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Murmeltier

Paarungszeit: Mai
Trächtigkeitsdauer: 5 Wochen

Wurfzeit: Juni – Juli
Junge: 2 – 6

Vorkommen 1.500 bis 2.700 Meter

Der Name „Murmeltier“ ist vermutlich aus dem lateinischen Wort „Mus montis“ = Alpenmaus entstanden. Das Murmeltier ist ein Säugetier , das zu der Familie der Hörnchen gehört. Es ist zweifelsohne das bekannteste Tier der alpinen Fauna. Sicher hat jeder Bergwanderer schon einmal das niedliche Nagetier von einem Weg aus beobachteten können oder seinen charakteristischen Warnschrei gehört. Das Murmeltier ist tagaktiv, kommt häufiger vor und ist in gewissen Gebieten überhaupt nicht scheu.

Aussehen

AUSSEHEN: Das Murmeltier besitzt einen sehr breitgedrungenen Körperbau. Die Hinter- und Vorderextremitäten sind ungefähr gleich lang. Murmel haben einen kräftigen Knochen- und Muskelbau. Der kurze und breite Kopf sitzt auf einem sehr kurzen, beweglichen Hals. Auf dem schwarzgrauen Köpfchen sitzen kleine, sehr stark behaarte Ohren. Der Rücken ist gelbbraun bis graubraun, die Bauchseite des Fells ist gelblichbraun. Die Spitze ihres 15 – 20 cm langen Schwanzes ist jedoch immer schwarz. Einmal im Jahr – nach dem Winterschlaf – verlieren die Murmeltiere ihr altes Fell und ersetzen es durch ein neues. Junge Murmeltiere haben ein flauschiges, dunkles Fell, bei älteren Tieren wird das Fell hingegen immer struppiger. Zum Graben seiner Baue hat das Murmel starke Krallen, und zwar je fünf an den Hinterpfoten und jeweils vier an den Vorderpfoten. Gesichts-, Geruchs- und Gehörsinn sind beim Murmel besonders ausgeprägt.

VERHALTEN: Murmeltiere sind tagaktiv. Sie müssen daher beim Äsen sehr vorsichtig vor Feinden sein. Wenn es in seiner typischen aufrechten Position steht, ruht es auf den Hinterpfoten, der Schwanz ist auf dem Boden ausgestreckt, während die Vorderpfoten vor der Brust hinunterhängen. Diese Stellung nimmt das Nagetier ein, um zu fressen und sein Territorium zu überwachen, aber auch im Alarmzustand. Wenn eines der Tiere eine Gefahr bemerkt, stößt es sofort einen schrillen Schrei aus, der wie ein lauter Pfiff wirkt. Ist dieser Schrei lang gezogen, bedeutet dies, daß eine Gefahr aus der Luft im Anzug ist. Ist hingegen eine Abfolge derartiger Schreie zu vernehmen, deutet dies auf eine Gefahr am Boden hin. Seit jeher gilt das Fett des Murmeltieres, das so genannte “Mankei-Schmalz”, als heilkräftig. Früher wurde es häufig gegen Brust- und Lungenleiden, Magenbeschwerden, Seitenstechen sowie gegen Nerven- und Gelenksschmerzen verwendet. Heute wird das Murmeltierfett nur noch zur Herstellung Durchblutungsfördernder Salben verwendet.

LEBENSRAUM: Die Murmeltiere bewohnen Geröll – und Graslandschaften im alpinen Raum, im Allgemeinen oberhalb der Waldgrenze und auf der Sonnenseite. Sie leben in mehr oder weniger großen Gruppen auf einer Höhe zwischen 1500 und 2500 m. Jede dieser Kolonien besteht aus mehreren Familien, die in einer Gemeinschaft leben und mehrere Baue besitzen. Abgesehen von ihren Streifzügen im Frühjahr halten sich die Nagetiere fast immer in unmittelbarer Nähe ihrer Bauten auf. Letzterer schützt die Tiere vor Feinden und vor der Witterung und während des sechsmonatigen Winterschlafs vor der Kälte. Der bau besteht aus einem 5 bis 10 m langen Haupteingang von 15 bis 20 cm Durchmesser mit verschiedenen Kammern, deren Böden mit Heu bedeckt sind, um mehreren Nebengängen. Er kann bis zu drei Metern in die tiefe reichen. Am Eingang des Baus bildet die ausgehobene und festgestampfte Erde eine vegetationslose Terrasse.

Nahrung: Das Murmeltier ernährt sich in erster Linie von Pflanzen, aber es frisst auch Insekten – Käfer und Heuschrecken-, Larven, Regenwürmer und Vogeleier. Besonders gern mag es Schwingel, Klee, Ampfer, Nesseln, Krokus und Glockenblumen. Im Frühjahr, nach dem Winterschlaf, ernähren sich die Murmel hauptsächlich von Wurzeln und Knollen. Pro Tag benötigt das erwachsene Murmeltier ca. 1,2 kg Grünmasse. Diese Nahrung wird mit den immer nachwachsenden Nagezähnen abgebissen und mit den Backenzähnen zermahlen und zerkleinert.

Feinde: Als Feinde des Murmeltiers kennen wir den Steinadler, Fuchs, Kolkraben, Uhu und streunende Hunde. Bei Auftauchen eines Feindes warnen die stets wachsamen Tiere einander durch einen schrillen Pfiff und flüchten im Nu in ihre Baue. Der Fuchs jagt das Murmeltier mit Vorliebe im Frühjahr.

FORTPFLANZUNG: Etwa zwei Wochen nach dem Verlassen des Baus – Anfang Mai – nach dem Winterschlaf findet die Paarung statt. Geschlechtsreif werden die Murmel mit zwei Jahren. Die Weibchen (Katz) erreichen ihre Fortpflanzungsfähigkeit im Alter von drei Jahren und werden jedes zweite Jahr befruchtet. Die Männchen (Bär) sind normalerweise monogam. die Paarung findet im Bau statt. Nach etwa 1 Monat Tragzeit werden in der Regel bis zu 6 Junge geboren. Die Jungen (Affen) sind c. 30 Gramm schwer und kommen taub, blind und nackt zur Welt. Nach zwei Wochen haben sie eine Größe einer Ratte erreicht. Die ersten Ausflüge aus dem Bau machen sie im Alter von 35 bis 40 Tagen. Dabei bleiben die Jungen, die sofort mit Fressen von Pflanzen beginnen, in der Nähe des Baus. Im August haben sie ungefähr die Hälfte der Grösse eines erwachsenen Tiers erreicht; vor ihrem ersten Winterschlaf sind sie 1 bis 1,5 kg schwer, vor dem zweiten 2 bis 3 kg.

Murmeltierfamilie: v.l.n.r. Bär, Affe, Katze

Mit drei Jahren ist ihr Körper ausgewachsen. Die Sterblichkeit der Jungen ist sehr hoch: 30% sterben vor dem ersten Winterschlaf

Winterbau: In diesem verbringen die Murmel ihren Winterschlaf. Er ist 5-7 m lang und führt tief in die Erde zu einem großen Kessel. Das letzte Stück von diesem Gang führt wieder bergauf, damit sich im Kessel kein Sickerwasser ansammeln kann. Der lange Gang hat unterirdische Abzweigungen, in denen der Kot abgesetzt wird.
Vor dem Winterschlaf wird der Schlafkessel mit ca. 15 kg Heu ausgepolstert, die Röhre wird dann mehrere Meter mittels Erde und Steinen verschlossen. Bevor die Murmel, die im Sommer und Herbst viel Feist angesetzt haben, sich in den Winterschlaf legen, entleeren sie ihren Darm. Danach liegen sie zusammengerollt (bis zu 10 Murmel pro Kessel) und verringern ihre Lebensfunktion. Die Körpertemperatur wird auf 10° C gesenkt (minimal auf 5° C), die Herzschläge auf

Die aufrechte Stellung ist typisch für das Murmeltier

ca. 30/min. (min. 2-3) und die Atemzüge werden auf 2-4 pro Minute gesenkt. Der Winterschlaf tritt ein, wenn die Kesseltemperatur 12° C erreicht, sinkt sie unter 5° C, wachen die Tiere auf und ihre Körpertemperatur steigt auf die Normaltemperatur von 35-36° C an. Dadurch heizen sie die Kesseltemperatur wieder auf 12° C an. In diesen Pausen setzen die Murmel nur Harn ab. In der Winterschlafzeit (ca. 6 Monate) zehren die Murmel von dem im Herbst angeästen 1,5 kg Feist; der fast zur Gänze verbraucht wird.

 

Foto: PW – Jagdportal

Vorbereitung auf den Winterschlaf

Doch am wichtigsten für die kleinen Murmeltiere ist es jetzt, viel zu fressen. Am liebsten Gräser, Kräuter und Samen. Sie haben nur drei Monate Zeit, um das 50-Fache ihres Geburtsgewichts zu erreichen. Nur so können sie den bevorstehenden Winterschlaf überleben.
Murmeltiere legen keine Nahrungsvorräte an. Sobald sie im Herbst nicht mehr genug zu fressen finden und ihre Fettreserven ausreichend gefüllt sind, begeben sich die Murmeltiere in den Winterschlaf.
Schon im Sommer bereiten sie sich auf die ausgedehnte Ruhe vor. Murmeltiere sammeln Gräser, die sie in der Sonne trocknen, um mit dem Heu ihren Schlafplatz auszupolstern. Neben den zehn bis siebzig Meter langen Tunneln, die die Nager im Frühling und Sommer als Schutz vor Feinden und zu viel Wärme anlegen, beziehen sie im Winter einen separaten Bau, der mit Zapfen aus Lehm und Gestein verschlossen wird.
Während des Winterschlafs sinkt der Energieverbrauch der Murmeltiere auf unter zehn Prozent. Organe, vor allem der Magen und die Niere, verkleinern sich. Auch die Körpertemperatur fällt von 39 auf fünf bis sieben Grad Celcius.
Die Atmung der Hörnchen wird auf zwei Züge pro Minute reduziert. Auch das Herz schlägt nur noch 20 anstatt 200 Mal pro Minute, um während der langen Ruhephase Energie zu sparen.

Murmeljagd in Südtirol:
In Südtirol dürfen Murmeltiere mit Sondergenehmigung aus Schad- und Hauptverbreitungsgebieten entnommen werden.  Allerdings unter ganz konkreten Auflagen und Bedingungen.  Die Bejagung darf ausschließlich mit bleifreier Munition erfolgen und das Murmeltier ist innerhalb von 24 Stunden dem zuständigen hauptberuflichen Jagdaufseher vorzuzeigen, der wiederum das Geschlecht, Alter und Gewicht vermerken muss. 

Die Murmeltierjagd hat in Südtirol zwar eine lange Tradition, doch versuchen Tierrechtler und Jagdgegner seit Jahrzehnten, die „Murmentenjagd“ zu torpedieren. Auf der anderen Seite fordern die Landwirte mit Nachdruck eine Bejagung, weil die kleinen Nager auf den Mähwiesen beträchtliche Schäden verursachen.
Nach einem zähen Ringen  (SIEHE BERICHT im ANBLICK),  dürfen Murmeltiere wiederum in Südtirol vom 1. September bis Ende des Monats mit Sondergenehmigung und nur mit bleifreier Munition (Vollmantelgeschoße sind verboten) gejagt werden. Für die Entnahme gelten strenge Auflagen: Sie grenzen sowohl die für die Jagd zugelassenen Gebiete als auch die Höchstgrenzen ein. Zudem ist festgelegt, wer die Tiere erlegen darf bzw. wie der Abschuss zu belegen ist. Nach Unterzeichnung des entsprechenden Dekretes durch den Landeshauptmann hat das Landesamt für Jagd und Fischerei den direkt interessierten Organisationen das Dekret mit dem überarbeiteten Managementplan, eine Zusammenfassung der diesjährigen Abschusspläne und die Bejagungsvorschriften übermittelt. Insgesamt werden in Südtirol ca. 1.900 Murmeltiere zum Abschuss freigegeben. Damit wird die nachhaltige jagdliche Entnahme von 2017 fortgeführt.
Die Land stützt sich mit seinem Dekret auch auf ein positives Gutachten der Höheren Anstalt für Umweltschutz und Forschung ISPRA und hat nach deren Vorgaben aus dem Vorjahr das „Bejagungskonzept für das Murmeltier 2017–21“ überarbeitet. Dies ist wichtig, da das Konzept nur so rechtlichen Anfechtungen – z. B. durch Tierschutzorganisationen – standhalten kann. Die ISPRA hat insbesondere auf ein umfassendes Monitoring Wert gelegt. Mit der Überwachung und Kontrolle der Maßnahmen sind das Landesforstkorps und die hauptberuflichen Jagdaufseher beauftragt. Das Landesamt überprüft laufend den Erhaltungszustand der Murmeltierpopulationen.

Nochmals Glück gehabt….

Maximal fünf Prozent entnehmen
In Südtirol leben derzeit auf mehr als 50.000 Hektar über 55.000 Murmeltiere. Die Population ist gemäß der europäischen Habitatschutzrichtlinie in einem günstigen Erhaltungszustand. Daher – so argumentiert das Landesamt für Jagd und Fischerei – ist eine jagdliche Nutzung nachhaltig verträglich. Das Dekret des Landeshauptmanns gilt für weitere drei Jahre, wobei alljährlich ein Fachgutachten des ISPRA einzuholen ist. Im Zeitraum 2017 bis 2021 dürfen maximal fünf Prozent des Frühjahrsbestandes entnommen werden, davon höchstens 2,5 Prozent des landesweiten Murmeltierbestandes in gemeldeten Schadgebieten (Ein Schadgebiet liegt vor, wenn Landwirte Schäden melden und diese vom Forstdienst bestätigt werden), und weitere maximal 2,5 Prozent in allen Populationen von mindestens 100 Individuen.
Auch im kommenden Jahr müssen Grundeigentümer Schäden wieder melden, um gezielte Abschüsse auf diesen Flächen zu ermöglichen – im Frühjahr wird der „Südtiroler Landwirt“ rechtzeitig darauf hinweisen

Jagd:  Murmeltiere werden auf der Pirsch oder beim Ansitz bejagt. Gejagt wird bevorzugt in Kerngebieten mit ausgedehnten Kolonien und großen Familien. Kleine Familien sollten geschont werden, da die Jungen ihre Elterntiere zum Überwintern brauchen. Wie beim restlichen Niederwild gilt auch für die Murmeltierjagd, dass man sie nur an drei Tagen pro Woche ausüben darf. Jeder Jagdgang muss vorher im Kontrollkalender angekreuzt werden. Und jedes erlegte Murmeltier muss gleich nach der Bergung im Kontrollkalender eingetragen werden. Die Erlegung muss noch am selben Tag dem Revierleiter gemeldet werden. Zudem ist das Murmeltier innerhalb von 24 Stunden dem zuständigen hauptberuflichen Jagdaufseher vorzuzeigen. Dieser wiegt das Murmeltier und misst den Abstand der Genitalöffnungen zwecks Geschlechtsbestimmung. Außerdem wird jeder Abschuss auf einer Karte verortet.

Schieße niemals ein Murmel am Bau, denn meistens flüchtet das  Murmel auch nach einem guten Schuss noch einige Meter und verschwindet im Murmelbau. Dadurch wird das Murmel nicht nur verloren geschossen, sondern durch das tote Murmel im Bau muss die Murmelfamilie bzw. Mitbewohner den Bau verlassen und haben im Spätherbst vor dem Winterschlaf nicht mehr die Möglichkeit einen neuen Bau/Zuhause zu graben.  

Ausdrücke:
Murmel: Murmentl, Murmel
Fett: Murmelfett o. Schmalz
Gesamtes Wild im Revier: Bestand
Männliches Tier: Bär
Fortpflanzungszeit: Bärzeit,
Weibliches Tier: Katze
Nahrung: Äsung
Junge: Affen
Unterirdische Behausung: Bau (jeweils Sommer-/Winterbau)
Ohren: Lauscher auch Gehöre
Sich dort aufhalten: im Bau stecken
Pfote: Brante
Zugang vom Winterbau schließen: mit einem Zapfen zuschlagen
Schwanz: Rute
Wohnhöhle im Bau: Schopf
Haut abziehen: abschwarten, abbalgen
Ausweiden: aufbrechen

Lautäußerung: Pfeifen (Warnlaut) ANHÖREN

Steinwild

Der Alpensteinbock (Capra ibex)

Alle Infos über Lebensraum, Verhalten und Fortpflanzung

Steinwild – Foto: © Martin Prumetz

EIGENSCHAFTEN: Beeindruckend sind sie schon, die mächtigen Steinböcke! Wenn sie ihren Kopf langsam senken und mit ihren bis zu einem Meter langen Hörnern hin und her wiegen, zollen sie Respekt. .Kaum ein Wildtier des Hochgebirges hat in Sage, Aberglaube, Volksmedizin und Brauchtum über Jahrhunderte eine so große Rolle gespielt wie der Alpensteinbock. Steinwild hat ausgesprochen gute Sinne und ist ein ausgezeichneter Kletterer. Allein dies war schon ein Grund für seine Bedrohung. Steinwild lässt seine Feinde sehr nahe kommen, in der Gewissheit sich mit 2-3 Sprüngen sofort in Sicherheit zu begeben. Dies führte bis 1820 fast zur Ausrottung. Durch Aberglaube wurde das Steinwild ab 1622 in den Bergen vehement bejagt. Sein Blut, die Magensteine (Bezoare), die Hörner, Milz und Knochenmark und nicht zuletzt das Herzkreuz (verhärteter Knorpel der Herzklappen) der unverwundbar machte, führte dazu, dass bereits Mitte des 16. Jahrhunderts die Jagd auf Steinwild unter körperliche Strafe gestellt wurde. Das überleben verdankt das Steinwild Viktor Emanuel, König von Italien, der das letzte Steinwild am Gran Paradiso unter Schutz stellte und sich das alleinige Jagdrecht erkaufte. Aus diesem Bestand wurden allmählich immer mehr Tiere ausgesiedelt, sodass der Bestand heute als nicht mehr gefährdet angesehen wird. Nach mühevoller Arbeit der Jäger und Naturfreunde wurde der Steinbock wieder in Südtirol mit Erfolg eingesetzt.

Strickner Skizze Geweih: Aus CD “Jägerschulde” Landesbetrieb für Forst und Domänenverwaltung Bozen

AUSSEHEN: Der Steinbock ist ein kraftvolles Tier, das eine Schulterhöhe von 1 m und ein Gewicht bis 100 kg erreichen kann, bei der Gais etwa die Hälfte. Seine mächtigen Hörner können bis zu 1 m lang und bis zu 15 kg schwer sein. Beide Geschlechter tragen auf starken Stirnzapfen ihre Gehörne. Die Geißen sind kleiner als die Böcke und haben nur ca. 30 cm lange Hörner. Das vier Wochen alte Junge (“Kitz”) bildet bereits Hornzapfen aus. Nach 2 Monaten sind sie bereits ca. 3 cm lang. Bei Böcken werden sie bis zu 1 m lang, bei Geisen bis ca. 30 cm. Der Querschnitt des Bockhorns ist dreieckig, der der Geis meist oval. Steinböcke werden ca. 15 bis 18 Jahre alt, das Alter kann an den Schmuckwülsten am Horn ermittelt werden; es werden in der Regel zwei solche Wülste pro Jahr gebildet. Nach dem zehnten Jahr nimmt das Wachstum der Hörner stark ab. Der Körper des Steinbocks ist gedrungen. Das Fell (“Decke”) ist im Sommer braungrau bis rötlichgrau, im Winter gelblich-braungrau mit weißlicher Unterwolle. Daher wird der Steinbock auch mancherorts als “Fahlwild” bezeichnet. Die tiefgespaltenen Hufe der stämmigen Beine mit den gummiartigen Zehenballen und scharfen Schalenrändern verleihen den Tieren eine außerordentliche Kletterfähigkeit.

Steinwildrudel – Foto © Martin Prumetz

VERHALTEN: Ein Steinbockrudel setzt sich aus zehn bis zwanzig Weibchen und Jungtieren zusammen. Daneben gibt es die weniger stabilen Junggesellenherden noch nicht ganz ausgewachsener Böcke sowie einzeln lebende alte Böcke. Das Steinwild bildet Rudel von verschiedener Stärke, zu denen sich die alten Böcke jedoch nur während der Paarungszeit gesellen. Wie die Gemsen weiden auch die Steinböcke des Nachts in den höchsten Wäldern, im Sommer jedoch niemals weiter als eine Viertelstunde unter der Spitze einer freien Höhe. Mit Sonnenaufgang beginnen sie weidend aufwärts zu klettern und lagern sich endlich an den wärmsten und höchsten, nach Osten oder Süden gelegenen Plätzen. Bei ihren Weidegängen halten sie nicht nur ihre Wechselein, sondern lagern auch regelmäßig an bestimmten Stellen, am liebsten auf Felsvorsprüngen, die ihnen den Rücken decken und freie Umschau gewähren. Steinböcke sind Gebirgsspezialisten und begeben sich nur ausnahmsweise in den Waldbereich. Bei der Wanderung von den höhergelegenen Sommer- in die Wintereinstände legen insbesondere die Böcke meist längere Strecken zurück. Jede Bewegung des Steinwildes ist rasch, kräftig und dabei doch leicht. Der Steinbock läuft schnell und anhaltend, klettert mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit und zieht mit geradezu unverständlicher Sicherheit und Schnelligkeit an Felswänden hin, wo nur er Fuß fassen kann. Eine Unebenheit der Wand, die das menschliche Auge selbst in der Nähe kaum wahrnimmt, genügt ihm, sicheren Halt zu finden; eine Felsspalte, ein kleines Loch usw. werden für ihn zu Stufen wie bei einer Treppe. Nach Art der Ziegen gefällt er sich in der Jugend in neckischen und selbst im Alter in mutwilligen Streichen, tritt aber immer selbstbewusst auf und bekundet erforderlicher weise hohen Mut, Rauf- und Kampflust, welche ihm keineswegs schlecht ansteht. Gefährlichen Tieren weicht er aus, schwächere behandelt er übermütig oder beachtet sie kaum. Mit den Gemsen will er nichts zu tun haben und hält sich, unbedrängt, fern von ihnen; Hausziegen dagegen sucht er gelegentlich auf und paart sich auch freiwillig mit ihnen.

Steingais mit Kitz – Foto Marcel Schäfer

BRUNFT: Ab dem dritten Lebensjahr sind die Steinböcke geschlechtsreif, Geißen in der Regel mit zweieinhalb Jahren. Ein faszinierendes Schauspiel – die Steinbock- die im November beginnt und und bis in den Januar hinein reicht Erwachsene, vollfeiste Böcke besitzen einen Fettanteil von etwa 35 Kilogramm. Diese Reserve benötigen sie während der in die kälteste Jahreszeit fallenden Brunft: In dieser Zeit steht das Fahlwild in gemischten Rudeln, die meist aus einem älteren Bock, jüngeren Böcken, Geißen und Jungtieren bestehen. Die alten Böcke befinden sich dabei in verschiedenen Gruppen. Diese ranghohen Stücke signalisieren mit umgeklapptem Wedel, dessen weiße Unterseite weithin leuchtet, ihre Brunftbereitschaft. Außerdem liegt bei umgeklapptem Wedel ein Drüsenfeld frei, das starke Duftsignale aussendet. Der dominante Bock umwirbt die Geiß mit der charakteristischen „Streckhaltung”, die an die Körperhaltung erinnert, die der Bock zum Beispiel auch beim Unterkriechen eines Zaunes einnehmen würde. Die langen Hörner liegen dabei auf dem Rücken auf. Zusätzlich klappt der Bock die Oberlippe hoch und „flippert” mit dem Lecker. Gelegentlich rotiert dabei der im Verhältnis zum Körper kleine Kopf, und der Vorderlauf pendelt zögernd in Richtung Geiß. Die Geißen weichen anfangs den sich nähernden Böcken aus. Während der beiden Tage des Eisprungs dulden die Geißen schließlich das Unterschreiten der Intimdistanz durch den Bock. Die Geißen schwenken kurz vor der Kopulation mit dem Wedel und animieren so zum Aufreiten. Nach der nur wenige Sekunden dauernden Begattung begleitet der dominante Bock die Geiß noch einige Zeit, um danach wieder mit den anderen Böcken an der Gemeinschaftsbrunft teilzunehmen. Die Steingeiß setzt Nach ca. 23 Wochen, Ende Mai oder im Juni meist ein Kitz. Zwillingskitze sind selten. Schon am Tag des Setzens folgt das Kitz der Mutter. Im Alter von vier, fünf Wochen schließen sich die Kitze zu Jugendverbänden zusammen. Obwohl die Kitze schon ab der zweiten Lebenswoche Pflanzenäsung aufnehmen, werden sie von der Geiß bis in den Winter hinein gesäugt. Die Ernährung Die Steinböcke sind genügsame Wiederkäuer und hinsichtlich ihrer Nahrung weniger Anspruchsvoll gegenüber Gämsen oder Rehe. Sie ernähren sich hauptsächlich aus Kräutern, Knospen, Latschen und Weichhölzern. Im Winter auch aus Flechten, saftigen Baumrinden, Moosen und hervor gescharrte Flechten oder Gräser. In der kalten Jahreszeit sind Steinböcke den ganzen Tag auf Futtersuche und geschäftigen sich mit scharren und bevorzugen sonnige Felsvorsprünge die ihnen freien Umschau gewähren.

STIMME: Die Stimme des Steinbocks ähnelt dem Pfeifen der Gemse, ist aber gedehnter. Erschreckt, läßt er ein kurzes Niesen, erzürnt, ein geräuschvolles Blasen durch die Nasenlöcher vernehmen; in der Jugend meckert er.

Jagd: Nicht nur die Berg-, sondern auch die meisten “Flachlandjäger” sind an Gams- und Steinwild überaus interessiert, da es wohl der Traum eines jeden Weidmannes ist, zumindest einmal diesem Gebirgswild nachzustellen. Steinwild wird heute aus rationalen Überlegungen mit Sonderbewilligungen und mehreren Auflagen bejagt. Das war vor einigen Jahrzehnten noch nicht der Fall. So schrieb Bergmüller 1912 in seinem Buch „Erfahrungen auf dem Gebiete der hohen Jagd”: „Es ist ganz überflüssig, über die Jagd auf den Steinbock ein Wort zu verlieren. Diese gehört bei uns leider der Vergangenheit an.” Heute wird es in manchen der stark anwachsenden Steinbock-Kolonien zur Notwendigkeit, mit Lebendfang oder Hegeabschüssen die Populationsdichte zu mindern, weil zu hohe Bestände für die Art Nachteile bringen. In überbevölkerten Kolonien verschlechtert sich durch die Äsungsknappheit und den steigenden sozialen Stress der körperliche Zustand der Steinböcke. Nach strengen Wintern steigt die Fallwildquote, und es treten verstärkt Erkrankungen wie Lungenentzündung, Parasitenbefall, Gamsblindheit und Räude auf. Darüber hinaus mindert sich die Fortpflanzungsleistung der Population, und einzelne Stücke weichen dem „Bevölkerungsdruck” aus und wandern in als Steinwildlebensräume wenig geeignete Gebiete ab.