. Kopf)
Männliches Rotwild im 2. Lebensjahr
Schmaltier/Schmalstück
Weibliches Rotwild im 2. Lebensjahr
Alttier
Über zweijähriges weibliches Stück bei Rotwild,
AUSSEHEN: Hirsche sind keine großen Rehe, sondern das größte jagbare Wild in unseren Wäldern. Der ausgewachsene Rothirsch ist mit einer Schulterhöhe von bis zu 150 Zentimetern und einem Gewicht von maximal 250 Kilogramm das größte heimische Wildtier. Der Begriff Rothirsch leitet sich vom rotbraunen Sommerfell ab.Im Winter ist es graubraun.
VORKOMMEN UND LEBENSRAUM: Der Rothirsch, auch Edelhirsch, ist das größte Wildtier in den Revieren in Südtirol. Nur der männliche Rothirsch trägt ein Geweih. Dieses kann bis zu 6 kg schwer sein. Die weiblichen Tiere leben mit ihren Jungtieren in Rudeln, welche von erfahrenen Alttieren angeführt werden. Ebenso bilden die männlichen Tiere eigene Rudel, wobei nur die ältesten Hirsche davon abgesondert als ausgesprochene Einzelgänger umherziehen. Nach einer Tragzeit von etwa 8 Monaten wird im Spätfrühling (Mai/Juni) ein Kalb gesetzt, das bis zur Geburt des nächsten Jungtieres bei der Mutter bleibt. Im Alter von ein bis zwei Jahren erreicht der Rothirsch die Geschlechtsreife. Ausgewachsen ist er hingegen erst im Alter von 4 Jahren. Rothirsche werden im Durchschnitt zwischen 18 bis 20 Jahre alt.
Das Rotwild ist dämmerungs- und nachtaktiv und in ungestörten Bereichen bis hinauf zur Waldgrenze weit verbreitet ist.
VERHALTEN: Angeführt von dem ältesten Tier lebt das Rotwild in zumeist nach Geschlechtern getrennten Sozial- verbänden, genannt Rudel oder Gruppe. Die weiblichen Rudel werden von einem führenden (mit Kalb) Alttier geführt; in solchen Rudeln trifft man auch noch Junghirsche an. Die Hirsche sind in kleineren Rudeln unterwegs, wobei alte Hirsche (insbesondere sogenannte Platzhirsche) oft nur einen jüngeren Hirsch, den sog. Adjudanten bei sich haben. Das Rotwild ist in vielen Gebieten – bedingt durch Störungen – überwiegend nachtaktiv geworden und zieht dann in der Dämmerung zu den Äsungsplätzen.
NAHRUNG: Der Rothirsch ist ein Wiederkäuer mit einem bis zu 25 Liter fassenden Pansen. Dieser ist an seinen Wänden komplett mit langen Zotten ausgekleidet. Der natürliche Fressrhythmus ist für den Wiederkäuer Rothirsch wichtig, um seine Magenflora am Leben zu erhalten und eine kontinuierliche Energieversorgung zu gewährleisten. Der tägliche Zeitaufwand für das Fressen beträgt insgesamt sieben bis zehn Stunden in 5 – 6 Fressperioden. Der tägliche Nahrungsbedarf schwankt dabei aktivitätsabhängig zwischen 8 und 20 Kilogramm Frischmasse bei 100 Kilogramm Lebendgewicht. Die Nahrung wird beim Wiederkäuen gründlich mit den Zähnen zerrieben und dadurch wirkungsvoll aufgeschlossen. Der erforderliche Wasserbedarf von sieben bis neun Litern wird mit dem Tau und an Gewässern aufgenommen.
Im Unterschied zum Reh, das jeweils nur die eiweißreichsten Triebe und Blätter bevorzugt, ist der Rothirsch weniger wählerisch. Innerhalb seines Verbreitungsgebiets werden über 300 verschiedene Pflanzenarten gefressen. Dies ist ein großer Vorteil, denn es erleichtert die Anpassung an verschiedene Lebensräume und ermöglicht auch in der nahrungsarmen Zeit ein Überleben.
Der Rothirsch sucht sich sowohl eiweißreiche als auch eiweißärmere Kost. Dazu gehören neben den bevorzugt gefressenen Gräsern und Kräutern auch Triebe, Blätter, Flechten, Pilze, Baumfrüchte wie Eicheln, Kastanien und Bucheckern, Wildobst, Baumrinde und Zwergsträucher. Über die Wintermonate überwiegt die grasreiche, eiweißarme Kost. In Zeiten der Trächtigkeit und des Geweihaufbaus wird ein höherer Anteil eiweißreicher Nahrung benötigt. Die Nahrung der Kälber besteht im ersten Lebensmonat ausschließlich aus Muttermilch. Erst mit Beginn des zweiten Lebensmonats nehmen auch sie regelmäßig grüne Pflanzen auf. Vor allem im Herbst und Frühjahr schält der Rothirsch bevorzugt die Rinde von Laubbäumen wie Eberesche, Weide und Aspe zum Fressen ab. Baumrinde enthält Nährstoffe, Vitamine und bis zu 60 Prozent Wasser. Junge Baumrinde weist einen Futterwert, der ähnlich ist wie von Wiesengras mittlerer Güte, auf. Die saftführende Sommerrinde wird von den Tieren in langen Streifen abgezogen. Dabei dienen die Schneidezähne im Unterkiefer als Schneidwerkzeug. Im Winter sitzt die Rinde durch den fehlenden Saftstrom wesentlich fester am Baum und kann nur geringfügig mit den Zähnen abgeschabt werden. Bereits durch Schälen geschwächte Bäume werden wiederholt aufgesucht, weil der Bitterstoffgehalt in der Rinde abnimmt. Baumrinde sowie die Knospen, Triebe und Blätter von Bäumen und Sträuchern gehören ganzjährig zur artspezifischen Nahrung dazu. Mit seiner Art der Ernährung übt der Rothirsch Einfluß auf die Waldvegetation aus. Diese Einflüsse gehören natürlicherweise zum Ökosystem Wald. Bäume in dichten Waldbereichen, die durch Rindenfraß geschwächt sind, sterben frühzeitig ab. Dadurch werden lichtliebende Arten gefördert und klein räumig besonders artenreiche Mosaike in der Artengemeinschaft des Waldes geschaffen oder erhalten.
Erscheinungsbild: Der Hirsch hat im Sommer ein rötlich-braun gefärbtes Fell, das sich im Winter dunkelbraun bis grau verfärbt. Nur die männlichen Tiere bilden ein Geweih aus, daher werden die Weibchen auch als Kahlwild bezeichnet. Der erwachsene Hirsch hat eine Schulterhöhe von 1,3 m und eine Länge von ca. 2 m. Das durchschnittliche Gewicht beträgt ungefähr 160 kg beim Hirsch und 90 kg beim Alttier (erwachsenes Weibchen). Die Körperentwicklung ist beim Hirsch im 7. Lebensjahr, beim Alttier im 5. Lebensjahr abgeschlossen.
Geweihbildung: Für den Aufbau der bei jungen und alten Hirschen sehr unterschiedlichen Geweih-Knochenmasse benötigen junge Hirsche 60 bis 90 Tage, alte dagegen 90 bis 130 Tage. Alte Hirsche bilden meist stärkere Geweihe, die bei voller Ausbildung mindestens 5 Enden in jeder Geweihstange aufweisen. Die Stangen sind sehr stabil gebaut, können aber zumindest an den Enden auch abbrechen, vor allem bei Kämpfen, die mitunter sehr heftig ausgetragen werden. Sie sind innen porös und bleiben auch nach der Fertigstellung schwach durchblutet. Während des Wachstums sind sie von einer weichen Basthaut überzogen, in der Blutbahnen mit entsprechendem Baustofftransport (Kalzium, Magnesium) und Nerven verlaufen. Nach Beendigung des Geweihwachstums wird der vertrocknete Bast abgefegt. Die Größe des Geweihs ist vom Alter und vom Gesundheitszustand des Tieres abhängig. Es gibt aber auch regionale Unterschiede. Hirsche, die in Gebieten mit armen Sandböden leben, haben beispielsweise geringere Geweihe als ihre Artgenossen auf nährstoffreichen Basaltböden.
Im 12. bis 14. Lebensmonat (Juni – August des auf die Geburt folgenden Jahres) beginnen die jungen Hirsche, ihr Erstlingsgeweih zu bilden. Das sind normalerweise einfache Spieße, die gegen Ende ihres zweiten Lebensjahres im Mai – Juni wieder abgeworfen werden. Im zweiten Geweih werden in jeder Geweihstange bereits drei bis vier, selten auch mehr Enden ausgebildet. Ältere Hirsche können Geweihe mit bis zu 20 oder noch mehr Enden haben, die sich durch Verzweigungen vor allem am Stangenende ergeben. Mit fünf bis sechs Jahren sind die Hirsche körperlich ausgewachsen. Dann haben sie mehr Energie „übrig“ für die alljährliche Geweihbildung, die bei Hirschen im Alter von bis 14 Jahren meist am stärksten (schwersten) sind. In der Brunftzeit(September/Oktober) werden durch das markante Röhren der Hirsche die jeweiligen Territorien abgegrenzt. Gegen Ende des ersten Lebensjahres entwickeln sich beim männlichen Kalb knochige Stirnzapfen, die sogenannten Rosenstöcke. Zu Beginn des zweiten Lebensjahres bilden sich ein einfaches Erstlingsgeweih, das nur aus Spießen und ohne Rosen besteht. Es wird im darauf folgenden Frühjahr abgeworfen. Nach dem Abwurf baut sich ein neues Geweih auf (siehe Bild links), nun aber mit Rosen und mit einer ersten Gabelung, der sog. Augsprosse. Die Endenzahl nimmt dann gewöhnlich von Jahr zu Jahr zu. Es bildet sich die Mittelsprosse, manchmal auch eine Eissprosse zwischen Aug- und Mittelsprosse, das Stangenende teilt sich in zwei (Gabeln) und anschließend in mehrere Enden (Krone).
Während des Wachstums ist das Geweih mit einer behaarten Haut dem sog. Bast überzogen, der gegenüber Verletzungen sehr empfindlich ist. Nach Ausreifung des Geweihs im Juli/August wird der Bast an Sträuchern und Bäumchen abgestreift (fegen). Das jetzt hervortretende Geweih ist farblos, doch unter dem Einfluß der Pflanzensäfte verfärbt es sich rasch bis dunkelbraun, wobei die Endspitzen durch weiteres Schlagen hell poliert werden. Über die Altersbestimmung gibt das Geweih keine zuverlässige Aussage, es fließt nur in eine Gesamtbeurteilung mit ein. Geschlechtsreife: Aktive Fortpflanzung bei intakter Sozialstruktur: Männlich erst ab 6 Jahren als Platzhirsch. Weiblich, frühestens ab 1 Jahr (stark abhängig von der Populationsdichte und von der Kondition).
Hirschbrunft
HIRSCHBRUNFT: Jedes Jahr ab Ende August, wenn die Geweihe der männlichen Rothirsche fertig ausgebildet sind und der Hormonspiegel steigt, wird jeder andere Hirsch zum Konkurrenten. Die lockeren Rudelverbände der männlichen Hirsche lösen sich auf, denn sie wollen nun zu den weiblichen Tieren. Sind die Platzhirsche wieder bei ihrem Rudel, röhren sie lautstark, um ihren Anspruch auf die Hirschkühe zu zeigen und Konkurrenten abzuschrecken. “Wenn das nicht reicht, kommt es auch schon mal zu spektakulären Kämpfen, wo die Geweihe der Hirsche lautstark aufeinander krachen. Fortpflanzungserfolge haben fast nur die starken acht- bis zehnjährigen Tiere. Ein männlicher Rothirsch muss etwa sechs Jahre alt sein, bevor er ein Rudel verteidigen kann, wo ältere Tiere fehlen, kann jedoch auch schon mal ein junger Hirsch die weiblichen Tiere begatten.” In dieser Zeit wird die Nahrungsaufnahme für die männlichen Hirsche zur Nebensache, die Paarung mit den weiblichen Tieren und die Verteidigung des Rudels nimmt die ganze Kraft und Zeit in Anspruch. Etablierte und bodenständige, reifere Hirsche beziehen bereits vor Brunftbeginn bestimmte Einstände – meist Trockeninseln -, die hinsichtlich ihrer quantitativen und qualitativen Äsungsverhältnisse besonders attraktiv sind und deshalb auch vom Kahlwild in teils extremer Dichte frequentiert werden. Unabhängig von der Anwesenheit von Kahlwild zeigen die “Platzhirsche” dort gegenüber fremden Hirschen Territorial- bzw. Revierverhalten. Die verteidigten Areale haben eine Größe von mitunter weniger als zwei Hektar und sind oft durch einen Kanal, Graben oder durch eine offene Wasserfläche auch optisch vom “Nachbarrevier” getrennt. Die klassische These des nicht-territorialen Rotwildes und dass der Rothirsch zur Brunft dem Kahlwild in dessen bevorzugte Äsungsbereiche folgt, dort herdet und Nebenbuhler vom Rudel fernhält, hat offensichtlich nicht überall Gültigkeit. Territorialität im Brunftverhalten des Rotwildes ist durchaus möglich.
STIMME: RÖHREN DER HIRSCHE
FEINDE VOM ROTWILD: Die natürlichen Feinde des Rotwildes sind Schakal, Luchse und Wölfe. Diese beschränken sich aber hauptsächlich auf den jungen Nachwuchs, ausgewachsene Tiere können sehr wehrhaft sein und deshalb weichen die Raubtiere lieber auf einfachere Beute aus..
JAGD: Eine Menge von Neuerungen sind in Südtirol mit dem neuen Landesjagdgesetz 2021 in Kraft getreten. Kahlwildabschuss vom 01. Mai bis 15. Dezember. Die Jagd auf den Jahrlingshirsch beginnt am 15. Juni und endet am 15. Dezember. Der Hirsch (männliche) darf vom 01. August bis 15. Dezember erlegt werden. Das Rotwild unterliegt einer genauen Abschussplanung des jeweiligen Reviers. Bei Abschuss eines Hirsches, müssen bis zu 1:4 Kahlwild erlegt werden. Bei den Hirschen wird zwischen Jahrlingshirschen und mehrjährige Hirschen unterschieden. Der Anteil der Jahrlingshirschabschüssen muss zumindest 30% des Hirschabschusses betragen.
Victoria Rainer mit ihren 1. Hirschabschuss im Revier Schnals
Die zoologische Bezeichnung des Gamswildes ist Rupicapra rupicapra. Es gehört zur Familie der Rinderartigen (Bovidae). Die Boviden kennzeichnen sich insbesondere dadurch aus das sie hochspezialisierte Wiederkäuer sind und eine große Anpassungsfähigkeit an ihre Lebensräume haben. Weiters sind sie Hornträger, wobei das Horn wohl verschiedene Formen hat jedoch sich nicht verzweigt und auch nicht abgeworfen wird. Das Horn sitzt fest auf einen Knochenzapfen.
Gamsbock
Das Gamswild teilen wir ein in: JAHRLINGE beiderlei Geschlechts, ((einjährige Gams) GAISEN ( jung, reif, alt) BÖCKE der Klasse 2 (das sind zwei- bis fünfjährige Böcke), BÖCKE der Klasse 1,(das sind sechsjährige und ältere Böcke), KITZE werden aber auf den Abschuss nicht angerechnet.
Lebensraum: Bei uns in Südtirol ist der typische Lebensraum der Gams das Hochgebirge, die Almen bis herunter in die Waldgrenze. Zur Winterszeit auch in den Bergwäldern. Es gibt auch so genannte Waldgams die Ihren Lebensraum das ganze Jahr über im Wald haben (es gibt Gebirge die niedere Höhenlagen aufweisen und dadurch bewaldet sind). Diese Waldgams kommen zumeist nur in geringen Beständen vor. Im Hochbebirge lebt das weibliche Wild mit den Kitzen in Rudeln zusammen. Auch die jüngeren Böcke bilden Rudel, nur die alten und reifen Böcke leben als Einzelgänger. Im Sommer bevorzugt das Gamswild die schattseitigen Lagen und im Winter ist es gerne auf der Sonnseite anzutreffen. Bei hoher Schneelage zieht das Gamswild auch in tiefere Lagen zur Äsungsaufnahme. Es trifft immer mehr zu, daß das Gamswild in seinem natürlichen Lebensraum durch verschiedene Sporttreibende z. B. Mountainbiker, Drachenflieger, Paragleiter, Schwammerlsucher, Tourenschifahrer, usw. gestört wird und deshalb ständig in tiefer gelegene Wälder flüchten muß und diese dann auch als Einstandsgebiete annimmt. Das Gamswild ist ein tagaktives Wild und nützt die frühen Morgen- und Vormittagsstunden sowie die Abendstunden zur Äsungsaufnahme. Die Gams ist ein hervorragender Kletterer im Fels und durch eine überdurchschnittlich große Lunge zu gewaltigen Leistungen fähig. Er vernimmt (hört) sehr gut, er windet (riechen) sehr gut, er äugt (sieht) ganz gut, wobei das erkennen von Bewegungen ausgezeichnet wahrgenommen wird.
Gamsgais im Winter
Geschlechts- und Altersunterschiede: Wir machen einen Unterschied zwischen Altersbestimmung und Altersschätzung: Altersbestimmung heißt, das Alter aufs Jahr genau zu ermitteln. Altersschätzung beschränkt sich auf die Aufgabe des ungefähren Alters. Die Gesichtsschädel des Jungwildes ist kurz und streckt sicher erst mit den Jahren. Deshalb ist der Kopf von Gamsjahrlingen kürzer als beim erwachsenen Wild. Jungwild ist leicht gebaut und schlank. Im Rudel haben Jungtiere nie eine führende Position. Beim richtigen Ansprechen einer Gams müssen Aussehen, Verhalten, Körperbau und Gamskrucke mit einbezogen werden. Das sicherste Merkmal (Bock oder Gais) ist, wenn sie die Gams beim “nässen beobachten können. Die Geschlechter kann man an der Krümmung der Schläuche erkennen, jedoch kann dies nicht immer einwandfrei behauptet werden, so gibt es bockgehakelte Geißen und geißgehakelte Böcke. Das Alter am erlegten Gamswild kann man an den Jahresringen abzählen. Diese entstehen durch den jährlichen tütenartigen Hornzuwachs. Die scharfe Abgrenzung der Gesichtsmaske und der schlanke Körperbau sind ein Zeichen für eine jüngere Gams. Die Zügel werden, je älter die Gams ist, umso verwaschener gegenüber dem hellen Haupt. Der Körper wirkt kantig und die Läufe wirken kürzer. Der Widerrist tritt stärker hervor, der Spiegel wird kleiner, der Träger wirkt kürzer und stärker.
Gamsjahrling (einjährige Gams) Auch Knochen können Hinweise auf das Alter geben. Das Gamskitz, bildet auf den Stirnzapfen bis zum Herbst keine hörnerne Haken. Die horntragenden Tiere besitzen ihre auf Knochenzapfen sitzende, aus Hornsubstanz bestehende Trophäe ihr Leben lang. Wie bei allen horntragenden Wildarten trägt auch die Gamsgeiß eine Krücke. Sie ist allerdings etwas dünner und oben nicht so stark nach hinten unten gekrümmt (gehakelt) als die des Bockes. Der Schlauchquerschnitt ist beim Bock eher kreisrund und bei der Geiß ist dieser eher oval. Die Schläuche wachsen jährlich tütenartig ineinander und sitzen auf verknöcherten Stirnzapfen.
Beim Ansprechen eines Gamsbockes muß man auch sein Verhalten gegenüber seinen Artgenossen während des Jahres und im besonderen beim Brunftgeschehen beobachten. Auch das Haarbüschel an der Austrittsöffnung der Brunftrute(Pinsel) wird als Hilfsmittel zur Altersbestimmung am lebenden Gamsbock herangezogen. Die alten Bocke besitzen meist einen längeren Pinsel als die Jungen. Mit Beginn der Vegetationsperiode im drauffolgenden Jahr wächst die Krucke weiter. Die junge Gams (JAHRLING genannt) macht den Jahringsschub, der etwa Mitte des Jahres (Juli/August) abgeschlossen wird. Die Krucke wächst erst wieder im nächsten Jahr weiter, und so fort. Beachte, die Krucke wächst nicht von Jahresmitte (etwa August) bis Frühjahr (etwa Mai) des darauffolgenden Jahres. In diesem Zeitraum sieht die Krucke also immer gleich aus, obwohl der Gams dabei fast ein Jahr älter wird. Die einzelnen Jahresschübe sind dadurch einen mehr oder weniger deutlichen Jahresring voneinander getrennt. Kaum erkennbar ist der Ring zwischen Kitz- und Jahrlingsschub. Er sitzt etwa in der Krümmung der Krucke. Der zweite, dritte und vierte Schub sind mehrere Zentimeter oder weniger. Der Kruckenschlauch schließt sich mit Abschluß des fünften Schubes eng um den Stirnzapfen. Nun werden nur noch die sogenannten Millimeterringe (genauer: Millimeterschübe) gebildet. Jeder steht für ein Lebensjahr.
Altersbestimmung: Wir zählen die vollendeten Lebensjahre. also zählen wir die Schübe.
Das richtige Ansprechen und das Alter einer Gams
Was zählt man? – Wir zählen die vollendeten Lebensjahre. also zählen wir die Schübe. Den letzten (untersten) dürfen wir aber nicht mitzählen, denn dessen Lebensjahr ist noch nicht vollendet. Haben wir beispielweise im Januar ein Kitz gefunden, so sehen wir nur einen Schub, den “letzten”: Das Kitz ist 0 vollendete Jahre alt- richtig! Erst der Jahrling ist ein vollendetes Jahr alt. Er hat zwei Schübe, und dazwischen einen Jahresring. Die Abnutzung der Backzähne ist beim Gamswild ein unsicheres Altersbestimmungsmerkmal. Es ist wohl Unerfahren oder nur “Wichtigtuerei” eines Jägers oder sogar eines Pirschführers, wenn er mit seinem Spektiv oder sogar mit seinem Fernglas auf eine Schussentfernung das Jahr einer Gamsgais oder eines Gamsbockes aufs Jahr bestimmen will. Die Regel lautet: JUNG, REIF oder ALT. “Ausnahme von der Regel: Finger gerade!” Wohl anders ist beim ansprechen eines Jahrling. Vor allen an der Höhe der Krucke und dem jugendlichen Aussehen kann man einen Jahrling ( 1 jährige Gams) richtig ansprechen.
Aussehen: Gemsen können bis zu 25 Jahre alt werden, erreichen durchschnittlich ein Alter von 15 Jahren. Eine Altersbestimmung durch das Gebiss ist nicht wirklich möglich, da die Zähne keine Abnützungserscheinungen zeigen. Ab dem zweiten Lebensjahr wird die Gams geschlechtsreif. Die Gais säugt ihr Junges bis in den Winter, kümmert sich aber insgesamt 1 ½ Jahre um das Kitz. Das Gamswild verfärbt seine Decke zweimal pro Jahr; im Frühjahr (Mai) und im Herbst (September). Die Sommerdecke besitzt kürzere, fahlgelb gefärbte Grannenhaare, der Aalstrich – vom Haupt über den Rücken bis zum Wedel – (siehe Foto Gams im Sommer), die Läufe, die Bauchseite und die Zügel am Haupt sind dunkel bis schwarz gefärbt. Die Zügel sind zwei vom Kruckenansatz über die Lichter bis zu den Äserwinkeln reichende schwarze Streifen. Pinselhaare weisen mit Sicherheit auf einen Bock hin. Die Länge der Haare gibt entgegen häufiger Meinung keinen sicheren Hinweis auf das Alter, aber ist ein guter “Ansprechsfaktor”. Verlassen Sie sich niemals nur auf die Krucke
Gamskitz im Winter
GAMS IM SOMMER GAMS IM WINTER: Im Winter sind die Grannenhaare schwarz gefärbt, nur die Maske am Haupt, die Bauchunterseite und der Spiegel sind weiß. Die langen Grannenhaare mit den weißen Spitzen (Reif am Aalstrich des Wintergamsbockes werden als Bart bezeichnet, sie werden nur im Frühjahr gewechselt. Will man aus diesen langen Haaren einen Bart binden lassen, so muß man sie im warmen Zustand vom frisch erlegten Gamsbock rupfen und in steifes Zeitungspapier verpacken, damit die bis ca. 20cm langen Haare nicht beschädigt werden. Die Hufe der Gämsen sind relativ lang und scharf. Die harten Schalenränder und die elastische Sohle erleichtern das Klettern: Im Sommer, wenn sich die Schalenränder am Fels abschleifen, findet die Gämse mit der weichen Sohle guten Halt. Im Winter hingegen verhilft die scharfe Kante zu sicherem Tritt auf vereisten Flächen. Durch seine spreizbaren, hartgummiartigen Schalen ist das Gamswild besonders gut für das Leben in der Felsregion ausgestattet. Die beiden Hufschalen sind gegeneinander sehr beweglich. Bei normalen Gang werden sie parallel zueinander aufgesetzt, bei Flucht, Schnee oder in steilem Gelände sind sie stark gespreizt. Die Afterklauen, zwei kleine zurückgebildete Zehen hinter den Hufen, werden vor allem beim Abwärtsgehen als Bremse eingesetzt; sie hinterlassen nur in weichem Boden einen Abdruck. Die Kotpillen sind fast kugelförmig und messen etwa 1.5 cm im Durchmesser.
Losung: besteht aus mehr oder minder losen dunkelbraunen bis schwarzen Zäpfchen. Die Gamslosung ist im Winter schwarz glänzend. Die Beeren sind ca. 8 mm stark und 1,2 cm lang. Im Sommer wird sie in zusammengedrückter Form abgesetzt. Zwischen Bock- und Geißenlosung gibt es keinen Unterschied.
Nahrung: Gämsen leben gemeinsam in Rudeln und sind hauptsächlich tagaktiv. Sie nutzen die frühen Morgen- und Vormittags- sowie die Abendstunden zur Nahrungsaufnahme. Als Nahrung nimmt das Gamswild Gräser, Kräuter, Flechten, Moose und im Winter Knospen und Triebe von Sträuchern, Laub und Nadelbäumen auf. Von einer Winterfütterung sollte man beim Gamswild absehen. Im Wald sind die Gämsen unerwünscht, da sie Forstpflanzen und Jungbäume verbeißen männliches Wild erlegt werden, und der Eingriff in die Jugend (Jahrlinge) darf ebenfalls nicht zu knapp ausfallen.
Besonders zu achten ist der Abschuss von Gamsgeisen, dass kein Muttertier erlegt wird. Kitze werden hauptsächlich während der Brunft vom Bock nicht geduldet und somit während der Liebeszeit beim Rudel zurückgelassen. Somit beobachtet man immer wieder Geisen ohne Kitze die in Wirklichkeit aber “Führend” sind. Wird eine Muttergais erlegt, schließen sich die Kitze auch anderen Gaisen oder dem Rudel an, so beobachtet man immer wieder Gamsgaise die zwei und mehrere Kitze führen. Nachdem aber die Kitze ohne Muttermilch auskommen müssen, überleben im Hochgebirge nur körperlich gesunde und starke Gamskitze den Winter. Als wichtigste Hegemaßnahme (siehe Bericht) beim Gamswild kann die Anlage von Salzlecken an von Feuchtigkeit geschützten und vom Gamswild beliebten Stellen genannt werden. Der Abschuß von schlecht verhaartem und kümmerndem Gamswild ist eine wichtige Hegemaßnahme. Ein Geschlechterverhältnis von 1:1 sollte angestrebt werden. Die Zuwachsrate beträgt beim Gamswild ca. 50 % der Geißen des Frühjahrstandes. Der Jäger soll stärker in die Jugendklasse (III) eingreifen. Die Mittelklasse sollte möglichst geschont werden, sie sollte ca. 60 % des Bestandes betragen.
Gamsgais und Gamskitz im Sommerkleid
Hege: Gamswild bringt verhältnismäßig wenig Nachwuchs, und viele Kitze kommen im Winter im Gebirge um. Die Bejagung muss daher vorsichtiger erfolgen als beim Rehwild. Um Alters und um das Geschlechtsverhältnis ausgewogen zu erhalten, muss insgesamt etwa mehr weibliches als männliches vorhanden sein. (siehe den Bericht über die Gamswildhege)
Reviermarkierung: Der Gamsbock markiert sein Revier besonders während der Brunft durch ein Sekret aus den hinter den Schläuchen sitzenden Brunftfeigen. Sollte ein Rivale in sein Revier gelangen werden Rangkämpfe ausgetragen und aus seinem Revier blitzartig durch das felsige Gelände Kilometerweit vertrieben. Brunftige Gamsböcke erkennt man auch durch das unruhige Verhalten, kaum Äsungsaufnahme und dauernd auf Suche nach einer Gamsgeis. Bewandert ständig sein markiertes Revier um auch Nebenbuhler von seinen Geisen fernzuhalten. Deutlich erkennbar sind das “Blädern” mit weit geöffneten Äser (Maul) und der wachelnde Bart bei älteren Böcken.
Lautäußerung Gamswild: (Reinhören): Bei Gefahr stößt das Gamswild durch den Windfang einen weithin hörbaren Pfiff aus. Die Geiß verständigt sich mit dem Kitz durch leises Meckern. Sehr ähnlich, nur wesentlich lauter, ist das Blädern des Bockes in der Brunftzeit.
Fortpflanzung: Die Gamsbrunft findet im November statt, die Brunft ist besonders lebhaft bei Schneelage und klarem, kaltem Wetter. Der Platzbock, der in der Brunftzeit zum Geißenrudel steht, beherrscht dieses. Nähert sich ein anderer Bock diesem Rudel, so vertreibt er ihn oft durch eine halsbrecherische Verfolgungsjagd über weite Strecken. Der Gamsbock treibt blädernd und öfters nässend die brunftige Geiß und beschlägt sie. Die Gamsgeiß geht ca. 26 Wochen beschlagen und setzt ihr Kitz (meist nur eines) Ende Mai bis Mitte Juni. Zum Setzen verläßt die Geiß das Rudel und kehrt erst nach einigen Tagen wieder mit dem Kitz zurück.
Krankheit: Gamsblindheit und die Gamsräude sind jene Krankheiten, die am häufigsten auftreten. Bestandes gefährdend können sich auch Krankheiten wie Gamsblindheit und Gamsräude auswirken, die epidemisch auftreten und zu einem “Massensterben” führen können.
Gamsblindheit
Gamsräude
Die Gamsblindheit (auch Gemsblindheit) ist eine hoch ansteckende Augenerkrankung der Schafe, Ziegen, Gämsen und Steinböcke (insbesondere Rupicapra r. rupicapra und Capra i. ibex). Sie wird durch den Erreger Mykoplasma conjunctivae (Mykoplasmen) hervorgerufen. Die Erkrankung ist auch als Infektiöse Keratokonjunktivitis IKK bzw IKC (infectious keratoconjunctivitis ) bekannt. Infektiöse Keratokonjunktividen können jedoch in der Veterinärmedizin auch Krankheiten bezeichnen, die nicht durch Mykoplasma c. hervorgerufen werden, die der Gemsblindheit jedoch ähneln. Mykoplasma conjunctivae ist bei Schafen verbreitet und diese Tiere stellen ein Erregerreservoir dar von dem aus Wildtiere infiziert werden können wenn diese sich in der Nähe von Schafherden aufhalten. Typisch für die Gemsblindheit ist das Auftreten von Eqidemien. Diese Erblindung hält einige Zeit an. In dieser Phase ist der Gams stark gefährdet umzukommen. Häufig überlebt die Gams auch die völlige Erblindung und das Sehvermögen stellt sich allmählich wieder ein.
Bei starken Befall wird Hornhaut und Netzhaut verletzt und führt somit zur totalen Erblindung. Als Erreger werden immer wieder Bakterien, Rickettsien und Viren genannt, den genauen Erreger kennt man jedoch noch nicht. In manchen Gebieten kommt auch der kleine Lungenwurm recht häufig vor. Er ist besonders für Jungtiere gefährlich während ihn ältere Stücke meist ohne äußerlich sichtbare Kennzeichen ertragen. Der Befall zeigt sich in schwacher Konstitution des betroffenen Stückes. Auch hüstelt es. Der Vollständigkeit wegen seien noch ein paar Krankheiten namentlich erwähnt: Papillomatose (Lippengrind) – Maul- u. Klauenseuche gehören wie die Gamsblindheit zur Gruppe der Infektionskrankheiten. Einige Invasionskrankheiten (Parasitosen) wie: Befall mit Haarlingen – Leberegelkrankheit – Bandwurmbefall und andere mehr.
Die Gamsräude und der Lungenwurm (kleiner und großer) gehören zur hier aufgeführten Gruppe. Bei der Gamsräude (siehe Bericht) handelt es sich um eine Grabmilbenart (Sarcoptes rupicapraer) die in einer Hautschicht des Gams Gänge frisst und auch ihre Exkremente dort hinterlässt. Dies führt beim Gams zu einen starken Juckreiz, Hautentzündung, Haarausfall – die Funktionen der Haut werden zerstört- schließlich erleidet das Gamswild einen qualvollen Tod. Die Krankheit ist von einen Tier auf ein Anderes übertragbar. Ganze Gamsbestände wurden auf diese Weise dahingerafft. Als Gegenmaßnahme hilft nur das frühzeitige erkennen der betroffenen Tiere und entnehmen derselben aus dem Bestand. Siehe die Fotovideoshow
Stimme Gams
Jagd: In Südtirol wird die Jagd auf Gamswild vom 1. August bis zum 15. Dezember ausgeübt, wobei der eigentliche Reiz der Bejagung in den späten Herbsttagen liegt. Die Jagd wird, besonders während der Brunft in den Monaten Oktober bis Dezember, mit der Pirsch kombiniert. Gejagt wird Gamswild überwiegend im Gebirge auf Ansitzjagd. Bei der Jagd wird wenn notwendig zuerst das Kitz, dann die Gais erlegt. Die Jagdausübung auf Gamswild darf nur in Begleitung eines Pirschführers erfolgen. Bei der Bejagung von Gamswild ist Berg Erfahrung, eine gute Ausrüstung, eine genau schießende Waffe und eine rasante Patrone wie z.B. die 6,5 x 68 erforderlich.
Video: PW Jagdportal aufgenommen von einem Wanderer
Text: Gams übernommen mit Zustimmung von www.jagdweb.at
Text: Gamsblindheit mit Zustimmung von: Wildvet Projects Dr. Marco Giacometti, www.wildvet-projects.ch
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